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„Du siehst heiß aus, girl!", begrüßt Allison mich, als sie am nächsten Abend zu mir ins Auto steigt. Die Braunhaarige trägt ein kurzes schwarzes Kleid und dazu weiße Sneaker. Ich selbst habe mich für einen Minirock und ein bauchfreies rotes CropTop entschieden. Heute steigt die erste Party in diesem Schuljahr, bei einem der Basketballspieler zuhause. Ich bin total gespannt. An meiner alten Schule gab es sowas nicht, also dass die ganze Stufe zu einer Hausparty eingeladen wird, geschweige denn, dass man unter der Woche feiert. Meine Mutter war auch leicht skeptisch, hat dann letztendlich aber ihr okay gegeben. Ich durfte sogar das Auto haben, was wiederum bedeutet, dass ich heute Abend auf Alkohol verzichten werde.

„Danke, gleichfalls!", erwidere ich das Kompliment und starte den Wagen, damit wir uns auf den Weg zu Jocelyn machen können. Ihre Adresse habe ich bereits in's Navi eingetippt, als ich auf Allison gewartet habe.

„Mal sehen, ob die Spasten aus unserem Footballteam auch kommen. Wobei, die werden sicher kommen. Reece und seine Chaoten-Freunde lassen sich keine Party entgegen."

„Wir ignorieren die einfach", schlage ich schulterzuckend vor und Allison nickt zustimmend: „Ich hoffe nur, dass unsere Jungs dann keinen Stress anfangen."

„Oh, Kiyan und so kommen auch?"

„Na klar, als ob der mich alleine auf eine Party gehen lassen würde", grinst Alli und verdreht ihre Augen: „Wir arbeiten immer noch an seiner Eifersucht. Er hat gemeint, er kommt mit den Jungs nach. Schätze mal, die sind dann so um neun oder zehn Uhr da."

„Warum habe ich das Gefühl das Kiyan mit Reece aneinandergeraten wird?", lache ich und bekomme von Allison einen gespielt genervten Blick zugeworfen: „Jajaja. Ich setze dagegen und wette, dass Glen Stress anfängt." Jetzt ist sie an der Reihe zu Grinsen und ich verdrehe die Augen: „Warum sollte er?"

„Weiß ich nicht, aber sehen wir ja dann. In Reece seiner Anwesenheit reagieren die Jungs manchmal ein bisschen extrem."

„Das glaube ich dir." Ich lenke das Auto in Jocelyns Straße und erspähe die Blondine bereits auf dem Gehweg. Genau wie Allison trägt sie ein Kleid: ihres ist allerdings violett und mit Pailletten besetzt, was mich ein bisschen an eine Diskokugel erinnert.

„Hey!", begrüßt Jocelyn uns breit lächelnd, als sie in den Wagen steigt, „It's party time!" Dabei jubelt sie gespielt und klatscht in die Hände. Lachend beobachte ich sie im Rückspiegel und folge den Anweisungen des Navis, um zur Partylocation zu gelangen.

„Wie heißt der Gastgeber eigentlich, Mädels?"

„Das ist eine wirklich gute Frage."

„Ich glaube Denis oder so?", kommt es wenig hilfreich von Allison, „Aber ich bin mir nicht sicher. Er könnte auch Daniel oder Dwayne heißen."

„Du bist so dermaßen schlecht mit Namen", kichert Jocelyn auf dem Rücksitz und ich gebe ihr im stummen Recht.

„Ah, da ist es!", ruft meine Beifahrerin nach etwa drei weiteren Minuten aus und deutet auf ein großes, weißes Haus, in dessen Einfahrt bereits einige Jugendliche stehen und laute Musik laufen lassen. Die Jungs und Mädels halten rote Plastikbecher in den Händen, die wahrscheinlich mit Alkohol gefüllt sind und alle unterhalten sich ausgelassen.

Ich suche einen Parkplatz und ergattere tatsächlich einen am Ende der Straße, dass heißt wir müssen heute Nacht keine Wanderung zurück zum Auto unternehmen. Wir leben hier zwar in einer sicheren Gegend, aber man weiß ja nie.

