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Shelby

Meine Hände wurden vor lauter Aufregung und des freigesetzen Adrenalins immer kälter. Angespannt drückte ich sie erstmal an die raue Tapete hinter mir, weil ich sonst nicht sonderlich wusste, wo ich mit ihnen hinsollte.

Seine eine Hand hob nach wie vor mein Kinn an und befiehl mir damit, ihm direkt in die goldenen Augen zu schauen.

Unser Blickkontakt wurde immer intensiver.

Um so länger ich ihn ansah, um so mehr fühlte ich mich in dem funkelnden Gold verloren, gleichzeitig fiel mir das Atmen immer schwerer. Meine Sinne waren nun komplett benebelt, als hätte ich etwas getrunken und dann auch noch ziemlich viel, aber das war nichtmal passiert. Ich konnte keinen einzigen Gedanken fassen und war auf einer Weise darüber frustriert, auf der anderen machte es mir nichts aus, dass ich gerade nichts im Griff hatte.

Nur er verschaffte sich diese Kontrolle.

Die Wärme unter meinem Kinn ließ nach, denn er zog seine Hand zurück und stützte sich wieder, wie mit der anderen Hand, an der Wand hinter mir ab. Jedoch hieß das nicht, dass er jetzt vollständig Hautkontakt mied, im Gegenteil. Langsam beugte er seinen Kopf etwas herunter, um seine leicht raue Wange an meine zu legen.

Der wahnsinnig verführerische Duft nach ihm und die vorsichtigen Annäherungen verursachte wieder dieses unglaublich starke Kribbeln in meiner Magengegend.

Dieses Kribbeln, wenn man vor Gefühlen für jemanden fast umkommt.

Ich lehnte mit meinem Rücken immer noch an der Wand, allerdings nicht mehr ganz so fest daran gepresst wie noch vor ein paar Momenten.

Die weichen Haare berührten statt seiner Wange nun meine. Dafür spürte ich jetzt seine Lippen an meinem Hals, sie strichen beinahe zärtlich über meine Haut und begann sie wenig später auch noch zu küssen.

Alleine diese Sache verlangte komplette Selbstdisziplin von mir ab, weil ich immer wieder ein leises Seufzen unterdrücken musste.

Als er schließlich auch leicht über sie leckte und saugte, bewegten sich meine Hände automatisch hinweg über seine harte Brust, seinen Nacken hoch und fest krallte ich meine Finger in diese dicken dunkelbraunen Haare, die sich so seidig anfühlten.

Nun war er es, der scharf nach Luft schnappte.

"Shelby?"

Ich wollte ihn kräftig von mir wegstoßen, als ich Luison's besorgte Stimme hörte, doch er ging von selbst reflexartig zur Seite, wo er sich an die Wand anlehnte und sich einmal durch die Haare fuhr, wahrscheinlich, um seine Frisur zu richten.

Keine Sekunde später hätten wir uns voneinander lösen dürfen, denn Luison kam zügig um die Ecke des dunkelrotbelichteten Gangs. "Ach, da bist du ja", begann er, lief zu uns hin und griff nach meiner Hand. "Geht es dir gut?"

Es kostete mich viel nicht außer Atem zu klingen. "Ähm, ja. Mir... geht es gut. Bestens."

"Perfekt. Ich habe mir nämlich schon Sorgen gemacht." Bestimmend zog er mich von ihm weg, ohne einen letzten abscannenden Blick in seine Richtung zu werfen. "Wir werden dir jetzt einen Drink machen, besser gesagt macht Zissla dir einen und dann erzählst du mir, was dich so bedrückt. Du hast doch irgendetwas auf der Seele, stimmts?"

Ertappt nickte ich. "Ja... schon irgendwie. Bin mir da aber nicht sicher."

"Mhm."

Kurz, bevor wir gemeinsam um die Ecke gingen, schaute ich über meine Schulter zurück zu ihm. Und genau im gleichen Moment drehte er sein Gesicht, das er zum Boden gerichtet hatte, zu mir und guckte mich auch wieder an.

Das zwischen uns war kaum auszuhalten, erst recht nicht nachdem, was vorgefallen war und dass er gerissen einen Mundwinkel anhob, machte es auch nicht besser.

