.14.
Namjoon
Manchmal gibt es Dinge, die versteht man einfach nicht.
Die Informationen kommen am Gehirn an, werden aber nicht weiterverarbeitet und bleiben irgendwie wie festgefroren stecken.
Man realisiert es nicht.
Das ist, denke ich, besonders bei schlimmen Nachrichten so, die ganz plötzlich aus dem Nichts kommen.
So geht es mir gerade. Es fühlt sich fast so an, als hätte Jin mir lediglich gesagt, dass er die falsche Zahnpasta gekauft hat und die Alte einen besseren Geschmack hatte.
Irgendwie verstehe ich nicht, was er mir sagt. Krebs. Er hat Krebs, sagt er.
Und er wird verdammt nochmal sterben.
„Willst du sicher kein Stück von der Pizza?"
Jin ist still und sieht mich an, als hätte ich ihn gefragt, ob wir nicht lieber gemeinsam Selbstmord begehen wollen, als ihn an die Krankheit zu verlieren.
„Sicher nicht," antwortet er schließlich leise und ich nicke kurz, ehe ich die Pizza zurück in den Karton lege.
Auf einmal habe ich gar keinen Hunger mehr. Er fühle ich mich so, als müsse ich jeden Moment kotzen.
„Namjoon, da tut mir leid, dass ich dich verlassen habe." Jins Stimme ist belegt und er greift vorsichtig nach meiner Hand. Seine ist so viel zierlicher geworden.
„Aber ich wollte einfach nicht, dass du zusehen musst, wie ich sterbe."
Er wischt mir zärtlich über meine Wangen und erst jetzt realisiere ich, dass ich angefangen habe zu weinen.
Mein Freund stirbt.
Meine große Liebe stirbt.
Mein Ein und Alles stirbt.
Mein größtes Glück stirbt.
Ich schluchze auf und starre wie paralysiert an die Wand, vorbei an Jin, dem ich nicht in die Augen schauen kann. Mein Herz hängt an zu brennen.
„Warum b-bist du dann zurück gekommen?," frage ich mit heiserer Stimme und beiße mir auf die Unterlippe, die viel zu sehr bebt.
„Ich fand es unfair dir gegenüber. Naja, und meine Familie hat mich wohl auch darauf gebracht," gibt er leise zu. „Du hättest wahrscheinlich erst nach meinem Tod erfahren, warum ich gegangen bin."
Ein Wimmern verlässt meine Kehle und ich fühle mich wie ein geprügelter Hund. Irgendetwas schnürt mir die Luft ab und fängt an, etwas in meiner Brust langsam zu zerquetschen.
„U-Und gibt es keine Möglichkeit, dich zu retten?"
„Ich habe keinen passenden Knochenmarkspender gefunden, Namjoon."
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