○79○

Jungkook Pov

Fassungslos über meine eigene Tat lasse ich die Waffe fallen und beobachte mit großen Augen wie Mr. Kang erstarrt und dann zur Seite auf die nasse Straße fällt.

Vollkommen regungslos bleibt er liegen, das Blut fließt unaufhörlich aus seiner Wunde, einzig die abgehackten Atemzüge sind zu hören.

Die Nacht so wie sie ist, erscheint mir plötzlich noch dunkler und obwohl die Sterne selten so hell den Himmel von Seoul beleuchtet und der Mond in seiner vollen Pracht erschienen ist, können selbst sie nicht von dem ablenken was hier unten passiert ist.

Kraftlos falle ich auf meine Knien und sehe meine zitternden Hände an, die eben noch die Waffe gehalten haben welche jetzt so vollkommen nichtsnutzig auf der Straße liegt.

"Jungkook", sagt Taehyung mit kraziger Stimme, schafft es aber trotzdem irgendwie sanft zu klingen. Seine Brust hebt und senkt sich während er seine Lunge wieder mit Luft füllt.

Ich öffne den Mund um ihm zu fragen ob alles in Ordnung mit ihm ist, aber meine Lippen bewegen sich nur stumm, kein Wort verlässt sie.

Obwohl mir nichts wichtiger ist, als das Wohlergehen von Taehyung, zwingt mich mein Gewissen den Kopf wieder nach links zu drehen und Mr. Kang anzusehen.

Ich brauche keinen Maßstab um zu wissen, dass er sich keinen Zentimeter bewegt hat. Einzig und alleine sein Blut fließt und die Pfütze unter seinem Körper wird größer.

"Sieh nicht hin."

Zwei starke Arme legen sich um mich und ich werde an eine bebende Brust gepresst als die Tränen nur so meine Augen verlassen.

Ich schluchze nicht.

Ich gebe keinen Ton von mir.

Ich fühle nicht einmal was bei dem Anblick von diesem Kerl.

Mein Gesicht an Taehyungs Brust vergraben, kralle ich mich jetzt auch an seinem Pullover fest und lasse allen Tränen freien Lauf.

Für mich besteht kein Zweifel daran, dass selbst der Taxifahrer, welcher Meterweit von uns entfernt wahrscheinlich angsterfüllt in seinem Wagen sitzt, mich hört.

Ich kralle mich so fest in seinen Pullover, dass meine Finger schmerzen und egal wie fest er mich in den Arm nimmt, es reicht nicht.

"Jungkook, beruhige dich", flüstert er mir ins Ohr und streicht sanft über mein Haar während er mich beruhigend auf und ab wiegt wie ein Kind.

Aber ich kann mich nicht beruhigen. Nicht wenn neben uns eine Leiche liegt. Wegen mir.

"I-ich habe ihn u-umgebracht...", schluchze ich und vergrabe mein Gesicht noch tiefer an seiner Brust. "Ich habe einen Menschen umgebracht."

"Jungkook, sieh mich an", höre ich ihn sagen, aber ich schüttle den Kopf. Ich möchte nicht, dass er mich so sieht, aber er packt mich an den Oberarmen und drückt mich nach hinten, sodass ich meinen Kopf nicht länger an seiner Brust betten kann.

Ich spüre seinen Blick auf mir, sein Augenpaar wie zwei Kamera Linsen auf mich gerichtet, aber ich wage es nicht ihn anzusehen.

"Wir wissen nicht, ob er tot ist. Ich sehe ganz deutlich, wie sich seine Brust hebt und senkt, er atmet noch. Du bist kein Mörder. Du hast das getan, weil du keine andere Möglichkeit gesehen hast. Gib dir bitte nicht die Schuld daran."

Er legt seine Hand auf meine Wange und streicht sanft mit dem Daumen darüber, aber ich schüttle den Kopf und traue mich endlich doch ihm in die Augen zu sehen, in die Augen die mich mit so viel Wärme so tröstend betrachten.

"Du verstehst das nicht, Taehyung", sage ich zwischen all den Tränen und schmecke ihren salzigen Geschmack auf meiner Zunge.

"Ich weine nicht, weil ich mir selber die Schuld gebe. Ich weine, weil ich mich für den Gedanken verabscheue, dass es mir egal wäre, selbst wenn er hier verderben würde. Ich bin ein schrecklicher Mensch, weil ich mich dabei erwische wie ich denke, dass er diesen dreckigen Tod verdient hat."

Mein schluchzen wird noch lauter und ich sehe Taehyung vor lauter Tränen nicht mehr. Es ist schrecklich solche Gedanken zu haben, aber es ist noch schrecklicher sie vor jemandem, den man abgöttisch liebt laut auszusprechen, weil ich mir sicher bin, dass er mich dafür verachten wird.

Ich fühle mich, als hätte ich diesen Tod damals auf dem Fabrikgelände verdient. Damals hätte ich sterben sollen, denn gerade jetzt fühle ich mich wie einer der schlimmsten Männer der Welt und ich wäre lieber gestorben als mich so zu fühlen.

Die Sterne und der volle Mond Lächeln auf mich hinunter als würden auch sie mich trösten wollen, aber selbst dieser wunderschöne Anblick kann mich nicht von dem Geschehen ablenken.

Neben dem glänzen dieser Sterne auf den nassen Straßen, kommen jetzt auch bunte Lichter dazu. Rot und Blau mischen sich unter das unschuldige weiß und lassen mich noch einmal hoch sehen.

Taehyung sieht mich immer noch an. Er sieht mich so intensiv an, dass ich beinahe glaube er könnte in mein tiefstes inneres blicken.

Die näher kommenden Sirenen werden immer lauter, aber keiner von uns beiden lässt sich von diesem störenden und schrillen Geräusch ablenken.

Wir sind beide viel zu gefesselt im Blick des anderen und ich verstehe ihn, auch ohne Worte.

Die Art wie er mich ansieht, das reicht um mich zu beruhigen, um den Damm für die Tränen wieder zu erbauen und meine Gedanken, statt auf meine Tat wieder auf ihn zu lenken.

Nur nebenbei bekomme ich mit wie die Polizisten aus ihren Fahrzeugen springen und die Waffen zücken, denn alles wofür ich Augen habe, sind die Lippen von Tae, die meinen immer näher kommen.

Es ist nur ein Hauch, ein kleiner Kuss ohne Zunge und doch schenkt er mir mehr damit als es irgendeine Geste oder irgendwelche Worte von ihm zu tun  vermocht hätten.

Die Waffen auf uns gerichtet, treten die Männer in ihren Uniformen näher und umkreisen uns, sodass es keinen Weg zur Flucht für uns geben würde, selbst wenn wir das wollten.

Mit einem Lächeln kommt er den Aufforderungen der Polizei, die nur leise und im Hintergrund zu mir durchdringt auf, als er seine Hände über den Kopf hebt und sich mit dem Bauch auf den Boden legt.

Und auch ich kann nicht anders als Lächeln, während ich es ihm gleich tue, denn obwohl wir diejenigen sind, die in dem Moment verdächtig erscheinen und denen gerade grob Handschellen angelegt werden, wissen wir, dass die Beweise eine andere Sprache sprechen.

Wir wissen beide, dass das hier das letzte mal sein wird, das wir uns fürchten müssen.
















Also vorgestern und gestern waren Unitage bei uns und eines ist sicher, Mathematik werde ich nicht studieren, da ich euch wieder mitteilen muss, dass es weder 79, noch 80, sondern sogar 81 Kapitel werden XD

Aber das ist dann die letzte Änderung, wirklich.

Es kommen also noch zwei Kapitel 😁

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