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Taehyung

„Also?"
Neugierig Hebe ich eine Augenbraue und schlürfe meinen Cappuccino, während ich Seokjin über den Rand meiner Tasse hinweg anstarre.
„Also was?", entgegnet er und starrt auf meine Lippen, von denen ich mir gerade mit der Zungenspitze etwas Schaum lecke.

Wir sitzen beide in einem kleinen, aber sehr gemütlichen Kaffee am Stadtrand, etwas abseits des Trubels. Mein Hintern klebt förmlich auf einem wunderbar weichen Sitzkissen und so kann ich meinen Unterkörper von gestern Nacht etwas entspannen lassen. Natürlich habe ich vor Jin so getan als hätte ich keinerlei Schmerzen, aber ich war nun mal schon ewig nicht mehr Bottom und bemerke das jetzt auch.

Ich setze meine Tasse wieder ab. „Du wolltest mir etwas Neues von dem Seelenlicht meiner Mutter erzählen", nehme ich den Faden auf und mein attraktiver Gegenüber fährt sich unwohl mit der Hand durch den Nacken.
„Ach ja, stimmt. Also, wie du weißt bist du etwas anders, als die anderen. Ziemlich besonders, quasi-"

„Stopp", schneide ich ihm das Wort ab und hebe unwirsch meine rechte Hand. „Ich vögele den fucking Tod, du musst mir nicht sagen wie besonders ich bin", unterbreche ich seine unnötige Einleitung sofort. Ich habe gar keine Lust mit die selbe Leier wieder anhören zu müssen, von wegen was mit mir nicht stimmt. Einzig und alleine das Seelenlicht meiner Mutter interessiert mich und alles andere ist egal - schließlich konnte ich bisher auch immer gut weiterlebt, egal wie besonders ich bin.

„Du lässt es so unromantisch klingen", schmollt Jin jetzt. „Wie so einen One Night Stand, den man fickt und dann liegen lässt. Aber du hast ja recht - nur versprich mir, dass du nicht mitten hier im Laden irgendwie..." Er unterbricht sich und macht stattdessen fahrige Handbewegungen, die wohl meine instabile psychische Verfassung darstellen sollen. Aha.

„Jaja, versprochen. Und zur Not machst du einfach Mund zu Mund Beatmung", grinse ich etwas und zwinkere ihm zu, während er neckisch den Nacken schräg legt. Bevor wir aber anfangen können zu flirten, lenkt er das Gespräch wieder auf das eigentliche Thema.

„Seelenlichter verschwinden normalerweise nicht spurlos, daher gehe ich davon aus, dass das Licht deiner Mutter ... geflohen ist. Um die Misshandlungen irgendwie durchstehen zu können, muss sich ihre Seele versteckt haben, sodass am Ende nur noch ihr Körper vor Ort war, ihr Geist konnte so Abstand gewinnen", murmelt Jin leise und sieht mich zärtlich an, während mir mein Herz in der Brust klopft.

„Also hat sie irgendwann nicht mehr gelitten?", frage ich leise und schließe meine Hände um die warme Tasse vor mir. Seokjin neigt seinen Kopf etwas zur Seite und schüttelt ihn dann schließlich. „Nicht direkt. Bis es überhaupt erst dazu kommen konnte, musste sie unmenschliche Qualen aushalten und als das Seelenlicht sie dann verlassen hat, muss sie... stumpf geworden sein. Man bekommt mit, dass man eigentlich Schmerzen empfinden sollte, aber man nimmt sie nicht mehr richtig wahr. Wenn du dich stockbetrunken zum Beispiel schneidest, wirst du das ziemlich sicher erst richtig merken, wenn du wieder ausnüchterst."

In meinem Magen liegt ein kleiner Klumpen und der Kaffee schmeckt mir plötzlich zu bitter, dabei besteht er vermutlich nur aus zu viel Milch und Zucker. Ich möchte mir nicht vorstellen müssen, was meine Mutter durchgemacht hat und ich möchte mich noch weniger in den Keller zurückversetzt fühlen. Die Bilder die ich dort gesehen habe, hatte ich tief in mir verschlossen um meinen Alltag und mein Leben irgendwie zu meistern, aber in letzter Zeit kommen sie viel zu oft an die Oberfläche. Mein Herz klopft schnell und ich zwinge mich langsam und bedächtig zu atmen.

„Und du hast jetzt eine Theorie, wo ihr Licht ist?", lenke ich schnell von den dunklen Gedanken ab und auf Seokjins Lippen schleicht sich ein kleines Lächeln. Er greift über den Tisch nach meiner Hand, die eiskalt ist und drückt sie.

„Habe ich", bestätigt er. „Du kannst kein normaler Mensch sein, da du mich in jeder Form siehst und das sollte eigentlich nicht gehen. Etwas an dir ist ziemlich übernatürlich, vielleicht ein bisschen... magisch." Er beugt sich blitzschnell zu mir vor und drückt mir einen kleinen Kuss auf den Mund. Zufrieden beuge ich mich etwas vor, denn das Wort magisch klingt gleich viel besser, als anders oder besonders oder ... komisch.

„Allerdings habe ich in deiner Vergangenheit nichts gefunden was darauf hindeuten könnte, dass du in irgendeiner Art und Weise von einem übernatürlichen Wesen abstammst-"
„Also gibt es mehr, als nur den Tod?", unterbreche ich ihn und er nickt. „Ja, schon, aber das kann ich dir eigentlich nicht-"
„Meerjungfrauen? Oder vielleicht sogar wirklich Vampire und Werwölfe?"

Gespannt sehe ich ihn an und er verzieht die Augenbrauen. „Um Himmels Willen, nein! Keines dieser fiktionalen Geschöpfe existiert. Ich rede von den Toden, dem Karma, kleineren Gottheiten... egal, das spielt jetzt wirklich keine Rolle. Fakt ist nur, das du nicht seit deiner Geburt übernatürlich bist, sondern das etwas geschehen sein muss das dich verändert hat."

Angestrengt denke ich nach, aber ich schüttele schnell den Kopf: „Ich hatte nie einen krassen Unfall oder eine Nahtoderfahrung oder so."
Seokjin lächelt leicht. „Das vielleicht nicht. Aber du bist an den Ort gegangen, an dem das Seelenlicht deiner Mutter ihre Hülle verlassen hat. Und eigentlich können Seelenlichter auf der Erde nicht ohne ein menschliches Gefäß auskommen. Das bedeutet, das sie irgendwo Unterschlupf gesucht haben muss."

Ich schlucke, als seine Worte langsam in mein Unterbewusstsein dringen und ich ungewollt seine große, warme Hand fester drücke.
„Willst du damit sagen, dass...", beginne ich, kann meinen Gedanken aber gar nicht richtig fassen. Zu sehr verwirrt mich all das, was so gar nicht normal sein sollte.

„Richtig", schmunzelt Jin nur. „Ich glaube, du besitzt zwei Lebenslichter in dir, Taehyung."

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