Kapitel 12
Als der Abend schließlich heran brach, versammelten sich die letzten Kollegen in der Abteilung, die für die Karaoke-Nacht geblieben waren. Neben Misaki, Yuma und Aoi waren auch Kamisato Heizou, ein eher ruhiger, aber stets freundlicher Kollege, sowie zwei weitere Kolleginnen mit von der Partie: Hoshino Ayaka und Yashiro Miko.
Kaum waren sie zu der kleinen Gruppe gestoßen, tauschten Ayaka und Miko Blicke und schoben sich unauffällig näher an Yuma heran.
Aoi beugte sich zu Misaki und flüsterte mit einem leichten Grinsen: „Yumas Fanclub. Sie hängen fast immer in seiner Nähe herum und schenken jeder Frau, die ihn anspricht, einen Blick wie ein Dolch. Aber gewöhn dich besser daran – die zwei sind hartnäckig.“ Sie deutete mit einer Kopfbewegung auf Ayaka und Miko, die, wie sie bemerkte, Misaki bereits von der Seite musterten, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder Yuma zuwandten.
Misaki fühlte eine Mischung aus Nervosität und Neugier. Dass Yuma offensichtlich eine solche Wirkung auf seine Kolleginnen hatte, war ihr nicht entgangen, und Aois Worte machten es nur noch klarer: Hier gab es ein unausgesprochenes Netz aus Loyalitäten, Vorlieben und Abneigungen – und plötzlich war sie selbst ein Teil davon. Die Spannung in der Luft wuchs merklich, als die kleine Gruppe sich auf den Weg in die Karaokebar machte, bereit für einen Abend, der mehr als nur Musik und Lachen versprach.
Während Misaki und Aoi plaudernd und lachend durch die abendlichen Straßen schlenderten, wanderten ihre Blicke immer wieder zu Yuma, der ein Stück vor ihnen ging – mit Ayaka und Miko dicht an seiner Seite. Die beiden Frauen wichen ihm keinen Zentimeter von der Seite und suchten bei jedem Schritt nach einer Gelegenheit, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Ayaka streifte dabei scheinbar zufällig Yumas Arm, während Miko ihn immer wieder mit betont neckischen Fragen in ein Gespräch zu verwickeln versuchte.
„Also, Yuma“, begann Miko mit einem scharfsinnigen Lächeln, „was denkst du, wer von uns wohl das beste Gesangstalent hat? Ich meine, du hast uns ja alle schon mal gehört.“
Yuma lächelte höflich, schien aber gedanklich abwesend „Hmm … Schwer zu sagen, wir werden ja gleich sehen, wer hier wirklich Talent hat“, antwortete er locker und zwinkerte zu Misaki und Aoi hinüber, was Ayaka und Miko veranlasste, die beiden Frauen mit leicht zusammengekniffenen Augen anzusehen.
Aoi, die die Blicke bemerkte, beugte sich zu Misaki und flüsterte mit einem sarkastischen Lächeln: „Wetten, dass die beiden nicht einmal mitbekommen haben, dass wir auch dabei sind?“
Misaki unterdrückte ein Lachen und erwiderte ebenfalls flüsternd: „Wahrscheinlich, solange Yuma ihre Aufmerksamkeit gefangen hält.“
„Dabei ist das dein Abend, schließlich feiern wir hier, dass du in unserem Team bist“, seufzte Aoi mit einer gespielten Dramatik.
Die junge Frau mit dem pastelrosanen Haar schmunzelte „Lass sie, wir können auch so »Feiern« das ich im Team bin.“
„Ich bin froh das mal eine Frau im Team ist, die Yuma nicht von Tag eins an, wie so ein kleiner Hund hinterherläuft. Der Arme bekommt teilweise nicht mal die Ruhe, um alleine aufs Klo zu gehen“, Aoi musste lachen als sie sich an eine Situation vor ein paar Monaten erinnerte „Einmal war er wirklich auf dem Klo und als er wieder herauskam, standen drei Damen, die aus völlig anderen Bereichen kamen, vor der Tür nur um mit ihm zu reden.“
Misaki schenkte ihrer neuen Kollegin ein sanftes Lächeln „Scheint als würde er jeden sofort in seinen Bann ziehen.“
Diese zuckte nur mit ihren Schultern „So ist er eben unser liebenswerter Sunnyboy.“
Als die kleine Gruppe schließlich vor der Karaokebar ankam, schien die Spannung noch einmal zu steigen. Es war eine der bekanntesten Bars der Gegend, bunt erleuchtet und voller Leben, und die Vorfreude auf den bevorstehenden Abend lag in der Luft. Doch als sie eintraten und sich auf einen großen Raum zubewegten, konnte Misaki spüren, dass dies nicht nur ein gewöhnlicher Karaokeabend werden würde.
