4.

*William*

Nachdem ich wieder in unserem Revier war hörte ich Harry's Stimme in meinem Kopf, ihm ging es gut was ich auch daran bemerkte dass er mir hinter her bellte. Überglücklich rannte ich zurück, ich erwartete Ärger weil ich so lange weg war. Es war schon dunkel als ich das Auto erreichte, doch Tamara war seit Stunden nicht hier, ihr Geruch war schwach. Besorgt folgte ich ihrer Fährte nach Westen, nachdem ich ein Stück gelaufen war hörte ich wie sie anfing nach mir zu rufen. Es hörte sich nach einem Hilferuf an, ich rannte also los und folgte ihrem Ruf, als ich sie sehen konnte bremste ich erst. Sie hing in einem Netz von einem Baum, sie ist in eine Falle gelaufen. Einerseits fand ich es lustig, doch die Sorge war mehr, also rannte ich wieder los, sprang kräftig ab und zerbiss das Seil das sie hielt. Als sie auf dem Boden aufkam jaulte sie kurz auf. „Geht das nicht vorsichtiger!" sie knurrte mich an und sah ziemlich sauer aus. Indem sie den Kopf schief legte fragte sie wo ich so lange gewesen sei. Ich verwandelte mich zurück „Wir sollten zurück gehen." versuchte ich ihrer Frage auszuweichen und wollte an ihr vorbei gehen, doch sie stellte sich knurrend in meinen Weg. „Ich erzähl es dir na-" ich verstummte, weil ich etwas roch „Wir müssen hier weg, riechst du das? Der Jäger ist hier!" ich lief los und sie folgte mir, auf ihren vier Pfoten war sie schneller als ich und überholte mich schnell. Der Jäger war alleine und er war gut, denn er war nicht schneller sondern konnte verdammt gut zielen, was ich zu spüren bekam. Mich striff eine Kugel, ich stolperte da der Schmerz durch meinen ganzen Körper zog, ich hob die Kugel auf da sie direkt vor mir in griffweite lag. Genauso schnell wie ich fiel zog Tamara mich wieder auf und wir rannten weiter, ich steckte die Kugel in meine Tasche da sie an meiner aufgeschürften Hand brannte. Am Auto angekommen verwandelte Tamy sich zurück, wir stiegen ein, ich gab ihr die Schlüssel und sie fuhr sofort los. Als wir aus dem Wald draußen waren atmeten wir wieder etwas ruhiger „Er war alleine." stellte sie fest „Ja, ohne andere Gerüche das heißt er ist alleine, aber er ist verdammt gut." „Ja, ist er, geht's dir gut?" „Es brennt, war aber nur ein Streif-Schuss, also ja, mir geht es gut, wird heilen." „Okay, was hast du vorhin aufgehoben?" „Die Kugel, damit könnten wir vielleicht etwas herausfinden." „Sehr klug!" lobte sie mich. „Also jetzt wüsste ich gerne warum du mich so lange nicht gehört hast, wo zur Hölle warst du?" „Die Fährte hat mich aus unserem Revier geführt, aber ich hab nichts gefunden. Tut mir leid dass ich dich nicht gehört habe!" erklärte ich, dass ich das mit Harry's Geruch verschwieg fiel ihr nicht auf. „Wie bist du denn eigentlich da rein gekommen?" „Da gibt es was das nennt man Stolperdraht. Irgendjemand hat Werwolfblut auf den Boden getropft und mich so angelockt. Zum Glück war er noch nicht da." „Oder er war da und wusste dass ich auch im Wald war und hat gewartet bis ich komme, dann hätte er uns gleichzeitig erwischt." „Auch möglich, klären wir morgen endgültig. Ich schreib später Jack, solltest du auch machen. Ich hoffe du hast morgen was für unseren Boss, bevor dich auch Ethan nicht mehr davor retten kann gefeuert zu werden." sie grinste mich an und dann stiegen wir aus „Ich lauf das Stück noch nach Hause. Wir sehen uns morgen." sie warf mir die Schlüssel zu und ging. Ich rannte die Treppen hoch zu meiner Wohnung und ging rein, die Kugel aus meiner Jackentasche legte ich auf eine Kommode und hängte meine Jacke auf. Da meine Schulter höllisch brannte und es nicht besser wurde machte ich das Licht an und ging dann ins Badezimmer, ich stellte mich vor den zersplitterten Spiegel und sah mir die Wunde genauer an. Da ich meinen Augen erst nicht traute machte ich auch hier das Licht an und tatsächlich tropfte schwarzes Blut aus meiner Wunde. Da ich genau wusste was das bedeutete rief ich Ethan an, niemand aus meinem Rudel sollte es wissen also bat ich ihn um Hilfe. Er würde gleich hier sein, ich zog meinen Hoodie aus und verzog schmerzvoll mein Gesicht als der Stoff über meine Schulter strich.

