Kapitel 13

Der Abend war schließlich zu Ende gekommen, und obwohl Ayaka und Miko ununterbrochen stichelten, hatten Misaki und ihre Kollegen den Abend mit Reden und Singen verbracht. Selbst Misaki hatte sich noch einmal auf die Bühne getraut und wählte einen englischen Song, der perfekt zu ihr passte: „It’s My Life“ von Bon Jovi. Ihr Gesang war zwar immer noch nicht das Gelbe vom Ei, aber mit einem Rocksong fühlte sie sich viel wohler. Man konnte die Veränderung in ihrer Ausstrahlung förmlich spüren – die Energie des Songs befreite sie und ließ sie strahlen.

Gegen 22:00 Uhr beschlossen sie, dass es langsam Zeit wurde, sich auf den Heimweg zu machen. Schließlich mussten sie am nächsten Tag fit für die Arbeit sein, und Takahashi-san würde es gewiss nicht gerne sehen, wenn sein Team übermüdet im Büro saß. 

Misaki verbeugte sich leicht und lächelte „Ich danke euch für diesen tollen Abend. Ich fühle mich schon richtig im Team integriert.“

Miko und Ayaka rollten mit den Augen und schienen gerade bereit, einen spitzen Kommentar abzugeben, doch Yuma kam ihnen zuvor „Es freut mich, dass dir der Abend gefallen hat. Ich glaube, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir froh sind, dich im Team zu haben.“

Gerade als Misaki sich verabschiedete, sich umdrehen und gehen wollte, hielt Aoi sie auf „Warte! Musst du wirklich in diese Richtung?“

Verwirrt drehte sich Misaki um „Ja, warum?“

Aoi grinste schelmisch „Naja, es ist schon dunkel, und ich bin dafür, dass Yuma dich begleiten sollte.“ Sie schubste Yuma leicht in Misakis Richtung „Eine Frau sollte um diese Zeit nicht alleine sein. Außerdem hat unser Ritter in strahlender Rüstung hier ja die perfekte Ausrede, um dich in den sicheren Hafen zu bringen!“

Yuma verdrehte die Augen, während er die Schultern hob „Ich bin kein Ritter, Aoi. Ich bin eher der grummelige Squire, der ständig im Schatten der Heldentaten steht.“

Aoi kicherte „Komm schon, Yuma! Wenn du das nicht machst, wird dein Ruf als charmanter Retter des Abends auf dem Spiel stehen. Außerdem—wenn ich in der nächsten Karaokebar wieder an einem Tisch voller neidischer Frauen sitze, könnte ich dich als meinen persönlichen Bodyguard gebrauchen!“

Ayaka und Miko, die sich nun eine Vorliebe für das Hinzufügen von scharfen Bemerkungen entwickelt hatten, schauten sich an und lachten „Klar, der grummelige Squire könnte unser Schutzschild sein. Mit ihm kann uns nichts passieren, außer wir müssen einen anderen Song auswählen!“

Misaki musste lachen, aber ihre Nervosität schwand. Sie blickte Yuma an und sagte mit einem Lächeln „Na dann, oh edler Ritter. Bist du bereit für das Abenteuer, welches uns erwartet?“

Yuma schnaufte, aber ein kleiner Grinser huschte über sein Gesicht „Wenn es das bedeutet, dass ich dich sicher nach Hause bringe, dann los! Auf zur dunklen Seite der Straße!“

Beide verabschiedeten sich von den anderen und machten sich auf den Weg nach draußen. Misaki drehte sich noch einmal kurz um, und als sie Ayaka und Miko sah, die sie mit einem sehr eifersüchtigen Todesblick anstarrten, spürte sie ein unwohles Kribbeln im Magen. Ihre Blicke waren kühl, fast als könnten sie sie mit ihren Augen durchbohren. Doch dann lächelte Aoi den beiden einfach nur hinterher, als wäre sie völlig unbeeindruckt von ihrer Reaktion, und hakte sich bei ihrem Kollegen Kamisato Heizou ein.

