♟ERmüdend♟
"Who cares if the stars are dead. As long as we can still see them...that means they're real. Right?"
--Life is Strange
|9|
"Wuuuaahhhh", entkam mir ein lautes Gähnen, so dass ich mir die Hand vor den Mund halten wollte, doch die schwere Bowlingkugel in meinen Händen ließ das eher unmöglich werden. Sie war dunkel blau und hatte viele kleine gelbe, rote und weiße Farbspritzer obendrauf, so dass sie aussah wie ein kleines Kunstwerk. Sie passte sehr gut zu meiner Arbeitskleidung, fiel mir auf, sobald ich an mir herunterblickte. Eine dunkelblaue, nicht ganz knöchellange Hose aus dünnem Stoff und meinem blauen Bowlinghemd mit den vertikalen gelben Streifen.
"Wuuuahhhh", rächte sich die Person der anderen Leitung durch meine Airpods. Vermutlich hatte ich ihn durch das Mikro mit meinem Gähner ausversehen angebrüllt, weswegen er dies nicht zurückhalten konnte. Mein Blick immer noch auf der Kugel, die ich mit einem pinken Putzlappen sauberer machte, als alle anderen. Die Punkte erinnerten mich wieder an das Universum, von welchem ich so gerne träumte und mich wieder zu der derzeitigen Situation zurückwarf. Diese Gedankenspiele über unser Universum ließen erneut diese ganzen kohlensäureartigen Unruhen in mir frei. Dieses Kribbeln. Doch zurück zum eigentlichen Geschehen:
Unser Telefonat.
"Welches Sternzeichen bist du eigentlich?", fragte ich aus dem heiteren Himmel heraus in unser gerade eher ziehendes Gespräch, was von nächtlicher Müdigkeit getragen wurde. Für Außenstehende musste es so aussehen, als würde ich die Bowlingkugel nach ihrem Sternzeichen fragen.
"Ich?", fragte Baekhyun zurück, als würde auch er es hinterfragen, wem von beiden ich nun diese Frage gestellt hatte. Aber nein. Ich rede sicher nicht mit einer Kunststoffkugel, nur weil sie mir in diesem Moment ähnlich sieht.
"Ich bin Stier.", kam es ihm dann doch leicht von der Zunge.
Stier also. Ich begann zu nicken, als würde mir dies irgendetwas sagen. Außenstehende würden nun denken, ich hätte die Antwort von der Kugel gehört und verstanden.
Was gehörte zu Stier dazu? Die waren ziemlich prakmatisch oder?
"Also kannst du beruhigt sein. Ich bin sogar durch die Sterne geprüft und als sehr zuverlässig befähigt worden.", es klang beinahe wie ein Part aus einer Melodie, bevor er sich selbst unterbach, "Kann man das so sagen?". Ein leises Lachen.
Ich wollte gerade mein Handy herausholen und die Bowlingkugel Kugel sein lassen, um weiteres über das Sternzeichen herauszufinden, doch dann kam mir Baekhyun schon zuvor.
"Also: Unser liebes Google sagt, dass ich loyal, fleißig, sachlich, so wie lebenslustig, liebenswürdig und beschützend bin. Klingt doch nach einer gesunden Mischung.", ein zufriedendes Seufzen war zu hören, ehe ich das Knautschen eines Kissens wahrnehmen konnte.
Ein erneutes Gähnen.
"Ich könnte mir jetzt gar nicht vorstellen, die ganze Nacht durchzuarbeiten.", sagte er schlapp und brachte sein Kissen erneut zum Knautschen, als sollte es ihm zustimmen.
"Tja. Ich kann froh sein, dass ich gerade nur putzen muss und nachher, wenn ich richtig müde werde, an der Theke stehe. Das hält wach. Ich verstehe gar nicht, wie Sehun bei den Schuhen und Vorräten so wach bleiben kann. Bestimmt hat er seine Augen die ganze Zeit zu und versteckt die einfach unter seiner Sonnenbrille.".
"Oder er schluckt Kaffeebohnen wie Pillen.", Baekhyun sprach mit einem deutlichen Grinsen. Es klang beinahe, wie ein dümmliches Grinsen. Gummiartig breitgezogen. Das kannte ich bereits gut von ihm.
"Das ist doch eine Idee.", es schlich sich auch in mein Gesicht ein Lächeln, sobald ich an sein Grinsen denken musste. Baekyhun kam immer mal wieder auf das Thema zurück, dass Kaffee doch auch nur eine Droge sei. Doch mein Argmuent überwog die Konversation jedes mal.