„Oke Mädels, kurze Besprechung bevor wir uns in's Getümmel stürzen: Falls wir uns irgendwie verlieren treffen wir uns um zehn Uhr an der Haustür, in Ordnung? Und ansonsten halten wir Kontakt über SMS, falls es einen Notfall gibt dann telefonieren wir."

Nickend stimmen Jocelyn und ich zu und folgen dann Allison die Straße entlang zur Party. Kaum kommen wir in Sichtweite werden die beiden Mädels überschwänglich von den Partygästen begrüßt und auch ich, bekomme das ein oder andere Lächeln geschenkt.

„Wow, Alli! Stellst du mir deine heiße Freundin da vor?", kommt ein gut aussehender blonder Junge auf Allison zugeschwankt und deutet dabei mit seinem Finger in meine Richtung. Er meint doch wohl nicht mich, oder? Der Kerl scheint schon einiges an Alkohol intus zu haben, denn er hat nicht mehr den sichersten Stand auf den Beinen und lallt ganz schön.

„Schlag dir das mal wieder ganz schnell aus dem Kopf, Benjamin. Sie ist nicht zu haben."
Mit einer hochgezogenen Augenbraue mustere ich Allison, die mir nur ein unschuldiges Lächeln schenkt und mir dann verschwörerisch zuzwinkert. Spielt sie etwa schon wieder auf Glen an? Verdammt, dieses Mädchen macht mich noch fertig. Leicht lächelnd verdrehe ich die Augen, nehme Jocelyn an die Hand und verschwinde ins innere des Hauses.

Dieser Denis, falls er denn so heißt, scheint auf jeden Fall aus reichem Elternhaus zu stammen. Vom Flur aus kommt man rechts in ein weitläufiges Wohnzimmer, dass der Hauptstandort der Party zu sein scheint. In der Mitte wurden mehrere Beerpong-Tische aufgestellt, vier große Sofas dienen als Sitzgelegenheit und im hinteren Teil des Raumes gibt es sogar eine kleine Bar. Locker fünfzig Jugendliche drängen sich dicht an dicht und feiern ausgelassen. Es gibt sogar einen DJ, der hinter einem Mischpult für gute Musik sorgt. So sehen also die Partys der Reichen aus.

„Willst du auch was trinken?", schreit Jocelyn mir ins Ohr, damit ich sie trotz der Lautstärke noch verstehen kann.

„Ja!", stimme ich zu und gemeinsam schlängeln wir uns durch die Masse. An der Bar angekommen bestellen wir bei einer hübschen Rothaarigen unsere Getränke - eine Cola für mich und einen Sex on the beach für Jocelyn.

„Das ist total abgefahren hier!", meine ich begeistert und stoße mit Jocelyn an. Inzwischen haben sich zwei Gruppen gebildet, die sich ein erbittertes Beerpong-Turnier liefern und dabei von anderen Schülern angefeuert werden. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich, dass unter den Spielern Reece ist. Na, hoffentlich ist er noch eine Weile beschäftigt und lässt uns in Ruhe.

„Ach, hier seid ihr", stößt Allison zu uns und legt jeweils einen Arm um meine und Jocelyns Schulter: „Wollen wir tanzen?", dabei deutet sie auf die provisorische Tanzfläche neben dem Mischpult, wo sich bereits einige Partygäste fröhlich zur Musik bewegen. Ohne auf eine richtige Antwort von uns zu warten, greift Allison nach unseren Händen und zieht uns auf die Tanzfläche. Lachend folgen wir ihr und bewegen kurz darauf unsere Körper zu den Klängen der Musik. Ich lasse meine Hüfte kreisen und strecke ausgelassen meine Hände in die Luft. Die Stimmung ist bombastisch und man merkt, dass alle hier gute Laune haben. Nach einigen Liedern hüpfen wir drei mehr herum, als das wir tanzen. So einen Spaß hatte ich schon lange nicht mehr. Allison und Jocelyn sind voll auf einer Wellenlänge mit mir und ich habe das Gefühl, als würde ich die beiden schon Jahre kennen.

„Nicht hinsehen, aber Reece auf sechs Uhr", warnt uns plötzlich Jocelyn und verzieht angeekelt ihr Gesicht.

„Kommt er hierher?", frage ich und beobachte etwas belustigt die Gesichtsausdrücke von Jocy.