Kaum hatte sich die Gruppe im gedämpften Licht des Karaokeraums niedergelassen, schien die Dynamik im Raum förmlich zu pulsieren. Ayaka und Miko hielten weiterhin dicht an Yuma, wobei Ayaka ihn sogar ganz beiläufig am Arm berührte, als sie Platz nahm. Yuma schien das Geplänkel halb zu ignorieren, warf aber immer wieder einen schnellen Blick in Misakis Richtung, was ihr ein kleines, nervöses Lächeln entlockte.
Aoi beugte sich unauffällig zu ihr und flüsterte leise: „Lass dich von denen nicht einschüchtern. Heute Abend zählen nur wir – die wollen nur Aufmerksamkeit.“
Mit einem breiten Grinsen schnappte sie sich das Mikrofon und reichte es Misaki „Du bist die Neue, also startest du den Abend!“
Misaki wurde rot und wollte schon ablehnen, doch Yuma drehte sich plötzlich zu ihr um, die Augen aufmunternd.
„Na komm, Misaki. Zeig uns, was du kannst.“ Seine Stimme war freundlich und ohne Druck, aber er hatte diesen unbeschwerten, strahlenden Ausdruck im Gesicht, der ihr das Gefühl gab, dass sie ihm wirklich etwas beweisen konnte – und vielleicht auch wollte.
Auch wenn sie sich selbst eingestehen musste, dass sie mit ihrer Stimme wohl so schnell niemanden beeindrucken konnte, im Gegenteil, man würde ihr vermutlich Geld dafür zahlen, dass sie aufhören würde. Eine lukrative Geschäftsidee wie sie fand.
Misaki starrte auf die lange Liste japanischer Songs und fühlte, wie sich die Unsicherheit in ihrer Brust verstärkte. Sie war mit deutscher Musik aufgewachsen und kannte kaum einen japanischen Song, geschweige denn einen, den sie sicher singen konnte. Bis auf die Kinderlieder, welche ihre Mutter ihr immer vorsang. Ein bisschen verlegen drehte sie sich zu Aoi und Yuma um, die sie ermutigend anlächelten.
„Nimm einfach einen leichten Song“, schlug Yuma vor und zwinkerte ihr zu „Karaoke ist zum Spaß da, kein Stress.“
Mit einem unsicheren Lächeln wählte Misaki einen einfachen Song aus, atmete tief durch und begann leise zu singen. Ihre Stimme war sanft, aber sie rutschte einige Male aus dem Takt und verfehlte ein paar Töne. Das Lied klang nicht so, wie sie es sich gewünscht hatte, doch sie zog tapfer bis zum Ende durch. Auch wenn am Ende doch so einige Töne, besonders die höher gelegenen, ziemlich schief klangen.
Als der letzte Ton verklungen war, war es im Raum für einen Moment still. Plötzlich hörte sie ein leises Kichern und drehte sich um – Ayaka und Miko lachten unterdrückt und tauschten spöttische Blicke.
„Das war … Süß“, sagte Ayaka mit einem leicht abfälligen Lächeln, während Miko schmunzelte.
„Nicht jeder muss ja musikalisch sein, oder?“ Ihre Stimmen waren triefend von Ironie, und Misaki spürte, wie sie rot wurde.
Doch Aoi sprang sofort ein „Ach, kommt schon, Leute – wer gibt sich denn bei Karaoke Mühe?“
Sie grinste breit und klatschte laut in die Hände „Das war großartig, Misaki!“
Yuma lächelte ebenfalls und nickte aufmunternd „Genau. Karaoke ist zum Spaß da, und du hast’s durchgezogen. Das zählt.“
Misaki fühlte, wie ihre Unsicherheit allmählich verflog. Trotz der spöttischen Blicke von Ayaka und Miko fühlte sie sich durch Aoi und Yuma ein kleines bisschen gestärkt – vielleicht würde sie sich doch noch hier einleben.
