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Insert, das
(Auch ‚Insert Shot' genannt)
Eine Einstellung, die „in eine andere Einstellung" eingeschnitten wird. Meist zeigt das Bild ein Objekt oder ein Handlungsdetail und lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf einen sehr engen visuellen Ausschnitt des Handlungsfeldes
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Kurz dachte ich der Postbote wäre an der Tür und er würde ein Paket für die Nachbarn abgeben, weshalb ich das Rührei für einen Moment Rührei sein ließ.
Als ich jedoch die Tür öffnete kam mir nichts Geringeres als ein Schwall Rosenparfum entgegen.
„Alles Gute, Baekhyun!"
Ehe ich es richtig realisieren konnte, fiel mir Sihyun um den Hals und vergrub ihre Nase in die Wolle meines Strickpullovers.
Eindeutig Rosenparfum.
Überstürzt umschloss ich ihre schmale Taille mit meinen Armen und hielt sie fest. Der Cordstoff ihres Mantels kratzte an meinen Unterarmen.
„Sihyun.", murmelte ich überrumpelt, während sich ein unglaubwürdiges Lächeln auf meine Lippen schlich.
Langsam lösten wir uns voneinander. Ihr Lächeln war strahlend als sie mir in die Augen blickte. In ihrem Blick konnte ich etwas wie Triumph ablesen.
Ein Triumph für die durchaus gelungene Überraschung.
Mein Lächeln weitete sich nur als ich Seohyun neben ihr entdeckte – in einem ordentlichen, dunkelblauen Mantel und natürlich noch ordentlicheren, gekämmten Haaren.
„Happy Birthday, Hyung.", grinste er. Er leuchtete nicht weniger als Sihyun es tat.
Sein linker Schneidezahn schien ausgefallen zu sein – endlich – schließlich hatte er mir schon vor einem Monat davon erzählt. Oder vielmehr hatte er sich bei mir beschwert.
„Seohyun!", rief ich aus und wuschelte ihm durch sein rabenschwarzes Haar. Ich glaube meine Überraschung stand mir ins Gesicht geschrieben.
„Ich hab' nicht erwartet, dass ihr kommt.", sagte ich wahrheitsgemäß und kratzte mich verlegen am Hinterkopf.
„Das war der Sinn der Sache!", triumphierte Seohyun, „Nachdem Noona vorgestern mit dir telefoniert hat und du meintest, dass du keine Pläne für deinen Geburtstag hättest, dachten wir, wir könnten dich überraschen!", seine Augen verloren sich fast in seinem Grinsen.
Das stimmte wohl.
Ich hätte es mir eigentlich denken können, dass Sihyun einen Plan ausklügeln würde, der das Ziel hatte, dass ich an meinem Geburtstag etwas tat.
Ihr waren Zelebrierungen letztendlich schon immer wichtiger gewesen als mir.
Auch wenn ich ehrlich zugeben musste, dass diese Idee fantastisch war.
Begeistert hob Seohyun einen weißen, quadratischen Karton hoch, den er scheinbar schon die ganze Zeit gehalten hatte.
Ich kannte diesen Karton nur zu gut.
„Wir haben sogar Kuchen mitgebracht!"
„Vorausgesetzt wir stören nicht.", räumte Sihyun ein. Ihr Lächeln war kleiner geworden – fast ein wenig vorsichtig. Trotzdem konnte ich sehen, dass sie die Hoffnung hatte, es würde nicht so sein.
Ich räusperte mich verlegen.
Tja.
Das war dann wohl die Sache mit Chanyeol.
„Ich habe Besuch.", stellte ich nüchtern klar.
Besuch, der gerade dabei war in meinem Badezimmer zu duschen, dem ich Frühstück angeboten hatte und dem ich gerade ein Rührei briet.
Besuch, der genau so wenig von der Überraschung meiner Geschwister wusste, wie ich noch vor einigen Minuten.
„Oh.", sagte Seohyun.