Oha.

Die nächste Stunde verbrachte ich natürlich mit Luison, der zum Glück aufeinmal so viel von sich selbst wieder zu erzählen hatte, dass ich gar nicht erst zum Zuge kam und ich unendlich froh darüber war. So genau hätte ich mein Problem nun auch nicht beschreiben können, wenn man Sharret wirklich als Problem bezeichnen konnte. Zusätzlich pumpte das Adrenalin von vorhin immer noch in meinem Körper und machte mich ganz hibbelig. Demzufolge hörte ich Luison nur mit einem halben Ohr, mehr war ich darauf konzentriert, unauffällig den Club wieder nach diesen rätselhaften Typ abzusuchen.

Nirgends war er mehr zu sehen.

Ich gab schon fast meine Hoffnung auf, dass ich ihn überhaupt wiedersehen werde und seinen Namen kennelernen konnte, als ich ihn mitten aus der tanzenden Menge, die ihm augenblicklich mit viel Platz durchließ, herausgehen sah und er dann direkt auf uns zusteuerte.

Luison bemerkte, dass ich ihm nicht mehr meine Aufmerksamkeit schenkte und blickte ihn schließlich stirnrunzelnd an, als er vor uns stehenblieb. Sofort verlor Luison an Selbstsicherheit und nervös fing er an einem Strohhalm herumzuspielen an.

Und wiederholt stellte ich mir wieder diese eine Frage.

Wer war dieser Typ nur, dass er jeden die Fassung so stahl?

"Casper Gravis ist da und wartet auf dich", informierte er Luison monoton.

"Wo?"

"Im Empfangsbereich."

Luison nickte und wollte aufstehen, bis er mich nochmal anguckte und innehielt. "Sorry, Shelby. Das dauert wahrscheinlich länger. Sehen wir uns diese Woche nochmal?"

"Bestimmt", antwortete ich sicher.

"Gut." Warnend, dennoch unterwürfig linste er zu dem mir unbekannten Typen, der noch immer bei mir stand. Es schien so, als wollte Luison noch etwas sagen, aber als er arrogant eine Augenbraue anhob, machte Luison mit einem verbissenen Gesichtsausdruck kehrt und schritt zügig zum Ausgang.

Ich schielte zu ihm herüber. Ich wollte, dass er blieb und trotzdem hätte ich gerne, dass er ging. Seine Ausstrahlung war verdammt anstrengend und die vielen Blicke der anderen Leute, die argwöhnisch hin und wieder auf uns ruhten, beunruhigten mich immer mehr.

"Eine Cola bitte."

Überrascht über seine Bestellung zuckten meine Augenbrauen in die Höhe, während er sich lässig auf den Barhocker, auf dem Luison vorher saß, setzte.

"Jetzt sag' nicht, dass du kein Alkohol trinkst", rutschte es mir verblüfft heraus.

Lächelnd verlagerte er seinen Körper auf dem Stuhl so, dass seine Knie an meine lehnten. Was das in mir auslöste, kommentierte er nur wieder mit einem dunklen Funkeln in den Augen. "Und wenn es so wäre? Was dann?"

Darauf hatte ich jetzt keine Antwort.

Er lachte leise.

Ein warmer Schauer lief mir über den Rücken und widerwillig verformten sich meine Lippen auch zu einem Lächeln. "Das wäre natürlich nicht schlimm", versicherte ich ihm schnell.

"Klar, ein paar Shots gehen zwischendurch auch mal, aber ich bevorzuge das Rauchen", erklärte er mir schulterzuckend, nachdem er einen Schluck von seiner Cola, die ihm gerade hingestellt wurde, nahm.

Das, was wir uns vorhin geleistet hatten, ruhte immer noch schwer auf mir und ich war selbst sauer auf mich, dass ich ihn so nah an mich herangelassen hatte. Aber wenn ich ihn jetzt so weiter betrachtete, würde ich ihn beim nächsten Mal auch nicht widerstehen können.

Das machte mir Angst.

"Okay... Ein Raucher also." Ich nippte an meinem Strohhalm, dabei registrierte ich, wie der Barkeeper bei einem Glas, dass er abtrocknete, den Typ vor mir feindselig anvisierte.

Was war hier nur los?

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