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Jungkook Pov
Mein Handy war bisher immer nur dazu da irgendwelche Dramen zu schauen oder Musik zu hören, da war kaum etwas anderes für das ich es gebraucht habe.
Es gibt nicht viele Menschen die meine Nummer besitzen, ich möchte zwischenmenschliche Beziehungen möglichst vermeiden, aber wenn man gezwungen ist die Schule zu besuchen und dann noch studieren möchte, dann fällt einem diese Aufgabe schwer.
Die Anzahl von Leuten in meinen Kontakten kann ich an zwei Händen abzählen und das ist mir bereits zu viel. Die schreiben ununterbrochen, erstellen mehrere Gruppen mit denselben Leuten und wundern sich wenn sie blockiert werden weil sie schon wieder spamen.
Wenn mich Leute angerufen haben, bin ich einfach nicht ran gegangen, Nachrichten wische ich weg und antworte meistens erst Tage später darauf. Ich bin also nicht wirklich auf Freundschaften oder ähnliches aus und doch ist es bei Taehyung anders.
Ohne das ich es bemerkt habe, war ich plötzlich jedes mal online wenn mein Handy vibriert hat und statt die Nachrichten wie gewohnt zu ignorieren habe ich immer sofort darauf geantwortet.
Selbst als ich zusammen geschlagen wurde war mein erster Gedanke nicht mein eigenes Leben oder meine Sicherheit, sondern Taehyung. Warum? Ich verstehe das nicht, er hat nichts außergewöhnliches gemacht, nichts gesagt was mein Leben verändert hat, er war einfach da.
Es ist bereits zwei Wochen her, seit ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. In der Schule hat sich das Gerücht verbreitet ich wäre einer Gang beigetreten die häufig in Schlägereien verwickelt ist.
Jimin hat noch versucht das ganze aufzuklären, aber wenn die Leute sich bereits etwas in den Kopf gesetzt haben ist es schwer sie vom Gegenteil zu überzeugen. Es interessiert mich sowieso nicht was sie von mir denken.
Zwischen Jimin und Yoongi ist es nach wie vor komisch. Letzterer versucht manchmal zwar Jimin in Gespräche zu verwickeln, aber der hat auf Stur geschaltet. Obwohl es mich wirklich interessiert was zwischen den beiden, die sich noch nie ernsthaft gestritten haben, vorgefallen ist, habe ich mit meinen eigenen Problemen zu kämpfen.
Zwei Wochen sind vergangen, zwei Wochen in denen es kein einziges Lebenszeichen von Taehyung gab. Es ist als hätte dieses Handy nie existiert und wenn ich seine Nummer nicht eingespeichert hätte, dann hätte ich mir vielleicht sogar selber eingeredet, dass all die Geschehnisse nur eingebildet waren, das ich tatsächlich von Betrunkenen zusammengeschlagen wurde.
Haben meine Worte ihn wirklich so sehr getroffen? Ich habe mir nichts dabei gedacht ihn einen Fremden zu nennen und ich dachte ihm macht es nichts aus, er kennt mich ja nicht, da sollten ihn meine Worte nicht so verletzen.
Immer wieder erwische ich mich dabei wie ich unseren Chat öffne und etwas schreibe um es ab zu schicken, aber auch schnell wieder lösche weil ich es mir anders überlege.
Ich bin ein Angsthase, daran Zweifel nicht einmal ich mehr. In meinem Leben durfte ich bisher nicht viel Erfahrung sammeln und darüber bin ich ehrlich gesagt auch echt froh.
Man sagt zwar, das man mit Erfahrungen wächst und das verletzt zu werden einen nur noch stärker macht, aber wenn mich meine Schwäche davor bewahrt Gefühle wie Enttäuschung zu verspüren, dann bleibe ich gerne mein Leben lang ein Angsthase.
Auch mit Mädchen hatte ich bisher nicht viel zu tun. Jimin, der gerne Feiern geht, schleppt gerne welche ab, aber nie für was ernsthaftes und natürlich hat er auch versucht mich zu verkuppeln, aber jedes Mal gab er mir danach die Schuld dran, das die Mädels ihn nie wieder angerufen haben.
Beziehungen sind für Leute die bereit sind ihre Zeit aufzuopfern, ich bin es nicht. Zeit ist wertvoll und ich nutze sie lieber um Sachen zu tun die mir Spaß machen, mir die Sorgen irgendeines Mädchens an zu hören gehört nicht dazu.
Erneut öffne ich unseren Chat und sehe mir die zwischen uns gesendeten Datein an. Eine ganze Weile lang starre ich einfach nur auf die Addresse seiner Uni. Ich war schon mal dort und hatte Glück das ich ihn nicht angetroffen habe.
Sekunden und Minuten vergehen in denen neben meinen Gedanken nur das ticken der Uhr zu hören ist.
Ich atme erschöpft aus und schnappe mir dann den Kapuzenpullover der auf meinem Schreibtischstuhl liegt. Schnell ziehe ich ihn über mein T-shirt, schnappe mir noch einen Mundschutz und stopfe die Wohnungschlüssel in die Taschen des Pullovers.
Einerseits erhoffe ich mir ihn nach all der Zeit zu sehen um mich zu versichern das es ihm gut geht, aber auf der anderen Seite habe ich Angst davor, denn wenn es im tatsächlich gut geht, dann heißt es vielleicht das er die Nase voll von mir hat und mir deswegen über zwei Wochen nicht mehr geschrieben hat.
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