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KAPITEL 4

Das flackernde Licht an den Wänden des Kühlhauses ließ die Schatten unruhig wirken, als würden sie sich jeden Moment vollkommen in der Dunkelheit verlieren. Mit jedem Flackern hatte Dahlia das Gefühl, dass auch ihre Hoffnung langsam schwächer wurde. Die Kälte kroch längst durch ihren Körper, doch das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war die Angst. Diese dumpfe, schwere Angst, die sich wie eine Hand um ihre Kehle legte und ihr kaum Luft ließ.

Ihr Blick wanderte langsam zu Ares hinüber. So lange sie ihn kannte, wusste sie genau, was gerade in seinem Kopf vorging. Er gab sich die Schuld. Für alles. Dafür, dass sie hier eingesperrt waren. Dafür, dass die Mädchen Angst hatten. Dafür, dass er sie vielleicht nicht beschützen konnte. Und genau dieser Gedanke tat Dahlia fast mehr weh als ihre eigene Panik.

Ares hatte den Kopf leicht gegen die Wand gelehnt, während Violet schlafend an seiner Schulter lag. Doch seine Augen waren offen. Wachsam. Angespannt. Sein Blick löste sich schließlich von dem flackernden Licht und blieb an Dahlia hängen, die verloren ins Leere starrte.

„Schlaf etwas. Du wirst die Kraft brauchen."

Seine Stimme war ruhig, aber es war keine Bitte. Es war ein Befehl. Einer, der nur zeigte, wie sehr er sich Sorgen machte.

Dahlia schluckte schwer. Noch immer konnte sie nicht begreifen, wie ihr Leben innerhalb weniger Stunden vollkommen zerstört worden war. Vor weniger als zwei Tagen hatte sie noch Sträuße gebunden und mit ihren Freunden gelacht. Jetzt saß sie in einem dunklen Kühlhaus und wartete darauf, dass draußen irgendwelche Kreaturen verschwanden.

Vielleicht war es dumm, aber ein kleiner Teil von ihr hoffte immer noch, dass das alles nur ein Albtraum war. Dass sie einfach aufwachen würde und wieder das Klingeln der Ladentür hörte. Dass Ruslan zu spät hereinkam. Dass Ares mit Violet flirtete und Liliana sich über Kunden aufregte.

Doch mit jeder Minute, die verging, wurde die Realität schwerer.

Denn Dahlia wusste, sobald sie dieses Kühlhaus verließen, würde nichts jemals wieder so sein wie vorher.

Mittlerweile waren fast alle eingeschlafen. Nur Ares und Dahlia waren noch wach. Sie hatte auf seine Aufforderung zuerst nicht reagiert. Vielleicht weil sie Angst hatte, dass ihre Stimme verraten würde, wie sehr sie innerlich zitterte.

Minuten vergingen in stiller Dunkelheit, bevor sie schließlich leise sagte:

„Ich hab Angst."

Kaum hörbar.

Ares hob sofort den Blick zu ihr. Als er Dahlia ansah, wurde sein Blick plötzlich weicher. Nicht schwach. Niemals schwach. Sondern ehrlich.

„Ich weiß."

Für einen kurzen Moment herrschte wieder Stille. Dann ließ Ares den Kopf leicht gegen die Wand sinken.

„Ich auch."

Und an der Art, wie seine Stimme leicht brach, merkte Dahlia sofort, dass er keine Angst um sich selbst hatte. Sondern davor, die Menschen zu verlieren, die ihm etwas bedeuteten.

Ihre Augen wurden wässrig, doch sie blinzelte die Tränen sofort weg, als wäre nichts gewesen. Sie musste stark bleiben. Für die anderen. Genau wie Ares versuchte, seine Angst nicht zu zeigen, würde sie dasselbe tun.

Die Stunden vergingen langsam, viel zu langsam, bis schließlich der Morgen anbrach. Doch kaum jemand hatte wirklich geschlafen. Die Uhr zeigte neun Uhr morgens an, während die Müdigkeit schwer auf Dahlias Körper lag. Ihr Kopf schmerzte und ihre Gedanken fühlten sich dumpf an.

