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Am nächsten Morgen war natürlich die Prügelei von gestern, dass Gesprächsthema schlechthin in der Schule.
„Hast du mitbekommen, dass Reece jetzt eine Anzeige am Hals hat?", fragt mich Jacob, welcher gerade neben mir durch den Flur läuft.
Überrascht schaue ich meinen besten Freund an: „Echt?"
„Ja. Der Coach der gegnerischen Mannschaft hat ihn angezeigt, weil deren Quarterback jetzt für zwei Wochen aussetzen muss", erklärt er mir. Wir stehen inzwischen vor unseren Schließfächern, die zum Glück nebeneinander liegen, und ich suche mir die Unterlagen heraus, die ich in der nächsten Stunde brauchen werde.
„Hat er verdient", kommentiere ich schulterzuckend und fahre mir durch meine dunklen Haare, „Er hat Kiyan echt übel zugerichtet."
„Uuuuh", meint Jacob während er seinen Spint schließt, „Du nennst ihn bei seinem Vornamen?", dabei wirft er mir ein verschmitztes Grinsen zu.
„Du Idiot", lache ich und boxe ihm freundschaftlich gegen seinen Oberarm, „Wie soll ich ihn denn sonst nennen? Das ist halt sein Name."
Der Blondhaarige beginnt ebenfalls zu lachen und wackelt mit seinen buschigen Augenbrauen, während er mich in die Seite zwickt.
„Ey", rufe ich und gestikuliere wild mit meinen Armen, „Lass das!"
Entschuldigend hebt mein bester Freund immer noch lachend seine beiden Arme in die Luft.
„Achtung", wird Jacob plötzlich ernst, „Reece und seine Gang auf drei Uhr."
Stöhnend lege ich meinen Kopf in den Nacken. Dieser Idiot kann mich auch nicht in Ruhe lassen. Ich gebe ihm einen Korb nach dem Nächsten und er probiert es doch immer wieder.
„Hey Alli", spricht er mich auch schon an, gerade als ich die Flucht ergreifen möchte, „Ich habe dich gestern beim Spiel gesehen."
Lässig verschränkt Reece seine Arme vor der Brust und grinst mich selbstsicher an. Seine Jungs stehen hinter ihm und mustern mich von oben bis unten. Unangenehm.
„Ja, Jacob hat mich mitgeschleppt", gebe ich in möglichst gelangweiltem Ton von mir, „Lief ja nicht so gut für euch", kann ich es mir nicht verkneifen.
Bemüht darum sein Lächeln aufrecht zu erhalten erwidert Reece nur: „Wie wär's: Du und Ich heute Abend auf Justin's Party?"
„Ich gehe nicht mit Verlierern aus", antworte ich ihm und grinse ihn süß an, bevor ich Jacob am Arm packe und mit mir davon ziehe.
✼ ✼ ✼
„Heiß siehst du aus", begrüßt mich Jocelyn als ich zu den Anderen in das dunkelblaue Auto steige.
Für die Party bei Justin habe ich mir ein weinrotes Kleid angezogen, das kurz über den Knien endet und dazu trage ich weiße Chuck's. Ja, Chuck's! Ich mag keine Highheels.
„Danke. Kann ich nur zurückgeben, Süße", erwidere ich. Denn Jocelyn sieht mega gut aus. Sie trägt eine schwarze Skinny Jeans, ein hellblaues Crop Top und weiße Heels. Gewagtes Outfit, aber es steht ihr ausgezeichnet.
Die Jungs begrüßen mich auch erfreut und dann fahren wir auch schon zu Justin's Haus. Dort steigt fast jeden Freitag Abend eine fette Party, die in der ganzen Stadt bekannt ist. Es kommt nicht selten vor, dass auch Jugendliche von anderen Schulen oder gar aus unseren Nachbarstädten vorbeikommen. Seit Jacob eine Affäre mit Jannis, dem Footballspieler, hat, gehen wir vier -Jacob, Max, Jocelyn und ich- jede Woche auf diese Party. Wir müssen ja unseren Kumpel dabei unterstützen endlich in eine feste Beziehung zu kommen.
Das Haus von Justin liegt in der wohlhabenderen Gegend unserer Kleinstadt und ist somit auf einem sehr großen Grundstück platziert. Der weitläufige Garten eignet sich auch im Sommer perfekt um zu feiern, dazu kommt noch der, in den Boden eingelassene, Pool und die Saunahütte. Die Partys finden ausschließlich im Erdgeschoss statt, da Justin keinen ärger mit seinen Eltern riskieren möchte. Das geniale ist, dass es eine Art Hobbyraum gibt, in dem ein Billardtisch, ein Tischkicker und eine Dartscheibe untergebracht sind. Fakt ist, Justin's Partys machen echt Spaß!
„Allison! Schön dich zu sehen", begrüßt der Gastgeber mich, aber auch meine Freunde, schon leicht lallend und zieht jeden von uns nacheinander in eine feste Umarmung.
Lachend erwidere ich seine Umarmung und lasse mich dann von ihm in die Küche ziehen.
„Was willst du trinken?"
„Gib mir bitte eine Cola", meine ich und lasse mich auf einen der bereitstehenden Stühle nieder.