Ayaka und Miko drängten sich sofort ans Mikrofon, nachdem Misaki ihren Mut zusammengenommen hatte. Sie hatten ein Duett gewählt, das die Menge sofort fesselte. Als die ersten Töne erklangen, bemerkte Misaki, wie sich die Stimmung im Raum veränderte. Die beiden Mädchen waren einfach großartig, ihre Stimmen harmonierten perfekt und sie strahlten auf der Bühne, während sie mit selbstbewusster Leichtigkeit sangen.
Während sie performten, konnte Misaki nicht anders, als sich unwohl zu fühlen. Ayaka und Miko schenkten ihr gelegentlich Blicke, die voller Überlegenheit waren, und sie schienen sich amüsiert über ihre eigene Darbietung. Ihre Lacher waren nicht gerade leise, und Misaki spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.
„Schau dir die an“, flüsterte Miko leise zu Ayaka, während sie sich bei der Strophe umdrehten „Sie denkt wirklich, sie könnte hier dazugehören.“
„Wie süß, dass sie sich das traut! Sie hat den Mut, ich gebe ihr das“, erwiderte Ayaka mit einem spöttischen Grinsen während sie eine schnelle Drehung in ihren Tanz einbaute „Aber ich denke nicht, dass wir Angst haben müssen, dass sie uns Konkurrenz macht.“
Die beiden hatten eine Aura von Selbstsicherheit, die sie wie eine Mauer umgab. Ayaka und Miko schienen die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes auf sich zu ziehen, während sie weiterhin mit Anmut und Präzision sangen und tanzten. Es war klar, dass alle anderen beeindruckt waren – außer ihr. Als das Duett endete, brach im Raum ein Sturm des Beifalls aus. Ayaka und Miko verbeugten sich mit strahlenden Gesichtern und schienen die Begeisterung ihrer Kollegen zu genießen, während sie Misaki dabei einen letzten, hämischen Blick zuwarfen.
„Ich denke, wir sollten Misaki das nächste Mal einfach singen lassen, wenn wir die Bühne betreten“, bemerkte Miko mit einem leichten Lachen, während die beiden sich zurücksetzten.
Misaki senkte den Blick und fühlte sich klein und unbedeutend. Es war schwer, sich nicht verletzt zu fühlen, während die anderen weiterhin fröhlich applaudierten und Yuma und Aoi sich über die Darbietung freuten. Sie wünschte sich, dass sie mehr Mut gehabt hätte und dass die beiden nicht so unbarmherzig gewesen wären.
„Lass dich nicht unterkriegen“, flüsterte Aoi leise, als sie zu Misaki hinüberblickte „Du bist hier, um zu bleiben, und du machst das großartig. Glaub an dich. Alles woran die Beiden denken ist gutes Aussehen und darüber, wie sie die Aufmerksamkeit von allen bekommen.“
Misaki nickte, auch wenn ihr das Selbstvertrauen noch nicht ganz zurückgekehrt war. Sie wollte nicht aufgeben, nicht heute. Ayaka und Miko saßen wieder auf ihren Plätzen und waren noch ganz in den Erinnerungen an ihren grandiosen Auftritt vertieft, als sie plötzlich Yuma mit strahlenden Augen anstarrten.
„Du musst unbedingt als Nächstes singen, Yuma!“, rief Ayaka enthusiastisch, während sie sich mit einem freundschaftlichen Ellenbogenstoß gegen Miko anlehnte „Deine Fans erwarten das!“
„Ja, genau! Und du kannst uns sicher um einiges übertreffen“, fügte Miko mit einem breiten Grinsen hinzu.
„Komm schon, du kannst nicht einfach hier sitzen und nichts tun. Das wäre eine Schande!“
Yuma schüttelte den Kopf und lachte „Oh, ich weiß nicht. Ich habe schon einige großartige Stimmen gehört. Ihr zwei wart fantastisch!“
Misaki beobachtete, wie die beiden Mädchen ihn immer wieder anfeuerten und ihn herausforderten. Ayaka mit ihrem fröhlichen Auftreten und Miko, die mit ihrer scharfen Zunge stets für Lacher sorgte, schafften es, die gesamte Gruppe zu unterhalten. Die anderen Kollegen aus der Abteilung stimmten schnell in die Aufforderungen ein, begeistert von der Vorstellung, Yuma auf der Bühne zu sehen.
