Kapitel 6
Zwei Wochen später stand Misaki inmitten der geschäftigen Menschenmenge am Flughafen, das Summen von Stimmen und das leise Rattern von Koffern bildeten den Klangteppich ihrer Gedanken. Die hell erleuchteten Gänge wirkten fremd, beinahe unwirklich, während sie auf den Bildschirm mit den Abflügen starrte.
„Flug nach Tokio – pünktlich.“ Der Moment, den sie so lange vor sich hergeschoben hatte, war gekommen.
Ihr Herz schlug schneller, und sie umklammerte den Griff ihres Koffers fester. Noch immer spürte sie eine Mischung aus Nervosität und leiser Angst. Die letzten zwei Wochen schnell vergangen, vermutlich wegen all dem, was passiert war, und nun war sie hier, bereit, nach Tokio zu fliegen – zu Tante Himeko, die sie kaum kannte. Der Gedanke ließ sie immer noch innehalten, eine unsichtbare Schwere lag auf ihren Schultern. Was, wenn das alles ein Fehler war?
Aber zugleich war da auch eine andere Stimme in ihr, leise, aber entschlossen. Es war Zeit, etwas zu verändern. Sie konnte nicht länger in der Stille der endlosen Probleme erstarren. Misaki schloss die Augen und atmete tief ein, das Gefühl des Aufbruchs lag in der Luft. Es war nicht nur der Flug nach Tokio – es war der Schritt in ein neues Leben, weg von all den Schmerzen und Enttäuschungen der letzten Monate.
Während Misaki auf das Boarding wartete, kehrten ihre Gedanken unwillkürlich zu dem Tag zurück, als sie ihrer Mutter gesagt hatte, dass sie nach Tokio ziehen würde. Es war einer dieser kühlen, grauen Nachmittage gewesen, und das Licht hatte durch die Vorhänge im Wohnzimmer gefiltert, als sie Yumiko gegenüber saß, die Hände nervös ineinander verschränkt.
„Ich ziehe zu Tante Himeko“, hatte sie gesagt, und in dem Moment, als die Worte den Raum erfüllten, konnte Misaki die Anspannung spüren, wie ein Blitz, der lautlos durch die Luft zuckte.
Ihre Mutter hatte sie einen Moment lang wortlos angestarrt, als ob sie nicht sicher war, ob sie richtig gehört hatte. Dann war ihre Miene von einem kühlen, harten Ausdruck gezeichnet worden. „Zu Himeko? Ausgerechnet zu ihr?“
Misaki erinnerte sich an die Bitterkeit in Yumikos Stimme, an die schneidende Kälte, die sofort Einzug gehalten hatte. Sie hatte ihre Mutter daraufhin beschwichtigen wollen, aber das Gespräch war schon auf dem Weg, sich in einen Streit zu verwandeln. „Es ist nur vorübergehend, bis ich wieder klarer sehe, denke ich zumindest“, hatte Misaki erklärt, doch ihre Mutter ließ sie nicht ausreden.
„Du weißt doch gar nichts über sie! Sie hat sich jahrelang nicht um uns gekümmert, und jetzt willst du einfach so zu ihr gehen?“ Yumikos Stimme war immer lauter geworden, das alte Gift zwischen den Schwestern war wie ein offenes Geheimnis, das nie ausgesprochen, aber immer präsent war.
„Es geht nicht um euch“, hatte Misaki schließlich entgegnet, ihre eigene Stimme zitternd vor unterdrückter Wut. „Es geht um mich! Ich brauche das jetzt! Denkst du, mir fiel diese Entscheidung leicht? Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, auch deinetwegen, aber es ist in letzter Zeit einfach zu viel in meinem Leben passiert!“
Der Streit war weiter eskaliert, alte Wunden, von denen Misaki kaum etwas wusste, schienen plötzlich offenzulegen, was zwischen ihrer Mutter und Himeko lag. Es war als würde Yumiko all ihre Wut, welche sie durch ihre Eifersucht auf ihre jünger Schwester hegt, auf ihre Tocher übertragen. Doch Misaki hatte auf ihrem Entschluss beharrt, auch wenn es ihr das Herz brach, Yumiko so verletzt zu sehen. Am Ende hatte ihre Mutter sie stehen lassen, ohne ein weiteres Wort, und Misaki war allein in der Stille des Hauses zurückgeblieben.
Es schmerzte sie, dass ihre Mutter sich scheinbar nicht dafür interessierte, was in ihrem Leben vorgefallen war. Sie hatte nicht einmal nachgefragt, warum Misaki diese Entscheidung traf. Es war, als wenn ihre Mutter, welche sie sonst immer liebevoll und fürsorglich zu ihr war, sofort vergaß, dass ihre Tochter vor ihr saß, als der Name Himeko fiel. Eine Träne lief Misaki die Wange hinunter, während sie nun allein in diesem ruhigen Wohnzimmer saß, dessen Ruhe nur von dem Ticken der Wanduhr durchbrochen wurde.
