♟braunER rand♟
"The wise speak only of what they know."
--Gandalf//The lord of the rings
|8|
"Ich glaube du steckst mich so langsam mit deinen Angewohnheiten an.", kam es beinahe schon sing sangend von mir.
"Hm?".
Baekhyun schaute von seinem Notizbuch zu mir hoch. Sein Blick schweifend über mein Haar, Gesicht, bishin zu dem silbernen Tablett, was ich stabil in meinen Händen trug. Meine Finger wirkten so lang im Verlgeich zu diesem Blechbrettchen. Darauf zwei Tassen heiße Schokolade und zwei mal derselbe Kuchen. Schokoladen-Mokka-Torte und natürlich ohne Erdbeeren. Den Fehler mache ich nicht zwei mal.
"Ich fasse es nicht, dass wir schon wieder hier sitzen.", lachte Baekhyun leicht und leckte sich, mit amüsiert schüttelndem Kopf über die Lippen, um die Sahne des ersten großen Kakaoschluckes von ihnen zu kriegen.
"Ich wusste einfach, dass du nach diesem einen Projekt nicht mehr genug von mir kriegen würdest.", ich grinste ihn böse an. Doch er kniff als Antwort seine Augen zu und runzelte seine Nase so sehr, dass er mir verdeutlichte, wie angeekelt er doch von diesen Worten war.
"Spinner, wohl eher umgekehrt".
Ich konnte deutlich die Kuhlen neben meinen Mundwinkeln spüren. Hm, sicher. Ich versteckte mein beinahe hervorkommendes Grinsen hinter meiner Tasse, in dem ich mir ebenfalls einen angemessenen Schluck genehmigte.
Wir saßen, wie nun für uns üblich, in meinem- nein- unserem Stammcafe und legten unsere Stirnen in Falten, da wir uns einem neuen Projekt zuwenden sollten. Nur dieses Mal ein Projekt, welches einen enormen Anteil unserer Gesamtbewertung des Jahres ausmachen würde. Ein Kurzfilm. Und WOW was für einer. Unsere Blicke hatten sich bei der Ansage der Semersteraufgabe schneller getroffen, als es Barry Allen jemals möglich gewesen wäre. Wir hatten über unsere Blicke bereits eine komplette Diskusion geführt, noch ehe die Ansage vollständig ausgesprochen worden war.
'Du? Schauspieler!'
'Natürlich bin ich wieder der Schauspieler. Warum nicht du?'
'Du weißt wieso!'
'Naja richtig bewiesen hast du es noch nicht, dass es wirklich so schlimm sei.'
'Glaube mir. DU hast letztes Mal für die Kamera weinen können! Meine schauspielerischen Talente sind quasi wie Nieser, die einfach nicht kommen wollen. Man sieht bescheuert aus und es kommt noch nicht einmal ein befriedigendes Ergebnis. Und wenn du dieses Jahr bestehen willst, dann gehst DU vor die Kamera, mein Lieber.'
'Okay. Überstimmt. Deal.'
Wir beide nickten vielsagend und dann hatte Herr Chwe seinen Satz beendet.
Barry wer?
Zurück zum Cafe.
Baekhyun war wieder dabei in die Mitte des Blattes das Thema des jetzigen Projektes aufzuschreiben. Nur dieses Mal war seine Schrift, sowie das Blatt Papier um das dreifache größer (der Wichtigkeit des Projektes entsprechend).
'ILLUSION'
Klassisches Rotkäppchen-Wolf-Verfahren. Wir erstellen ein Mindmap. Ein großes Mindmap. Ein vielleicht sehr groß wirkendes Mindmap im Vergleich zu dem süßen zierlichen Tisch zwischen uns.
Baekhyun zeigte mit seinem Zeigefinger auf mich, sobald er den Kugelschreiber in seiner Hand zwei mal mehr klicken ließ, als eigentlich nötig. "Okay...erste Assoziation, die dir in den Sinn kommt? Auf 3, 2, 1 LOS!"
"Eine andere Welt?", stammelte ich daher, völlig überrumpelt durch diesen kleinen Countdown. Er lächelte zufrieden. Mittlerweile wusste er gut, wie er mich zum Reden bringen konnte. Dieser Gedanke ließ meine Finger wie Helium in einem Ballon ansteigen. Leichter als Luft.
"Schön. Damit lässt sich doch gut anfangen.", ich fand sein Lächeln zu meinen Worten hin beinahe zu schon frech wirkend, "Eine andere Welt, die nicht existiert oder wie?". Mit diesen Worten schrieb er 'eine andere Welt' auf und fügte aufs Papier einen Pfeil, der vom Begriff wegführte hinzu.