„Verstehe...", murmelte Sihyun und für eine Sekunde schien ihr Lächeln zu fallen, bis sie es grazil wieder auffing. Typisch Sihyun.
„Dann lass' mich doch wenigstens den Kuchen hereinbringen, ja? Wir sind gleich wieder weg!"
Ich nickte, immer noch wirklich überrumpelt und trat einen Schritt zur Seite. Gerade als Sihyun neben mir hineingegangen war, machte es wieder klick und ich kam aus meiner Starre heraus.
„Ihr müsst auch nicht gleich gehen!", rief ich in den Flur und stiefelte ihr direkt in die Küche hinterher, „Ich würde es nur gerne kurz vorher mit ihm abklären und ihm...Bescheid sagen."
Sihyun wirkte mit ihren legeren Alltagsklamotten mindestens genauso fehl am Platz in meiner kleinen Studentenküche mit schwarz-weiß-Fotos und Holzregalen mit abgeplatzter, weißer, matter Farbe wie ein Elefant im Porzellanladen. Der Karton hatte auf meinem quadratischen Esstisch Platz gefunden und meine große Schwester hatte suchend ihre Hände in die Hüften gestemmt. Sie wirkte zu groß und gefasst für so einen kleinen, chaotischen Raum.
„Ach sei nicht albern, Baekhyun.", murmelte sie, während ihre Augen Küchenregal für Küchenregal abscannten, die Tasse und das Glas in der Spüle ignorierend, „Wenn du Besuch an deinem Geburtstag hast, ist das schön. Immerhin haben wir uns gesehen, nicht wahr?"
Ernst schüttelte ich den Kopf, während ich die Flamme unter der Pfanne ausschaltete und das Rührei auf den Teller daneben manövrierte.
Sihyun verstand nicht ganz. Chanyeol wusste nichts von meinem Geburtstag und er war eigentlich nur zu mir gekommen, weil ich ihn von seiner Nachtschicht an der Bowlingbahn abgeholt hatte und er im Park das Zitat aus Der Himmel Über Berlin nicht kannte. Das war alles ganz spontan und zufällig entstanden und nicht...geplant.
Langsam trat ich einen Schritt neben sie und nahm die gleiche Haltung wie sie ein und begann ebenfalls die Regale abzuscannen, obwohl ich ziemlich sicher wusste, wonach sie suchte.
Die Dusche bot eine leise Hintergrundkulisse.
„Lass' mich trotzdem kurz mit ihm reden, okay?", ich erwiderte ihr Schmunzeln, „Eigentlich fänd ich es ganz schön, wenn wir...zu viert am Tisch sitzen."
Aber dafür müsste ich Chanyeol erst einmal fragen.
Und ich wüsste nicht, wie er reagieren würde.
Ich lachte über meine romantisierte Vorstellung von einem Geburtstag auf. Das Ganze wurde hier zu möchtegern-perfekt.
„Verstehe.", ihr Schmunzeln war zu einem Lächeln übergegangen und ich konnte sehen, dass sie mehr als das sagen wollte. Ich wartete einige Sekunden, ob noch etwas kam. Sie schwieg.
Ich versuchte dieses Bild in meinem Kopf einzubrennen, falls ich es irgendwann für einen Film wiederverwenden wollte.
Spielerisch schnalzte ich mit der Zunge: „Falls du übrigens überlegst, in welchem Regal die größten Teller für den Kuchen sind, dann guck mal im zweiten von links nach."
Sie lachte: „Danke." – gerade als ich Seohyuns Stimme hörte.
„Hyung, welcher Abspann wurde da pausiert?"
Grinsend klopfte ich Sihyun auf die linke Schulter, bevor ich meine Küche verließ.
Die Dusche war verstummt. Ich würde gleich Mal an der Tür klopfen und Chanyeol über den neusten Stand informieren.
Ich hoffte, er wollte bleiben.