"Kann man eigentlich an einer Kaffeeüberdosis sterben?"
"Die Dosis macht das Gift."
Dementsprechend könnte ich auch auf den Zucker in seinem Kakao hinweisen, dass dies auch nur eine Droge sei, wenn man das so genaunehmen wollte.
"Aber zurück zum Thema.", fügte ich schnell hinzu und legte endlich die schöne Bowlingkugel wieder auf ihren Platz. Ich musste zur nächsten Bahn, die von Yixing (einer der Mitarbeiter, der immer wieder zwischen allen Abteilungen wechselte und man deswegen nie wusste, wo er nun eigentlich eingeteilt war) und mir enthusiastisch 'der Banana-Split' getauft wurde. Wir hatten alle Bahnen der Farbe entsprechend umbenannt. Gelb wurde zur Banane, blau wurde zur 'blueberry road' und grün wurde zur 'watermelon slide'. Doch die Banane war mein persönlicher Liebling.
"Wir hatten ein Thema?", fragte Baekhyun. Die Müdigkeit schlich sich deutlich durch seine Stimme empor.
"Dein Sternzeichen.", lachte ich. Vielleicht war der Kaffee diese Nacht mein einziger Vorteil gegenüber ihm. Bei diesem Gedanken wurde mein Schmunzeln unverschämt. Gut, dass er es nicht sehen konnte. Hofften wir, er könnte es nicht so gut raushören, wie ich sein goofy-gummi-Lächeln.
"Achso.", sagte er stumpf, "Also die negativen Aspekte des Stiers sind laut dem hier-", er zog das letzte Wort deutlich in die Länge, dass es ebenfalls erneut in ein Gähner ummuttierte. Er räusperte sich: "besitzergreifend, stur, eifersüchtig, eigensinnig, träge, misstrauisch und neidisch.". Die Aufzählung verlor sich in einem missbilligten Unterton.
"Na 'träge' würde ich jetzt so nicht unterschreiben.", gab ich vom Besten. Er reagierte genau so, wie ich es erwarten hatte.
"Aber alles andere schon oder wie?". Empört, so wie vermutet. Mein Grinsen war dieses Mal deutlich zu hören, da war ich mir sicher.
"Aber klar. Das ist mir schon damals, als du dein Handy verflucht hattest, direkt ins Auge gesprungen.".
"Pff", pfiff er rauschende Luft hindurch durch meine Kopfhörer, "Frech".
"Das wird mich wohl mein Leben lang verfolgen."
"Oh ja, das wird es."
Zwei weitere Zähne reihten sich in mein Grinsen ein.
Wirklich lang hatte ich Beakhyun dann doch nicht mehr am Hörer behalten können. Es war schließlich spät und er konnte die Nacht mit einer guten Anzahl an Stunden noch mit Schlaf füllen, während ich Stück für Stück und Kaffee für Kaffee durchackerte. Er hatte noch versucht aus meinem Sternzeichen schlau zu werden, doch er schien gänzlich enttäuscht zu sein, sobald er erkannte, dass meine negativen Eigenschaften auch als süß oder sogar indirekte Komplimente gegolten werden könnten. Es wurde für ihn immer ärgerlicher, während ich mir mein Lachen verkneifen musste, sobald beim Vorlesen seine Stimme immer knurrender wurde.
"Tollpatschig oder unorganisiert sein, ist noch lange nicht so schlimm wie eifersüchtig oder eigensinnig sein.". Er war beleidigt. Zum Glück hatten wir alles gut abrunden können, sobald ich auf unser zweites Treffen hinweisen konnte, da meine Verpeiltheit damals nicht wirklich süß gewesen war, sondern eher anstrengend und albern.
"Wäre ich nicht so genervt gewesen, hätte ich dich sicher süß gefunden. Schließlich standest du im Schlafanzug vor-", ich konnte mir denken, wie er den Satz hatte beenden wollen, doch diesen letzten Gähner den er dazwischenschob, sah ich als Hinweis ihn endlich zu seinem Schlaf gehen zu lassen.
Sobald wir uns verabschiedet hatten, fühlten sich die Minuten an wie Stunden. Dieses Telefonat hatte mir viel geschenkt, aber am meisten Fokus tatsächlich. Danach sah ich eher aus wie ein Geist, der umherwanderte ohne genaues Ziel.