"Naja...quasi wie eine Art Flucht in eine andere Realität...bzw. nicht wissend, ob es nun wirklich real ist oder ob man sich in seinen eigenen Gedanken verirrt. Wie bei 'Inception'.". Bei dem Filmtitel sprangen meine Augenbrauen in die Höhe. Der Film war ein Meisterwerk. Egal wie oft ich den schon gesehen. Der war nie langweilig.
"Aber bei 'Inception' geht es doch um Träume?"
Ich konnte nicht anders, als darauf hin verspielt zu zwinkern: "Ja, aber vielleicht sind Träume ja auch nur eine Art von Illusion?".
"I got you, okay.", es klang beinahe wie ein Lachen, "Aber wir machen nicht das stereo-Beispiel: Augen auf, es war alles nur ein Traum- ugh- Woah- Illusion.", er formte mit seinen Fingern eine kleine Explosion, die wie Niesel herunterregnen sollte.
"Oh Gott. Nein! Das wäre traurig.". Genauso wie der Regen. Vielleicht sollten wir eine Szene in einem Gewitter darstellen. Der Groll, der Donner, der Blitz und das Aufzucken vor Schreck. Das Licht. Der Kontrast von Dunkel und hell? "Und willst du wieder einen Film in Schwarz-Weiß?", fragte ich grinsend. Meine Gedankensprünge würde er wohl nie verstehen.
"Das habe ich noch nicht entschieden.", lehnte er sich zufrieden zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust. "Kommen wir auf deinen Flucht-Aspekt zurück.", er deutete mit seinem Zeigefinger auf mich, "Flucht bedeutet...weglaufen? Vor was? Aus Angst? Verdrängung? Ist die Angst selbst die Illusion?".
"Meinst du eine symbolisierte Hypochondrie? Die Überforderung an seinen eigenen hochgestapelten Ängsten? Oder wegen einer Panikattacke denkt der Protagonist, dass er aus Reflex rennen, davonlaufen würde, doch eigentlich ist er erstarrt?". Baekhyun sah mich ganz verdutzt an. Beziehungsweise starrte ich seine Augenbrauen an, die verdutzt sich zusammenzogen.
"Das war jetzt nicht meine Intention gewesen, aber okay -ähm- behalten wir im Hinterkopf.", er grübelte einige Sekunden, bis er sich erneut nach vorn lehnte und mir direkt in die Augen sah, "Und was ist, wenn er nicht in die Illusion flüchtet, sondern vor der Illusion selbst wegrennt? ZB. Das 'Licht'", er formte wieder diese kleinen Gänsefüßchen, mit seinen Fingern, "wenn man stirbt. Ist man bereit, läuft man in das Licht hinein. Was ist aber, wenn man vor dem Licht wegrennt?".
Es überkam mich mein eigenes Flüstern, welches die Worte nochmal eins für eins durchsickern ließ: "Die Flucht vor der Illusion. Nicht anerkennen der Illusion. Die Angst davor, die einen übermannt. Kompliziert...gefällt mir.". Ich trank einen Schluck aus meiner Tasse und grübelte weiter. 'Ist man bereit, läuft man in das Licht hinein.'. Der Gedanke für den Tod bereitzusein erschien mir unrealistisch und doch wäre das so eine Erleichterung. Wenn man alt ist und sich darauf einstellen konnte und nichts im Leben bereut. Das hat was Friedliches. 'Was ist aber, wenn man vor dem Licht wegrennt?'. Als würde man die Realität nicht wahrhaben wollen. Das wäre bedauerlich, aber menschlich.
Es zierte sich bereits ein brauner Rand mit dem durchschimmernden Weiß der Tasse entlang von der Stelle aus der ich trank. Das fiel mir auf, sobald ich meine Tasse wieder auf den kleinen runden Tisch abstellte.
"Kompliziert und verwirrend. Wie 'Inception'.", er zwinkerte. Manch ein Außenstehender musste unsere Konversation mal analysieren. Die psychischen Apsekte, die sich aus unseren Worten herauslesen lassen. Wie ein Täterprofil. "Aber am Ende brauchen wir eine Klarheit für uns! Der Zuschauer selbst kann sehr gerne seine Theorien spannen.".
Mein Blick blieb auf meiner Tasse haften. Ich konnte meine Finger nicht von ihr lassen. Als würde ich verhindern wollen, dass die Wärme meines Kakaos verloren geht.
"Ja. Der AHA-Moment ist mit am wichtigsten.", stimmte ich grübelnd zu. Meine Stirn war vermutlich in Falten gelegt. Der Tod-Aspekt ließ mich nicht los. Tod und Psyche. Täterprofil. Wäre der, der vor der Illusion wegrennt das Opfer oder der Täter?
"Ja, genau.", stimmte Baekyhun auch mir zu und endlich konnte ich meinen Blick von dem braunen Rand abwenden.