„Wie konntest du dich bitte vergiften lassen?!" fragte Ethan aufgebracht als er meine Wohnung betrat, erst dann sah er mich an und musterte mich kurz, da ich noch immer kein Shirt anhatte. „Ich kann mir auch was anziehen wenn dich das ablenkt..." murmelte ich und wurde rot „Nein! Tut mir leid, tut sicher weh. Also wie hast du das hinbekommen?" wiederholte er seine Frage und zog ein Feuerzeug aus seiner Hosentasche. Während er das Eisenhut, das für uns Werwölfe totgiftig ist, aus meiner Wunde brannte erzählte ich ihm von der Suche nach den Jägern, doch auch ihm verschwieg ich Harry. Ich zuckte immer wieder zusammen, da das Feuer genau so schlimm brannte, wenn nicht dann schlimmer, doch dieser Schmerz war weder langanhaltend noch tötlich, also ist mir das Feuer lieber.

„Du hattest echt Glück dass du es so schnell bemerkt hast und dass es nur ein Streif-Schuss war. Hätte echt übel ausgehen können. Hast du Verbandszeug?" ich nickte und stand auf um es zu holen. Ethan verband meine Schulter also auch noch, wobei ich merkte dass er das gerne tat, da ich kein Shirt anhatte. „Du stehst aber nicht auf mich, oder Ethan?" fragte ich ihn woraufhin er geschockt aufschaute „Nein! Tut mir leid... ich steh nich auf dich, wir sind Freunde! Tut mir echt leid, ich muss einfach andauernd an Isaac denken und versinke in Gedanken und dann realisiere ich einfach nich was ich mache." stellte er ein wenig hektisch klar „Du magst also Isaac..." überlegte ich laut. „Naja, gestern Nacht hat sich so anders angefühlt... und er hat mich heute Morgen gebeten noch zu bleiben... also ehrlich gesagt ja, ich mag Isaac und würde ihn gerne wieder sehen..." „Er steht ja eigentlich auf Mädchen, aber bei mir gibt es ja auch eine Ausnahme, vielleicht mag er dich auch... ich werde mit ihm reden." versprach ich ihm. „Ich wollte heute noch an einer Warnung für alle anderen Gestaltenwandler arbeiten. Nun ja, versteckt als einfacher Bericht für die Zeitung deines Vaters, aber eben mit ein paar Anzeichen. Ich hatte vor morgen selbst zur Arbeit zu gehen und deinen Vater dazu überreden es zu veröffentlichen. Und daran sollte ich jetzt noch arbeiten, also..." „Kein Problem, ich bin morgen auch da. Dann geh ich jetzt, bis morgen." ich verabschiedete mich auch von ihm und er ging. Ich war wieder alleine und dachte sofort wieder an Harry. Ihm geht es gut und das machte mich glücklich. Gedankenverloren strich ich über meine schmerzende Schulter, der Schmerz erinnerte mich an Harry.