„Nei- oh, scheiße, ja! Wollen wir verschwinden?"

„Der soll ruhig kommen, ich zeig' dem, was wir davon halten", meint Allison angriffslustig und ballt scherzhaft ihre Hände zu Fäusten.

„Ähm, geht's dir gut?", beobachtet Jocelyn leicht verstört ihre beste Freundin und zieht dabei eine Augenbraue nach oben. Die zwei sind schon ein lustiges Gespann.

„Hi Ladies!", ertönt auch schon die Stimme von Reece. Mich wundert es wirklich, dass er sich nach all den vergangenen Ereignissen noch traut, sich Alli und Jocelyn zu nähern. Das hat ja für ihn nicht sonderlich gut geendet. Entweder der Typ ist ein paar Mal zu viel auf den Kopf gefallen oder er lernt einfach nicht aus seinen Fehlern.

„Heiß seht ihr aus", labert er auch schon weiter, was ihm ein abfälliges Schnauben von Allison einbringt, „Schicker Rock, Sophia."

Ewww. Warum klingt dieses Kompliment, wie von einem sechzig-jährigen Spanner?

„Gibt es einen bestimmten Grund warum du hier bist? Oder belästigst du nur gerne Frauen?", wendet Jocelyn sich mit einem scheinheiligen Lächeln an ihn und meine Mundwinkel ziehen sich nach oben. Ich liebe diese Mädels.

„Ehrlich gesagt, ja. Sophia", jetzt wendet Reece seine volle Aufmerksamkeit mir zu, „Wir konnten unser Gespräch von letztem Mal nicht beenden. Also dachte ich, ich sage mal Hallo."

„Was für ein Gespräch denn? Ich wüsste nicht, dass wir uns unterhalten haben. Aber jetzt hast du ja Hallo gesagt und kannst wieder gehen."

„Findest du nicht, wir beide würden ein schönes Paar abgeben?" Äh. Nein.

„Zu blöd, dass das nie passieren wird! Verpiss dich, Arschloch!", erklingt eine vierte Stimme und kurz darauf schlingen sich zwei starke Arme um meine Taille und ich werde an eine muskulöse Brust zurückgezogen. Überrascht stolpere ich gegen Glen und lege meine Hände haltsuchend auf seine. Ich habe gar nicht gemerkt, dass er und die anderen Jungs zu uns gestoßen sind. Kiyan und Brian stehen ebenfalls schützend hinter ihren Freundinnen und feuern tödliche Blicke in Reece' Richtung ab. Scheinbar ist er doch nicht so dumm, wie gedacht, denn mit einem letzten schmierigen Blick in meine Richtung, tritt Reece den Rückzug an.

Anstatt wie erwartet, von mir abzulassen, verfestigt Glen seinen Griff um mich: „Mir gefällt nicht, wie er dich ansieht." Bei seinen geflüsterten Worten breitet sich eine Gänsehaut auf meinen Armen aus und ein kleiner Schwarm Schmetterlinge macht meinen Bauch unsicher. Ich bin mit meinem Rücken eng gegen seine Brust gepresst und spüre überdeutlich seine Arme vor meinem Buch - so viel Körperkontakt.

„Der verliert bestimmt bald das Interesse."

„Hoffen wir es", knurrt Glen schon fast, was mich leise kichern lässt.

Max, Jacob, Luke und Leon haben sich inzwischen auch zu uns gesellt und haben den Spaß ihres Lebens dabei, dass Lied was gerade läuft mitzugrölen. Dabei halten sich alle vier in den Armen und schwenken im Takt der Musik hin und her - als wären sie auf einem Konzert. Mir entgeht dennoch nicht, das traurige Schimmern in Jacobs Augen. Irgendwas muss vorgefallen sein, da der Blonde normalerweise immer nur so strahlt.

„Weißt du, was mit Jake los ist?", frage ich Glen leise und spüre, wie er hart die Luft ausstößt: „Hmm, er hatte mal wieder einen heftigen Streit mit Jannis."

„Der Typ, mit dem er eine Affäre hat?"

„Genau. Meiner Meinung nach ist der Idiot kein Stückchen besser, als Reece, aber Jacob sieht irgendwas in ihm."