Seohyun hatte sich auf das Sofa niedergelassen und hatte seinen Blick auf den Bildschirm gerichtet. Immer noch der gleiche schwarze Hintergrund mit weißer Schrift. Der Abspann zeigte gerade die Maske und Kostümerie.
„Himmel über Berlin.", grinste ich, während ich nach der Fernbedienung griff und den Fernseher ausschaltete.
„Worum geht's da?"
Ich lächelte verschmitzt. In diesem Moment erinnerte mich Seohyun stark an mich. Das hatte ich auch gefragt als Opa mich gefragt hatte, ob wir den Film zusammen sehen wollten. Er hatte darauf nur schwer gelacht und mit Glitzern in den Augen gesagt
„Ich habe das Gefühl, ich könnte dem Film etwas wegnehmen, wenn ich versuchen würde zusammen zu fassen, um was es genau geht.", kurzerhand griff ich nach meiner Jacke, die hinter Seohyun auf der Rückenlehne der Couch lag. Mit einem Zwinkern fügte ich noch an: „Aber es ist auf jeden Fall magisch!"
Und für manche vielleicht langatmig. Aber das war okay. Bei Wim Wenders Filmen war die Meinung eh immer sehr zwiegespalten.
„Schauen wir den Mal?", hörte ich Seohyun fragen. Dann wie er von dem Sofa aufstand.
Grinsend drehte ich mich über meine rechte Schulter.
„Klar!"
Seohyuns Augen leuchteten: „Mit selbstgemachtem Popcorn?"
„Das sowieso."
„Baekie?"
Das war Chanyeols Stimme.
Ich hatte gar nicht bemerkt, dass die Dusche aufgehört hatte zu laufen. Die Stille, die auf die Erkenntnis folgte schlug dafür nur umso heftiger um meine Ohren. Das Einzige was sonst noch zu hören war, war ab- und zu Geschirrklirren aus der Küche.
Seohyun musterte mich interessiert und mit hochgezogenen Augenbrauen. Wir hatten schon einige Male gemeinsam versucht in späten Stunden vor meinem Badezimmerspiegel nur eine von beiden Augenbrauen hochzuheben. Bislang ohne Erfolg.
„Ja?", rief ich und lief vorsichtshalber ein paar Schritte auf meine Badezimmertür zu. Seine Stimme war gedämpft durch die dünne Papp-Wand: „Kann ich mir ein Oberteil von dir leihen?"
„Oh.", fiel mir über die Lippen und warf einen schnellen Blick in Richtung Küche. Sihyun musterte mich nicht. Stattdessen stand sie auf Zehenspitzen vor meinem Herd und holte vier Teller aus dem Küchenregal, „...klar. Warte."
Beinahe stieß ich mit Seohyun zusammen als ich auf dem Absatz kehrt machte; er hatte sich wohl gerade dazu entschieden Sihyun in der Küche zu helfen. Guter Junge.
‚Na dann wollen wir mal.', dachte ich, sobald ich die Tür zu meinem Zimmer aufstieß. Es war wirklich ein großes Glück, dass weder Chanyeol, noch Sihyun und auch nicht Seohyun in mein Zimmer gingen.
Ich konnte mir Sihyuns mahnenden Blick über die verstreuten Papiere auf Schreibtisch und Boden und Bett sehr gut vorstellen; geschweige denn der Explosion aus Klamotten, die sich über meinen Teppich ergoss. Ich wusste nicht wie es dazu gekommen war. Es war irgendwann einfach so gewesen. Geschickt tapste ich an meinen Pullovern und Hosen vorbei.
Ich sollte wahrscheinlich bald aufräumen, meiner inneren großen Schwester nachgeben und mit meinem Wäschesack einen Besuch in der öffentlichen Waschküche, zwei Straßen weiter, abstatten. Das wäre wahrscheinlich für alle besser.
Aber erst ein Oberteil für Chanyeol.
Ein großes Oberteil.