Misaki drehte sich wieder zu Yuma, der sie mit einem entspannten Lächeln ansah „Alles in Ordnung?“

„Ja, alles gut“, antwortete sie, auch wenn sie die Blicke von Ayaka und Miko noch im Kopf hatte. „Ich bin nur ein bisschen müde von dem ganzen Singen und Reden.“

„Das ist verständlich“, sagte Yuma, während sie die Straßen entlanggingen „Aber ich fand es toll, dass du dich auf die Bühne getraut hast. Es braucht Mut, vor anderen zu singen, besonders wenn du dich nicht sicher fühlst.“

Misaki fühlte sich ein wenig geschmeichelt „Danke. Es war nicht perfekt, aber es hat Spaß gemacht. Ich glaube, ich könnte das mit mehr Übung besser hinbekommen.“

Yuma nickte zustimmend „Auf jeden Fall! Und ich bin sicher, wir können zusammen ein paar coole Songs raussuchen, die dir gefallen. Wie wäre es mit einem kleinen Karaoke-Training, nur wir beide?“

Misaki kicherte „Ich weiß nicht, ob ich das brauche. Vielleicht ist das eine andere Art, mich zu blamieren!“

„Blamieren? Ich glaube, wir sollten ein bisschen Spaß haben“, sagte Yuma und zuckte mit den Schultern „Wir sind schließlich im Storytelling-Geschäft – das bedeutet, dass wir Geschichten erschaffen. Und was wäre eine bessere Geschichte als die von zwei Gamedesignern, die sich beim Karaoke als Stars entpuppen?“

Misaki grinned „Das klingt nach einer großartigen Geschichte! Aber nur, wenn wir auch ein paar epische Balladen einbauen.“

Deal! Und keine Angst, ich werde dich nicht alleine auf die Bühne schicken. Wir rocken das zusammen“, versprach Yuma und nickte entschlossen "Außerdem bist du eine tolle Sängerin."

Misaki lachte leicht auf "Hör auf zu lügen, ich weiß selbst, dass ich miserabel bin."

Der junge Mann neben ihr tat sich schwer damit, ein Lachen zu unterdrücken "Ja, das stimmt wohl, entschuldige meine Notlüge." 

Während sie weitergingen, spürte Misaki, wie sich eine angenehme Wärme in ihrem Bauch ausbreitete. Es fühlte sich gut an, mit Yuma zu sprechen. Trotz der ständigen Sticheleien von Ayaka und Miko schien er sie tatsächlich zu unterstützen, und das gab ihr ein Gefühl von Sicherheit, das sie nicht erwartet hatte.

Misaki fühlte sich durch Yumas ehrliches Lob etwas wohler und wagte, das Gespräch auf eine tiefere Ebene zu lenken „Es war wirklich eine Herausforderung für mich, aber es hat auch Spaß gemacht. Ich habe das Gefühl, dass ich mich in diesem Team langsam wohlfühle. Aber was ist mit dir, Yuma? Wie bist du dazu gekommen, Gamedesinger zu werden?“

Yuma dachte einen Moment nach, seine Augen blickten in die Ferne. „Es ist eine lange Geschichte. Ich war schon immer von Geschichten fasziniert—egal ob in Büchern, Filmen oder Spielen. Ich habe einfach einen Weg gesucht, meine Kreativität auszuleben und dabei zu helfen, Geschichten zu erzählen, die Menschen berühren. Und dann kam die Gelegenheit bei Yugen Games. Ich konnte nicht widerstehen.“

Misaki nickte, während sie ihm aufmerksam zuhörte: „Das klingt großartig. Ich finde es toll, wie leidenschaftlich du über das schreibst, was du tust. Das hilft mir, mich auch mehr für meine Arbeit zu begeistern. Es gibt so viele Ideen, die ich umsetzen möchte.“

„Erzähl mir mehr über diese Ideen“, forderte Yuma sie auf „Ich bin neugierig, was in deinem Kopf vorgeht.“

„Nun, ich habe immer eine Schwäche für Geschichten mit Drachen und mystischen Kreaturen gehabt“, begann Misaki „Ich stelle mir oft vor, wie es wäre, eine Welt zu schaffen, in der diese Wesen nicht nur Teil der Geschichte sind, sondern auch eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Charaktere spielen „Vielleicht eine Geschichte über den Kampf zwischen Gut und Böse, aber aus der Sicht eines Drachen.“

Yumas Augen leuchteten auf „Das klingt spannend! Hast du darüber nachgedacht, wie du das umsetzen würdest?“

„Ja, ich habe einige Ideen für Charaktere und deren Konflikte“, gestand Misaki „Aber ich habe Angst, dass sie nicht gut genug sind.“

„Schau, es ist ganz normal, Selbstzweifel zu haben“, ermutigte Yuma sie „Die besten Geschichten entstehen oft aus den kleinsten Ideen. Und wir sind hier, um uns gegenseitig zu unterstützen. Vielleicht kann ich dir helfen, deine Gedanken zu strukturieren?“

„Das würde ich wirklich mögen“, antwortete Misaki, ein Lächeln auf ihrem Gesicht. 