"Ein völlig anderer Gedanke, aber was ist wenn wir eine Art von einem traumatischen Ereignis nehmen? Wie einen Mord?", meine Gedankensprünge machten mich selbst hibbelig. Wie konnte ich ihm meine Gedanken erklären, wenn ich sie selbst nicht verstand? Es waren immer alle Eindrücke auf einmal. Als würde ich nur einem reinen Bauchgefühl folgen und keiner Logik.
Baekhyun sah mich verdutzt an, doch er wartete geduldig, bis ich meinen Gedanken weiterspannen würde.
"Was ist, wenn der Hauptcharakter-", ich zeigte auf ihn, "in dem Fall wahrscheinlich du- ähm- ein Deja-Vu erlebt.", wie ich gerade in diesem Moment, in diesem Cafe, mit diesem Kuchen und diesen Augen, "Und deswegen ist der Zuschauer verwirrt und weiß nicht, ob es wirklich passiert oder ob es eine Illusion ist."
"Zum Beispiel, wenn er erst dachte er sähe etwas im Fernsehen, aber dann sieht er es immer und immer wieder? Als würde die Illusion real?".
"Oder, als wäre es eine eigentlich unterdrückte Erinnerung. Als würde er das Gesehene, diese mögliche Illusion, selbst erleben. Oder nur dieses Gefühl, dass er das selbst erlebt, ist nur eine Illusion. Eben wie die Hypochondrie, die wenn diese Menschen von einer Krankheit hören, denken, dass sie sie selbst hätten. Und dann muss man da mit Placebo rann.".
"Okay...", Baekhyun schielte ein wenig an die Decke des Raumes, um all das gesagte nun sickern zu lassen und überdenken zu können. Es sah beinahe so aus, als würde er an seiner inneren Wangenseite versuchen zu kauen. "Interessanter Gedanke auf jeden Fall. Auf diese Verknüpfung muss man auch erstmal kommen. Aber mir gefällt die Idee mit dem Deja-Vu und dem traumatischen Ereignis im Fernsehen.". Er kaute eindeutig an irgendetwas in seinem Mund, aber den Kuchen hatte er überhaupt noch nicht angerührt. Vielleicht wollte er sich den später als Belohnung genehmigen. "Wäre bestimmt eine sehr gute Einleitung in das ganze Geschehen. Foreshadowing.", er zeigte mit seinen Finger auf mich.
...
Es war...
So langsam begriff ich, dass meine Gedankensprünge ihm wohl wirklich gefallen haben könnten.
Leider wurde unser gerade erst angefangender Flow in diese ganze Thematik durch ein lautes und deutliches Vibireren unterbrochen. Baekyhun schrak auf und tastete ertappst an seinen Hosentaschen entlang, bis er sein Handy fand. Sein Mund kräuselte sich für eine kurze Millisekunde, sobald er vermutlich den Namen des geheimnisvollen Anrufers zu Gesicht bekam. Ich war mir nicht sicher, ob dieses Kräuseln der Ansatz eines Schmunzelns sein sollte oder Verwunderung über diesen Anruf.
Er erhob seinen Finger und richtete sich schnell auf: "Nur eine Sekunde.", flüsterte er zu mir, ehe er zum Telefonieren an die frische Luft ging. Es war noch nicht allzu warm draußen. Er meinte es wohl so, wenn er sagte, dass es nicht lange dauern würde, denn er hatte seinen Mantel auf seiner Stuhllehne liegengelassen. Er war ja kein sonderlicher Fan von Kälte.
Er hielt länger durch, als ich vorerst vermutet hatte. Ich hatte keinerlei aus seinem Gespräch erahnen können. Dafür waren meine Lippenleskünste noch nicht allzu gut ausgereift. Das einzige, was ich hatte herauslesen können, war das "Hallo? Hallo?", als sein Anrufer aufgelegt hatte, was zum Ende des Telefonats geschehen sein musste. Denn danach kam Baekhyun mit hochgezogenen Schultern wieder hinein.
Vorerst hatte ich seiner verkrampften Haltung der Kälte die Schuld gegeben, doch es dauerte nicht lang, bis mir auch sein trüber Blick auffiel.
"Alles okay? Das sah ja hitzig aus.", ich schmunzelte noch für ca. eine Sekunde, bevor ich es ganz schnell beiseiteschob, da sein Blick noch nicht einmal den meinen traf.
"Es geht mir gut.", murmelte er. Man konnte spüren, wie er versuchte deutlicher zu sprechen. Es war gewollt deutlich und trotzdem klang es kleinlich. Ein Murmeln eben.
Wir versuchten anhand der bisherigen Stichpunkte uns wieder reinzufedeln, doch es war vergeblich. Also konnte ich es nicht darauf beruhen lassen und versuchte es erneut.