Also wahrscheinlich einen Pullover. Die waren größer als meine Shirts und meine Hemden. Mein größter Pulli, den ich zwei Mal an den Armen hochkrempeln musste, war beige und lang und bestimmt groß genug, um Chanyeol nicht zu klein zu sein,
Selbst Miko hatte lachen müssen als ich ihn in einer Aussortierschicht im Secondhand-Shop übergezogen und aus der Umkleidekabine stolziert war. Und Lia – Lia hatte einen Daumen hoch gezeigt und den Kommentar abgegeben, dass er perfekt zu Liebeskummer und Eis passen würde.
Zwei Mal klopfte ich gegen die Badezimmertür und bereitete mich mental darauf vor Chanyeol zu erklären, dass ohne mein Zutun meine Geschwister vorbeigekommen waren.
Mit Kuchen.
Geburtstagskuchen.
Vorsichtig öffnete ich die Tür und warmer Dampf prickelte auf meiner Haut. Ohne ihn anzusehen, reichte ich meinen Arm durch die angelehnte Tür. Leise Unterhaltung wie Bienensummen von Sihyun und Seohyun.
Ich hörte eindeutig ein Lächeln aus seiner Stimmfarbe heraus: „Danke."
Ich erwiderte das Lächeln zaghaft.
„Du Chanyeol?", ich schluckte.
„Hm?"
Ein weiterer schneller Blick in die Küche. Seohyun blickte über die Schulter und nahm vier Tassen auf einmal aus meinem improvisierten Holzregal.
„Meine Geschwister sind gerade spontan gekommen."
Ich ließ die Tür ins Haus fallen.
Chanyeol schwieg für einige Sekunden und auch in meiner Küche herrschte für einen Moment absolute Ruhe.
Kein Bienensummen.
„Ich wusste davon selbst nichts, es sollte eine Überraschung sein.", fügte ich noch an als ich bemerkte, dass er immer noch nichts zu sagen schien, „...aber wenn du magst, kannst du gern noch bleiben und mitfrühstücken."
Zumindest würde ich mir das Wünschen.
Wie beim Auspusten von Geburtstagskerzen.
Immer noch Stille.
Ich biss mir auf die Unterlippe.
„Mich würd's freuen, aber du musst wissen, ob du es willst."
Ich hörte wie Chanyeol Luft ausstieß – als hätte er nicht nur nicht geantwortet, sondern auch nicht geatmet:
„...Doch, doch, warum nicht.", murmelte er langsam; es klang so als würde ihm jede Silbe schwer und überlegt von den Lippen fallen.
Die Tür öffnete sich und stolperte unvorbereitet zurück.
Chanyeols Haare waren nass und dadurch platter als sonst.
Seine Augen huschten durch mein Wohnzimmer, sein Lächeln war klein.
Die Tür war eindeutig ins Haus gefallen.
„Vorausgesetzt ich störe wirklich nicht, Baek."
„Das könntest du nie.", versuchte ich ihm zu vergewissern, denn das stimmte. Bislang hatte er noch nie gestört. Noch nie wirklich.
Mein Lächeln fühlte sich genau so zaghaft an wie seines. Seine Nervosität schien auf mich überzugreifen.
„Gut."
Gut.
Der Pulli passte ihm überraschend gut.
Glücklicherweise. Ich hatte es gehofft. Die Ärmel waren für ihn genau lang genug, nur der Saum schien knapp oberhalb seiner Hüfte zu enden. Trotzdem passte es mit der Bowlinghose.
Und außerdem „Steht dir, der Pulli.", grinste ich in der Hoffnung ihn so aus seiner Misere zu zerren.
Das Beige schmeichelte seinem Hautton.
„Wirklich?"
Chanyeols Gesicht war noch ganz rot vom heißen Wasserdampf. Ich nickte ehrlich: „Allerdings."
Das Bienensummen war wieder da.
Mein Grinsen weitete sich, während sich eine Idee in meine Gedanken schlich.
