❉ 04 ❉

Frohe Ostern ihr süßen Bunnies!❤️ habt alle einen schönen Tag (:


Taehyung

„Natürlich sehe ich ihn, ich bin ja nicht blind", meckert Hoseok und schnaubt. „Manchmal bist du echt merkwürdig!"

Ungläubig schaue ich nur zwischen ihm und dem fremden Mann hin und her, der jetzt gerade einen Beutel mit seinen bezahlten Klamotten in die Hand gedrückt bekommt. Wie kann das sein? Warum können andere Leute ihn plötzlich sehen, auch wenn es all die Male davor nicht den Anschein gemacht hat? Werde ich verrückt?

„Erde an Taehyung: Du starrst! Wehe du sabberst gleich auf den Kaufhausboden! Der Kerl ist ein Sahneschnittchen, aber blamieren musst du dich deswegen nicht", befindet Hoseok und mustert den Mann ganz genau.

Ich aber höre meinem Kumpel nur mit halbem Ohr zu und verstehe die Welt nicht mehr. Mit großen Augen beobachte ich jetzt das Sahneschnittchen dabei, wie er drauf und dran ist den Laden zu verlassen. „Hier", ich drücke Hoseok unwirsch meine ausgewählten Klamoten in die Hand und fummele dann hektisch ein paar Scheine aus meinem Portemonnaie.

„Du bezahlt, wenn es nicht genug ist, gebe ich dir das Geld nachher wieder. Ich muss da jetzt echt hinterher", versuche ich noch zu erklären und lasse einen komplett baffen Hoseok einfach stehen. Dann nehme ich meine Beine in die Hand und beginne mit einem Sprint zwischen den Kleiderständern.

Der mysteriöse Mann hat schon einen kleinen Vorsprung, aber ich werde ihn jetzt ganz bestimmt nicht mehr einfach so gehen lassen. Man wird mich wohl für verrückt halten, aber ich habe das Gefühl ich drehe durch, wenn ich nicht endlich klären kann, wer dieser Kerl ist.

Auf den belebten Straßen angekommen drehe ich mich hektisch suchend nach links uhnd rechts und mache schließlich den hellen Mantel zwischen  den Menschenmassen aus. „Du entkommst mir nicht", murmele ich wie ein Creep und quetsche mich unhöflich durch die Leute.

„Ey, pass doch auf du Trampel", werde ich nicht nur einmal angemeckert, aber ich achte gar  nicht darauf. Meine Augen kleben förmlich an dem Rücken des Unbekannten, fast wie ein Jagdhund habe ich mich daran festgebissen. Und ich bin nicht gewillt, meine Beute so schnell loszulassen.

Immer wieder bekomme ich Ellbogen in die Seite gerammt oder ich trete jemandem unabsichtlich auf den Fuß, aber trotzdem schaffe ich es, mich ziemlich schnell zwischen all den gehetzten und genervten Menschen zu bewegen. Wie der Mann es schafft, bei seinem zügigen Tempo hier durch zu kommen ohne auch nur einmal angerempelt zu werden, weiß ich nicht. Vielleicht macht man schönen Menschen einfach automatisch Platz oder er verscheucht sie mit seiner autoritären Ausstrahlung.

„Hey, warte mal!", rufe ich laut, als der mysteriöse Kerl in einer kleineren Seitengasse verschwindet, in der er nur so von charmanten Cafés wimmelt.
Ich sehe nur noch, wie er kurz ins Stocken gerät, nur um dann extra an Tempo zuzulegen. Aber wie gut das meine Beine mindestens genauso lang sind wie seine und er mich nicht einfach abschütteln kann.

„Du hast mich doch ganz genau gehört du Arsch", schimpfe ich still und etwas außer Atem, während ich beginne zu joggen. Hier ist nicht mehr so viel los und ich muss keine Sorge haben, irgendein Kleinkind zu überrennen. Ich mag Kinder nämlich wirklich gerne - im Gegensatz zu Erwachsenen sind sie noch unschuldig und nicht voller egoistischer Gedanken.

Ich habe ein gutes Stück zu dem Kerl aufgeholt, da biegt er plötzlich nach rechts in einen kleinen Innenhof ein und ich verziehe das Gesicht. Was soll dieses Scheiss Versteckspiel?
„Idiot!", knurre ich und biege ruckartig ebenfalls rechts ab, nur um durch einen schlagartigen Schmerz an der Stirn aufgehalten zu werden.

„Tut mir leid", lächelt der mysteriöse Mann zerknirscht und ich erkenne noch verschwommen ein altes Holzbrett in seiner Hand, ehe sich die Welt viel zu schnell zu drehen beginnt und mir plötzlich schwarz vor Augen wird.

Ich weiß nicht wie spät es ist oder wo ich bin, als ich das nächste Mal meine Augen aufschlage. Meine Stirn pocht schmerzhaft und orientierungslos sehe ich mich um. Weiße Wände, sterile Betten und das stetige Summen verschiedener Geräte. Na toll, ich bin wohl im Krankenhaus. Ein Ort, den ich einfach verabscheue.

Meine Nase kräuselt sich missbilligend als ich den Geruch nach Desinfektionsmittel einatme und ich atme einmal tief ein und aus. Das Erlebte kehrt langsam in meine Gedanken zurück und mir wird ziemlich schnell klar, dass mich der komische Kerl bewusstlos geschlagen haben muss.

„Echt jetzt? War das nötig?", wimmere ich genervt, als ich mir mit der Hand über meine schmerzende Stirn streiche. Neben mir raschelt etwas, ein Bett knirscht und ein Mann mit einer Schürfwunde am Kinn sieht mich verwirrt an: „Ist etwas?", fragt er und ich winke ab. „Alles gut, ich habe nur mit mir selber gesprochen."