Ihr Blick wanderte zu Ares hinüber.

„Machen wir uns auf den Weg?"

Ares antwortete nur mit einem langsamen Nicken.

Mittlerweile waren auch Liliana und Violet wach geworden und packten still ihre Sachen zusammen. Niemand sprach viel. Die Erschöpfung und Angst lagen viel zu schwer in der Luft.

„Mach die Tür auf", murmelte Ares schließlich.

Dahlia nickte leicht und schloss vorsichtig die Tür des Kühlhauses auf. Sofort spannte sich ihr ganzer Körper an, als würde sie jeden Moment damit rechnen, dass irgendetwas direkt davor stand.

Langsam traten alle hinaus.

Draußen war es unnatürlich still. Man hörte nichts außer entferntem Vogelzwitschern und dem Wind zwischen den Gebäuden. Genau diese Ruhe machte Dahlia nervös. Es fühlte sich falsch an.

Nachdem sie ihre restlichen Sachen zusammengesucht hatten, standen nun alle vor der großen Eingangstür des Blumengeschäfts.

Dahlia tauschte einen kurzen Blick mit Ares.

Beide nickten sich zu.

Ohne ein weiteres Wort griff Ares nach dem Türgriff und öffnete langsam die Tür.

Alle hielten unbewusst den Atem an.

Für einen kurzen Moment sagte niemand etwas.

Draußen war keine einzige Menschenseele zu sehen. Keine Stimmen. Keine fahrenden Autos. Nicht einmal Schritte. Nur diese bedrückende, tote Stille.

Doch genau das war nicht das Schlimmste.

Mitten auf der Straße zog sich ein riesiges Loch durch den Asphalt. So tief, dass Dahlia nicht einmal das Ende erkennen konnte. Die Ränder wirkten, als wäre die Straße einfach auseinandergerissen worden. Tief unten pulsierte ein unnatürlich blaues Licht.

Es sah nicht menschlich aus.

Nicht echt.

Dahlia spürte sofort, wie sich Panik langsam in ihrer Brust ausbreitete. Ihr Herz schlug so stark gegen ihre Rippen, dass sie glaubte, jeder müsste es hören können.

„Was... zur Hölle ist das...?", flüsterte Violet kaum hörbar.

Niemand hatte eine Antwort.

Der Wind strich plötzlich durch die leeren Straßen und ließ Dahlia zusammenzucken. Dieses Ding fühlte sich falsch an. So falsch, dass allein der Anblick ihr Übelkeit verursachte.

„Was um Gottes Namen ist das...?", fragte Dorothy mit zitternder Stimme und wich automatisch einen Schritt zurück.

Ares reagierte sofort. Instinktiv griff er nach Dorothys Hand und zog sie leicht hinter sich, als wollte er verhindern, dass irgendetwas ihr zu nahe kam.

„Wir schaffen das, okay?", sagte er ruhig.

Doch Dahlia bemerkte sofort, dass seine Stimme nicht so sicher klang, wie er gehofft hatte.

Dorothy nickte schwach, obwohl die Angst deutlich in ihren Augen lag.

Dahlia konnte den Blick nicht von diesem Loch lösen. Das blaue Licht tief darin bewegte sich unruhig, fast so, als würde dort unten irgendetwas leben.

Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.

„Das ist nicht normal...", murmelte Liliana leise und trat automatisch näher zu Violet.

Selbst Ares wirkte angespannt. Seine Schultern waren hart angespannt, sein Blick wachsam, während er jede Bewegung um sie herum beobachtete.

Bis zu diesem Moment hatte sich alles noch irgendwie unwirklich angefühlt. Wie ein Albtraum, aus dem sie jeden Augenblick aufwachen könnten.

Doch jetzt, während sie dieses Ding mitten auf der Straße ansah, wurde Dahlia klar, dass ihre Welt wirklich nicht mehr existierte.

Und genau dieser Gedanke machte ihr mehr Angst als alles andere.

„Wir sollten langsam los", unterbrach Violet schließlich die bedrückende Stille.

