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KAPITEL 5
Dahlia und die anderen waren mittlerweile schon seit längerer Zeit unterwegs. Inzwischen hatten sie alle akzeptiert, dass dort draußen keine Menschenseele mehr war. Sie hatten es zwar nicht geschafft, zu jedem einzelnen Zuhause zu fahren, doch eines war überall gleich gewesen: Die Wohnungen waren leer. Auf beinahe jedem Küchentisch oder an den Eingangstüren lagen Broschüren mit Evakuierungszeiten und Treffpunkten. Offenbar hatte sich fast jeder daran gehalten. Oder zumindest hofften sie das. Denn die Vorstellung, dass manche Menschen vielleicht einfach verschwunden waren, sprach niemand laut aus.
Die Zeit verging. Und ehe sie es wirklich realisierten, waren bereits drei Monate vergangen. Drei Monate voller Verstecke. Voller Angst. Voller Nächte, in denen sie kaum schlafen konnten. Von den Kreaturen selbst hatten sie in dieser Zeit kaum etwas gesehen. Meistens nur gehört. Dieses entfernte Kreischen in der Dunkelheit hatte gereicht, damit sich jedes Mal Panik in ihren Körpern ausbreitete. Deshalb sperrten sie sich nachts irgendwo ein. Immer. Und mit der Zeit waren sie sich alle näher gekommen. Besonders Ares und Violet.
„Ich komme gleich", sagte Violet, während sie konzentriert ihren Bogen polierte. Dahlia beobachtete sie kurz, bevor ihr ein leises Grinsen entwich. „Du polierst da gleich noch ein Loch rein." Violet verdrehte sofort die Augen. Ares hingegen grinste nur leicht, während er seine Glock 17 hinten in seinen Gürtel schob. Doch sein Blick blieb an Violet hängen. Und Dahlia bemerkte sofort dieses gewisse Etwas darin. Immer wenn Ares Violet ansah, wurde sein Blick weicher. Ruhiger. Als würde allein ihre Anwesenheit irgendetwas in ihm beruhigen, das sonst ständig unter Strom stand.
„Können wir kurz reden?" Ares ließ den Blick nicht von Violet ab. Sie nickte langsam. Dorothy und Liliana beobachteten schweigend, wie die beiden gemeinsam in ein gegenüberliegendes Geschäft verschwanden. Sie befanden sich mittlerweile auf der Mariahilfer Straße. Früher war diese Straße immer überfüllt gewesen. Laut. Voller Menschen. Jetzt war sie leer. Doch nach drei Monaten machte ihnen diese Leere kaum noch Angst. Mittlerweile war sie normal geworden. Und genau das war wahrscheinlich das Traurigste daran.
Ares zog Violet leicht hinter sich her. „Was gibt's denn?", fragte sie belustigt und ließ sich einfach mitziehen. Die beiden betraten den Lagerraum eines BIPA-Geschäfts, dessen Tür Ares zuvor gewaltsam aufgebrochen hatte. Kaum waren sie drinnen, drückte Ares die Tür hinter ihnen zu. „Ace... was genau wird das hier?" Violet zog leicht eine Augenbraue hoch, doch sofort bemerkte sie seinen ernsten Blick. Ihr kleines Lächeln verschwand augenblicklich.
„Wir müssen reden. Unbedingt."
Seine Stimme war ruhig, aber angespannt. Violet spürte sofort, wie sich ihr Magen leicht zusammenzog. Irgendetwas an seinem Blick machte sie nervös. Ares wich ihren Augen aus, fuhr sich kurz angespannt mit der Hand durch die Haare und atmete tief durch.
„Wegen uns..."
Er brach mitten im Satz ab, als würden ihm plötzlich die Worte fehlen. Und genau das irritierte Violet am meisten. Ares war normalerweise nie sprachlos.
„Wegen uns?" Sie deutete erst auf ihn, dann auf sich selbst. Ares nickte langsam. Schließlich hob er den Blick wieder zu ihr.
„Du weißt, dass ich dich liebe, Ivy."
Die Worte trafen Violet sofort. Nicht weil sie überrascht war. Sondern weil sie wusste, dass er es ernst meinte. Sein Blick durchbohrte sie förmlich und genau das machte ihr Angst. Nicht vor ihm. Sondern vor dem, was sie selbst dabei fühlte. Langsam senkte sie den Blick.
„Wenn ich dir falsche Signale gegeben habe... dann tut es mir leid."
Für einen Moment wurde es vollkommen still. Ares' Gesichtsausdruck veränderte sich sofort. Verletzt. Seine Kiefer spannten sich sichtbar an.
„Falsche Signale...?"
Seine Stimme klang plötzlich rauer. Tiefer.
„Du nennst das falsche Signale?"
Bevor Violet reagieren konnte, packte Ares sie plötzlich an den Armen und drückte sie gegen die Wand. Erschrocken keuchte sie auf. Ihre Augen weiteten sich sofort.
„Ace—!"
Mit geweiteten Augen blickte sie zu ihm hoch. Sein Gesicht war plötzlich so nah, dass sie seinen Atem spüren konnte.
„Was wird das...?"
Ihre Stimme war viel leiser geworden.
„Ich liebe dich und du weißt das!", sagte er plötzlich lauter. Viel lauter als sonst. „Warum stößt du mich immer weg?!"