Ich war dabei die Theke abzuwischen und alles letzendlich dicht zu machen, ehe ich der letzte der Nachtschicht sein würde, der jeden Moment abgelöst werden sollte. Meine Gedanken wanderten von allemöglichen Erinnerungen und Einfällen, für die ich aber zu müde war, um sie zu verstehen. Im Endeffekt, wer sollte meine Gedankengänge denn schon zielsicher durchlaufen können, wenn ich es noch nicht einmal selbst kann? Naja. Zumindest in diesem Augenblick nicht.
So wie Baekhyun vor ca. neun Stunden wurden meine Gähner immer lauter. Mein Mund offen, wie ein brüllender Löwe. Nur langsam und - ja- langsam. Weiter nichts.
Baekhyun. Meine Gedanken drehten sich in der letzten Zeit oft um ihn. Aber das war seit wir uns kennengelernt hatten wohl ein Normalzustand. Doch besonders seit diesem einen Telefonat und diesen Bemerkungen, wegen seiner Familie...
Ja...Es ließ mich einfach nicht los.
"Ich komme aus einem Haushalt mit Geld aber ohne Seele."
Das einzige, was ich hatte damit assoziieren können, war die Serie "Der Denver-Clan" oder auch "Dynasty" genannt, gewesen. Bei denen ging es drunter und drüber, aber irgendwie liebten sie sich doch alle. Naja-auf deren Art und Weise. Schließlich war das ganze Geld- und Clan-Ding das eigentliche Problem. Wer übernimmt die Firma? Wenn man sie nicht bekam, wie konnte man sich am Besten rächen? Typisches Serien-"Familienbusiness"-Gehabe. Aber sich im echten Leben eine Familie mit viel Luxus, aber ohne Seele vorzustellen und auch, wenn seine ganzen Geschwister doch so liebeswürdig sein sollen? Schwierig. In der Hinsicht war ich nicht einsichtig genug dafür. Auch wenn ich es versucht hatte zu sein.
Ich hatte mir vorgestellt, wie Familienstreitigkeiten aussehen konnten, wenn es um viel ging und nicht nur um "schalten wir den Fernseher während des Essens aus oder nicht?". Zumindest versuchte ich alles um es mir bildlich vorstellen zu können. Ich dachte zurück an den Film 'Little Women', wie so oft, wenn ich an Familiensituationen dachte und überlegte, wie die Eltern oder die Kinder immer mal wieder einen Streit mit deren Vater gehabt haben mussten, weil er wieder an die Front gehen musste. Wie es sein musste, wenn einer geht. Und nicht nur, weil er auf eine Universität zum Studieren geht, wie ich damals. Das war kein Vergleich. Und trotzdem fiel es mir schwer. Aber das Gefühl, dass jemand vor einem steht und man denken könnte, diese Person für immer zu verlieren, ließ eine schweres Stechen in meiner Unterbrust zurück. So, als würde ich zu wenig Sauerstoff in meine Lungen lassen.
Als zweiten Versuch hatte ich an meine Kindheitsserie 'Gilmore Girls' gedacht und wie Rory und Lorelei sich gestritten hatten, sobald Lorelei dachte es besser zu wissen, was für ihre Tochter gut sei und was nicht. Wie Rory dann zu ihren Großeltern flüchtete und beide sich miserabel fühlten. Es hatte meistens mit Jess, Dean oder Logan zutungehabt, doch wenn ich an dieses Gefühl dachte war es dasselbe. Das Stechen in der Unterbrust.
"Es fühlt sich an, als wäre man kurz vor der Abfahrt. Bei einer Achterbahn. Aber man schwebt noch in der Luft, einem wird schlecht, doch die fährt einfach nicht weiter. Und alles tut weh."
So hatte ich versucht seine Aussage, seine Gefühle zu verstehen und doch wusste ich, dass ich ihn in der Hinsicht vermutlich nie verstehen würde. Und genau das tat weh. War das Stechen in meiner Unterbrust und der fehlende Sauerstoff. In der Hinsicht hatte ich mehr als er. Nicht den Vorteil von mehr Kaffeeintus. Nein- ich hatte auch nicht mehr Geld oder anderes. Aber ich hatte mehr Liebe erfahren. Zwar hatte ich mich selbst nie verliebt und doch kannte ich das Gefühl der bedingungslosen Liebe. Familienliebe. Ich wollte, dass er das Gefühl kannte und diese Familie finden würde. Innerlich musste ich das als eine Priorität setzen.
Ich will, dass er seine eigene Familie findet.
Ein Klopfen.
