Kapitel 15
„Was ist mit dir?“, fragte Misaki leise, ihre Stimme fast flüsternd, als ob sie selbst die Antwort nicht ganz hören wollte „Warum hast du keine Freundin?“
„Was?“ Yuma starrte sie an, als hätte sie gerade in einer völlig fremden Sprache mit ihm gesprochen.
Misaki hielt ihren Blick und wiederholte ihre Frage „Warum hast du keine Freundin? Du siehst gut aus, bist bei fast jedem beliebt und hast ein Herz aus Gold. Also, wieso ist jemand wie du eigentlich noch Single?“
„Du findest, ich sehe gut aus?“ Yuma brach plötzlich in ein leises Kichern aus, während er sie mit einer hochgezogenen Augenbraue anstarrte „Du machst mir langsam ernsthafte Komplimente“, fügte er mit einem schelmischen Lächeln hinzu.
Misaki rümpfte die Nase „So wie jeder hier. Also, bekomme ich jetzt die Antwort oder nicht?“
Yuma setzte sich ein wenig aufrechter hin, wobei sein Lächeln immer noch eine Spur von Amüsement in sich trug „Es ist kompliziert“, antwortete er schließlich, seine Stimme plötzlich ernster „Die meisten Leute denken, ich wäre immer so locker und unbeschwert, aber … ich habe nie wirklich die Zeit oder den Kopf für eine Beziehung gefunden.“
Er machte eine kleine Pause, als würde er über seine eigenen Worte nachdenken. „Und wenn man dann wirklich jemanden trifft, mit dem es mehr sein könnte, ist es einfach zu spät. Oder … die Personen interessieren sich wirklich für dich.“
Misaki merkte, dass er absichtlich nicht in die Tiefe ging, und sie spürte, dass mehr hinter seinen Worten steckte. Doch sie entschied sich, nicht weiter nachzufragen. Stattdessen lehnte sie sich leicht zurück, ihre Gedanken bei seinen letzten Worten.
„Kompliziert also“, wiederholte sie nachdenklich „Na gut, dann behalte dein Geheimnis eben.“ Sie grinste leicht und versuchte, die Stimmung wieder zu entspannen.
Yuma sah sie einen Moment lang an, bevor er erneut in ein schiefes Lächeln verfiel „Vielleicht ist es auch einfach so, dass ich es mehr genieße, mich um das zu kümmern, was vor mir liegt – meine Arbeit, meine Freunde … und das Leben, das ich gerade führe. Außerdem kann ich so besser flirten ohne Hintergedanken.“
Misaki nickte langsam „Klingt, als wärst du ziemlich zufrieden mit dir selbst. Und den Frauen um dich herum.“
„Ich würde sagen, ich bin in der besten Zeit meines Lebens“, antwortete er, aber seine Augen verrieten eine Tiefe, die mehr sagte, als Worte je könnten.
Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen, bevor Misaki das Thema auf eine leichtere Ebene brachte „Vielleicht solltest du einfach mal jemanden aus der Firma daten. Ayaka und Miko wären sicher entzückt, wenn du dir endlich eine Freundin suchst. Zumindest dann, wenn es eine von ihnen ist.“
Yuma lachte, und für einen Augenblick war alles andere vergessen „Die würden mich eher für den nächsten Modellroboter halten, als für einen Menschen, der in einer Beziehung steckt“, erwiderte er mit einem spöttischen Lächeln „Die beiden sind mir zu oberflächlich, ich will keine Freundin, die nur auf mein Aussehen aus ist.“
„Wer weiß“, sagte Misaki mit einem Zwinkern „Vielleicht ist ja der richtige Zeitpunkt dafür irgendwann. Aber jetzt ist es zu spät für uns beide, oder?“
„Was meinst du damit?“, fragte Yuma, sein Lächeln war ein wenig spöttisch, als er sie mit hochgezogener Augenbraue ansah.
