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Seokjin

„Und Seokjin, was machen Sie so, wenn ich fragen darf? Sie scheinen ja ein wenig älter als mein Sohn zu sein."

Herr Kim sieht mich neugierig an und ich schmunzele etwas. Ein wenig? Vermutlich bin ich die Steigerung eines Pädophilen, wenn ich in menschlicher Zeitrechnung wüsste, wie alt ich wirklich bin. Da ich einer der ersten Tode war, sicherlich so alt wie die Menschheit selbst.

„Ich habe mich dazu entschlossen, noch einmal zu studieren, obwohl ich schon Berufserfahrung im Managementbereich habe."
Nicht ganz gelogen, ich bin gewissermaßen CEO der koreanischen Tode. Damit Kann ich ja aber schlecht vor dem Vater meines Freundes angeben.

„Oh wirklich?", ich werde überrascht angesehen und Taehyung grinst ein wenig. Dem Idioten macht es anscheinend wirklich Spaß, mich so in der Patsche zu sehen. Ich werde gelöchert wie ein Schweitzer Käse und muss mir hier ein ganzes Leben zusammendichten.

„Ich weiß, dass ist vermutlich eher ungewöhnlich, aber ich hatte mich schon immer für Kunstgeschichte interessiert und mich dazu entschlossen, einfach noch ein Studium zu wagen", lächele ich charmant und Herr Kim nickt erfreut.

„Wie schön, dann haben sie also was im Köpfchen, aber sind auch ein kreativer Geist. Ein bisschen wie mein Taehyungie." Er lächelt seinen Sohn liebevoll an, der ein wenig rot wird und ich grinse: „Stimmt. Taehyung ist etwas besonderes."

„Mich macht es froh zu sehen, dass er jemanden an seiner Seite hat, mit denen er ähnliche Begeisterungen teilen kann. Ihr beiden geht immer so viel miteinander aus und steht zu euch, das ist so schön", schwärmt Herr Kim und ich verzichte darauf ihm zu erklären, woraus Taehyungs und meine Dates meistens bestehen.

Essen. Sex. Und gelegentlich meinen Freund abstechen.

Munter unterhalten wir uns weiter und während ich mir ein falsches Leben ausdenke, kommt mir immer wieder ein fieser Gedanke in den Sinn, der sich festsetzt und nicht mehr loslassen will.

Irgendwann wird auffallen, dass ich nicht älter werde. Und irgendwann ist Taehyung alt und wird vielleicht sterben. Seine zweite Seele schützt ihn vor Gewalt, aber schützt sie ihn auch vor der Zeit?

„... -in? Seokjin?", holt mich die liebevoll besorgte Stimme meines Freundes aus meinen Gedanken und ich sehe ihn verwirrt an.
„Alles gut?"
„Ja, klar", lächele ich schnell und schüttele dann den Kopf. „Ich habe nur gerade überlegt, wie ihr das Kimchi gemacht habt. Es schmeckt ein bisschen wie das meiner Mutter."

Herr Kim ist sichtlich erfreut und während er mir die Geheimnisse seiner Küche offenbart, sieht Taehyung mich nur weiter besorgt an. Er weiß natürlich, dass ich keine Mutter habe und sicherlich nicht an das Essen gedacht habe.

Nach einer halben Ewigkeit werde ich dann endlich dem Kreuzverhör entlassen und Taehyung und ich dürfen in sein Zimmer gehen. Obwohl er schon längst erwachsen und auch keine verklemmte Jungfrau ist, hat sein Vater ein ziemliches Trara darum gemacht, dass wir gleich alleine auf seinem Bett chillen werden, während er zur Arbeit fährt. Ich habe darauf verzichtet ihm zu erklären, wie oft ich meinen Freund in dem besagten Bett bereits flachgelegt habe. Teleportation ist schon was feines.

„Also, was war jetzt?", löchert mich Taehyung, sobald er in meinen Armen liegt und wir es uns zwischen seinen Kissen gemütlich gemacht haben. Seine Hand schiebt sich dabei unter meinen Hosenbund und ich beobachte das Ganze mit gehobenen Augenbrauen.

Ne ne, keine Sexytime jetzt. Bin da gerade gar nicht in der Stimmung für.

„Ich hab nur an die Zukunft gedacht", weiche ich ihm etwas aus und ziehe sein böses Händchen aus meiner Hose, um dann seine Finger mit meinen zu verschränken. Er schmollt kurz, aber kuschelt sich dann brav an mich und schaut mich mit seinen großen, dunklen Augen lieb an.

„Was meinst du damit?", hakt er nach und ich muss etwas Lächeln, wie besorgt er klingt. Glaubt er immer noch, ich würde ihn nach all dem was war und was wir haben abservieren? Ich schätze der Junge hat noch nicht verstanden, dass er die Liebe meines eintönigen, unsterblichen Lebens ist.

„Damit meine ich, dass ich mich jeden Tag aufs Neue in dich verliebe und dich jedes Mal ein Stückchen mehr mag", schleime ich etwas rum und er kichert süß, was mein Herz unglaublich weich werden und schnell schlagen lässt. „Und jetzt noch einmal die Wahrheit, bitte", fordert er aber dann doch und ich küsse ihn kurz auf die Stirn.

Leise seufze ich: „Ich habe nur kurz daran gedacht, dass das mit uns ein Zeitlimit hat. Und das ich absolut nicht bereit bin, dich vielleicht nur noch siebzig Jahre um mich herum zu haben."
Taehyung zieht die Stirn kraus.
„Wie sieht das denn aus, wenn ich dich schrumpelig irgendwo hin mitnehme? Dann denken ja alle, ich wäre dein Sugar Daddy und du irgendein Newcomer Model, dass sich die Wohnung irgendwie finanzieren muss!"

Sein Gemeckere bringt mich zum Lachen. „Du bist ein Trottel, Taehyung. Ich würde natürlich jedem sagen, dass du mein Vater bist und wir beide so ein kleines Inzestverhältnis haben!"
Er zwickt mich empört in den Bauch und küsst mich dann auf den Mund.

Und auch wenn wir jetzt darüber Witze reißen, lässt mich der Gedanke, ihn eines Tages zu verlieren, nicht los. Denn nur weil ich selbst der unsterbliche Tod bin und jeden Tag Seelen einsammele, heißt es nicht, dass ich damit umgehen kann, Taehyungs einzusammeln.

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