❉ 28 ❉
Taehyung
„Wenn ich mich also umbringen würde... würde ich dann nicht sterben und mit meiner zweiten Seele weiterleben?", frage ich aufgeregt und Jin wirft mir von der Seite einen genervten Blick zu. Wir laufen gerade entspannt zu seiner Wohnung, meinem Vater habe ich schon geschrieben das ich bei einem Freund übernachte und er war ziemlich aus dem Häuschen. Vermutlich kann er sich denken das es keine reine Freundschaft ist und jetzt möchte er Jin unbedingt zu uns einladen, um ihn beim Essen etwas kennenzulernen.
„Dein Körper ist nicht unzerstörbar, also wehe dir du probierst sowas aus," mault er mich an und ich drücke ihm schnell einen Kuss auf die Wange.
„Und wenn ich sterben sollte, dann kommst hoffentlich du mich holen, mein süßer Tod", zwitschere ich und Jins Augen funkeln erbost. „Darüber macht man keine Witze!"
Seine Hand umschließt meine fester und wir legen einen Zahn zu, da es gerade etwas zu nieseln anfängt. Wie ich so ein Wetter hasse. Entweder soll es vernünftig regnen oder eben nicht, aber dieser ekelig schleimige Nieselregen, der durch den Wind in jede Pore zu kriechen scheint, ist so gar nicht meins.
„Willst du was essen? Ich hab nicht viel da, aber Instantnudeln bestimmt", bietet mir Jin an, als wir zurück in seiner Wohnung sind und ich seufze leise. Lieber würde ich was vernünftiges essen, aber wer bin ich schon das ich das recht habe mich zu beschweren. Schließlich kann Seokjin ja nicht nur für mich einkaufen gehen und er selbst... naja, braucht er überhaupt Essen?
„Ja gerne", antworte ich und bekomme von ihm einen Kuss auf den Mund. „Eigentlich koche ich viel lieber, aber im Moment bin ich sowieso nie da, da würden mir die Lebensmittel nur schimmeln", erklärt er noch und damit hat sich meine Frage sowieso erübrigt. „Dann können wir ja mal zusammen kochen", lächele ich und kuschele mich von hinten an seinen breiten Rücken. Meine Arme schlinge ich um seine schmale Hüfte und so schaue ich ihm über die Schulter dabei zu, wie er die Nudeln vorbereitet.
„Du Chefkoch", schmunzele ich und lasse meine Lippen über seinen Nacken tanzen, sodass er eine Gänsehaut bekommt.
„Hör auf mich abzulenken, das Gericht erfordert höchste Konzentration!", witzelt er und schüttelt mich ab.
„Sag mal, Jinnie, denkst du jetzt, dass ich auch übernatürlich bin?", frage ich und schwinge mich auf die Küchenzeile. Die Beine lasse ich baumeln und kurz bin ich überlebt, Jin in seinen knackigen Hintern zu treten.
„Zu einem gewissen Grad bestimmt, sonst könntest du mich nicht in jeder Form sehen. Aber da es sowas wie dich noch nie gab, kann ich das nicht genau beantworten."
Ich beiße mir auf die Lippe, als mir eine weitere Frage in den Sinn kommt: „Und wie alt bist du eigentlich? Ist man als Tod unsterblich?"
Auf Jins vollen Lippen bildet sich ein schmales Lächeln, als er die Nudelbecher wieder verschließt, damit das Essen ziehen kann.
„Die Zeit wie ihr sie kennt, gibt es so eigentlich nicht. Zeit ist nur ein menschliches Konstrukt um Ordnung in euer kleines, verstricktes Leben zu bringen. Es soll euch davon ablenken, wie wenig ihr eigentlich wisst und das ihr nichts habt, was ihr letztlich mit Sicherheit greifen könnt. Also kann ich dir nicht sagen, wie alt ich wäre, aber sicherlich so alt wie die Menschheit selbst. Sterben können wir nicht, aber auch wir haben eine Form von Seele, die uns ... gewaltsam entrissen werden kann."
Zum Ende hin stockt er etwas und verzieht unwohl sein hübsches Gesicht, ehe er uns noch Stäbchen rauskramt und jedem eine Flasche gekühltes Wasser. Ich hake also nicht weiter nach sondern wackele stattdessen mit den Augenbrauen. „Du bist also ein kleines Pedobärchen, du alter Knacker!"
„Und ich verführe ganz besonders gerne kleine, freche Jungs", grinst er und kneift mir einmal in die Seite.
Wir beiden genießen unser Festmahl schweigend und ich hänge meinen Gedanken nach, die wie ein Kettenkarussell in meinem Kopf wirbeln und einfach nicht zum Halt kommen.
„Unsterblich bin ich also nicht. Aber könnte ich dann so wie du... reisen?"
„Reisen?", fragt Jin verwirrt nach und schlürft laut eine lange Nudel.
„Naja, manchmal tauchst du ja einfach irgendwo auf. Das will ich auch können", erkläre ich und auf seinem Gesicht Bildet sich ein wissendes Lächeln.
„Ach, das Springen meinst du. Von selbst dürftest du dafür nicht die Energie haben und ich weiß auch nicht, ob deine DNA dafür stark genug ist. Nicht das du mir nachher nur zur Hälfte oder so mitkommst. Denn eigentlich nutzen wir Tode das Springen hauptsächlich um zwischen den Dimensionen hin und her zu gelangen, aber hier ist es auch ganz praktisch, wenn man mal ohne zu klopfen ins Zimmer seines Freundes gelangen will."
Unbekümmert isst er seine Nudeln weiter und mein Herz schlägt Purzelbäume, als seine letzten Worte in mein Gehirn sickern. Freund. Oh hell yes, ich bin anscheinend offiziell mit Mister SexOnLegs zusammen!
„Aber wir könnten es natürlich trotzdem probieren. Wenn es nämlich klappt, würde das meine Zwei-Seelen-Theorie endgültig bestätigen," schlägt er dann vor und stellt seinen leeren Becher zur Seite.
„Und wenn es nicht klappt?", frage ich argwöhnisch und er zuckt mit den Schultern.
„Dann werde ich die nächste Zeit damit verbringen, deine Einzelteile zusammenzusuchen."
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