„Du kannst ihn behalten. Den Pulli."
Da war sie wieder. Die Chanyeol-Starre. Für einige Sekunden. Dann schüttelte er schnell den Kopf: „Das kann ich nicht-"
„Ich bestehe darauf.", unterbrach ich ihn mit einer abfälligen Handgeste. Ich hatte ihn eh nie getragen, selbst für mich war er eine Spur zu groß. Ich hatte genug andere Pullis, in denen ich an den Tagen auf die es ankam versinken konnte.
„Es wäre außerdem viel zu schade, um ihn dir nicht zu geben. Er sieht viel zu gut an dir aus."
Unterstützend tätschelte ich ihm die Schulter. Sein Lächeln barg wieder etwas, was ich nicht erkennen konnte, aber es war warm.
„Danke.", murmelte er.
Ich lächelte als Antwort. Das musste genügen.
„Ja, ich find auch beige ist deine Farbe.", entspannt lehnte sich Sihyun an den Türrahmen meiner Küche an. Die Arme vor der Brust verschränkt.
Ich hatte gar nicht mitbekommen, wie sie sich neben uns platziert hatte.
Ich lachte: „Nicht wahr?"
Sie nickte.
„Darf ich vorstellen.", wandte ich mich wieder an Chanyeol, der etwas perplex und nervös zwischen uns herschaute, „meine Anwältin", Sihyun nickte ihm lächelnd zu. Sie trug ihr Haar heute offen, ganz im Gegensatz zu dem strengen Zopf, den sie sonst meist trug, weil er sie souveräner wirken ließ. Von wegen arbeiten und knapp sieben Uhr. Sie hatte das alles bestimmt geplant.
„Und mein kleiner Astronaut."
Seohyuns Augen waren groß und sein Kopf in den Nacken gelegt. Es war als würde er sich noch nicht einmal trauen zu blinzeln. Er reagierte auf meinen Kommentar gar nicht. Ich verstand ihn sehr gut. Chanyeols Größe war auf den ersten Blick wirklich eindrucksvoll.
„Ich bin Sihyun.", räumte meine große Schwester ein und hielt ihm freundlich ihre manikürte Hand entgegen, „freut mich dich kennenzulernen."
Ihre Augen blitzten dabei. Ich ignorierte es.
Chanyeol nickte und verbeugte sich unsauber, während er ihre Hand ergriff.
„Chanyeol, freut mich ebenso."
Tja. Er schien heute scheinbar nicht nur meine Wohnung kennenzulernen, sondern auch gleich meine Geschwister mit. Was für ein Tag.
Seohyun löste sich langsam ebenfalls aus der Starre, während Sihyun ihn dazu aufforderte sich vorzustellen. Erneutes Verbeugen.
„Tut mir leid Chanyeol, für dich muss unser Überraschungsbesuch genau so überrumpelnd gewesen sein, wie für Baekhyun.", Sihyun lächelte entschuldigend, während Chanyeol sich mit seiner Hand durch die Haare fuhr, „er hatte mir nur vorgestern am Telefon gesagt, dass er noch keine Pläne hat, also dachten Seohyunie und ich, dass wir ihm einen Termin verpassen."
Vehement schüttelte Chanyeol den Kopf: „Alles gut!", beschwichtigte er als er sein Standbein verlagerte, „Ich meine...unser Treffen war auch", kurz musterte er mich von der Seite, „recht spontan."
Ich nickte zustimmend.
Sihyun tat es mir gleich und damit schien das Thema vom Tisch.
Zumindest für Seohyun.
„Wollen wir jetzt Kuchen essen?" Klein und vorsichtig und trotzdem fordernd.
Es sah ihm ähnlich.
Er liebte alles, was mit Süßigkeiten zu tun hatte.
Sihyun lachte.
Chanyeols Augenbrauen hoben sich überrascht an und ich konnte schon erahnen was jetzt kam:
Es war schließlich doch unausweichlich.
