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Zeitsprung
Inzwischen hatten meine Mutter und ich uns gut eingelebt. Es war anfangs etwas schwierig, da wir von einer Großstadt in ein - naja, wie soll ich sagen – Kaff gezogen waren. Das einzige, was den Ort besonders machte, war, dass das ganze Dorf mitten in einem großen Waldgebiet lag. Ich nahm mir vor, den Wald schon bald mit meinem Golden Retriever Emma gemeinsam zu erkunden, da ich noch nie wirklich die Möglichkeit dazu hatte. In der Stadt aus der ich kam gab es zwar Parks, aber das war nicht mit dem zu vergleichen, was sich hier bot. Morgen war mein erster Tag an der neuen Schule. Da es in dem Dorf wo ich ab jetzt lebte kein Gymnasium gab, würde ich ab morgen jeden Tag mit dem Bus fahren müssen, aber das machte mir nichts aus. Ich hatte ein wenig Angst ihn zu verpassen, da die Busse hier nur selten fuhren, aber ich hoffte, dass ich nach ein wenig Zeit routiniert sein würde. Und wenn nicht, dann war es auch nicht schlimm, da ich bald meinen 18. Geburtstag haben würde und dann mit dem Führerschein anfangen wollte, für den ich schon seit Ewigkeiten sparte. Ich war schon aufgeregt, wie es auf meiner neuen Schule seien würde. Hoffentlich war ich nicht die Hauptattraktion, weil ich die Neue sein würde. Ich hasste Aufmerksamkeit, nur in Gegenwart meiner Freunde und von Tieren konnte ich wirklich ich selbst sein. Naja, ab jetzt wohl nur noch mit meiner Mutter und meinem Hund, da ich schweren Herzens alle meine Freunde bei dem Umzug zurücklassen musste. Am meisten schmerzte mich der Abschied von meiner aller besten Freundin Enya, die ich im Kindergarten kennengelernt hatte und seitdem mit ihr unzertrennlich gewesen war. Leider sah ich sie in letzter Zeit nicht sonderlich oft, da sie ihren Realschulabschluss bereits vor eineinhalb Jahren gemacht hatte und danach direkt nach Spanien geflogen war, wo sie nun als Au-pair arbeitete. Ich bewunderte sie, denn sie hatte schon immer einen genauen Plan, wie ihr Leben ablaufen sollte: Schule fertig, dann nach Spanien und dann eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, um letztendlich in dem selben Kindergarten, in dem auch ihre Mutter Corinna, die aber von allen nur Co genannt wurde, und in dem wir uns kennengelernt hatten zu arbeiten. Auch wenn wir uns vor dem Umzug nur selten gesehen haben, war es nun ein komisches Gefühl, da sie nun noch weiter entfernt schien. Zum Glück kam sie bald aus Spanien zu Besuch nach Deutschland und meine Mutter hatte mir versprochen, dass ich dann für ein paar Tage zu ihr fahren dürfte. Ich freute mich schon lange auf diese Zeit und war bereits gespannt, was sie alles in Spanien erlebt hatte. Ich ging aus der Küche, in der ich mir einen Tee gemacht und Emma zu Fressen gegeben hatte zurück in mein Zimmer, um es weiter mit den Sachen aus den vielen Kartons einzuräumen. Bis jetzt standen nur mein weißes Bett, mein gleichfarbiger Kleider- und Bücherschrank und mein Schreibtisch inklusive Stuhls in meinem Zimmer. Ich machte mich daran, meine vielen Bücher einzusortieren. Ich liebte meine Bücher über alles. Sie hatten keine bestimmte Ordnung, es war von allem etwas dabei, von allgemeiner Literatur, wie „Faust", „Die Physiker" oder auch „Das Parfüm", über Kinderbücher, wie „Das Sams" oder „Grimms Märchen", bis hin zu neueren Buchreihen, wie zum Beispiel „Die Tribute von Panem", „Die Chroniken der Unterwelt" oder die Reihe „True Blood". Zwischen drin konnte man auch alte englische Bücher, Bücher, die sich mit geschichtlichen Ereignissen beschäftigen und Komödien finden. Krimis hatte ich nur wenige, wenn dann nur welche, die mir geschenkt worden waren, die ich aus Prinzip nicht wegschmeißen konnte, die ich aber auch nicht lesen würde, da ich extreme Angst davor