Mir fiel auf, dass ich dieselbe Ecke der Theke schon seit Beginn dieser Gedanken immer und immer wieder geputzt hatte. Ich hätte schon längst meine Sachen einpacken können.
"Wir haben geschlossen!", rief ich also und wollte den Lappen zurück zur Küche bringen, doch dann hörte ich seine Stimme.
"Ich weiß."
Das war eindeutig sein goofy-gummi-Lächeln was ich da hörte.
Mit einem lauten blächernden Ton öffnete ich die schwere dunkelbraune Tür, die eigentlich nur für Mitarbeiter war. Und Baekyhun war genau so wie ich ihn mir grinsend vorgestellt hatte vor dieser Tür mit einem Pappbecher in seiner Linken und einer Müsli-Joguhrt-Kombi in seiner Rechten. Verwundert starrte ich ihn an. Mein Lächeln ganz schief.
"Rotkäppchen?"
Seine Nase kräuselte sich bei dem Spitznamen, der mir beinahe rausgerutscht war. Weiteres kam auch nicht großartig von mir, bis auf:
"Wie wusstest du?"
"Unser Telefonat.", lachte er, "Bist du durch? Du meintest um 8 seist du fertig."
"Äh-", kam es mir stotternd über die Lippen, "-Äh. Ja gleich.". Ich nickte, um meine Antwort nochmal deutlicher zu machen (vermute ich- mein ganzer Körper machte nicht mehr das, was er eigentlich sollte. Deswegen stand ich auch ein wenig zu lang an der Türschwelle, als ich eigentlich wollte und starrte ihn weiter an.).
Schließliche schüttelte ich meinen Kopf und machte kerrt, um meinen Kram zu holen. Baekhyun guckte neugierig in den Eingang hinein und sah nur ein kleines Bisschen von meinem Arbeitsplatz, doch es schien ihn trotzdem brennend zu interessieren.
Sobald ich meinen Rucksack über meine Schulter geworfen hatte, erblickte ich Yixing, der an Baekhyun durch den Arbeitereingang vorbeiflitzte.
"Sorry for being late.", rief er mir noch meterweit entfernt entgegen, "Ich übernehme.". Er grinste breit sein Yixing-Lächeln und neigte seinen Kopf entschuldigend zur Seite.
"Du? Hinter der Theke heute?", fragte ich deutlich mit Spott in der Stimme, "Wie hast du das jetzt geschafft?". Yixing war auch der einzige, der nicht komplett gefeuert wurde, sobald er buchstäblich etwas in Brand setzte. Nein- er schaffte es nur versetzt zu werden und sich dann allmählig wieder einzuschleichen und hochzuarbeiten. Er lief die Treppen der Posten immer wieder auf und ab.
"Tja, es geht Berg auf, mein Freund.", er lachte und nahm mir den Lappen klopfend von der Schulter ab, den ich beinahe auf mir vergessen hatte.
Ich ging zu Baekhyun, der uns beiden grinsend während des Schichtwechsels angesehen hatte, als hätte er so etwas in freier Wildbahn noch nie gesehen. Durch seinen Anblick musste ich auflachen, so fasziniert sah er aus. Also legte ich meinen Arm um seine Schulter, um mit ihm das Haus nun verlassen zu können.
Noch ehe ich die schwere Tür zufallen ließ, rief ich Yixing zur Verabschiedung noch etwas zu:
"Ich wette trotzdem dich nächste Woche wieder bei den Vorräten zu sehen."
Die Tür fiel zu, doch wir hörten noch ein stumpfes Gebrüll, irgendwas sagend über eine Besenkammer oder ähnlichem, doch wir ignorierten das prusternd und gingen weiter.
In der Nähe war ein kleiner Park, beziehungsweise eher eine kleine Grünfläche auf einem Hügel, welchen wir hochliefen. Hier wäre sicher ein wundervoller Sonnenaufgang gewesen.
"Hier, bevor der noch kalt wird.", er reichte mir mit glänzenden Augen den Pappbecher, "Ich mag den Geruch, aber nicht den Geschmack; ich habe das mit dem coolen Namen geholt.".
Ich weiß nicht genau, wer von uns beiden so energietisch gewesen war oder ob meine Hand sich einfach einen Tick zu langsam geschlossen hatte, doch mit einer kleinen Welle zwischen uns, die stark nach chai riechte, erklang ein lautes Platsch.
"Oh."