Misaki zögerte für einen Moment, dann atmete sie tief durch „Na ja …“, begann sie, ihre Stimme leise, doch entschlossen „Ich denke, wir haben beide unsere Gründe, warum wir nicht so schnell in eine Beziehung gehen. Es ist nicht so, als wären wir noch nicht bereit. Zumindest bei dir. Vielleicht geht es einfach darum, dass der richtige Moment noch nicht gekommen ist.“
Yuma blickte sie an, sein Lächeln verschwand, als er den ernsten Unterton in ihrer Stimme bemerkte. Es war, als ob ein unsichtbares Band zwischen ihnen entstand, das ihre Gespräche bisher nie erreicht hatten „Und was, wenn der Moment nie kommt? Was dann?“
Misaki spürte, wie sich ihre Brust leicht anspannt. Sie wusste nicht, warum sie das gerade sagte, aber irgendetwas an Yumas Worten ließ sie ehrlicher werden, als sie es sich vorgenommen hatte „Dann“, sagte sie leise, „wird es vielleicht einfach nie dazu kommen. Aber ich glaube, das ist auch in Ordnung. Manchmal muss man sich mit dem zufriedengeben, was man hat.“
Yuma schüttelte den Kopf, seine Augen fixierten sie, als wollte er jedes Wort in ihrem Gesicht ablesen. „Das klingt nach einer ziemlich klaren Entscheidung“, sagte er. „Hast du wirklich damit abgeschlossen?“
Misaki starrte auf ihren Bildschirm, obwohl sie kaum etwas sah „Ich weiß nicht“, murmelte sie. „Vielleicht ist es einfach der Versuch, mich selbst zu schützen. Ich habe so viel investiert, aber es gibt immer diese Frage, was wäre, wenn … Aber im Endeffekt weiß ich nicht, ob ich es mir noch einmal antun will.“
Ein Moment der Stille legte sich über den Raum. Misaki spürte, wie ihre Worte wie ein Schleier in der Luft hingen, schwer und gleichzeitig fragil. Yuma sagte nichts, doch sie bemerkte, wie sein Blick weicher wurde, fast nachdenklich. Schließlich lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, ein weiteres Lächeln auf den Lippen, diesmal aber ohne Spott „Vielleicht geht es nicht darum, was du tust, sondern darum, wie du dich dabei fühlst“, sagte er ruhig „Manchmal muss man einfach loslassen, um weitermachen zu können.“
„Vielleicht hast du recht“, flüsterte sie. Und für einen Moment fühlte sich der Raum weniger wie ein Büro an, sondern wie ein Ort, an dem zwei Menschen versuchten, ihre eigenen Zweifel zu überwinden.
„Und wenn mit dreißig alle Stricke reißen und wir immer noch Single sind … Daten wir uns einfach“, sagte Yuma, ohne auch nur einen Moment zu zögern.
Er stand auf, griff nach seiner Jacke und zog sie sich mit einer schnellen Bewegung über die Schultern. Dabei warf er einen Blick in Misakis Richtung, sein Lächeln dabei so selbstsicher und zugleich herausfordernd, dass es fast unmöglich war, zu sagen, ob er es ernst meinte oder nicht. Misaki starrte ihn einen Moment lang an, völlig überrascht von der Direktheit und der Leichtigkeit, mit der er das Thema ansprach.
„Was?“, fragte sie, etwas verwirrt.
„Ach, komm schon“, antwortete Yuma mit einem frechen Grinsen „Komm, wir wissen beide, dass wir uns bis dahin sowieso noch ein paar verrückte Geschichten einfallen lassen müssen. Und falls die Suche nach dem ‚richtigen‘ Partner bis dahin schiefgeht, warum nicht einfach der Plan B sein?“
Misaki lachte auf, doch gleichzeitig spürte sie einen flauen Magen. Es war dieser Humor, der sie immer wieder aus der Fassung brachte.
„Du bist wirklich unmöglich“, sagte sie, aber der Anflug eines Lächelns war nicht zu übersehen.
Yuma trat einen Schritt näher, immer noch mit diesem verschmitzten Grinsen „Wer weiß“, sagte er leise, „vielleicht sind wir es dann ja wirklich, die einander retten.“ Er zuckte mit den Schultern, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Doch in seinen Augen blitzte etwas, das Misaki nicht so einfach einordnen konnte.
Für einen Moment war alles still. Nur das leichte Rauschen der Klimaanlagen war zu hören, und Misaki fragte sich, ob Yuma das wirklich so locker meinte. War es einfach ein weiterer seiner üblichen Sprüche oder steckte mehr dahinter?
„Vielleicht“, flüsterte sie schließlich und lächelte dann, als würde sie die Idee an sich abprallen lassen. „Aber bis dahin habe ich noch einiges zu erledigen.“
„Ich auch“, sagte Yuma und wandte sich zur Tür „Aber bis dahin können wir uns ja immer noch ab und zu gegenseitig auf die Nerven gehen.“ Mit einem letzten Blick, der mehr sagte als tausend Worte, verließ er das Büro.
Misaki blieb einen Moment lang stehen, nachdenklich. Was genau war das jetzt zwischen ihnen? War es nur ein Witz? Ein lässiger Spruch? Oder vielleicht doch etwas, das nicht ganz so oberflächlich war, wie sie es sich eingeredet hatte? Misaki schüttelte den Kopf, als sie die Situation in ihrem Kopf abtropfen ließ und dann mit einer seufzenden Geste ihren PC herunterfuhr.