„Super! Dann lass uns nächste Woche eine Brainstorming-Session machen“, schlug er vor und sah sie ermutigend an. 

„Das klingt nach einem Plan“, erwiderte Misaki, während sie spürte, wie sich eine Verbindung zwischen ihnen bildete.

Yuma und Misaki schlenderten entspannt durch die Straßen: das sanfte Licht der Straßenlaternen warf schimmernde Schatten auf den Gehweg. Die Geräusche der Stadt umgaben sie, das leise Murmeln von Menschen und das gelegentliche Hupen von Autos, während sie in ein tiefes Gespräch vertieft waren. Misaki fühlte sich wohl, als wäre die Welt um sie herum verschwommen, und nur ihre Worte zählten. 

Plötzlich kam ein kühler Abendwind auf, der durch die Straßen fegte und sie unangenehm frösteln ließ. Misaki zuckte unwillkürlich zusammen und wurde sich ihrer Kleidung bewusst. In der Aufregung des Abends hatte sie ihre Jacke im Büro vergessen.

„Oh nein“, murmelte sie, während sie sich mit einer Hand um die Schultern fasste, um sich etwas Wärme zu spenden. 

„Alles in Ordnung?“ fragte Yuma, als er ihren Gesichtsausdruck bemerkte.

„Ja, ich… „Ich habe meine Jacke im Büro vergessen“, gestand Misaki und fühlte sich etwas beschämt, als sie ihm in die Augen sah. 

Yuma lächelte beruhigend „Kein Problem, es ist nicht weit zurück zur Firma. Ich kann dich zurückbringen, wenn du willst.“

Misaki zögerte einen Moment. Es war spät, und sie wollte ihn nicht umständlich herumführen „Das ist wirklich nicht nötig „Ich kann auch ohne Jacke nach Hause gehen“, antwortete sie, doch Yuma schüttelte den Kopf.

„Ich bestehe darauf. Außerdem könnte es noch kälter werden, und ich möchte nicht, dass du dich erkältst“, sagte er und nahm den Weg zurück zur Firma in Angriff, ohne auf ihre Bedenken einzugehen. 

Misaki konnte nicht anders, als sich über seine Fürsorglichkeit zu freuen. Während sie durch die leeren Straßen gingen, war die Kälte fast vergessen, und sie fühlte sich unwillkürlich warm ums Herz „Ich schätze deine Hartnäckigkeit“, sagte sie schmunzelnd, als sie die Lichter des Bürogebäudes in der Ferne sahen. 

„Das ist mein Job, als dein Teamkollege „Ich kann dir nicht erlauben, hier im Freien zu frieren“, antwortete er mit einem breiten Grinsen. 

Yuma und Misaki schlenderten durch die dunklen Flure des Yugen Games-Büros, das in der späten Stunde verlassen wirkte. Als sie den Raum erreichten, der Shoutas Büro war, bemerkten sie, dass die Tür offen stand und ein Licht darin brannte.

„Ich wette, Takahashi-san ist noch da“, murmelte Yuma mit einem Grinsen „Er kann einfach nicht von der Arbeit lassen.“

Misaki schüttelte den Kopf und lächelte „Es ist schon spät. Ich kann mir vorstellen, dass er jemand ist, der auch mal die Nacht durcharbeitet.“

Kaum hatten sie das Büro betreten, sah Shouta mit einem scharfen Blick hoch "Was macht ihr beiden denn hier?"

Yuma lehnte sich lässig gegen die Tür, grinste und zuckte mit den Schultern. "Ach, du weißt schon, ein bisschen Überstunden-Feeling genießen. Oder willst du uns sagen, du vermisst uns nach Feierabend nicht?"