„Wo die Liebe hinfällt."

„Du sagst es."

Schweigend tanzen wir für einige Zeit, wobei Glen keine Anstalten macht, mich loszulassen. Ehrlich gesagt genieße ich seine Aufmerksamkeit ziemlich und fühle mich wirklich wohl in seinen Armen. Er strahlt etwas beruhigendes, ja fast schon beschützendes aus und ich bekomme das breite Lächeln gar nicht mehr aus meinem Gesicht. Zum Glück stehe ich mit dem Rücken zu Glen, so kann er mir meine Verknalltheit nicht an der Nasenspitze ablesen.

„Wollen wir mal ein bisschen an die frische Luft?", fragt Glen und streift dabei mit seinen Lippen, wahrscheinlich unabsichtlich, mein Ohr. Ich spüre, wie sich die Härchen in meinem Nacken aufrichten. Als Antwort nicke ich lediglich und lasse mich dann von ihm aus dem Haus ziehen. Die neugierigen Blicke von Allison und Jocelyn folgen uns.

„Du siehst übrigens wunderschön aus." Das Kompliment von Glen lässt mich erröten und ich habe Mühe, den Augenkontakt zu halten: „Danke!"

Jetzt habe ich auch endlich mal die Möglichkeit, Glen von oben bis unten zu mustern. Er trägt eine dunkle Jeans, dazu einen schwarzen lfdy-Hoodie und seine weißen AirForce runden das Outfit ab. Er sieht gut aus.

„Bist du mit dem Auto da oder soll ich dich später heimfahren?"

„Ich bin mit dem Auto da, zusammen mit den Mädels", antworte ich und schaue zu ihm nach oben. Da ich nicht gerade zu den Größten gehöre, überragt Glen mich um fast einen Kopf.

Zufrieden nickt er: „Ich habe gehört, du kommst mit zum Football-Spiel?"

„Ja, ich hatte nicht wirklich eine Wahl. Alli und Jocelyn haben mir eröffnet, dass das bei euch Tradition ist und ich somit mitkommen muss. Aber ich freue mich darauf, dich und die Jungs mal spielen zu sehen."

„Es wird dir gefallen", grinst Glen mich an, dann wird sein Blick plötzlich ernst, fast schon besorgt: „Ist dir kalt?!"

Ich will gerade verneinen, da tritt er schon einen Schritt zurück und streift sich seinen Hoodie über den Kopf, um ihn mir in die Hand zu drücken: „Hier, zieh den an."

Es ist zwar nicht eisig kalt, aber dennoch unangenehm. Man merkt, dass es langsam Herbst wird und man nicht unbedingt nur in einem Top draußen herumstehen sollte.

Überrascht greife ich nach dem Pullover und ziehe ihn über mein CropTop an. Sofort umhüllt mich die Wärme von Glen und der Geruch seines Parfums. Ich muss mich echt zusammenreißen, um meine Nase nicht im Ausschnitt des Hoodies zu vergraben und daran zu riechen.

„Dankeschön! Aber ist dir jetzt nicht kalt?", fragend deute ich auf seinen Oberkörper, der nur noch von einem weißen T-Shirt bedeckt wird.

Glen schüttelt nur mit dem Kopf, greift dann nach meinen Händen und zieht mich dann mit einem verschmitzten Grinsen an seine Brust: „Ich habe gehört, Umarmungen halten warm."

Wow, diese Umarmung ist einfach perfekt. Seine große Statur umschließt mich nahezu komplett und ich schlinge meine Arme um seine Mitte. Jetzt liegt mein Ohr direkt über seinem Herz: Es schlägt kräftig und gleichmäßig. Im Gegensatz dazu rast mein Herz nur so in meiner Brust, vor Aufregung.
Glen haucht schließlich einen Kuss auf meine Haare und legt dann seinen Kopf auf meinem ab. Oh. Mein. Gott! Er hat mir einen Kuss gegeben. Ich glaube, ich schmelze gerade innerlich. Wie süß, kann ein Junge eigentlich sein?!


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Oke, ich geb's ja zu: Ich verliebe mich gerade selbst ein bisschen in Glen. ^•^

Denkt an den ⭐️! <3

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