Wir betraten meine Wohnung, Harry brachte mich zur Couch und ich legte mich mit schmerzen hin „Du solltest duschen gehen..." überlegte er laut und musterte mich . „Vielleicht wäre baden besser, es ist ziemlich schmerzhaft zu stehen." er nickte nachdenklich. „Stimmt. Ich mach das, bleib du bloß liegen. Kann ich sonst noch was machen?" „Du kannst mit mir baden..." meinte ich frech grinsend und deutete darauf an das ich die Nacht wiederholen wollte, denn ich wollte es. „Wer weiß... soll ich dir jetzt noch irgendwas bringen oder so?" ich schüttelte den Kopf, er nickte und ging Richtung Badezimmer, drehte jedoch wieder um „Warm oder kalt?" „Du bist viel zu fürsorglich... aber wenn du schon frägst: warm" ich lächelte in glücklich an, er ist einfach fabelhaft. Ich sah ihm verträumt hinterher und dann kam mir eine Idee. Als er in die Küche ging und dort kurz nachdenklich stehen blieb, war das meine Chance. Ich schlich mit Schmerzen ins Badezimmer und machte einige Lichterketten an, dann ging ich zu ihm. „Nimm den Wein der im linken Regal steht." ich stand hinter ihm „Ich hab gesagt du sollst liegen bleiben." beschwerte er sich. „Ne, ich hab was ausprobiert was ich schon lange mal machen wollte, jetzt nimm den Wein und los." lächelte ich ihn amüsiert an, ich wusste genau so gut wie er dass er mir gegenüber machtlos war, also gingen wir ins Badezimmer und er staunte.

Dieser Abend war der erste zwischen uns der richtig romantisch war, das war mit eine meiner liebsten Erinnerungen zwischen uns. Mit Harry in meinen Gedanken setzte ich mich an meinen Laptop und fing an zu arbeiten, als ich um halb zehn damit fertig war, ging ich mitten in der Nacht noch duschen, stopfte die Federn zurück in mein Kissen und sorgte dafür dass keine mehr raus fallen könnte indem ich überall noch einen zweiten Bezug drüber machte und dann fiel ich komplett fertig in mein Bett. Ich wünschte mir dass Harry in meinen Armen liegen würde, ich wollte wieder neben ihm einschlafen, 'aber bis das möglich ist werde ich einfach von ihm träumen', dachte ich mir und schlief ein.

Aufgebracht öffnete ich meine Wohnung, trat ein und wartete bis Harry ebenfalls rein kam, ich schloss die Tür und drückte ihn dagegen. "Wenn ich sage dass du im Wagen bleiben sollst, dann bleibst du da auch!" knurrte ich ihn an, meine Augen glühten und ich sah die Angst in seinen Augen, er sah hilflos aus. Harry sah mir nur in die Augen und bekam kein Wort raus, was mir ein leichtes Schuldgefühl gab, meine Augen wurden normal und ich sah ihn an. "Wenn dir was passiert werden mich Jack und Felix umbringen! Ich bin für dich verantwortlich!" meinte ich nun etwas ruhiger, sein Blick schwiff kurz auf meine Lippen, er sah mich so verlangend an "Hörst du mir zu, Harry?!" er sah wieder in meine Augen, er sah so verlangend aus, als würde er um einen Kuss betteln. Ich sah kurz auf seine Lippen "Die Beiden-" ich unterbrach mich selbst "Ach scheiß drauf!" ich wusste nicht was in mich gefahren war, ich löste meinen Griff von seinen Armen und legte meine Hände an seine Wangen. Ich drückte meine Lippen auf seine, doch er erwiderte den Kuss nicht also löste ich mich fluchend von ihm und ging einen Schritt zurück "F*ck. Sorry." ich wollte weiter von ihm weggehen, mit einem „Nein!" zog er mich zurück und küsste mich, es fühlte sich an wie ein Feuerwerk.