hatte. Als kleines Kind, als meine Großmutter mütterlicherseits noch lebte, übernachtete ich oft bei ihr. Da sie schon sehr alt war und nur noch schlecht hörte, drehte sie den Fernseher immer auf die höchste Lautstärke. Das wäre normaler Weise kein Problem für mich gewesen. Da sie aber unter chronischen Schlafstörungen litt und nachts deshalb immer wach war und sich die Zeit mit Fernsehen vertrieb und dann immer ihre Krimis, die für Kinder noch nicht geeignet waren und deshalb nur nachts liefen ansah, mit wohlgemerkt voller Lautstärke, hörte ich in meinem Bett die furchtbaren Schreie der Opfer, woraufhin ich dann die ganze Nacht aus Angst in meinem Bett saß und nicht einschlafen konnte, wegen der Befürchtung, wenn ich einschliefe würde der Mörder kommen und ich wäre das nächste Opfer. Als ich fertig war meine Schätze in einer Ordnung, die ich mir neu ausgedacht hatte eingeräumt hatte, mit dem Wissen, dass ich sie schon bald wieder ausräumen und mit einer neuen Ordnung wieder reinstellen würde, da ich das fast schon alle halbe Woche tat, legte ich mich mit meinem Handy auf mein Bett. Dort hörte ich Musik über meine Box und schaute mir die neuen Beiträge auf Instagram an, während ich ein paar Freunden auf Snapchat zurück snapte und mit anderen schrieb. Agneta, eine Freundin von meiner alten Schule, mit der ich auch zusammen in einem Kickboxverein war und die manchmal mit mir Motorrad auf dem Gelände des Enduro Vereins, in dem wir auch waren, gefahren ist, hatte mir geschrieben. Sie war die Person, die ich am zweitmeisten vermisste, denn wie haben uns beinahe jeden Tag gesehen und etwas miteinander unternommen.
Aggy <3: Und wie geht es dir? Wie ist es in dem „Kaff" in dem du jetzt lebst 😉 Ich vermisse dich jetzt schon... Hab dich lieb Hannay <3
Hannah: Ja ist ganz okay, der Wald neben unserem Haus ist umwerfend, ich gehe wahrscheinlich gleich mit Emma spazieren. Ansonsten ist es, wie du gesagt hast ein Kaff, viel ist hier leider nicht, ich weiß auch nicht, warum meine Mutter unbedingt hierherziehen wollte, wo sie doch ab jetzt den neuen Job hat und die meiste Zeit auf Geschäftsreisen seien wird. Ich vermisse dich auch furchtbar schrecklich, du musst mich unbedingt bald besuchen kommen, dann mischen wir das Dorf mal richtig auf 😉 Ich hab dich auch ganz, ganz doll lieb <3
Nachdem ich ihr geantwortet hatte schaltete ich die Musik ab und rief nach Emma. Sofort kann sie die Treppe hochgerannt und sprang an mir hoch. Sie war schon sieben Jahre alt. Ich hatte sie bekommen, als ich noch ein kleines Kind war und ich liebte sie über alles. Ich ging mit ihr an meiner Seite die Treppe in den Flur runter, wo ich mir meine Schuhe und Jacke anzog, Emma ihr Geschirr anlegte, die Leine und ein paar Leckerlies aus dem Schrank nahm und die Tür öffnete. Kurz bevor sich die Tür schloss sprintete ich zurück in den Flur, da ich die Schlüssel vergessen hatte und meine Mutter erst spät am Abend von ihrer Geschäftsreise zurückkommen würde. Puh, Glück gehabt. Nach dem ich mich nochmal versichert hatte, dass ich mein Handy und den Schlüssel hatte. Schloss ich die Tür und ging zu Emma, die im Vorgarten des Hauses schwanzwedelnd auf mich wartete. Ich leinte sie an, als wir aus dem Gartentor gingen, weil ich Angst hatte es könnte ein Auto kommen. Als wir im Wald waren lies ich sie wieder frei und wir liefen nebeneinander auf dem Waldweg. Ich hatte sie gut erzogen und war stolz auf unsere Mensch-Hund-Beziehung die schon nahe an einer Freundschaft war. Sie war mir noch nie weggelaufen oder ähnliches. Gerade als ich am Ende einer Lichtung im Wald stand, hörte ich plötzlich ein Knurren hinter mir. Ich drehte mich erschrocken zu dem Geräusch um.
~ 1241 Wörter
~Stand: 02. Januar 2019
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