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Jungkook Pov

Er sieht kurz zur Seite, sein Blick bohrt sich in die grauen und kühlen Wände die diesen Ort so verlassen wirken lassen und als er mich ansieht, hängt sein Blick überall, nur nicht an meinen Augen.

"Du wusstest doch, das meine Eltern geschieden waren noch bevor ich überhaupt auf die Welt kam, nicht wahr? Mein Vater hat meine Mutter mit einem Riesen Berg Schulden sitzen lassen und statt sie zu bezahlen, hat meine Mutter diesen Berg nur noch vergrößert.
Es dauerte lange, bis ich merkte wie schlecht es um sie stand. Sie trank zu jeder Tageszeit und konnte ihre Finger nicht von den Zigaretten lassen und ich tat es als eine Maßnahme ab, mit der Erwachsene ihren Stress bewältigten. Wie ernst es tatsächlich um sie stand, merkte ich erst als sie ihren Wein zusammen mit ihren Schlaftabletten zu sich nahm und beinahe starb. Ich habe keine Ahnung ob es ein Unfall oder ihre Absicht war, aber ich weiß, das sie hätte tot sein können, ich wusste das ihr all das zusetzte und doch konnte ich nichts dagegen  unternehmen.
Mr. Kang wusste von dieser Situation und war für mich da. Anfangs hörte er mir nur zu, ließ mich meinen Frust abbauen und mich vergessen, das er eigentlich mein Lehrer war. Mit der Zeit wurde er eine Vaterfigur für mich, aber auch er konnte nichts gegen die Schulden unternehmen, bis er mir ein Angebot machte das ich schlecht ablehnen konnte.
Er sagte, das er jemanden an seiner Seite brauchte der so gut mit Computern umgehen kann wie ich, jemanden der ihn Anonym machte und die schützende Wand anderer Menschen durchbrach.
Ich wusste nicht was er damit meinte, bis er mir sagte, das es meine Chance wäre meiner Mutter zu helfen, sie aus dem Loch zu holen in das mein Vater sie geschubst hatte, auch wenn mir klar war das Mr. Kang nichts legales im Sinn hatte. Er wusste, ich war gut in dem was ich tat, immerhin hatte ich deswegen oft genug Probleme mit der Polizei gehabt."

Das stimmte. Seowon hat die Technik geliebt, noch bevor ich ihn kennenlernte. Wenn er seine Zeit nicht mit mir oder seinen wechselnden Freundinnen verbrachte, dann tat er es an seinem computer, den seine Mutter ihm gekauft hatte. Sie muss ihn trotz der Situation wirklich vergöttert haben, das habe ich nicht nur während meiner besuche bemerkt, sondern jetzt auch an der Tatsache das sie ihm einen Computer kauft, weil sie weiß das es etwas ist das er liebt und dabei ihre eigenen Probleme wie die Schulden ignoriert.

Aber das er so gut in dem ist was er tut wusste ich nicht. Er hatte ein paar mal ärger mit der Polizei, weil er sich in Computer von Firmen gehackt hatte, aber vielleicht steckte da noch mehr hinter.

"Zuerst waren wir mit mir zusammen nur fünf und wir kamen nur quälend langsam voran, aber unsere Gruppe wuchs desto erfolgreicher wir wurden. Wir suchten die Schwachstellen von erfolgreichen Leuten, etwas womit wir sie unter Druck setzen konnten und erpressten sie damit. Je öfter wir das machten, desto erfolgreicher wurden wir. Wir waren eine Gruppe von Betrügern und ich war stolz darauf, weil ich nicht das Gefühl hatte wir taten irgendetwas falsches
Wir verdienten so viel Geld, das die Schulden bald fast wie vergessen waren, aber ich hatte Blut geleckt und wenn man einmal an einem Bund Geld gerochen hat, dann riecht man nichts anderes mehr. Allerdings blieb es nicht nur bei der Art von Betrug.
Wir zogen Menschen in die Sache hinein, die nicht viel mehr hatten als wir, Kreditkartenbetrug und Computerbetrug standen dabei ganz oben.
Ich fühlte mich manchmal schlecht, aber ich dachte nicht daran das alles aufzugeben, weil ich in dieser Gruppe auch eine Familie gefunden habe. Jeder von uns hatte seine eigene Geschichte und war vom Leben gezeichnet und wir halfen uns alle gegenseitig. Das änderte sich allerdings im Jahr 2009.
Mr. Kang schlug etwas vor, was keiner von uns jemals zuvor getan hatte: Einen Überfall."

Ich wusste wovon er sprach, ich wusste welcher Teil der Geschichte jetzt folgen würde weil ich mich lange und intensiv genug damit auseinandergesetzt habe.

"Der Plan war simpel und niemand sollte verletzt werden. Ich hackte mich ins Sicherheitssystem und stellte die Kameras lahm, niemand rechnete damit das jemand sein Handy mit haben würde, immerhin waren diese auf der Feier eigentlich verboten."

"Niemand sollte verletzt werden?" Ich lache verächtlich und balle die Hände wütend zu Fäusten. Seowon schüttelt den Kopf und sieht mich mit großen Augen an, die Reue ist kaum zu übersehen. "Du hast sogar vorgehabt sie umzubringen!", schreie ich ihm ins Gesicht.

Langsam verwandelt sich der Ausdruck der Reue in Verwirrung und er runzelt die Stirn. Er sieht mich an, als wäre ich verrückt geworden. "Vorgehabt...? Wovon redest du?", fragt er.

"Von der Frau mit dem Handy!"

"Ich habe nicht vorgehabt sie umzubringen." Seine Stimme ist leise und unsicher, aber sie zittert nicht und auch sonst deutet nichts auf eine Lüge hin.

"Du hast die Waffe auf sie gerichtet, sie hat dein Tattoo beschrieben", sage ich und versuche ihm auf die Sprünge zu helfen, da er vollkommen verloren wirkt.

"Dieses Tattoo hat jeder von uns 16 an derselben Stelle. Ich habe die Waffe auch nicht auf sie gerichtet, ich habe den Mann aufgehalten der sie erschießen wollte und ich war derjenige der ihr das Handy aus der Hand nahm."

Langsam fügten sich die Puzzleteile zusammen und auch wenn ich noch nicht alles verstehe, ist da so einiges was für mich langsam Sinn ergibt.

Im ersten Moment erfüllt mich Erleichterung als mir klar wird, das er sie nicht töten wollte, sondern dass er ihr sogar das Leben gerettet hatte, bis ich mich daran erinnere was Jungsook damals sagte nachdem sie das Handy bei uns entdeckte.

Ich kann förmlich spüren wie mich meine jegliche Wärme verlässt als es mir bewusst wird und wie ich Seowon vollkommen Geistesabwesend ansehe. Nur schwer bringe ich meine Lippen dazu sich zu bewegen.

"Du...", fange ich an, bin allerdings nicht in der Lage weiter zu sprechen, aber er scheint bereits zu wissen was ich sagen möchte, denn er nickt und seine Augen füllen sich mit Tränen.

Wenn ich das laut ausspreche und er es bestätigt, werde ich nicht mehr in der Lage sein es zu leugnen, aber ich fürchte das ich es jetzt bereits nicht mehr bin, weil die Wahrheit so klar ist, wie die Tatsache das er vor mir steht.

Jungsook sagte, das der Mann der ihr das Handy aus der Hand gerissen und ihr das Leben rettete derselbe war der ihrem Mann seines nahm. Derselbe der Taehyungs Bruder getötet hat. 

Und Seowon war eben dieser Mann.

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