Doch dann öffnete ich meine Augen und war zurück in der Gegenwart. Ich hatte direkt in der Sekunde als ich wusste dass ich wach war eine Entscheidung getroffen, ich werde heute schauen ob ich Harry sehen kann. Ich schrieb Jack dass ich heute Nachmittag nicht zum Rudeltreffen kommen konnte, weil ich was vorhatte, das niemand wissen sollte, aber dass es mir gut geht und ich heute sogar zur Arbeit gehen werde. Genau nachdem ich es abgeschickt hatte klopfte Tamy an meiner Wohnungstür, ich zog mich um und öffnete ihr. „Guten Morgen mein Lieber!" begrüßte sie mich motiviert „Hab gehört du kommst heute mit zur Arbeit?" trällerte sie irgendwie zu glücklich, ich nickte nur, sie hielt inne und schien etwas zu wittern. „Rieche ich da Blut? Hast du jemanden umgebracht?" lachte sie und sah mich fragend an während sie unser Frühstück auf den Tisch legte. „Ich hab niemanden umgebracht, ich wurde fast umgebracht. Die Kugel gestern war voller Eisenhut, er wollte mich nicht einfach erschießen, er wusste es würde heilen, deswegen hat er mich vergiftet. Ethan hat mir geholfen weil es eigentlich keiner von euch wissen sollte und jetzt weißt du es. Also lass uns frühstücken und dann zur Arbeit gehen." sie betrachtete mich leicht überfordert. „Was ist?" fragte ich unsicher „Ich hab nicht gewusst dass du so schnell reden kannst, lief da was mit Ethan?" „Was!?" fragte ich geschockt „Nein!!! Wir sind nur Freunde, der einzige Mann für den ich was fühle ist Harry, ansonsten läuft nichts mit Kerlen!" erklärte ich ihr hektisch, sie lachte daraufhin nur „War eigentlich nur ein Scherz, weil ich was von Ethan will, aber so wie du das sagst, klingt es als wäre er schwul..." sie schien enttäuscht „Ja das ist er... tut mir leid für dich Tamy..." „Kein Ding. Ich finde jemanden!" sie war so optimistisch bei allem, das war faszinierend! „So und jetzt zurück zum Thema! Warum bist du so glücklich und sprichst so schnell?" „Hab heute was vor! Und Nein du darfst nicht wissen was es ist." erklärte ich. „Hauptsache du bist vorsichtig, egal was es ist. Und wenn es was mit Harry zutun hat dann sei besonders vorsichtig!" ich nickte und dann frühstückten wir fertig. Als wir mit allem fertig waren und auch wieder aufgeräumt hatten, schnappte ich mir meine Sachen und wir gingen.

Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen betrat ich neben Tamara das Bürogebäude, mit dem Aufzug fuhren wir nach oben. Als die Aufzugtüren sich öffneten wurde ich teilweise verwundert und teilweise freudig gemustert. Da wir hier nur ein kleines Büro unserer weltweiten Zeitschrift hatten, kannte hier jeder jeden und es war vermutlich auch jedem aufgefallen dass ich länger nicht da war. Tamy ging zu ihrem Schreibtisch den sie eigentlich nur hatte weil sie oft hier arbeitet, ich habe keinen, da ich lieber Zuhause schreibe. Ich ging direkt weiter zum Büro meines Chefs, auf dem Weg lief ich an Ethan vorbei, begrüßte ihn lächelnd und sagte ihm dass er mal mit Tamy reden sollte. Er lief verwirrt weiter und ich ging zum Büro seines Vaters und klopfte dort. Er bat mich herein und ich schlüpfte durch die Tür und schloss sie hinter mir, ich spürte die aufsteigende Nervosität. Noch hatte Mr Blake mich nicht angesehen „Morgen Chef..." murmelte ich was ihn dazu brachte aufzuschauen. „William!" stellte er verwirrt und erfreut fest und lächelte „Schön dass du hier bist, dann muss ich dich doch nicht feuern." er zwinkerte, ich lachte kurz. „Ich kenne Ihren Sohn, Mr Blake..." begann ich das geplante Thema, er forderte mich mit seinem Blick dazu auf weiter zu sprechen. „Ich weiß was sie und ihre Familie sind." er legte seinen Kugelschreiber zur Seite „Ich wusste schon immer dass Ethan nicht das Zeug zum Alpha hat, vor allem da er es nicht verstecken kann. „Darum geht es jetzt nicht, ich möchte sie um etwas bitten. Bestimmt hat Ethan die Warnung schon an sie weiter gegeben." er nickte „Ich möchte mehrere Gestaltenwandler, auch außerhalb von Jack's Revier warnen, also wäre es von Vorteil wenn sie meinen Bericht veröffentlichen, sie können es sich ja mal durchlesen, ich wollte weiter arbeiten. Hab aber noch was Wichtiges vor, also bin ich nicht länger als eine Stunde hier, tut mir leid..." „Ist in Ordnung, ich schau es mir an und sage Tamara dann was sie dir ausrichten soll, gehen sie nur William." „Danke." und dann legte ich ihm meinen Bericht auf den Tisch.

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