Ja. Oh. Ich musste lachen. "Ich weiß, was du mit dem Geruch meinst.". Die Flüssigkeit hatte sich ein wenig in meinen Ärmel gezogen, was jedoch nicht schlimm war. So gut hatte dieser Ärmel noch nie gerochen und außerdem hatte er mich vor dem Verbrennen geschützt. Es war gar nicht so viel gewesen, was daneben ging, also lachte ich noch ein wenig mehr, um Baekhyun klarzumachen, dass das wirklich nicht schlimm war. "Hmmm. Ich liebe Chai."
Ich genehmigte mir einen Schluck, ehe ich versuchte ein Gähnen hinter meiner Hand zu verstecken, doch das Geräusch was ich dazu machte, machte mir in diesem Augenblick einen Strich durch die Rechnung.
Komisches Sprichwort. Einen Strich durch die Rechnung. Abrechnen? Was hat das mit einem Strich zu tun? Oder meint man damit irgendwie einen Witz, wegen Punkt vor Strich?
"Müde, huh?"
"Hm?", ich sah verwirrt hoch. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass er sich gar nicht neben mich auf die Bank gesetzt hatte. Lange ließ er jedoch nicht auf sich warten. "Ich?", fragte ich noch einmal, sobald sein Knie meins berührte. Wirklich weit auseinandergesetzt hatten wir uns nicht.
Er nickte. "Bist du es nicht?", fragte er verwirrt. Doch mein nächster Gähner beantwortete wohl diese Frage von ganz allein.
"Ein Bisschen vielleicht.", schmunzelte ich schwach. Wirklich bereit für eine tiefgründige Konversation war ich nun nicht. Ich schloss meine Augen, genehmigte mir noch ein, zwei Schlücke von dem leckeren Chai und lehnte mich an die Banklehne hinter mir. "Mit einem Kaffee hätte das alles hier ganz anders ausgesehen."
Ich blinzelte zu ihm hinüber, um sicherzugehen, dass er dieses Kommentar nicht in den falschen Hals bekommen hätte, doch dies schien zum Glück nicht der Fall zu sein.
Schon wieder so ein komisches Sprichwort. Nicht in den falschen Hals bekommen. Was für zwei Hälse? Oder meinen sie insgeheim, dass man sich nicht verschluckt an Unhöflichkeiten, wegen Luft- und Speiseröhre? Wie merkwürdig.
"Nee. Für Aufputschmittel war mir mein Geld dann doch zu schade.", er seufzte und atmete laut durch seine Nase wieder ein, "Außerdem dachte ich die Gewürze wären vielleicht Sinnesweckend genug. Du magst doch stark gewürztes."
Ja. Das tat ich. Och, was würde ich jetzt für indisches Essen tun.
"Gut gemerkt.", kicherte ich und verschluckte mich dann jedoch, da ich mich vor meinem eigenen Kichern erschrocken hatte. Wer kicherte denn so?
Ich nahm schnell wieder einen Schluck Chai.
Das war peinlich.
Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie wir dazu kamen. Irgendwie hatte Baekhyun mit dem Licht im Park und dem Himmel irgendetwas mit Berlin verglichen. Ich war nie in Berlin gewesen. Geschweige denn irgendwo anders als aufm Land. Doch das ich diesen Spruch nicht verstanden hatte, hatte ihn so erschrocken, dass er mich zu sich mitnehmen wollte, um mir etwas zu zeigen. Ich war noch nie bei Baekyhun gewesen. Und trotzdem ging alles so schnell und ich begriff erst gar nicht, dass es sich um einen Film in Echtzeitlänge handelte, bis ich meine Augen nicht mehr aufhalten konnte. Das Letzte, was ich gesehen hatte, war ein Mann gewesen. In schwarz-weiß und sitzend auf einer überdimensionalen Statue. Oder waren es Flügel?
Es fiel mir schwer meine Augen immer mehr und mehr zu öffnen, sobald ich realisierte, dass ich in einer anderen Position aufwachte, als ich eigentlich eingeschlafen war. Das Licht, was den Raum erhälte, machte es mir nicht gerade einfacher, die Dinge vor mir zu sehen, auch wenn es nur ein schmaler Lichtstrahl war, der von hinter meinem Rücken eigentlich kommen musste. Doch ich sah nicht nach hinten. Ich schaute einige grüne Blätter einer Pflanze an und ein stark blaues und orangenes Poster, was mir bekannt vorkam. Leider hatte ich meine Brille nicht auf. MIt angestrenten zusammengepressten Augen versuchte ich das Plakat vor mir zu fokussieren.
"He was never in time for his classes...
