Chapter 2
"Ich weiß, dass wir nicht ins Kino gehen", waren meine ersten Worte, als ich neben ihn saß. Ich hatte mich nicht angeschnallt. Vielleicht sah er das als Zeichen des Vertrauens, aber ich hatte es nur nicht getan, weil er es auch nicht hatte. "Kluges Köpfchen", murmelte er anerkennend. Er wusste schon längst, dass ich es wusste. Und das hatte er bestimmt nicht erraten, das war offensichtlich, so wie ich davon gerannt war. Während er fuhr versuchte ich mir die nächtlichen Straßen einzuprägen, um mir zu merken wohin wir fuhren, aber auch einen Vorwand zu haben, um ihn näher zu betrachten. Er hatte einen Dreitagebart, einen kräftigen Kiefer und dunkle Augenbrauen. Eigentlich war generell alles an ihm dunkel. Die Augen, die Haare, das blaue Shirt, die Jeans. Und seine Aura, die war auch dunkel. Vielleicht hatte er sich deswegen auch einen dunklen Van ausgesucht. "Und wohin fahren wir dann?" Ich bekam keine Antwort, nur einen kurzen Blick, und der genügte mir, um lieber den Mund zu halten. Langsam begann ich zu realisieren wo ich gerade eingestiegen war. Und hatte ich sein Gesicht nicht schon einmal gesehen? Ich gab ja zu, Gesichter merken war nicht gerade meine Stärke, aber der Mann dort neben mir am Steuer? Kannte ich den nicht? Als das Auto endlich hielt war ich beinahe eingeschlafen. Oder tat zumindest so. Damit hoffte ich, dass er mich nur als einen naiven Jugendlichen sehen würde und mich gehen ließ, was auch immer sein eigentlicher Plan war. Und das zeigte doch auch Vertrauen. Wenn ich wirklich Angst vor ihm hätte, wäre ich nicht fast eingeschlafen neben ihm in seinem Auto. Es gehörte einfach zu meinem Plan. Aber der Plan war noch nicht fertig, nur noch in der Entstehungsphase um ehrlich zu sein. Ja gut... ich hatte keinen Plan. Das hier war nur der Vorbote eines Plans. Ein Plan, der noch in meinem Gehirn schlummerte und nicht aufwachen wollte, obwohl er das ganz dringend musste. Aber in mir fühlte sich alles ein bisschen wie Blei an. Mein ganzer Körper um ehrlich zu sein. Lag vielleicht daran, dass ich schon viel zu lange am Stück wach gewesen war. Der Mann stieg aus und ich tat so, als wäre ich durch das plötzliche Fehlen des brummenden Motors erwacht. "Wo sind wir?", fragte ich, als er mir die Tür öffnete. Eigentlich rechnete ich gar nicht mit einer Antwort; welcher Entführer sagte, wo er sein Opfer hingebracht hatte, aber er reagierte auf meine Frage. "Eigentlich hatte ich ein Hotelzimmer gebucht, aber wir sind jetzt bei meinem Versteck." Ich war überrascht. Wusste jetzt gar nicht mehr was ich denken sollte. War das hier überhaupt eine Entführung? Aber wer redete bei seinem Haus von seinem "Versteck"? Und wie er mich zwischen der geöffneten Auto Tür und der Seite des Autos einkesselte, zeigte auch schon, dass er verhindern wollte, dass ich davon rannte. So wie vorhin. Und er war mir dabei unangenehm nah. Den Weg den wir gefahren waren hatte ich nicht erkannt und ich erkannte auch nichts an der einsamen Gegend hier. Aber an dem Mann. Jetzt, wo er so nah vor mir war, konnte ich sein Gesicht genau erkennen und ich musste schlucken. Das war der Kerl aus dem Fernsehen. Raynard Waits, der Serienkiller.
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