„Ach, es gibt sogar Kuchen? Wow."
Seohyun nickte stolz und bedächtig. Seine Augen glitzerten: „Na klar! An Baekhyun-Hyungs Geburtstag gibt es immer Kuchen!"
Da war es dann wohl.
Ich nickte. Dieses Mal allerdings kleiner. Ich spürte Chanyeols Blick ganz genau auf mir.
„...Geburtstag?", wiederholte er leise. Ich könnte schwören seine Augen wurden wieder ganz groß, so wie sie es oft taten, „Du hast Geburtstag?", fragte er
„Ach du wusstest nicht, dass Hyung Geburtstag hat? Warum bist du dann auf seiner Geburtstagsfeier?", überlegte Seohyun laut.
„Baekhyun!", rief Sihyun lachend aus.
„Was?", rief ich zurück, aber auch ich konnte mir ein verzweifeltes Grinsen nicht ersparen, „wir haben halt noch nicht über Geburtstage gesprochen!"
Und das stimmte.
Wir hatten uns über Lieblingstiere, peinliche Momente, Familiensituationen unterhalten, eine Konversation aus Filmzitaten gehalten und sogar das Thema Sternzeichen angeschnitten, aber zum Thema Geburtstag war es nie gekommen.
„Ja, aber...du hättest mir doch Bescheid sagen können!", protestierte Chanyeol.
„Wie denn?", lachte ich und blickte Chanyeol direkt in die Augen, „Hi Chanyeol – oh übrigens! Ich habe heute Geburtstag! Funktioniert doch schlecht."
„Ich hätte dir ein Geschenk kaufen können!"
Ich grinste: „Ich brauche keine Geschenke!"
Demonstrativ verschränkte er die Arme vor der Brust. Wesentlich leiser fügte er an: „Ich hätte dir um null Uhr gratulieren können.", trotzig verzog er seine Augenbrauen.
Ich hingegen stutzte als ich begann zu realisieren.
Er hatte Recht.
Wir hatten über die Mitternachtsstunde hinweg telefoniert. Und ein kleiner Teil von mir hatte sich sogar um Null Uhr gefreut.
Naja.
Hinterher war man immer schlauer.
„Stimmt.", murmelte ich.
Chanyeol nickte und ich konnte fast denken, er wäre beleidigt, würde ich nicht das kleine, altbekannte Kitzeln an seinen Mundwinkeln sehen.
Zum Glück.
Sihyun lachte. Es war wahrscheinlich wirklich ein recht amüsantes Bild, wie wir über so etwas Banales diskutierten. Ich hatte für einen Moment sogar wieder vergessen, dass die beiden uns überhaupt zusahen.
Wie als würde sie mit einer Filmklappe eine neue Szene einleiten, klatschte sie ein Mal und laut in die Hände.
„Kuchen?"
Ein stummes Friedensangebot.
Selbst ihre Stimme konnte ihr Amüsement nicht verbergen.
Ich nickte: „Bitte."
Seohyun riss jubelnd die Arme hoch und flitzte als Erster in die Küche. Chanyeol nickte klein und niedergeschlagen, die Wangen rot vor unnötiger Diskussion. Sihyun schüttelte grinsend den Kopf.
Lachend hielt ich mit ihm Schritt und klopfte ihm auf den Rücken: „Sieh' es als Wiedergutmachung, dass du zum Kuchen essen bleibst.", spaßeshalber zwinkerte ich, „Das ist dann nämlich schon Geschenk genug."
Ergebungsvoll atmete er schwer durch, nickte aber.
„Okay."
Das Lächeln das er darauf trug war leichter.
Zum Glück.
Kurz darauf fanden wir uns an meinem kleinen Esstisch in der Küche wieder auf dem eine Blaubeer-Käse-Torte prangerte.
Sihyun und Seohyun hatten an alles gedacht.
