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Shelby
Augen, die so viele goldene Sprenkel in der Iris hatten wie ich es vorher noch nie gesehen hatte, schauten mich mit direktem unverhohlenen Interesse an, dass mir der Atem stockte.
Erschrocken öffnete ich meinen Mund, um etwas zu sagen. Aber kein einziger Ton kam mir über die Lippen, zu sehr war ich von ihm gelähmt. So sehr übte diese einnehmende Aura, die er ausstrahlte, Kontrolle auf mich aus.
Es war, als hätte er die volle Macht über mich.
Meine Kehle wurde von Sekunde zu Sekunde trockener, meine Finger krallte ich immer mehr in den schwarzen weichen Stoff meines Hoodies, während ich ihn unaufhörlich anschaute.
Den Kopf, den er etwas zur Seite neigte, verleiteten seine dunkelbraunen Haare dazu, auch etwas mehr zur Seite zu fallen, besonders die etwas längeren Strähnen fielen in diese Richtung und kitzelten vermutlich die Haut an seinen ausgeprägten Wangenknochen. Er hatte Augenbrauen, die ziemlich geschwungen und eher nicht so verbreitet von der Form war - ihm aber außerordentlich gut standen und etwas Verwegenes und Arrogantes gaben. Seine Gesichtszüge waren kantig, maskulin eben, nur nicht so wie bei Lusion ständig angespannt, sondern völlig gelockert.
Als würde er sich gerade total in Sicherheit wiegen und sich vollkommen entspannen können.
Meine Augen blieben eine Weile an seinen vollen Lippen hängen und bei dem Gedanke daran, wie weich sie aussahen, rollten heiße Schauer meinen Rücken herunter.
Hastig schnappte ich nach Luft.
Fieberhaft scannte ich ihn weiter ab, seinen Hals entlang herunter zu seiner Brust. Sein schwarzes Shirt verriet, welche definierten Muskeln sich darunter befanden und wie trainiert er anscheinend war.
Ich schluckte.
Während ich mit meinem Kreislauf, meinen wirren Gedanken und den ganzen Emotionen zu kämpfen hatte, die mich nur so überschwemmten, blieb er relativ gelassen.
Sein Brustkorb hob und senkte sich in regelmäßigen Abständen, sein Gesicht behielt immer noch die ausdruckslose Miene bei und er saß nach wie vor gelassen und selbstsicher im Sessel. Die einzigen Details, die zeigten, dass er doch etwas von mir eingenommen war, waren seine Augen, die immer noch vor Neugierde strahlten, und seine Zigarrette in der linken Hand, die ungeraucht immer kleiner wurde.
Endlich jedoch ging dieser Moment, der sich fast zeitlupenartig hingezogen hatte, zwischen uns vorbei und er registrierte auch wieder seine Zigarrette in der Hand, von der er einen letzten tiefen Zug nahm, den Blick immer noch fest auf mich gerichtet.
Luison stand aufeinmal neben mir. Er musste wohl aufgestanden sein, als ich diesen Unbekannten wie eine Verrückte angestarrt hatte.
"Wer bist du?", hörte ich mich ihn entgeistert fragen, immer noch war ich wie in einer Blase gefangen und nahm alles dumpf wahr. Außer ihn.
Er atmete den Rauch aus und wollte gerade antworten, doch Luison kam ihm zuvor.
"Das ist nicht so wichtig", sagte er schnell. Etwas unterwürfig sah er kurz zu dem Unbekannten.
Luison und unterwürfig?
Das passte nicht.
Irritiert runzelte ich die Stirn von seinem unerklärbaren Verhalten und beobachtete, wie der Typ mit den fast goldenen Augen vor mir schweigend seine Lippen zu einem belustigten Grinsen verzog, dabei machte er die Zigarrette auf dem Tisch neben sich im Aschenbecher aus.
Ich fragte nicht nach, warum Luison mir nicht verraten wollte, wer er war. Sein warnender Blick, den er mir schenkte, sagte mir so Einiges.
Vorallem, dass man, wenn er mich unwissend lassen wollte, Gründe hatte.
Meistens gefährliche.
Verstohlen linste ich nochmals zu ihm.
Wer war er und was hatte er gemacht, dass Garry, Jaic und selbst Luison, den so gut wie nichts aus der Bahn bringen konnte, so einen Respekt vor ihm hatten und so verdammt unsicher waren?
Er schaute ebenfalls wieder zu mir, allerdings nicht so verstohlen wie ich.
Seine Augen wanderten total offentsichtlich meinen Körper von oben bis unten ab.
Und ich reagierte mit einer gewaltigen Gänsehaut und innerlichen Betteln darauf, dass er mich weiter so ansehen sollte, was für meinen Verstand komplett krank war.
Es war, als wäre eine gewaltige Anziehungskraft zwischen uns, aus der es kein Enkommen gab und der man sich nicht widersetzen konnte.
