Chapter 1
Es fing alles damit an, dass ein Auto neben mir hielt. Oder besser gesagt; ein kleiner Van. Der Mann am Steuer beugte sich zum geöffneten Beifahrer Fenster hinüber, ich hielt an und sah zu ihm. Er wollte etwas von mir, aber ich hatte ein Gespür dafür, ob das mit guten oder schlechten Absichten war. Er hatte keine Guten. Ich hätte abhauen sollen, rennen, aber ich rührte mich nicht, sah ihn nur abwartend an. Etwas an ihn faszinierte mich. Ob es seine braunen Augen waren, sein kantiges Kinn, oder vielleicht doch die verstrubbelten, schwarzen Haare; irgendwas war da, was mich davon abhielt zu rennen. Und das war schlecht. "Hey, willst du ins Kino?" Eine scheinbar harmlose Frage, die sich in meinen Ohren aber gar nicht harmlos anhörte. Ein erwachsener Mann fragt einen 17-jährigen, den er noch nie zuvor gesehen hat, von seinem Auto heraus, ob der mit ihm ins Kino wollte? Gar nicht gut. "Steig ein", lächelte er. Hatte ich genickt? Ich glaube nicht. Ohne etwas zu sagen lief ich weiter, erst langsam, dann immer schneller. Ich wollte nicht bei einem Fremden in sein Auto steigen um scheinbar ins Kino zu gehen, obwohl ich ganz genau wusste, dass dem nicht so war. Die Reifen des Vans quietschten hinter mir und ich fing jetzt endgültig an zu rennen. Es war Nacht, stockdunkel und ich war allein, hatte nur meine Jacke und meinen Rucksack. Wo ich gewesen war? Ihr hättet wohl gerne, dass ich das erzähle. Aber das geht niemanden etwas an. Die einzige Chance die mir blieb, war, in die Gasse zu rennen, die rechts von mir mit ihrem schwarzen Schlund nach mir zu greifen schien. Ich kannte diese Stadt, diese Gasse, und ich wusste, dass sie ein Ende hatte. Ein hohe Mauer. Trotzdem lief ich hinein. Wusste ich, dass er mir folgen würde? Nein, ich wusste es nicht. Ich hatte es erraten. Er wusste auch, dass diese Gasse ein Ende hatte. Dass ich meinen Tod unterschrieben hatte. Ich wusste, dass er es wusste, weil ich das Geräusch seines Vans hörte. Und dass der stehen blieb. Ich drehte mich um und lief zurück. Hatte ich eine andere Wahl gehabt? Im Nachhinein gesehen hätte ich es, ja. Aber das wäre dumm gewesen, dann würde ich jetzt nicht meine Geschichte erzählen können. Meine Schritte waren nicht zögernd, ich hatte auch keine Angst. Ich wusste ganz genau was ich tat. Konnte man seine nächsten Schritte voraussehen, war man nicht aufgeschmissen. Ich hatte diese Gabe. Diese Gabe, die man auch "kühlen Kopf" nannte. Die Tür ging mit einem Klicken auf und ich stieg ein. Ein Blick in seine braunen Augen sagte mir, dass sich mein Leben ab jetzt ändern würde. Aber ob zum Positiven oder Negativen konnte ich noch nicht feststellen.
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