Sogar an die schrecklich bedruckten Servietten.
Es war eine unnötig lustige Tradition geworden, die seit Sihyuns 19. Geburtstag von uns fortgeführt wurde, der damals auf einen Sonntag gefallen war.
Kurz bevor all unsere Gäste gekommen waren und wir dabei waren alles vorzubereiten, hatte unsere Mutter bemerkt, dass wir keine Servietten mehr hatten (Und Zewa war natürlich zu unschick), weswegen sie Sindae und mich kurzerhand losschickte, um eine neue Packung zu kaufen.
Was sie dabei nicht bedacht hatte war, dass Sihyuns Geburtstagsfeier auf einen Sonntag gefallen war und alle Läden in greifbarer Nähe geschlossen hatten – alle, bis auf die Tankstelle ungefähr 20 Minuten mit dem Auto entfernt.
Opa hatte sich breitreden lassen, uns zu fahren und nur wenig später hatten Sindae und ich zwischen einem Peppa-Pig-Servietten-Pack und schlichten Weißen entscheiden müssen.
Die Antwort für was wir uns entscheiden würden, war uns beiden von vornerein klar gewesen. Die fünfzig Cent Aufpreis für weniger Servietten war uns dann auch egal.
Meine Servietten zierten heute einen Feuerwehrmann, der gerade dabei war ein Feuer zu löschen. Alles in kindlicher Cartoonform.
Seohyun meinte stolz, dass er sie ausgesucht hatte und Chanyeol lachte über unsere Tradition auf.
Sihyun, Seohyun und Chanyeol machten sich trotz des holprigen Kennenlernens gut miteinander vertraut, lachten miteinander und aßen Kuchen.
Bis die erste wirkliche Stille eintraf, in der jeder seinen Gedanken nachhing, waren Chanyeols Haare schon längst getrocknet und kringelten sich in unbändigen Locken auf seinem Kopf.
Ich grinste stumm in mich hinein.
Insgesamt hätte ich mir keinen besseren Geburtstag vorstellen können.
„Hat Dayong dir eigentlich zum Geburtstag gratuliert, Hyung?", fragte Seohyun, der gierig die Sahne von der Gabel ableckte.
Ich spürte die Blicke von Sihyun und Chanyeol auf mir. Sie hatten sicherlich gemerkt, dass ich mich bei dieser Frage unterbewusst angespannt hatte.
Ich lachte leise auf: „Nein, Seohyun.", kurz räusperte ich mich, „Wir sind schon seit einigen Monaten nicht mehr zusammen."
Fünf Monate um genau zu sein.
Und Sihyun hatte mir eingetrichtert, dass er ein Idiot war und nicht ich. Ihre Augen schrien mir förmlich ein „Umso besser." entgegen.
Sie hatte sicherlich Recht.
Seohyuns Augen wurden groß. Langsam ließ er die Gabel sinken.
„Oh, das wusste ich nicht."
So gleichgültig wie möglich zuckte ich mit meinen Schultern.
Unsere Beziehung lag hinter mir.
Ich war auf gutem Weg weiterzulaufen und sie wirklich hinter mir zu lassen.
Und ich merkte langsam aber sicher, dass es mir guttat.
Letzten Endes war es doch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die richtige Entscheidung gewesen.
Sihyun räusperte sich, bevor sie sich zu Chanyeol vorlehnte.
Ganz leise, als hätte sie Angst sie würde meine Gefühle wieder aufwirbeln, wenn sie lauter sprechen würde, murmelte sie: „Chanyeol, du musst wissen, Dayong ist-"
„Ich weiß.", nickte Chanyeol ernst, „Baekhyun hat mir davon erzählt."
Langsam nickte ich auf Sihyuns Blick hin.
Während des Dirty-Dancing-Telefonats.
Er hatte gefragt. Ich hatte ehrlich geantwortet. Oder zumindest so ehrlich, wie es zu der Zeit noch möglich war.