He wasn't in time for his dinner...
Then one day...
he wasn't in his time at all"
Aber natürlich. Das war "back to the future" was ich da sah.
Ein tolles Poster. Würde ich mir auch aufhängen. Ich musste schmunzeln je länger ich es mir ansah. Mein Blick wanderte über die Kommode, die ich direkt unter dem Poster sah. Braun, schöne große Schubladen. Sie sah alt aus. Wahrscheinlich eine Antiquität. Und ich sah Baekhyuns alte Kamera auf dieser Kommode, was mich gleich wieder zurück in die Realität brachte. In die richtige Zeit. In das richtige Jetzt.
Ein Summen war zu hören und ich sah mich überall um, um zu sehen, wo Baekhyun nun eigentlich war und ob er sauer sei, da ich eingeschlafen war. Hatte ich geschnarcht? Ist er extra in ein anderes Zimmer gegangen?
"Ah, du bist wach.", erklang seine Stimme links von der Kommode aus, als er aus der (vermutlich) Küche trat. Zumindest sah ich einige typische Fliesen an der Wand hinter ihm. Er stand genau in dem Lichtstrahl und erinnerte mich deswegen kurz an den Mann in schwarz-weiß. Apropos:
"Hab ich viel verpasst?", ich zog eine Miene.
Er nickte leicht: "Ja, schon. Du bist nach einer halben Stunde, denke ich, eingeschlafen. Aber du hattest ja schließlich einen guten Grund. Die ganzen Gähner hätten es eigentlich schon vorraussagen sollen."
Okay... Ich fands trotzdem nicht in Ordnung. Ich schlafe sonst nie bei Filmen ein.
Ich nickte und schüttelte dann doch meinen Kopf, "Trotzdem nochmal: Schuldige. Wir holen das nach." Ich griff in meine Haare und spürte, wie sehr sie nach zerrupften Nest aussehen mussten. Deswegen setzte ich mich aufrecht hin und streckte mich, wuschelte durch meine Haare und versuchte währenddessen weitere Blicke von der Wohnung zu erhaschen.
Irgendwie war es spannend zu sehen, wie er so lebte, ohne seine Familie.
Bisher wirkte alles sehr bodenständig, bis auf die Kommode. Die konnte entweder ein Erbstück oder eine sehr teure Antiquität sein.
"Also Kaffee kann ich dir zum Wachwerden jetzt nicht anbieten, aber wenn du andere Wünsche hast, dann kann ich ja mal gucken."
Wach werden. Ohne Kaffee? Da hilft nur eins.
"Eine kalte Dusche würde es auch tun.", schmunzelte ich. Vermutlich immer noch wie ein plattgewordener Pfannkuchen aussehend, "Könnte ich dein Bad benutzen?"
Baekhyuns Augen wurden rund. "Oh. Klar! Aber kalt? Okay wir haben eindeutig ganz andere Vorlieben.", er machte kehrt und kam zurück mit zwei Handtüchern. Ein graues und ein lila rotes.
"Das Bad ist dort und pass auf, die Tür ist ein wenig niedrig, nicht dass du dich stößt, aber ansonsten sollte alles selbsterklärend sein."
Ich nickte nur, da huschte er auch wieder in ein ganz anderes Zimmer. Was das sein eigenes? Ich stand langsam von dem kleinen roten Sofa auf. Natürlich war dieses Sofa rot. Ich musste in mich hineinschmunzeln ich wollte mich weiter umsehen, doch da stand Baek auch wieder vor mir.
Ich musste das Lächeln erwidern. Hoffentlich hatte ich keinen Mundgeruch.
"Danke Baekkie"
Ich bedankte mich und sah ihm noch dabei zu, wie er in ein anderes Zimmer hetzte. Mit viel Konzentration konnte ich noch einen Schreibtischstuhl, ein schmales helles Bett und weitere Poster an der Wand erkennen. Und eine Flagge in vielen Farben. Wirklich schöne Farben. Dann machte ich die Tür hinter mir zu und...
"Aishh", stieß mir meinen Kopf.
Ich konnte Baekhyun lachen hören.
Er hatte mich ja gewarnt.
In der Dusche schaltete ich alles aus. Meine Augen waren zu und ich konnte endlich richtig aufatmen. Zumindest so lang, bis ich ein Surren vernahm, was meinen kompletten Körper in eine Gänsehaut versetzte.
--sorry for being late aaaarghh ich bin dieses Kapitel einfach Yixing okay? Okay!
Liebe Grüße♡♡♡
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