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Taehyung
„Ich bin mir ja nicht so sicher, ob das hier eine gute Idee ist."
„Ich ehrlich gesagt, auch nicht."
„Wie bitte? Du meintest da passiert mir nichts!"
„Ich meinte, da passiert dir nicht viel!"
Na wenn wir nicht schonmal so eine Diskussionen hatten.
Ich schnaube ungläubig und starre Seokjin an, der gerade ein langes, scharfes Küchenmesser in der Hand hält. Fast so, als wäre es eine Mordwaffe... warte. Nicht nur fast so. Es ist eine Mordwaffe! Meine Mordwaffe, um genauer zu sein.
Denn wenn ich meinem Freund Glauben schenken soll, dann schützt mich meine zweite Seele vor dem Tod mit Gewalteinwirkung. Sollte ich lebensbedrohlich verletzt werden, wird meine übernatürliche Seite aktiv und ich nehme körperlich kaum schaden - so die Theorie. Anders würde es sich zumindest nicht erklären lassen, wieso ich zum Beispiel das Teleportieren unbeschadet überlebt habe. Naja, bis auf diese Kopfschmerzen und Übelkeit.
„Außerdem habe ich mein Handy direkt hier neben mir liegen, also wenn etwas Schlimmes passieren sollte und du dich nicht von selbst schützen kannst, dann wähle ich den Notruf und die sind in wenigen Minuten hier. Mir macht es auch keinen Spaß, meinen Freund abzustechen!"
Er fuchtelt mit dem Messer in der Hand herum und auf meine Lippen schleicht sich ein Lächeln. "Du bist der Tod, Baby. Ich glaube nicht, dass es dich erschrecken würde, wenn ich sterben sollte." Jin sieht mich nachdenklich an und schüttelt dann den Kopf: „Ich würde es absolut nicht ertragen. Aber ich bin mir sicher, dass du das hier überstehen wirst. Hast du sehr Angst?"
Ich schnaube ungläubig: „Ich lasse mich gleich freiwillig niederstechen! Natürlich habe ich starke Angst!" Mich schüttelt es. Aber ich vertraue auf das, was Seokjin sagt. Vor sechs Monaten hätte ich auch nie daran geglaubt, dass es den Tod wirklich gibt, dass ich mit ihm teleportieren kann und das ich gerne oft Bottom bin.
„Okay, leg dich am besten auf das Sofa, damit du nicht fallen kannst. Oder warte, dann haben wir ja überall Blutflecken... bleibt also besser stehen, ich fange dich schon auf", entscheidet Jin und meine Beine, die eh schon vor Aufregung gezittert haben, fangen jetzt richtig an zu schlottern.
„Dank dem Adrenalin wirst du hoffentlich nicht allzu starke Schmerzen verspüren und laut meiner Theorie, auch nicht lange verletzt sein. Bei der Teleportation hast du nur etwa drei Tage zur Regeneration gebraucht und da wirst du schließlich in jedes einzelne Molekül aufgespalten. Dagegen ist eine Stichwunde ja gar nichts."
Achso. Ja dann. Wenn's nicht mehr ist.
„Mach einfach", sage ich schließlich und hüpfe nervös etwas auf und ab, während ich versuche meine Atmung unter Kontrolle zu bringen. Ein Herzinfarkt wäre jetzt das Schlechteste.
„Ich kann nicht gut zustechen, wenn du hier den Flummi mimst!", beschwert sich Jin und ich versuche auf der Stelle zu bleiben.
„Was kann ich dafür wenn du beschissen im Abstechen bi-AH!"
Ungläubig starre ich meinen Freund an, als mich plötzlich eine Welle des Schmerzes erfasst, die mich fast von den Füßen reißt. Mit einem Ruck zieht Seokjin das Messer wieder aus meinem Bauch und mit einem unterdrückten Stöhnen presse ich meine Hände auf die Wunde, die wie verrückt zu bluten beginnt. Tränen sammeln sich in meinen Augen und ich keuche immer wieder, während ich nicht versuche vor Schmerz zu schreien.
„Du..", fiepe ich und Jin schmeißt das Messer auf den Wohnzimmertisch, bevor er mich an den Schultern festhält, damit ich nicht ganz wegsacke.
Mein Mund öffnet sich wie der eines Fisches auf Land und ich könnte kotzen, als ich an mir herabsehe.
Mir wird total schwindelig, aber der unbeschreibliche Schmerz nimmt genauso schnell ab, wie er gekommen ist. Stattdessen ist es nur noch ein unangenehmes Ziehen und Drücken, als würde jemand Konstant auf einen blauen Fleck drücken und gleichzeitig kleine Schnitte machen.
Auch die starke Blutung hört langsam auf, aber mein durchtränktes T-Shirt und die dunkle Pfütze unter mir, sprechen dafür, dass das gerade wirklich passiert ist. Jin hat mich abgestochen und es hat keine Minute gebraucht, bis ich wieder stabil wahr.
„Jetzt ist mein Parkett versaut. Wieso haben wir das nicht in der Küche gemacht?" Seine Stimme zittert, trotz des flapsigen Kommentars.
Jin schaut angepisst auf den Boden, während ich Schnappatmung bekomme und mit Unglauben ein merkwürdiges, warmes Britzeln an meinem Bauch ausmache. Als ich mein vor Blut schweres T-Shirt anhebe, kann ich meinen Augen kaum trauen.
Da wo Jin zugestochen hat, schließt sich die Wunde in Rekordzeit. Ich kann förmlich spüren wie sich meine verletzten Organe regenerieren und ich sehe auch, wie sich langsam beginnt Schorf zu bilden.
„Alter...", flüstere ich und bekomme langsam wieder meine Atmung in den Griff.
„Hast du noch starke Schmerzen?", erkundigt sich Jin und ich schüttele den Kopf. „Es tut etwas weh, aber ... alter... ich... ich bin sau verschwitzt gerade", stammele ich total ab vom Schuss und schnuppere vorsichtig an meiner Achsel. Yummy. Angstschweiß.
„Keine Ahnung ob du schon duschen solltest mit der Wunde. Lass sie uns lieber desinfizieren und ein Pflaster drüber machen." Jin läuft los um vermutlich seinen erste Hilfe Koffer zu holen, aber ich starre immer noch auf meinen Körper als wäre er der eines Aliens.
Ich habe gerade eine lebensgefährliche Stichwunde überlebt. Und das mal eben so, an einem grauen Dienstagnachmittag. Ich bin nicht unverwundbar, aber gerade fühle ich mich etwas wie Deadpool.
„Oh man", murmele ich noch und dann merke ich nur noch, wie mir schwarz vor Augen wird.
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