Wobei ich mir mittlerweile relativ sicher war, dass, wenn er nochmal fragen würde, ich ihm die ganze Geschichte erzählen würde und das kleine Gefühl von Sorge unterdrücken.
So war das mit Chanyeol wohl.
Schlich sich ganz leise und unvorhergesehen in das Leben anderer und machte es sich so gemütlich, dass man ihn sich nicht mehr wegdenken konnte.
Wir kannten uns seit knapp drei Monaten.
Und doch hatte ich jetzt schon das Gefühl, ihn zu einem festen Teil meines Lebens machen zu wollen.
Er hatte einfach etwas an sich.
Und ich wollte herausfinden was es war.
Es fühlte sich fast an wie etwas Verstecktes, Geheimnisvolles.
Etwas Magisches.
Sihyun erwiderte mein Nicken.
Sie verstand.
Seohyun nicht ganz.
Er blickte neugierig zwischen uns beiden hin- und her.
„Oh.", sie lächelte Chanyeol ehrlich an, „Na dann."
Er räusperte sich und klatschte in die Hände: „Aber lasst uns an Baekhyuns Geburtstag", kurz warf er mir einen Seitenblick zu, in dem ich lesen konnte, dass er sich immer noch schlecht fühlte, „nicht über, hm, vergangene Beziehungen reden. Sondern über...etwas Schöneres."
Einheitliches Nicken am Tisch.
Erneutes Räuspern von Chanyeol.
Interessiert fixierte er meine Schwester mit seinem Blick.
„Sihyun, als was arbeitest du noch gleich?"
Das Thema schrie Smalltalk.
Ich konnte nichts gegen das Schmunzeln tun, dass sich auf meine Lippen schlich.
Ganz tolles Thema, Chanyeol.
Sihyuns Rücken straffte sich; so wie sie es immer tat, wenn sie von ihrer Arbeit sprach. Selbst in ihrem rosa Strickpullover sah sie dadurch super seriös aus. Ihr Lächeln war trotzdem noch freundlich als sie seine Frage beantwortete.
„Ich bin Anwältin. In der Firma unserer Familie."
Chanyeols Ohren wurden rot. Mein Grinsen nur umso breiter.
„Ah", er räusperte sich, „verstehe."
Sihyun nickte, während ihr Lächeln sich breitete. Ich war mir sicher, jeder von uns am Tisch bemerkte, was Chanyeol krampfhaft versuchte. Zugegebenermaßen war das Thema ein kleines Fettnäpfchen.
Schnell aß Chanyeol noch einen weiteren Bissen von seinem Kuchen, ehe er hinunterschluckte und erneut in die Runde lächelte – wesentlich vorsichtiger als davor.
„Der Kuchen ist echt gut. Wer hat den gebacken?"
Sein Blick war wirklich, wirklich hilflos. Das beige stand ihm wirklich gut.
Sihyun lachte herzlich auf als sie es nicht mehr aus höflichen Gründen zurückhalten konnte – genauso wenig wie Seohyun, der mit vorgehaltener Hand kicherte.
Ich biss mir vergeblichst auf die Unterlippe.
Ich wusste, was kam.
„Seohyun und ich haben ihn auf dem Hinweg gekauft."
„Oh."
Chanyeols Ohren wurden noch röter als davor. Ein gepeinigtes Lächeln spielte sich auf seine Lippen und ich konnte nicht anders als ebenfalls ins Lachen einzusteigen und Chanyeol dankbar die Schulter zu tätscheln.
Dankbar dafür, dass er das Thema umlenken wollte und er einfach so war, wie er war.
•••
jaa, mehr von baekhyubs geschwistern!!
und poor chanyeol, er tut mir leid, oh man haha
hättet ihr chanyeol in der situation irgendwie gesagt, dass ihr geburtstag habt oder wärt ihr so unfähig wie baek (sorry honey but.. yk?)
ein schönes wochenende euch!!
-moon
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