Shouta zog eine Augenbraue hoch und musterte Yuma mit kaltem Blick "Ich würde lieber sterben, als dich dauerhaft um mich herum zu haben. Und wenn du mich jetzt entschuldigen würdest – ich habe noch wichtige Arbeit zu erledigen."

Yuma legte dramatisch eine Hand auf die Brust und zog eine Grimasse, die von übertriebenem Schmerz sprach "Shouta, das hat mich jetzt zutiefst verletzt," sagte er mit gespieltem Ernst "Ich dachte, wir hätten ein besonderes... Arbeitsverhältnis." 

Shouta verdrehte nur die Augen, ohne sich von seinem stoischen Gesichtsausdruck beirren zu lassen "Du hältst dich für besonders, das ist das Problem," sagte er trocken und wendete sich demonstrativ wieder seinen Akten zu, als wolle er Yuma und die ganze Szene damit abschütteln.

Genau in diesem Moment kam Misaki zurück und hielt triumphierend ihre Jacke in der Hand "Ich habe sie! Wir können los."

Yuma schnappte sich die Jacke mit einem frechen Grinsen und hielt sie Misaki wie ein Gentleman hin, nur um Shouta noch mehr zu ärgern "Lass mich das machen. Schließlich will ich dich sicher nach draußen begleiten, bevor der große Takahashi uns wieder mit einem neuen Blick voller Verachtung würdigt."

Shouta hob kurz den Kopf und blinzelte genervt "Vertraut mir, je schneller ihr beide verschwindet, desto weniger Mühe muss ich mir geben, euch zu ignorieren."

Yuma lachte laut auf und legte seinen Arm locker um Misakis Schulter, während sie gemeinsam den Flur hinunterliefen. Als sie in Richtung Ausgang gingen, beugte er sich leicht zu ihr und flüsterte verschwörerisch: "Wetten, er schaut uns jetzt noch hinterher und ärgert sich insgeheim über das, was er verpasst? Der Mann würde sicher platzen, wenn er mal wirklich entspannt wäre."

Misaki schüttelte kichernd den Kopf "Vielleicht ist das einfach seine Art. Manche Leute brauchen eben Zeit, um sich zu öffnen."

Yuma schüttelte energisch den Kopf "Der Typ braucht eher eine Anleitung, um zu leben. Komm, ich bring dich nach Hause, bevor ich mich in einem endlosen philosophischen Monolog über Shoutas Leben verliere."

Als sie die kühle Nachtluft draußen spürten und die Lichter der Stadt sich um sie legten, fragte Misaki leise: "Yuma... wie bist du eigentlich so geworden? Immer locker und... einfach ohne Scheu."

Er sah sie kurz überrascht an, als hätte er diese Frage noch nie gehört, und zuckte dann die Schultern. "Das Leben ist kurz, weißt du? Man kann sich nicht ewig darum sorgen, was andere denken—vor allem nicht Leute wie Shouta." Er schmunzelte, und sein Blick wurde für einen Moment unerwartet ernst "Mach dir immer klar, Misaki, dass es das Wichtigste ist, sich selbst treu zu bleiben. Wenn du das kannst, dann hast du schon gewonnen."

Misaki lächelte ihm nachdenklich zu, und sie liefen weiter, während die Stadt um sie herum ruhig und lebendig zugleich wirkte—wie eine Erinnerung daran, dass jeder Abend, jeder Moment, eine neue Chance bedeutete, sich ein Stückchen mehr selbst zu entdecken.

Am Bahnhof angekommen, warteten Misaki und Yuma auf die nächste Bahn, die sie in das Viertel bringen würde, wo Misakis Tante Himeko ihr luxuriöses Haus hatte. Es war ein ungewöhnlich ruhiger Abend, die geschäftigen Geräusche der Stadt schienen in die Ferne zu rücken, und nur das gedämpfte Summen des Bahnverkehrs füllte die Luft. Misaki lehnte sich an einen Pfeiler und zog ihre Jacke etwas enger um sich, während Yuma entspannt neben ihr stand und seinen Blick über das leere Gleis schweifen ließ.

Ein leises Lächeln spielte auf seinen Lippen, als er schließlich zu ihr herübersah "Also, deine Tante... Sie scheint wohl ein großes Haus zu haben, oder?"

