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„Seit wann bist du in der Stadt?", ergreift Kiyan, Allison's Freund, das Wort und schaut mich durch den Rückspiegel neugierig an, „Hier ziehen nicht oft neue Leute her. Vor allem nicht im letzten Schuljahr."
„Das glaube ich dir", antworte ich, „Meine Eltern und ich sind vor knapp zwei Wochen in unser neues Haus eingezogen. Der Umzug war nicht unbedingt mein Wunsch, aber mein Vater wurde von seiner Firma hierher versetzt - er arbeitet im Außendienst. Also hatte ich nicht wirklich eine Wahl."
„Du musst deine alten Freunde schrecklich vermissen", meint Allison mitleidig. Wenn sie nur wüsste, dass ich das vergangene Schuljahr ohne Freunde verbracht habe: „Es geht, ich hatte mehr so oberflächliche Kontakte. Die Schule auf der ich war, ist so eine versnobte Privatschule und die anderen waren nicht wirklich auf meiner Wellenlänge."
„Privatschüler sind die schlimmsten!", stimmt Kiyan mir zu, „Da sind wir viel cooler! Gleich lernst du noch den Rest der Jungs kennen: Glen, Luke und Leon. Das sind Teamkameraden von Brian und mir, du wirst sie mögen."
„Ich bin gespannt."
„Und lass dich bitte nicht von ihrem Verhalten verunsichern. Die werden dich safe gleich mit Fragen löchern und wortwörtlich über dich herfallen. Jocy und ich haben ihrer Meinung zu wenig - naja eigentlich gar keine - weiblichen Freunde, deshalb werden die Jungs sich freuen, dich kennenzulernen. Wir müssen die Frauenquote in unserer Clique definitiv anheben."
Lachend nehme ich Allison's Warnung zur Kenntnis, kann aber nicht verhindern, dass ich nervös werde. Kann es wirklich so einfach sein, in eine Freundschaftsclique aufgenommen zu werden? Das scheint mir alles zu gut, um wahr zu sein. Zumal bisher alle so nett und aufgeschlossen mir gegenüber sind.
„Wie habt ihr beide euch eigentlich kennengelernt?", frage ich Allison und Kiyan. Die beiden geben ein tolles Paar ab - optisch, aber auch vom Verhalten her.
„Oh, dass ist eine witzige Geschichte", lacht Kiyan, während er den Wagen an einer Ampel zum stehen bringt. Neugierig mustere ich den Schwarzhaarigen und warte auf genauere Ausführungen: „Das heißt?"
„Kiyan spielt für das Footballteam einer anderen Schule als Quarterback, nebenbei bemerkt ziemlich gut. Die Jungs hatten ein Spiel gegen das Team unserer Schule und haben gewonnen. Das hat wiederum unserem Quarterback, Reece, nicht gepasst und er hat Kiyan eine auf's Maul gehauen. À propos Reece: halte dich von dem besser fern! Naja, das ganze Spiel ist dann in eine Art Massenschlägerei ausgeartet und Jocelyn musste letztendlich die Polizei rufen. Da meine Mutter Ärztin ist, wurde ich dann beauftragt mal nach Kiyan zu schauen und habe seine Wunden verarztet. Ab dann hat der verrückte Kerl hier mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Ja, der Rest ist Geschichte; wir sind relativ schnell zusammen gekommen."
„Wow, bei euch scheint ja einiges los zu sein", grinse ich, amüsiert von Allison's Geschichte.
„Wenn du wüsstest", lacht Kiyan, „Mein Coach hat Reece sogar angezeigt, wegen Körperverletzung."
„Krass!"
„Ah, wir sind da!", ruft Allison aus und ich folge mit meinem Blick ihrem ausgestreckten Zeigefinger. Kiyan lenkt den Wagen gerade auf einen der Parkplätze, wo ich auch schon Brians Jeep erspähe. Jocelyn, Max und Jacob stehen zusammen mit Brian bei einem kleinen, mir unbekannten Grüppchen. Das sind dann wohl die anderen Jungs aus dem Team. Direkt vor uns ragt die Bowlinghalle in die auf, ein tristes, graues Gebäude, das von außen nicht sehr vielversprechend aussieht. Aber wie sagt man so schön: beurteile ein Buch nicht nach seinem äußeren.