Mit voller Wucht schlug er neben ihrem Kopf gegen die Wand. Violet zuckte heftig zusammen. Ihr Herz raste sofort. Nicht weil sie dachte, dass Ares ihr etwas antun würde. Sondern weil sie ihn noch nie so gesehen hatte. So außer Kontrolle.
„Ace!"
Ihre Stimme zitterte diesmal wirklich.
Für einen kurzen Moment bemerkte Ares selbst nicht einmal, wie bedrohlich er gerade wirkte. Erst als sein Blick ihre Augen traf. Diese Angst darin. Diese Panik. Sofort erstarrte er. Seine Atmung wurde langsamer. Und plötzlich wich jede Wut aus seinem Gesicht.
Langsam ließ er sie los und drehte sich mit dem Rücken zu ihr.
„...Tut mir leid."
Seine Stimme war plötzlich wieder ruhig. Fast erschreckend ruhig.
Violet schluckte schwer. Sie sah seinen angespannten Rücken, seine zu Fäusten geballten Hände und wusste sofort, dass er sich selbst gerade mehr hasste als alles andere.
„Ich will nicht, dass wir streiten", sagte sie leise. Man hörte sofort den Schmerz in ihrer Stimme. Sie hatte diese Reaktion nicht erwartet. Schuldgefühle breiteten sich langsam in ihr aus.
„Geh."
Ares sagte es ruhig, ohne sich umzudrehen.
„Es tut mir leid... ich wollte nicht, dass du dich so fühlst."
Langsam trat Violet näher zu ihm. Dann umarmte sie ihn vorsichtig von hinten und legte ihre Stirn gegen seinen Rücken. Ares schloss sofort die Augen. Allein diese kleine Berührung reichte aus, damit seine ganze Wut plötzlich zerfiel.
„Ich kann dir nicht sagen, was ich empfinde...", flüsterte Violet ehrlich. „Aber es ist nicht nur Freundschaft."
Für einen kurzen Moment hielt Ares den Atem an. Ihr Herz schlug genauso schnell wie seines.
„Bitte gib mir Zeit."
Ares antwortete nicht. Doch allein daran, wie angespannt sein Körper plötzlich war, wusste Violet, dass ihre Worte ihn trotzdem erreicht hatten.
„Lass mich los, Violet."
Seine Stimme klang ruhig. Fast zu ruhig. Doch genau das machte ihr Angst.
„Ace...", flüsterte Violet leise und drückte sich nur noch näher an seinen Rücken, als könnte sie ihn dadurch davon abhalten wegzugehen. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen.
„Ich brauche einfach Zeit", wiederholte sie leise.
Ares atmete tief durch.
„Hab ich verstanden."
Langsam löste er ihre Arme von sich und drehte sich zu ihr um.
„Jetzt lass los."
Violet ließ ihn widerwillig los. Für einen Moment herrschte wieder Stille zwischen ihnen. Dann hob Ares langsam den Blick.
„Ich weiß nicht, ob dir eigentlich bewusst ist..."
Seine Augen trafen direkt ihre.
„...dass wir mitten im Weltuntergang leben."
Die Worte trafen Violet sofort.
„Ich weiß nicht mal, ob wir überhaupt Zeit haben."
Und genau da zerbrach etwas in ihr. Weil sie darüber tatsächlich nie wirklich nachgedacht hatte. Vor gerade einmal drei Monaten standen sie noch gemeinsam im BLOOM zwischen Blumensträußen, Kunden und Lieferungen. Und jetzt? Jetzt lebten sie mitten in einem Krieg gegen Wesen, die nicht einmal menschlich waren. Jeder einzelne Tag konnte ihr letzter sein.
Violets Blick begann leicht zu zittern. Langsam trat sie näher zu Ares. Dann stellte sie sich vorsichtig auf die Zehenspitzen und drückte ihre Lippen plötzlich auf seine.
Ares erstarrte sofort.
Für einen Moment konnte er sich nicht bewegen. Nicht denken. Nicht atmen. Alles in ihm wurde plötzlich still.
Der Kuss war weich. Kurz. Unsicher. Und trotzdem fühlte es sich für ihn an, als würde seine ganze Welt gerade stehen bleiben.
Violet spürte sofort, wie sich seine Atmung veränderte. Wie seine Hand sich reflexartig leicht an ihrer Taille festkrallte, als hätte er Angst, sie könnte wieder verschwinden.
Als sie sich langsam von ihm löste, blieb sie ganz nah vor ihm stehen.
„Ich hatte einfach das Gefühl...", flüsterte sie leise, „dass zwischen uns irgendwann etwas passieren würde."
Ihre Stimme war kaum hörbar geworden.
„Aber bitte... gib mir noch ein bisschen Zeit, um selbst mit mir klarzukommen."
Ares sagte nichts. Er starrte sie einfach nur an. Und genau dieser Blick machte Violet nervös. Nicht kalt. Nicht wütend. Sondern vollkommen überwältigt.
Dann drehte Violet sich langsam um und verließ den Abstellraum. Die Tür fiel leise hinter ihr ins Schloss.
Ares blieb regungslos stehen.
Sein Blick hing noch immer dort, wo Violet gerade eben gestanden hatte.
Langsam hob er seine Hand zu seinen Lippen.
Er konnte den Kuss noch immer spüren. Dieses leichte Kribbeln. Diese Wärme.
Und bevor er es verhindern konnte, zog sich langsam ein Grinsen über sein Gesicht.
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Es lesen fast keine Leute das Buch hier aber ich Update trotzdem, selbst wenn es nur ein Leser ist
ILY alle 💕
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