Misaki nickte, leicht verlegen "Ja, sie liebt den ganzen Luxus. Manchmal komme ich mir vor wie im Palast, wenn ich bei ihr übernachte." Sie lachte leise und sah dann ein bisschen verlegen weg, "Es ist nett, aber ich würde sagen, das passt nicht ganz zu mir."

Yuma musterte Misaki für einen Moment, doch dann zog sich ein sanftes Lächeln über seine Lippen "Kann ich mir vorstellen. Du wirkst mehr wie jemand, der auch mit einer Tasse Tee in einer kleinen Wohnung glücklich sein könnte."

Misaki hob überrascht eine Augenbraue und lächelte "Treffer. Du scheinst mich ja schon ziemlich gut einzuschätzen."

Yuma zuckte spielerisch mit den Schultern "Vielleicht habe ich einfach ein gutes Gespür für Menschen." Er schaute sie an, und einen Moment lang entstand eine wohlige, warme Stille zwischen ihnen, als würde der Bahnsteig sie beide für einen Augenblick einhüllen.

Die Bahn rollte schließlich heran, doch die beiden waren fast zu vertieft in ihr Gespräch, um es zu bemerken. Erst als das Geräusch lauter wurde, sahen sie gleichzeitig auf und mussten beide leicht lachen.

"Na, dann mal los," sagte Yuma und ließ ihr höflich den Vortritt in den Zug. Während sie sich nebeneinander auf die Sitze setzten und die Lichter der Stadt an ihnen vorbeizogen, konnte Misaki das leichte Kribbeln nicht leugnen, das die Gesellschaft ihres charmanten Kollegen ihr bereitete. Es war eine stille, angenehme Art von Nähe – genau richtig, ohne zu viel zu werden.

Yuma lehnte sich in seinen Sitz zurück und sah sie aus dem Augenwinkel an "Vielleicht sollten wir öfter solche Abende machen. Nicht jeder hat das Glück, jemanden wie dich als Kollegen zu haben."

Misaki lächelte leicht und nickte, sie freute sich schon auf den nächsten Abend, den sie mit Yuma und Aoi verbringen könnte. Sie war sich sicher, dass sich zwischen ihnen eine gute Freundschaft entwickeln könnte. 

Nachdem sie die letzten Schritte durch die stille, leicht beleuchtete Straße gegangen waren, erreichten Misaki und Yuma das Haus ihrer Tante Himeko. Es brannte noch Licht, welches aus dem Wohnzimmer zum Fenster hinaus schien. Himeko musste also noch wach sein; vermutlich wollte sie jedes Detail über den Abend wissen.

Yuma steckte die Hände lässig in die Taschen und sah zu ihr hinüber „Naja, da wären wir also.“

Misaki nickte und schenkte ihm ein Lächeln: „Ja, danke nochmal, dass du mich begleitet hast. Ich hätte allein wohl ewig gebraucht, um den Weg zu finden.“

„Ach was,“ erwiderte Yuma grinsend, „ich glaube, du hättest es irgendwie geschafft. Aber vielleicht wärst du auf dem Weg von Ayaka und Miko überfallen worden.“

Misaki lachte leise und schüttelte den Kopf „Sehr beruhigend. Ich wusste gar nicht, dass ich abends einen Bodyguard brauche.“

Yuma legte den Kopf leicht schief, sein Blick wurde für einen Moment ernster „Naja, manchmal ist es einfach besser, nicht ganz allein durch diese Straßen zu laufen. Also... wenn du jemals wieder jemanden brauchst, der dich begleitet... du weißt ja, wo du mich findest.“

Misaki errötete leicht und nickte, doch sie brachte nur ein schlichtes „Danke“ heraus. Die beiden standen sich noch einen Moment gegenüber, die Luft schien für einen Augenblick wie eingefroren, während sie einander ansahen.

Dann brach Yuma das Schweigen, wie um die Atmosphäre ein wenig zu lockern „Na dann, schlaf gut, Misaki. Morgen wartet Takahashi-san sicher wieder darauf, dass wir ihm auf die Nerven gehen.“

Misaki grinste leicht „Ich zähle schon die Stunden.“

Mit einem letzten, warmen Blick und einem leichten Winken drehte sich Yuma um und ging die Auffahrt entlang zurück zur Straße. Misaki blieb noch kurz stehen, sah ihm nach, bis er fast aus dem Lichtkreis der Straßenlaternen verschwand, und fühlte sich unerwartet erfüllt von dem Wissen, dass sie heute Abend ein Stück Vertrauen zwischen sich aufgebaut hatten.