Ihre Finger glitten kurz über die Tasten, während sie überprüfte, ob alles korrekt abgeschlossen war. Sie zog ihre Jacke an, schnappte sich ihre Tasche und warf einen letzten Blick durch das Büro. Schließlich trat sie aus dem großen Glasgebäude in die frische Nachtluft. Die Straßen waren kaum noch belebt, und das schwache Licht der Straßenlaternen warf lange Schatten auf den Boden. Draußen lehnte Yuma entspannt gegen sein Auto, als er sie bemerkte.
Ein leichtes Grinsen spielte um seine Lippen „Wieso hatte ich das Gefühl, dass du keine fünf Minuten nach mir gehen würdest?“
Misaki grinste zurück und hob eine Augenbraue „Was wird das, ein Verhör?“, fragte sie, wobei ihre Stimme eine Mischung aus Belustigung und Neugier trug.
Yuma zuckte mit den Schultern, ein schelmisches Funkeln in seinen Augen „Vielleicht. Aber sag mal, wie viele Minuten hast du genau gebraucht, um nach draußen zu kommen?“
„Nicht genug für deinen kleinen Plan, das weißt du“, erwiderte Misaki schmunzelnd und verschränkte die Arme.
„Tja, vielleicht hätte ich dich besser im Büro einsperren sollen“, scherzte Yuma, doch sein Lächeln blieb ungebrochen „Jetzt komm, steig ein. Ich fahre dich nach Hause.“
Misaki schüttelte den Kopf, als sie an seinem Auto vorbeiging. „Das ist wirklich nicht nötig“, antwortete sie, ihre Stimme ruhig, aber fest „Ich kann alleine nach Hause kommen.“
Yuma schob sich mit einem müden Lächeln von seinem Wagen ab und ging ein paar Schritte auf sie zu „Oh, wirklich? Wenn Aoi erfährt, dass ich dich um 23:30 Uhr alleine nach Hause lasse, wird sie mich wohl in tausend Stücke reißen. Und weißt du, was das Schlimmste daran ist? Ihr müsst euch einen neuen, supercoolen, lustigen Freund suchen, der euch dann zu langweiligen Abendessen einlädt“, sagte er in einem fast theatralischen Ton, der deutlich machte, dass er es ernst meinte, aber mit einem klaren Hauch von Humor.
Misaki musste unwillkürlich lachen, aber als sie seine ernste Miene sah, verschwand das Lächeln langsam von ihrem Gesicht „Du hast echt eine Art, mir das Gefühl zu geben, als würde ich den größten Fehler meines Lebens machen, wenn ich nicht in deinem Auto einsteige“, bemerkte sie, ein wenig verschmitzt, aber auch mit einem Hauch von Nachdenklichkeit in ihrer Stimme.
Yuma trat einen Schritt näher und sah sie ernst an, als der Scherz aus seiner Stimme verschwand „Du weißt, dass ich einfach sicherstellen will, dass du sicher nach Hause kommst, oder?“, sagte er leise, aber eindeutig.
Misaki starrte ihn einen Moment lang an, ihre Gedanken wirbelten. Irgendetwas an diesem Moment war anders, vielleicht war es die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme, die Nähe, die gerade zwischen ihnen war. Dann atmete sie tief durch, das Lächeln kehrte zurück und sie schüttelte leicht den Kopf.
„Na gut“, sagte sie schließlich und öffnete die Beifahrertür „Nur, weil du mir so ein schlechtes Gewissen machst. Aber du schuldest mir noch einen Kaffee dafür. Schließlich steige ich hier nicht freiwillig ein.“
„Abgemacht“, antwortete Yuma, als er sich hinter das Steuer setzte und den Motor anließ „Aber kein schwarzer, sonst beschwerst du dich wieder. Mittlerweile kenne ich deine Kaffegewohnheiten. Auch wenn es eher Milch und Zucker mit einem Hauch Kaffee ist.“
Misaki schloss die Tür und lehnte sich zurück. Die Stadtlichter zogen an ihnen vorbei, als sie sich auf den Weg zu ihrem Zuhause machten. Doch trotz des Gesprächs, des Humors und des entspannten Moments, hatte sie das Gefühl, dass es zwischen ihnen ungesagte Dinge gab – Dinge, die vielleicht bald aus der Luft geholt werden mussten. Aber nicht heute Abend. Heute war einfach nur ein weiterer ruhiger Moment, den sie mit einem Freund teilte.
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