Er wendet sich wieder dem Buch in seinen Händen zu und hat mich wohl gedanklich schon als geistig nicht zurechnungsfähig abgestempelt.
Die anderen drei Betten in dem großen Raum sind leer und erleichtert stelle ich fest, dass ich wohl niemand anderen verstören kann. Allzu schlecht kann es mir daher wohl auch nicht gehen, wenn ich in einem Gemeinschaftszimmer liege.

Meine Augen suchen den Raum müde nach anderen spannenden Dingen ab, aber mehr als zwei Türen und einigen kleinen Schränken finde ich nicht. Selbst die Aussicht aus dem Fenster ist unspektakulär. Genervt seufze ich wieder. Am liebsten würde ich hier sofort verschwinden, aber das wäre dann wohl doch ziemlich verantwortungslos.

Kurz hadere ich mit mir selber, aber dann drücke ich auf den kleinen roten Knopf neben meinem Bett. Eigentlich möchte ich keine Krankenschwester herbeirufen, vielleicht gibt es irgendwo einen wichtigeren Notfall, aber genauso wenig möchte ich hier in Ungewissheit vergammeln.

Es dauert nur ein paar Sekunden, dann wird schon einer der Türen aufgestoßen und eine zierliche Frau kommt hektisch herein.
„Ahh, Herr Kim, Sie scheinen wach. Gut, gut. Kim ist doch richtig, oder? Wir haben in ihren Taschen ein Portemonnaie mit einem Ausweis gefunden, ebenso wie Ihr Handy. Diese Wertsachen finden Sie in dem kleinen Schrank neben sich, oberste Schublade. Ich werde den für Sie zuständigen Doktor informieren und herbitten. Warten Sie bitte einen Moment."
Genauso schnell wie sie hereingewirbelt war, ist sie auch wieder verschwunden.

„Gott, die macht ja fast noch mehr Kopfschmerzen", murmele ich und greife träge in Richtung des besagten Schränkchens. Meine Stirn wummert unangenehm, als ich umständlich meine Sachen aus der Schublade fummele und als erstes einen Blick auf mein Handy werfe. Sofort werden mir einige verpasste Anrufe und Nachrichten angezeigt, die Uhr verrät mir, dass wir es bereits nach sieben am Abend haben.

15:48 Hoseok: „Wo bleibst du? Hab deine Sachen und Jungkook & Yoongi sind auch schon da, shoppen jetzt mit den beiden weiter. Sag nicht du hast uns vergessen :( Wenn du mit Mr. Unknown flirtest, lass dir die Zunge in den Hals stecken und komm dann wieder."

16:03 Hoseok: „Taehyung? Das war ein Scherz. Komm jetzt wieder und behalte deine Hosen am besten an."

16:17 Hoseok: „ Oder was treibt ihr da bitte???"

16:34 Hoseok: „Tae? Wir machen uns langsam echt Sorgen!"

- 3 verpasste Anrufe -

Ach shit, stimmt. Wir wollten ja zu viert noch Essen gehen und eigentlich wollte ich auch noch Einkaufen und etwas an meiner Präsentation arbeiten. Aber so wie mein Schädel im Moment brummt, kann ich das sicherlich vergessen. Mein Blick fliegt kurz über die Nachrichten der anderen beiden und ich antworte Hoseok nur, dass ich gerade im Krankenhaus liege und sie ohne mich essen sollen.

Weiter kann ich nichts erklären, da wird die Tür ein weiteres Mal geöffnet und ein freundlich, wenn auch gestresst wirkender Mann Mitte 50 betritt den Saal. Ich lege mein Handy zur Seite, welches angefangen hat wie verrückt zu vibrieren. Vermutlich spamt Hoseok gerade unnormal und bereitet mir so unwissentlich noch mehr Kopfschmerzen.

„Ah, Herr Kim, schön das Sie wieder wach sind. Ich bin Herr Lee", er reicht mir seine etwas raue habe und lächelt höflich. „Dann wollen wir doch mal sehen. Wenn Sie bitte einmal zu mir schauen könnten?"
Er holt eine kleine Taschenlampe heraus und etwa fünf minuten lang, lasse ich einige kleine Tests über mich ergehen.

„Na, das ist doch alles wunderbar. Herr Kim, Sie wurden scheinbar niedergeschlagen, einige Passanten haben Sie gefunden. Die Nummer haben Sie dagelassen, wenn Sie möchten können Sie sich dort gerne melden.
Glücklicherweise sind Sie mit einer Gehirnerschütterung und einer dicken Beule davongekommen, es besteht kein Verdacht auf Hirnblutungen oder Ähnlichem." Er lächelt mir aufmunternd zu.

„Sie sollten sich die nächsten Tage möglichst schonen und sich nicht zu vielen Reizen aussetzen. Ein leichter Schwindel kann dabei ganz normal sein, sollten diese Beschwerden aber stärker werden, kommen Sie bitte umgehend her.
Ihr Angreifer ist leider unbekannt, wissen Sie ob schon etwas gestohlen wurde?"

Ich räuspere mich kurz einmal und flüstere dann fast schon: „Nein. Es wurde nichts gestohlen."
„Gut...," der Arzt nickt einmal. „Trotzdem sollten sie den Vorfall der Polizei melden, vielleicht findet sich der Täter ja."

Ich nicke vorsichtig und langsam, darauf bedacht meinen Kopf nicht allzu sehr zu reizen.
Wie konnte mein Leben in den letzten Wochen nur so aus den Fugen geraten, dass ich mich niedergeschlagen im Krankenhaus wiederfinde?

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