Jetzt, am Flughafen, spürte sie immer noch die Nachwehen dieses Streits. Ein dumpfer Schmerz, irgendwo zwischen Reue und Trotz, hallte in ihr nach. Sie hatte es tun müssen, sie musste weg, das wusste sie. Aber der Bruch mit ihrer Mutter fühlte sich an, als hätte sie ein Stück von sich selbst zurückgelassen.
Misaki lehnte ihren Kopf gegen die kühle Fensterscheibe des Flughafens und ließ ihre Gedanken zu dem letzten Gespräch mit Marco wandern. Es war nur wenige Tage vor ihrem Abflug gewesen, ein Treffen, das sie lange hinausgezögert hatte, aus Angst vor den Antworten, die sie dort finden würde. Doch sie wusste, dass sie ihn sehen musste – für eine Aussprache, um die vielen Fragen zu klären, die wie Dornen in ihrem Kopf feststeckten. Besonders eine Frage nagte an ihr: warum? Warum hatte er wegen dieser flüchtigen Partybekanntschaft alles aufgegeben?
Sie trafen sich in dem kleinen Café in ihrem Lieblingspark, welches sie früher oft besucht hatten, und als Marco vor ihr saß, schien er fast ein Fremder zu sein. Seine Haltung war defensiv, die Hände um seine Tasse geklammert, während er unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschte. Der Moment der Vertrautheit war längst verblasst, und was geblieben war, fühlte sich kalt und fremd an.
Es tat weh ihn wiederzusehen, es war das erste Mal nach der Trennung, dass sie ihn wieder sah – abgesehen von den etlichen Posts mit seiner neuen Freundin. Aber sie musste es einfach wissen. Sie konnte nicht wegfliegen, ohne noch ein letztes Mal mit Marco zu sprechen, einfach eine letzte Aussprache mit ihm führen, mehr wollte sie nicht, auch wenn sie ihn noch immer liebte aber vielleicht konnte sie dann endlich damit abschließen.
„Warum?“, hatte sie schließlich leise gefragt, ihre Stimme brüchig, als sie ihm direkt in die Augen sah „Warum hast du Schluss gemacht – ihretwegen?“
Marco hatte tief durchgeatmet und schien nach Worten zu suchen, die die Wahrheit nicht noch schmerzhafter machen würden, als sie ohnehin schon war „Es war nicht nur ihretwegen, Misaki“, begann er, seine Stimme schwer vor Schuld. „Diese Bekanntschaft… Sie war nur ein Auslöser. Ich weiß, das klingt klischeehaft, aber es war schon vorher etwas in mir zerbrochen. Ich habe mich verloren gefühlt, und als ich sie getroffen habe, wurde mir klar, dass ich in unserer Beziehung nicht mehr der war, der ich sein wollte.“
Seine Worte schnitten durch Misaki wie scharfe Klingen, aber sie wollte wissen, was dahintersteckte. „Und was war es, das du in mir nicht mehr gefunden hast nach ganzen sieben Jahren Beziehung?“ Ihre Augen brannten, aber sie zwang sich, ihn nicht loszulassen. Sie musste es verstehen.
Marco senkte den Blick, als ob er es kaum ertrug, ihr ins Gesicht zu sehen. „Ich habe mich in dich verliebt, weil du immer so stark warst, weil du wusstest, was du wolltest. Aber irgendwann…“ Er stockte, suchte nach den richtigen Worten.
„Irgendwann habe ich das Gefühl gehabt, dass ich nicht mehr Teil deines Plans war. Es war, als würdest du immer weitergehen, und ich blieb zurück. Und dann… kam sie. Sie hat mir das Gefühl gegeben, wieder gesehen zu werden. Aber ich weiß, das rechtfertigt nichts.“
Misaki fühlte, wie eine Welle der Bitterkeit in ihr aufstieg. Seine Erklärung tat weh, tiefer als sie erwartet hatte. Er hatte sich in der Unruhe verloren, in der Unsicherheit, und sie war zu stark gewesen, zu zielstrebig. Er war zu schwach gewesen, um das auszuhalten. Sie wollte ihn verstehen, aber das Unverständnis blieb wie ein schwerer Stein auf ihrer Brust liegen. „Also war es meine Schuld“, fragte sie leise, der Schmerz in ihrer Stimme nicht zu überhören.