Als Misaki das Haus betrat, empfing sie sofort die warme Atmosphäre des Wohnzimmers, in dem Himeko entspannt auf der Couch saß und eine ihrer Lieblingsserien schaute. Das sanfte Licht des Fernsehers beleuchtete ihr Gesicht, während sie bei dem Anblick von Misaki lächelte. 

„Willkommen zurück! Ich kann es kaum erwarten, alles über deinen ersten Tag zu hören! Setz dich!“

Misaki ließ sich auf einen Sessel sinken, die Aufregung des Tages schien sich in ihren Worten zu bündeln. „Es war großartig, Tante Himeko! Das Team hat mich sofort aufgenommen. Yuma hat mir sogar eine Übung gegeben, um meine Fähigkeiten zu testen.“

Himekos Augen leuchteten auf „Ahja Yuma, unser beliebter Chamur der Firma. Wie war es mit ihm?“

„Ja genau!“, fuhr Misaki fort, und ihre Stimme klang plötzlich lebhafter. „Er ist wirklich nett und hat mir geholfen, mich in das Projekt einzuarbeiten. Ich habe sogar an einer Nebenquest gearbeitet, die ihm wirklich zu gefallen schien. Danach waren wir noch beim Karaoke, so als Einweihung für mich, deshalb bin ich auch erst jetzt nach Hause gekommen.“

Himeko lehnte sich vor, als ob sie jede Silbe aufzusaugen versuchte. Karaoke? Oh, das klingt lustig! Wie war’s?“

„Nun ja, ich war ein bisschen nervös, weil ich nicht gut singe, aber ich habe es trotzdem versucht. Yuma hat mir Mut gemacht!“, gestand Misaki und konnte nicht umhin zu bemerken, wie Himekos Gesicht bei jedem seiner Erwähnungen ein seltsames Grinsen annahm. 

„Und wie waren die anderen? Ich hoffe, sie waren nett zu dir!“

Misaki verdrehte die Augen „Ayaka und Miko waren ein bisschen fies, aber ich habe nicht zu viel darauf gegeben. Yuma und Aoi haben mich aber wirklich unterstützt.“

Himeko nickte und lehnte sich zurück, während sie Misaki aufmerksam zuhörte: „Es klingt, als hättest du ein aufregendes Abenteuer erlebt. Ich habe das Gefühl, dass Yuma mehr als nur ein Kollege für dich sein könnte, oder?“ 

Misaki spürte, wie ihre Wangen heiß wurden „Was? Nein, es ist einfach nur Arbeit! Er ist nett, und ich fühle mich wohl in der Gruppe. Das ist alles.“

„Aber ich sehe das Funkeln in deinen Augen, wenn du von ihm sprichst“, grinste Himeko schalkhaft.

Misaki schüttelte den Kopf und lachte nervös. „Tante! Es ist einfach nur die Dynamik im Team. Ich meine, wir haben Spaß zusammen. Es ist nicht so, dass ich in ihn verliebt bin oder so. Das wäre auch viel zu früh. Ich meine, ich kenne ihn ja gerade mal seit heute Morgen. Außerdem... ich bin immer noch nicht ganz über Marco hinweg...“

Himeko hob eine Augenbraue und blickte sie bedeutungsvoll an. „Wer weiß? Manchmal kann sich Freundschaft in etwas ganz anderes verwandeln. Du solltest das im Hinterkopf behalten. Und dafür diesen Idioten aus deinem Kopf und deinem Herz verbannen.“

Misaki fühlte sich ein wenig überrumpelt, aber gleichzeitig auch amüsiert. „Wir sind nur Kollegen, die sich gerade mal seit ein paar Stunden kennen, und Marco... lass uns lieber über etwas anderes sprechen. Wie läuft es mit deiner Serie?“

Himeko lachte und gab den Diskussionen über die Gefahren des Arbeitslebens und der Liebe eine Wendung „Oh, du hast keine Ahnung! Es gibt diese unglaubliche Wendung in der letzten Episode…“

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