.15.
Namjoon
Jeder Mensch hat Macken und Ängste. Einige fürchten sich vor Spinnen, andere vor der Dunkelheit und so gut wie jeder hat Angst, etwas oder jemanden zu verlieren, den man liebt.
Meine Angst hat mich schon mein Leben lang begleitet und mir jeden Arztbesuch erschwert.
Die Angst vor Spritzen.
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich nie Blutspenden war, alleine bei dem Gedanken daran könnte ich umkippen.
Und ich habe mich auch nie typisieren lassen - zu groß war meine Furcht davor, irgendwann wirklich der passende Knochenmarkspender zu sein.
Und die endgültige Knochenmarkspende ist ein so großer Eingriff, dass ich wohl lieber zwei Mal zum Blutabnehmen gegangen wäre.
Ich weiß, dass es unfassbar egoistisch ist, so zu denken. Mich einfach nur aufgrund meiner Angst nicht typisieren zu lassen und die Chance, ein anderes Leben zu retten, wegzuwerfen.
Aber ich konnte nie anders. Und gerade jetzt würde ich mich am allerliebsten dafür schlagen.
Jetzt, wo ich einen todkranken Jin im Arm halte, der es von meiner Wohnung nicht alleine ins Krankenhaus geschafft hat. Der nicht mehr zurück nach Hause darf, weil die Ärzte ihn beobachten wollen. Obwohl sowieso alles für ihn zu spät scheint.
Gerade jetzt wünsche ich mir, ich hätte mich typisieren lassen und wäre vielleicht der passende Spender für Jin gewesen.
„Worüber denkst du nach?"
Die Stimme meines Lebenssinns lässt mich zusammenzucken und ich sehe hinunter auf Jin, der mich aus müden Augen ansieht.
Er ist so schwach, kein Stück ist mehr von dem alten Jin übrig und es schmerzt mich, ihn so blass auf dem Krankenhausbett liegen zu sehen.
„Meinst du, ich könnte passen?" Ich Rutsche etwas näher an Jin heran, um ihn noch besser im Arm halten zu können. Die Ärzte haben uns verboten so nahe zu kommen, aber Jins Argument, dass er wenigstens neben mir sterben möchte, hat sie zurückzucken lassen.
Und mich hat es zum Weinen gebracht.
„Joonie, die Wahrscheinlichkeit ist so unfassbar gering. Und außerdem hast du doch solche Angst davor," flüstert er als Antwort und streckt seine Hand aus, um mir über die Wange zu streicheln.
Er ist kalt und seine Berührung fühlt sich nicht einmal mehr real an. Ich beiße mir auf die Lippen, als Jin seine Augen müde schließt.
Obwohl er weiß, dass er sterben wird und ich die minimale Chance habe, ihn zu retten, möchte er nicht, dass ich mich meiner Angst stellen muss.
„Das ist mir egal. Ich mache das für dich. Und selbst wenn ich nicht passe-" ich unterdrücke die aufsteigenden Tränen. „Kann ich vielleicht irgendwann mal jemanden anderes retten."
Jin lächelt sanft.
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