„Komm, mach’s für uns, Yuma!“, rief Aoi und klatschte in die Hände „Du bist der Hauptautor – du hast die Bühne verdient!“
Die Stimmung wurde fröhlicher und aufgeregter, während sie ihn regelrecht dazu drängten, die Bühne zu betreten. Misaki fühlte sich in einer Mischung aus Bewunderung und Begeisterung. Yuma war bei seinen Kollegen beliebt, und alle schienen ihn zu schätzen und zu respektieren.
„Okay, okay!“, gab Yuma schließlich mit einem breiten Grinsen auf „Ihr habt gewonnen. Ich kann dem Druck nicht standhalten!“
Er erhob sich von seinem Platz und ging mit einem charmanten Lächeln zur Bühne, während die Menge ihn mit Applaus und Jubel anfeuerte. Misaki sah ihm nach und lächelte. Es war erfrischend zu sehen, wie er aufblühte, und sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass er jemals in einer anderen Rolle wäre. Der Raum war sofort in seinen Bann gezogen, als er mit seinem fröhlichen, eingängigen Lied begann.
Er bewegte sich geschmeidig, und die Art, wie er die Worte in den Raum warf, ließ alle Zuhörer schmunzeln und mitklatschen. Ayaka und Miko schienen besonders begeistert und jubelten ihm lautstark zu.
„Sieh dir das an, Misaki!“, rief Aoi und klatschte begeistert mit, „Er hat wirklich Talent!“
Misaki nickte und fühlte sich gut. Yuma hatte die Bühne ganz klar im Griff, und es war schön zu sehen, wie er mit Leichtigkeit und Freude performte. Anstatt sich unsicher zu fühlen, genoss sie die Atmosphäre und die positive Energie, die ihn umgab. Es war klar, dass er der Mittelpunkt des Abends war, und sie war froh, Teil dieser fröhlichen Truppe zu sein. Die Nacht war noch jung, und während Yuma sang, spürte Misaki die Aufregung in der Luft. Vielleicht würde sie irgendwann selbst den Mut finden, das Mikrofon zu ergreifen und ihre eigene Stimme so erklingen zu lassen, wie Yuma es schaffte. In diesem Moment war sie einfach glücklich, Teil dieser Gruppe zu sein und die Talente ihrer Kollegen zu feiern. Später am Abend bestellten sich alle etwas zu trinken, und die Stimmung war ausgelassen. Lachen und fröhliches Geplapper erfüllten den Raum, als jeder begann, Misaki Fragen zu stellen, um mehr über die neue Kollegin zu erfahren.
„Also, was machst du in deiner Freizeit? Hast du Hobbys?“, fragte Aoi mit einem breiten Lächeln, das Misaki sofort beruhigte.
„Nun, ich liebe es zu zeichnen und Geschichten zu schreiben, ich lese auch sehr gerne“, antwortete Misaki schüchtern „Ich habe auch eine große Vorliebe für Animes und Videospiele, offensichtlich.“
„Oh, wie originell!“, warf Ayaka mit einem süffisanten Grinsen ein „Ein weiterer Fan von Anime und Manga. Wie neu. Und was ist mit deinen anderen Talenten?“
„Ja, vielleicht singst du ja auch, während du schreibst? Oder malst du die Charaktere für deinen eigenen Manga?“, fügte Miko hinzu und ließ dabei keinen Zweifel daran, dass sie sich über Misaki lustig machte.
Misaki spürte, wie ihre Wangen heiß wurden, doch bevor sie antworten konnte, trat Yuma in die Bresche „Komm schon, Miko. Das ist nicht fair. Jeder hat seine eigenen Talente, und Misaki hat gerade erst angefangen. Lass sie in Ruhe.“
„Oh, ist das so?“, erwiderte Ayaka mit einem spöttischen Lächeln „Ich dachte, wir sollen hier Spaß haben. Ist es nicht langweilig, immer nur die Neulinge zu verteidigen?“
„Ich finde es toll, dass sie so leidenschaftlich ist. Das ist wichtig für die Arbeit, die wir hier machen“, mischte sich Aoi ein und warf den beiden einen Blick zu, der klarmachte, dass sie damit aufhören sollten.
Ayaka und Miko tauschten einen kurzen, genervten Blick aus, doch sie hielten sich zurück, als Yuma ihnen erneut den Rücken stärkte „Misaki hat kreative Ideen und bringt frischen Wind in unser Team. Ich bin sicher, dass sie viel zu bieten hat.“
Misaki fühlte sich von Yumas Verteidigung ermutigt und lächelte dankbar zu ihm hinüber „Danke, Yuma. Das bedeutet mir viel. Ich hoffe, ich kann bald mehr zur Abteilung beitragen.“
„Das kannst du! Du bist bereits auf dem richtigen Weg mit deiner Nebenquest“, sagte Yuma, und seine Augen funkelten vor Begeisterung.