"Sicher, dass alles okay ist?".
Diese wiederholte Frage hätte ich mir wohl ersparen sollen, denn Baekhyun hatte mich zuvor noch nie so angefaucht: "Ja, Chanyeol und jetzt lass es!".
Ich musste schwer schlucken und mein Blick haftete wieder an dem braunen Rand meiner Tasse. Die heiße Schokolade war mittlerweile kalt geworden und nur noch wenig übriggebliebene Schlücke.
Als hätte Baekhyun sich mit seinen eigenen Worten selbst aufgeweckt, sah er mich erschrocken an. "Tut mir Leid. Ich-", sein Blick schwirrte um die Tischplatte umher, ehe er mich wieder ansah und ich von der kalten Pfütze hochblickte, "Ich wollte dich nicht ankeifen.".
Die Erleichterung machte sich in meinem Brustkorb breit, sobald ich seinen ehrlichen Ton erneut heraushören konnte und nicht das Gefühl hatte, als sei eine andere Person stattdessen wieder zurück ins Cafe gekommen.
"Willst du darüber reden?", fragte ich also. Er müsste ja nicht, wenn er es nicht wollte. Auch wenn ich inständig hoffte, ihn verstehen und ihm vielleicht sogar helfen zu können.
Baekhyun schüttelte langsam seinen Kopf und ganz im Gegensatz zu der Vermutung, dass diese Geste bedeutete, dass er nichts sagen wollte, öffnete er bereitwillig seinen Mund. Seine Stimme ertönte. Ehrlich und irgendwie geschwollen, als würde seine Kehle langsam ihm die Luftzufuhr zuschnüren. "Meine Schwester hat gerade das ganze Hier unterbrochen.", er schwenkte seine Hände wie ein Magier über unseren kleinen und zugestellten Tisch. Mein Blick fiel wieder auf das Blatt Papier, welches wir nicht geschafft hatten weiter zu füllen, seit dem genannten Anruf. "Unser kleiner Bruder hat heute Geburtstag und-"
"-Oh-Herzlichen Glückwunsch an ihn", unterbrach ich ihn ausversehen.
"Richte ich aus.", nahm es mir Baekhyun glücklicherweise nicht übel, "Naja. Zumindest reicht es wohl nicht, ihm per Kakaotalk zu beglückwünschen, sondern ich soll zu der Familien-bzw. seiner Geburtstagsveranstaltung persönlich vorbeischauen.", er presste seine Lippen überlegt zusammen. Sein Blick auf dem Kuchenstück, als hätte ihn dieser Gedanke den Appetit vermießt.
"Okay.", murmelte ich. Ich verstand das Problem noch nicht so wirklich. "Es sind doch nur zwei Stunden oder nicht?". Zumindest hatte ich in etwa diese Entfernung im Kopf behalten.
Baekhyun schüttelte seinen Kopf: "Die Entfernung ist mir völlig egal. Das ist ja nichts. Für meine Geschwister würde ich auch in ein Flugzeug steigen, doch ich bin kein sonderlicher Befürworter für diese Familientreffen. Ich bin ja nicht ohne Grund gegangen.".
Traurig schoben sich meine Augenbrauen zusammen.
Ich konnte nicht anders, als an Little Women zu denken:
"I do think that families are the most beautiful things in all the world!"
"Aber wie?", fragte ich gerade heraus.
Baekyhun sah mich direkt an: "Wie was?".
"Der Grund, dass du deine Familie verlassen hast? Familie ist doch so schön."
Es war ein erschreckendes Bild, wie Baekhyun mit traurigen Augen auf meine Worte hin lächelte. Der Kontrast hatte sich in mein Gehirn gebrannt, wie die Erinnerung an seine Leberfleckensterne.
Hilfe hatte ich Probleme mit DIESEM VERDAMMTEN Kapitel!! Uffff
Ich hoffe man konnte das nicht so sehr herauslesen. Und versprochen, es wird wieder besser.
Aber aber. Das wars noch nicht! IHR SOLLTET ganz dringend bei halcyonoom vorbeischauen. Jetzt kommt der ganz wichtige Stuff. Family, seine Gedanken und Erfahrungen!! Alles was hier lückenhaft war, findet ihr dort und außerdem gibt es die nächsten Tage zwei zusätzliche Kapitel und Einblicke bei ihr. Also Baekyhun gibt gerade sehr interessante Seiten von sich preis. Also vergesst diese Kapitel nicht und habt (am aller wichtigsten) Spaß dabei!!
Ganz liebe Grüße an euch alle und habt ein tolles Wochenende! Ich gehe mir jetzt erstmal etwas kochen. ^^
-Eure Snow-
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top