Marco sah sie an, und sein Blick war voller Reue. „Nein, Misaki. Es war nie deine Schuld. Es war meine eigene Unsicherheit. Ich hätte mit dir darüber reden sollen, aber stattdessen habe ich den leichten Ausweg genommen.“
Das Gespräch endete in dieser stillen Erkenntnis, und als sie schließlich das Café verließen, wussten beide, dass nichts mehr zu retten war. Die Liebe, die einst zwischen ihnen gewesen war, hatte sich aufgelöst – langsam und leise, bis nichts mehr übrig war, als die Erinnerung an das, was sie einmal hatten.
Nun, am Flughafen, fühlte Misaki eine eigenartige Mischung aus Klarheit und Schmerz. Sie verstand nun, was geschehen war, aber es machte den Verlust nicht leichter. Stattdessen schien die Leere tiefer zu sein, da es keinen wirklichen Grund gab, keinen greifbaren Fehler, den sie hätte verhindern können.
Seufzend, mit einem Stich in ihrem Herzen, während sie an die Situationen mit Marco und ihrer Mutter dachte, strich sie sich eine ihrer inzwischen pastel rosafarbenen Haarsträhnen aus ihrem Gesicht und spielte ein wenig an dieser herum. Sie konnte es nicht glauben das Rina sie wirklich dazu gebracht hatte, ihre Haare zu färben.
"Der Erste Schritt in ein neues Leben" wie Rina es nannte.
Erst war es etwas unangenehm für Misaki, welche nie eine bunte Haarfarbe hatte, abgesehen von ihrem platinblond, welches sie sich seit Jahren immer färbte, mit dieser Haarfarbe herumzulaufen. Klar sie wollte es immer einmal ausprobieren, weil es bei anderen immer so schön aussah, aber sie traute sich dennoch nie, aufgrund der "wir müssen alle aussehen wie eine elegante Familie" Regel ihres Vaters – und weil Marco immer mehr auf blonde Mädchen stande.
Als die Durchsage ihren Flug ankündigte, öffnete Misaki die Augen und griff nach ihrem Ticket. Ohne zurückzuschauen, machte sie sich auf den Weg zum Gate.
Während Misaki langsam in Richtung ihres Gates ging, das dumpfe Dröhnen des Flughafens um sie herum, vibrierte plötzlich ihr Handy in der Tasche. Sie zog es heraus, und auf dem Bildschirm leuchtete der Name ihres jüngeren Bruders auf: Ryo.
Überrascht blieb sie stehen, das Herz schlug einen Moment schneller. Ryo war nie jemand gewesen, der viele Worte machte, vor allem nicht über Dinge, die emotional schwer wogen. Misaki entsperrte das Handy und öffnete die Nachricht.
„Hey Sis, ich hab gehört, dass du heute nach Tokio fliegst. Mama war ziemlich sauer deswegen und wollte eigentlich nicht, dass ich dir schreibe. Wollte nur sagen, ich wünsche dir alles Gute. Es ist komisch ohne dich, aber ich verstehe, warum du gehst, Rina hat mir alles erzählt. Pass auf dich auf. Und... vergiss nicht, dass du hier immer ein Zuhause hast, okay? Zumindest für Rina und mich. Melde dich ab und zu mal.“
Die Worte waren einfach, typisch Ryo – keine großen Gesten, keine tiefen emotionalen Erklärungen. Aber zwischen den Zeilen spürte Misaki die Zuneigung ihres kleinen Bruders, die er selten direkt zeigte. Eine Wärme breitete sich in ihrer Brust aus, und für einen Moment hielt sie inne, ließ die Nachricht auf sich wirken.
Sie tippte eine kurze Antwort zurück: „Danke, Ryo. Es bedeutet mir viel. Ich passe auf mich auf – und ich komme zurück. Irgendwann.“
Mit einem leisen Seufzen steckte sie das Handy zurück in ihre Tasche und setzte ihren Weg fort. Die Nachricht von Ryo fühlte sich wie ein kleines Stück Heimat an, das sie mitnehmen konnte, egal wie fremd und ungewiss die Zukunft in Tokio sein mochte.
Als Misaki das Handy wieder in ihre Tasche steckte und sich auf den Weg zum Gate machte, war sie so in Gedanken versunken, dass sie die Gestalt, die plötzlich vor ihr auftauchte, zu spät bemerkte. Mit einem leisen Aufprall stieß sie gegen jemanden und stolperte leicht zurück. Ihr Koffer wackelte unsicher, doch bevor sie die Kontrolle verlor, fing sie sich.
„Entschuldigung“, murmelte sie hastig und blickte auf, um den Mann vor ihr anzusehen.
Er war jung, etwa in ihrem Alter, vielleicht etwas älter. Sein Haar war in einem stilvollen, modernen Schnitt gehalten, der mühelos zwischen Eleganz und Lässigkeit balancierte. Die dunklen Strähnen fielen ihm in weichen Wellen über die Stirn und wurden seitlich leicht zur Seite gekämmt, als hätten sie den perfekten Punkt zwischen gepflegt und ungezähmt getroffen. Das Haar hatte ein natürliches Volumen, das dem Gesamtbild eine gewisse Dynamik verlieh, als würde es sich jeder Bewegung anpassen.