Mein Herz hämmerte mir gegen meinen Brustkorb, das Blut rauschte mir laut in den Ohren und ließen die gesamte, eigentlich laute Geräuschekulisse um mich herum verstummen, weil ich mich so taub fühlte.
Ich war nur auf ihn und seine funkelnden Augen fokussiert.
Wo zum Henker kam dieser Typ plötzlich her?
"L-Luison", fing ich stotternd an und versuchte mich von ihm loszureißen, um stattdessen in das besorgte Grau von meinem langjährigen besten Freund zu blicken. "Ich gehe mal kurz zu Toilette. Bin gleich wieder da." Und damit rannte ich beinahe vor allen vier weg, besonders vor ihm.
Ganz genau konnte ich mich an meinen Weg durch die tanzenden Menschenmengen nicht mehr erinnern. Mein volles Bewusstsein kam erst zurück, als ich mir kaltes Wasser über meine Handgelenke laufen ließ und sich meine geröteten Wangen in einem der großen Spiegel über den zahlreichen Waschbecken widerspiegelten.
Oh mein Gott.
Oh mein Gott.
Ich stützte mich schweratmend auf das weiße Porzellan ab und versuchte mich wieder in den Griff zu bekommen.
Es gelang mir nicht.
Ganz und gar nicht.
Nur konnte ich mich jetzt nicht die ganze Zeit auf der Toilette verstecken, weil mich ausnahmsweise wirklich ein Typ auf den ersten Blick umhaute. Dann hätte ich gleich Zuhause bleiben sollen. Ich bin mit dem Ziel hierher gekommen, um Ablenkung zu finden und die hatte ich eindeutig gefunden.
Nur war mir das ein Tick zu waghalsig und zu anders, als ich mir eine Ablenkung vorgestellt hatte.
Eigentlich wollte ich doch nur mit Luison und seinen Freunden reden und einen kleinen Cocktail trinken, um so in zwei Stunden wieder nach Hause zu gehen.
Ich drehte den Wasserhahn zu, hielt meine Hände unter den Trockener und lauschte auf das dröhnende Geräusch der Maschine. Leider wurden meine Hände viel zu schnell trocken, sodass ich gezwungen war, die Tür zu den Toilettenräumen wieder zu öffnen und heraus in den warmen beleuchteten kurzen Gang zu treten, der am Ende wieder durch einen Rechtsbogen in den Hauptraum des Clubs führte. Und hinter mir würde der Gang mit einer Treppe zu den ersten Gästezimmern eine Etage über mir führen.
Unwirkürlich hatte ich mich in die Richtung gedreht und merkte zu spät, dass ich nicht mehr alleine hier stand.
"Geht es dir gut?"
Hastig fuhr ich herum und erblickte ihn knapp einen Meter von mir entfernt die Hände in den Hosentaschen vergrabend und mit noch immer der gleichen selbstbewussten Ausstrahlung im Gepäck.
"Ähm", machte ich überfordert und trat noch einen Schritt zurück. "Mir... mir geht es gut. Wirklich."
Überraschenderweise nickte er und schien meine Antwort zu akzeptieren.
Luison, Jaic, Garry, Daniel, Reece und noch alle anderen mir nahestehenden Personen hätten solange nachgebohrt mit ihren Fragen, bis sie mit einer ehrlichen Antwort von mir zufrieden wären.
Doch er verlangte das nicht vor mir ab.
Weil es mich noch immer interessierte und ich langsam seinen Namen wissen wollte, auch wenn ich ihn wahrscheinlich nach dem heutigen Abend nie wieder sehen werde, widerholte ich meine Frage von vorhin nochmal. "Wer bist du?"
Er lächelte wieder, was ihn überraschend unwiderstehlich machte. "Du hast doch gehört", erwiderte er mit seiner tiefen Stimme, die einen leichten britischen Akzent aufwies. "Das ist nicht so wichtig."
Ich strich mir eine Haarsträhne zurück und holte hörbar wiederholt Luft. "Ich finde das aber schon..." Ich wurde zum Ende des Satzes immer langsamer und leiser, weil er nun zu mir gelaufen kam.
Eine kalte Wand drückte sich in meinen Rücken, ich war wohl unbewusst vor ihm zurückgewichen.
Der Duft nach einem angenehmen Aftershave schwebte mir entgegen, als er nun ganz dicht vor mir anhielt, eine Hand aus seiner Hosentasche nahm und diese direkt neben meinem Kopf abstützte, die andere strich an meinem Hals lang und umschloss sanft mein Kinn.
"Shelby", sprach er leise meinen Namen, die nächsten brennenden Schauer überliefen mich.
Anstatt Panik zu bekommen und wegrennen zu wollen, weil mir jemand Fremdes so nah kam, fühlte ich das Gegenteil.

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