○64○
Jungkook Pov
Trotz des Versuches mein Zittern irgendwie zu unterdrücken, habe ich die Kontrolle über meinen Körper verloren.
Wie ein leerer Sack Mehl habe ich mir von ihm aufhelfen und ins Auto zerren lassen. Ich weiß das er es ist, auch wenn es schwer zu begreifen ist, bin ich mir seiner Identität trotz des Mundschutzes durchaus bewusst.
Ich habe vielleicht seine Stimme und sein Lachen vergessen, aber niemals könnte ich diese Augen vergessen, die mich jedes mal wie den besten Menschen der Welt angesehen haben wenn ich seinen Arsch davor gerettet habe von einem Familienmitglied der Mädchen verprügelt zu werden.
Das hier neben mir ist mein bester Freund und doch ist er es nicht.
Wir haben miteinander gesprochen, ich habe sogar auf ihn eingeprügelt und doch hatte ich all die Zeit keine Ahnung das er es ist. Er hatte so viele Möglichkeiten es mir zu sagen, aber er hätte es wahrscheinlich nie von selbst getan.
"Jungkook, wir sollten wirklich aussteigen."
Bereits seit zehn Minuten sind wir auf dem Fabrikgelände angekommen und um ehrlich zu sein habe ich keine Ahnung was ich sagen oder wie ich mich verhalten soll. Was soll man denn auch tun, wenn man erfährt das ein eigentlich toter Mensch gar nicht so tot ist wie man dachte? Dafür gibt es keine Weisheiten.
Ich merke nicht wie er aussteigt, bis er auf meine Seite kommt, die Tür öffnet und die angenehm warme Frühlingsluft hereinlässt. Das habe ich gebraucht, Luft, aber diese belebt meine Gehirnzellen, die mich nach all dem verlassen haben auch nicht wieder.
"Wie kann das sein?", frage ich leise und sehe ihm wieder in die schwarzen, glänzenden Augen, die von langen Wimpern umrahmt werden.
Den Mundschutz hat er mittlerweile runtergezogen, sodass ich sehen kann das kein Zweifel daran besteht das es sich um den Menschen der mir das alles eingebrockt hat um Seowon handelt.
"Was hast du getan?", frage ich ihn lauter und mit mehr Wut ihn der Stimme.
Er packt mich am Arm, sieht sich kurz um und zieht mich dann hinter sich her. Es ist tatsächlich so wie man es sich vorstellt, genau sowie man es in Filmen sieht, das innere der Fabrik ist grau und trostlos. Wäre ich alleine, dann wäre ich wahrscheinlich aufgrund der gruseligen Atmosphäre kreischend raus gerannt, aber mittlerweile weiß ich das es gefährlicheres gibt als dunkle Räume.
"Warum sind wir hier?", frage ich und reiße mich los.
In meinem inneren lodern die Gefühle und um ehrlich zu sein weiß ich nicht wie ich mich fühlen soll. Er lebt, aber da ist keinerlei Freude. Einerseits weil ich mich verraten gefühlt habe, weil er mir verschwiegen hat das er lebt, mich denken lassen hat ihm wäre etwas zugestoßen, aber er steht hier vor mir und macht nicht den Anschein als hätte er irgendwie gelitten.
Andererseits weil ich immer noch nicht weiß warum er das alles getan hat.
"Weil sich hier etwas befindet was wir wegbringen müssen."
"Wir?"
Seowon dreht sich zu mir um und sieht mich forschend an, dann stellt er sich vor mich und umklammert meine Oberarme.
"Ich kann das nicht alleine", sagt er verzweifelt und sieht mich mit großen Augen hilfesuchend an, aber ich schüttle nur den Kopf und sehe ihn Gefühlskalt an.
"Ich tue nichts mehr bevor du mir nicht sagst was hier los ist. Du... Du hast doch gesagt das du der Kerl ohne Nummer warst."
"Das war ich auch", sagt er und fährt sich verzweifelt mit der Hand durch die Haare nachdem er die Cap absetzt.
"Und wieso schreibst du mir das du umgebracht wurdest?", schreie ich wütend und verzweifelter als er. Ich verstehe nichts und um ehrlich zu sein habe ich Angst vor der Wahrheit, aber im Dunkeln gelassen zu werden macht mich noch irre.
"Ich wollte nicht das du denkst ich wäre tot, du hast die Nachricht falsch verstanden."
"Falsch verstanden?" Ich lache ungläubig. "Wie soll man eine solche Nachricht falsch verstehen?"
Seowon mustert mich von oben bis unten und reibt sich müde über die Augen. Er hat sich mit der Zeit wirklich verändert. Aus dem einst schlanken Jungen ist ein gut trainierter und kräftiger Mann geworden. Früher hätte man ihn als hübsch bezeichnet, aber jetzt ist er viel mehr attraktiv, so männlich.
"Möchtest du wirklich die Wahrheit wissen?", fragt er und sieht mich warnend an.
Das ist eine gute Frage und um ehrlich zu sein weiß ich nicht ob ich die wissen möchte, weil ich Angst habe sie würde alles verändern, aber ich muss sie wissen weil weder ich, noch Taehyung länger ohne sie leben können. Ich nicke.
"Das könnte dauern", sagt er als suche er noch einer Ausrede, aber ich schüttle den Kopf und sehe ihn mit einem Blick an, der ihm zeigt das er sich nicht mehr zurückziehen kann.
"Dann fang an."
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top