Ihre Stimme klang leise, fast vorsichtig, als hätte sie Angst, irgendetwas könnte sie hören.

Dahlia nickte langsam, doch sie konnte den Blick nicht von diesem riesigen Loch lösen. Dieses unnatürliche blaue Licht tief in der Dunkelheit ließ ihren Magen zusammenziehen. Es fühlte sich an, als würde dieses Ding sie beobachten.

Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken, bevor sie sich schließlich dazu zwang wegzusehen.

Ohne wirklich darüber nachzudenken, griff sie nach Lilianas Hand.

„Ihr habt recht", sagte Dahlia leise. „Wir sollten los."

Für einen kurzen Moment herrschte wieder Stille.

Dann hob sie den Blick erneut.

„Aber davor holen wir noch etwas."

Sofort zogen sich Ares' Augenbrauen zusammen.

„Was meinst du?"

Dahlia schluckte schwer, wich seinem Blick diesmal aber nicht aus.

„Andere Kleidung. Und irgendwas, das wir als Waffen benutzen können."

Ihre Stimme war ruhig, aber ernst.

„Es bringt nichts, wenn wir unsere Familien finden...", begann sie leise und blickte kurz wieder zu diesem riesigen Loch hinüber. „...wenn wir sie am Ende nicht beschützen können."

Die Worte hingen schwer in der Luft.

Selbst Violet sagte nichts mehr.

Ares starrte Dahlia einen Moment lang einfach nur an. Vielleicht weil er nicht erwartet hatte, diese Worte ausgerechnet von ihr zu hören. Doch Dahlia wusste mittlerweile, dass Angst alleine sie nicht retten würde.

Nicht mehr.

Schließlich stimmten alle zu und machten sich gemeinsam auf den Weg Richtung Stadion Center.

Kaum hatten sie die ersten Schritte auf die leeren Straßen gesetzt, blickten sich alle nervös um. Jede Bewegung, jedes Geräusch ließ ihre Körper sofort anspannen.

Die Angst lag schwer in der Luft.

Nach allem, was sie bereits gesehen hatten, rechnete mittlerweile jeder damit, jederzeit angegriffen zu werden. Von irgendwem. Oder eher... irgendetwas.

Dahlia merkte, wie ihre Finger unruhig zitterten, während ihr Blick ständig zwischen den verlassenen Gebäuden hin und her wanderte. Die Straßen, die früher voller Menschen gewesen waren, wirkten jetzt fast wie ausgestorben.

Und genau das machte ihr Angst.

Keine Autos. Keine Stimmen. Nicht einmal Sirenen. Nur diese bedrückende Stille.

Selbst Violet klammerte sich dichter an Liliana, während Dorothy nervös auf ihrer Unterlippe kaute.

Ares lief ein kleines Stück vor ihnen, sein Blick wachsam, als würde er jede Sekunde damit rechnen, dass plötzlich etwas aus einer Ecke hervorsprang.

Und ehrlich gesagt war diese Angst berechtigt.

Niemand wusste, was dort draußen wirklich auf sie wartete.

Oder ob diese Wesen überhaupt die einzigen waren.

Das Schlimmste daran war jedoch der Gedanke, dass das alles vielleicht nicht nur hier passierte.

Bis jetzt hatte niemand es laut ausgesprochen, aber tief in ihrem Inneren dachten wahrscheinlich alle dasselbe:

Wenn diese Dinge wirklich überall auftauchten... dann versank vermutlich gerade die ganze Welt im Chaos.

Etwa vierzig Minuten später kamen sie schließlich beim Stadion Center an.

Der Weg hierher war still gewesen. Zu still. Niemand hatte sich wirklich getraut laut zu sprechen.

Jetzt durchsuchten sie verschiedene Geschäfte nach Kleidung und allem, was irgendwie nützlich sein könnte. Sie zogen Sachen an, in denen man laufen konnte. Kämpfen konnte. Überleben konnte.

Vor allem Kleidung mit vielen Taschen.

Allein dieser Gedanke fühlte sich für Dahlia falsch an.