Die Party ist schon in vollem Gange: Die Flure sind gefüllt mit Jugendlichen, von denen die meisten schon den ein oder anderen Becher zu viel hatten und laute Musik hallt durch das Haus. Das Stimmengewirr ist laut und fröhlich, im Wohnzimmer wird getanzt und man hört die Jungs beim Billardtisch grölen. Reece und seine Schoßhündchen sitzen auf dem Sofa und jeder von ihnen hat eine der Cheerleaderinnen auf dem Schoß - was auch sonst.
Nachdem ich meine Cola erhalten hatte, geselle ich mich zu Jocelyn ins Wohnzimmer. Sie schaut gerade Max und Jacob beim Beerpong spielen zu und feuert beide voller Begeisterung an. Lachend klinke ich mich ein und freue mich, als Jacob mit knappem Vorsprung gewinnt.
Nachdem wir noch eine Runde Dart gespielt hatten und Max dabei die Wand etwas mältriert hatte, bleiben Jocelyn und ich zu zweit zurück. Jacob war von Jannis nach oben entführt worden und Max hatte sich vor kurzem eine hübsche Blondine geangelt.
Meine gute Freundin und ich setzen uns im Wohnzimmer auf zwei der gemütlichen Barhocker und beobachten das rege Treiben aus sicherer Entfernung. Es ist inzwischen kurz nach 23.00 Uhr und der Alkoholpegel steigt. Einige Pärchen knutschen schon hemmungslos auf den Sofas herum, während andere innig miteinander tanzen. Lecker. Die Hemmschwelle sinkt enorm wenn der Alkoholpegel steigt. So haben die Schüler nächste Woche wenigstens neue Gesprächsthemen über die man herziehen kann, dass wird witzig.
Ist das da hinten Tom? Das Mädchen, dem er gerade seine Zunge in den Hals schiebt, ist aber nicht seine Freundin...
„Alli? Glaubst du die Jungs kommen je wieder?", spricht Jocelyn mich an und schaut zweifelnd in Richtung Obergeschoss.
„Gute Frage", meine ich und folge ihrem Blick. Das Obergeschoss ist zwar tabu, aber Ausgewählte dürfen dorthin, zum Beispiel Jungs aus dem Footballteam oder gute Freunde von Justin.
Plötzlich ertönt von der Haustür aus ein Tumult. Mehrere laute Stimmen diskutieren miteinander und dann herrscht plötzlich Stille. Einzig wenige Mädchen flüstern noch und weichen gemeinsam mit der Menge zurück in das geräumige Wohnzimmer.
Als die Menschentraube sich teilt ist klar, wer für den Krawall gesorgt hat: Kiyan Sánchez ist hier. Hinter ihm aufgereiht läuft schätzungsweise seine ganze Mannschaft und sie schauen nicht gerade freundlich in die Runde.
„Ach du scheiße", stößt die Blondine neben mir nur aus.
„Was machen die hier?", frage ich sie flüsternd und lehne mich in ihre Richtung, „Das gibt Ärger."
Kiyan und seine Freunde schauen sich im Raum um und laufen dann lässig, als würden sie die ganzen Blicke nicht spüren, zum Beerpong-Tisch. Die Jugendlichen, die gerade eine Runde spielen, verlassen schnell den Tisch und beobachten die Neuankömmlinge jetzt, wie alle anderen, aus sicherer Entfernung.
„Oh no, da kommt Reece!", gibt Jocelyn neben mir entsetzt von sich und deutet mit ihrem Zeigefinger in Richtung Treppe. Reece und Justin laufen gerade lachend die Stufen herunter, als sei jedoch ihre Spielgegner entdecken, erlischt das Grinsen auf ihren Gesichtern ganz schnell.
Als Reece mit seinem Kumpel in die Richtung von Kiyan läuft sind die meisten Anwesenden so klug und verlassen den Raum. Niemand möchte in den Ärger mit hinein gezogen werden.
„Hast du Popcorn?", wende ich mich fragend an Jocelyn, nehme meine Augen aber nicht von dem Schauspiel vor mir.
„Ist das jetzt dein ernst Alli?", lacht die Blondine neben mir und stößt mir ihren Ellenbogen leicht in die Seite.
„Ey!", lache ich nun ebenfalls und beobachte Reece und Kiyan weiterhin.
Als ich zu Kiyan schaue, streifen sich unsere Blicke. Er runzelt kurz die Stirn, dann schleicht sich ein Grinsen auf sein Gesicht und er hebt lässig die Hand zum Gruß. Offensichtlich erinnert er sich an mich. Okay, ist auch nicht lange her. Das Spiel war ja erst gestern.
Ich lächele ihn an und hebe ebenfalls meine rechte Hand, um ihn zu begrüßen. Reece steht inzwischen direkt vor Kiyan und seinen Jungs, die wohlgemerkt in der Überzahl sind. Er folgt stirnrunzelnd Kiyans Blick und erstarrt kurz als er mich erkennt, dann dreht er seinen Kopf zurück zu dem Schwarzhaarigen und zischt ihm irgendetwas zu.
„Sag mal, hast du gerade wirklich Kiyan Sánchez zu gewunken? Dem Starquarterback schlechthin?", wendet sich die blondhaarige Schönheit neben mir mit großen Augen an mich.
„Ja, ich habe ihn doch gestern verarztet", antworte ich ihr schulterzuckend.
Inzwischen stehen Reece und Kiyan bedrohlich Nahe beieinander und scheinen Beide mehr als aufgebracht.
Als ich sehe, wie einige Teammitglieder von Reece die Treppe herunterlaufen und in Richtung ihres Quarterbacks laufen, treffe ich eine dumme Entscheidung.
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