„Also, wenn du irgendwann nochmal ein Lied auf der Bühne singen willst, Misaki, lass es uns wissen! Wir unterstützen dich!“, rief Aoi und grinste, um die Stimmung aufzulockern.
„Aber nicht so wie Miko und Ayaka!“, fügte Yuma mit einem Lachen hinzu, „Da kannst du deinen Mut lieber gleich behalten.“
Die beiden Mädchen verdrehten genervt die Augen, während alle anderen in Lachen ausbrachen. Misaki fühlte sich plötzlich viel wohler in der Runde. Trotz der Spitzenbemerkungen, die immer wieder kamen, wusste sie, dass sie mit Yuma und Aoi auf ihrer Seite nicht alleine war. Während der Abend voranschritt, stellte jeder noch weitere Fragen. Es war eine Mischung aus ernsthaften und witzigen Gesprächen. Ayaka und Miko schienen immer wieder versuchen zu wollen, Misaki aus der Reserve zu locken, aber sie blieben freundlich und charmant, während sie ihre spitzen Bemerkungen von sich gaben. Die Fragen sprudelten nur so aus der Runde, und Misaki fühlte sich zunehmend wohler. „
Also, woher kommst du eigentlich, Misaki?“, fragte Aoi neugierig, während sie sich mit einem Glas in der Hand zu ihr umdrehte.
„Ich komme aus einer etwas größeren Stadt in Deutschland“, antwortete Misaki „Es ist nicht besonders aufregend, aber ich habe die letzten Jahre dort verbracht, bevor ich nach Japan gezogen bin.“
„Wow, das ist ja cool! Was hat dich dazu gebracht, nach Japan zu kommen?“, wollte Yuma wissen, und die anderen hörten gespannt zu.
Misaki verspürte ein flaues Gefühl in der Magengegend, als die Frage gestellt wurde. Sie wollte nicht gleich ihren neuen Kollegen ihre tiefsten Geheimnisse anvertrauen – insbesondere nicht die, dass sie nach Japan gekommen war, um dem Schatten ihrer Vergangenheit in Deutschland zu entkommen. Es war eine Flucht, die sie im Stillen vollzogen hatte, und die Erinnerungen waren noch zu frisch und schmerzhaft, um sie laut auszusprechen.
Sie könnte ihnen erzählen, dass sie ihren Job in Deutschland wegen einer hinterhältigen Intrige ihrer ehemaligen Kollegin Katja verloren hatte, die sie von Anfang an nie gemocht hatte. Katja hatte eine giftige Rivalität zwischen ihnen geschürt, und als sie die Gelegenheit witterte, hatte sie Misaki in den Rücken gefallen.
Der Gedanke daran, wie diese Feindschaft ihr berufliches Leben zerstört hatte, schmerzte sie noch immer. Und dann war da noch ihre große Liebe, die sie nach sieben Jahren Beziehung für eine flüchtige Bekanntschaft auf einer Party verlassen hatte. Das Gefühl des Verlassenwerdens war wie ein Schatten, der sie selbst hier in Japan verfolgte, wo sie glaubte, endlich einen Neuanfang wagen zu können.
Und nicht zuletzt standen ihre Eltern am Rande einer Scheidung, ein weiterer Grund, weshalb sie all das hinter sich lassen wollte. Es war eine Last, die sie nicht an diesem Abend mit ihren neuen Freunden teilen wollte, die noch so frisch und unverfälscht war. Misaki atmete tief durch und lächelte, während sie sich entschied, die Dunkelheit ihrer Vergangenheit vorerst für sich zu behalten.
„Ach, nichts Aufregendes“, antwortete sie schließlich mit einem leichten Schmunzeln „Ich bin einfach hierhergekommen, um neue Abenteuer zu erleben.“
Mit dieser Antwort konnte sie das Gespräch in eine andere Richtung lenken, und so lächelte sie, als die Gruppe lachte und die Stimmung sich lockerte. Es war ein kleiner Sieg für sie, aber dennoch war die Frage in ihrem Hinterkopf geblieben – wie lange konnte sie ihre Vergangenheit wirklich verstecken?
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