Vor wenigen Tagen hatte sie noch darüber nachgedacht, welche Schuhe zu ihrem Outfit passten.

Und jetzt?

Jetzt suchte sie Kleidung aus, mit der sie vielleicht am Leben bleiben konnte.

Dahlia blieb schließlich vor einem japanischen Geschäft stehen. Ihr Blick wanderte über die dunklen Scheiben.

Von hinten näherte sich Violet und legte vorsichtig ihre Hand auf Dahlias Schulter.

Dahlia zuckte sofort zusammen, bevor sie erleichtert ausatmete.

„Oh... du bist es, Ivy."

Ein kleines Lächeln huschte über ihre Lippen.

Das Geschäft war abgeschlossen. Natürlich.

Für einen kurzen Moment herrschte Stille, bevor Dahlia sich langsam zu Ares umdrehte.

„Tu das, was du am besten kannst."

Sie deutete auf die verschlossene Tür.

Sofort erschien dieses freche Grinsen auf Ares' Gesicht.

„Endlich sagst du mal was Nettes zu mir."

Nicht einmal vier Minuten später standen sie mitten im Geschäft.

Liliana und Dorothy sahen sich bereits kleine Figuren und Schlüsselanhänger an, wahrscheinlich nur, um sich kurz von allem abzulenken.

Doch Dahlia blieb plötzlich stehen.

Direkt vor ihr hing eine Wand voller Waffen.

Die meisten waren vermutlich Dekoration gewesen. Aber mittlerweile spielte das keine Rolle mehr.

Ihr Blick blieb sofort an zwei Katanas hängen.

Und plötzlich konnte sie nicht mehr wegsehen.

Etwas daran fühlte sich falsch an.

Oder vielleicht zu richtig.

Dahlia spürte, wie ihr Herz schneller schlug, während sie die Schwerter anstarrte. Es war fast so, als würden sie sie rufen.

Als würden sie auf sie warten.

Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken.

„Was ist mit euch?"

Ares' Stimme riss sie leicht aus ihren Gedanken. Er blickte zwischen Dahlia und Violet hin und her.

Erst jetzt bemerkte Dahlia, dass Violet genauso wie sie vollkommen auf etwas fixiert war.

Einen Bogen.

Und einen Speer.

Violets Blick wirkte beinahe eingefroren, als könnte sie sich nicht davon lösen.

Der Bogen sah elegant aus. Fast göttlich.

Als wäre er direkt vom Himmel gefallen.

Die Katanas hingegen wirkten düster. Brutal. Gefährlich.

Fast so, als wären sie direkt aus der Hölle selbst gekommen.

Dahlia zog langsam eine Augenbraue hoch.

Das wird ja interessant.

Ohne weiter nachzudenken griff sie nach einem Gegenstand und schleuderte ihn gegen die Glasvitrine.

Das Glas zerbrach sofort mit einem lauten Knall.

Liliana zuckte erschrocken zusammen.

Dahlia kletterte auf das Regal und nahm die beiden Katanas vorsichtig in die Hände.

In dem Moment, in dem ihre Finger die Schwerter berührten, breitete sich ein merkwürdiges Gefühl in ihr aus.

Ein langsames Grinsen zog sich über ihr Gesicht.

Ares bemerkte es sofort.

„Warum grinst du so?"

Doch noch während er fragte, musste er selbst anfangen zu grinsen.

Dahlia schüttelte leicht den Kopf, bevor ihr plötzlich ein leises, beinahe hysterisches Lachen entwich.

„Das hier ist doch alles ein schlechter Scherz..."

Dann hob sie die Schwerter leicht an.

„Habt ihr das nicht gehört?"

Verwirrte Blicke trafen sie.

Liliana und Dorothy schüttelten sofort den Kopf.

Doch Violet nicht.

Langsam erschien auch auf ihren Lippen ein kleines Grinsen, während sie den Bogen fester umklammerte.

„Sie sprechen zu uns."

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Wenn ihr Fehler findet dann tut es mir leid aber ich hoffe ihr habt Spaß beim lesen 🫶🏻

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