Sein Gesicht war eine Leinwand klarer, markanter Linien, die sich zu einer eindrucksvollen Symmetrie zusammenfügten. Die hohen Wangenknochen, wie von der Natur sorgfältig gemeißelt, verliehen ihm eine unverwechselbare Schärfe, die durch den festen, kantigen Kiefer noch verstärkt wurde. Seine mandelförmigen Augen, tief und dunkel, wirkten wie ein Fenster zu einer inneren Welt, die von Ruhe und Nachdenklichkeit durchzogen war.
Die Nase, gerade und wohlproportioniert, fügte sich harmonisch in das Gesamtbild ein, als wäre sie der Ankerpunkt, um den herum sich die übrigen Gesichtszüge ordneten. Seine Lippen, voll und fein definiert, trugen die sanfte Kurve eines kaum merklichen Lächelns – ein Ausdruck von Selbstsicherheit und geheimnisvoller Zurückhaltung, der das Rätsel seines Wesens nur noch vertiefte. Die Haut war makellos, mit einem Hauch von Wärme, die ihm einen lebendigen, gesunden Teint verlieh und seine jugendliche Ausstrahlung unterstrich. Jedes Detail seines Gesichts sprach von einer mühelosen, fast zeitlosen Attraktivität, die sich zwischen Stärke und Sanftheit bewegte.
„Kein Problem“, sagte er leise, seine Stimme kühl, fast mechanisch, und trat einen Schritt zur Seite, als wäre der Zusammenstoß nichts weiter als eine lästige Kleinigkeit gewesen.
Misaki spürte sofort die Kälte, die von ihm ausging, nicht physisch, sondern in der Art, wie er sich bewegte, wie er sprach. Seine Präsenz war distanziert, fast abweisend, und die Luft um ihn herum schien sich anzuspannen, als wollte sie ihn fernhalten. Für einen Moment zögerte sie, ihre Augen suchten nach einem Anzeichen von Emotion auf seinem Gesicht, aber da war nichts – nur dieser leere, kühle Ausdruck.
„Alles gut“, fügte er noch hinzu, bevor er sich umdrehte und langsam davonging, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Misaki blieb stehen, starrte ihm nach und fühlte ein seltsames Unbehagen, das sie nicht ganz erklären konnte. Es war, als hätte sie gerade einen Schatten berührt, der kurz in ihr Leben getreten war und nun wieder in die Dunkelheit verschwand.
Misaki stieg nach der Begegnung mit dem jungen Mann in den Flugzeuggang und ließ die kühle Ausstrahlung des Fremden hinter sich. Der Gang war voller Menschen, die sich auf ihre Sitze drängten und ihre Gepäckstücke verstauten. Misaki warf einen letzten Blick auf das Terminal, bevor sie den Vorhang zum Inneren des Flugzeugs zog.
Der Flugzeuginnenraum war angenehm klimatisiert, eine Ruhe kehrte ein, während sie sich durch den engen Gang zum Fensterplatz kämpfte. Die Sitze waren in sanften Grautönen gehalten, und das gedämpfte Licht sorgte für eine beruhigende Atmosphäre, die im Kontrast zu dem kalten Eindruck des Mannes stand. Misaki ließ sich in ihren Platz sinken, ihre Gedanken noch immer von der Begegnung beschäftigt.
Als sie sich anschnallte, spürte sie das vertraute Gefühl des Sitzes, das beruhigend und gleichzeitig anregend war. Der Flugzeugboden unter ihren Füßen schien sie für einen Moment von der Realität abzuschirmen, und die Gedanken an ihre bevorstehende Reise nach Tokio wurden deutlich präsenter. Das Dröhnen der Triebwerke begann, und das Flugzeug setzte sich langsam in Bewegung.
Misaki schaute aus dem Fenster, als die Maschine sich über die Startbahn rollte und die Welt draußen immer kleiner wurde. Die Aufregung und Nervosität, die sie vor dem Flug gespürt hatte, wurden allmählich von einem Gefühl der Entschlossenheit abgelöst. Während das Flugzeug in den Himmel aufstieg, versuchte sie, sich auf das Abenteuer zu konzentrieren, das vor ihr lag. Tokio war ein Neuanfang, ein Platz für neue Chancen und vielleicht auch eine Art Heilung.
Die Erinnerung an den Mann, dessen kalte Ausstrahlung sie getroffen hatte, verblasste langsam im Hintergrund, während sich der Blick auf die sich entfaltende Landschaft unter ihr verwischte. Misaki schloss die Augen, atmete tief durch und bereitete sich darauf vor, in eine neue Phase ihres Lebens einzutreten.
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