„Komm, ich stelle dich den Jungs vor", winkt Allison und steigt aus dem SUV aus. Ich atme noch einmal tief durch und folge der Brünetten. Das ist meine Chance, hier Freunde zu finden und diese werde ich ergreifen!
„Sophia!", schreit Jocelyn begeistert über den halben Parkplatz, als sie Allison und mich erblickt. Sofort liegen ausnahmslos alle Blicke auf mir. Super.
„Hey!", begrüße ich sie und folge Allison zu der kleinen Gruppierung.
„Also Leute, für alle, die sie noch nicht kennen: das ist Sophia. Sie ist neu an unserer Schule und Jacob und mir praktisch in die Arme gelaufen", stellt Jocelyn mich vor, was mich zum Grinsen bringt: „Schön euch kennenzulernen."
Meine Augen finden die drei, noch unbekannten Jungs. Alle sind hochgewachsen und athletisch gebaut, dass ist wohl typisch Footballspieler. Der rechte hat schwarze Haare, die sich auf seinem Kopf leicht locken, die anderen beiden haben braune Haare.
„Ich bin Luke", stellt sich einer der Braunhaarigen vor. Bei genauerem hinsehen, erkenne ich, dass seine Haare etwas heller sind, als die seines Kumpels. Und dieser Luke hat wirklich krasse Augen: kristallklares blau. Ich bin neidisch.
„Und ich Leon", meint der Schwarzhaarige und wirft mir ein freundliches Lächeln zu. Mein Gefühl sagt mir, dass ich mich gut mit ihm verstehen werde. Er hat diese überaus sympathische Ausstrahlung, sodass man ihn einfach mögen muss.
Mein Blick wandert nun zu dem Braunhaarigen, der sich noch nicht vorgestellt hat. Er ist wirklich hübsch, mit seinen dunklen Haaren und den ebenfalls dunklen Augen; ein bisschen wie ein Teddybär. Total mein Typ.
„Äh ja, ich bin Glen", ergreift er mit einer angenehmen Stimme das Wort und ich ziehe überrascht eine Augenbraue hoch: „Glen? Das ist ein wirklich außergewöhnlicher Name."
„Meine Eltern haben ein Faible für schottische beziehungsweise gälische Namen", grinst er. Und wow! Dieses Lächeln!
„Das stimmt allerdings", mischt Leon sich in das Gespräch ein, „Seine jüngere Schwester heißt Vika und sein Bruder Lennox."
„Total die schönen Namen. Finde ich cool, dass deine Eltern nicht so 0815-Namen ausgewählt haben."
„Wollen wir dann reingehen?", fragt Kiyan in die Runde, woraufhin wir alle zustimmend nicken und ihm durch die Doppeltüren des Gebäudes folgen. Das innere des Gebäudes überrascht mich positiv: Rechst von uns erstreckt sich eine lange Bar, die gleichzeitig auch als Schuhausgabe dient. Gegenüber davon ist ein kleiner Bereich mit Tischkickern und Tischtennisplatten, an denen bereits einige Jugendliche ihr können unter Beweis stellen. Die restliche Halle wird von den Bowlingbahnen in Beschlag genommen, ich zähle insgesamt zwölf Bahnen, wovon bereits mehr als die Hälfte besetzt ist. Zwischendrin sind immer wieder Tische verteilt, an denen man scheinbar etwas zu essen bestellen kann. Die Stimmung ist ausgelassen und es sind überwiegend Leute in unserem Alter da. Dieser Ort gefällt mir.
„Hey Oliver, wir haben Bahn zehn reserviert", höre ich Brian und sehe, wie er mit einem älteren Mann hinter der Bar redet - das ist dann wohl Oliver.
„Dann brauche ich von euch allen bitte einmal die Schuhgröße, bezahlen könnt ihr später."
Nacheinander geben wir unsere Schuhgröße weiter und bekommen im Gegenzug die Bowlingschuhe. Nachdem ich meine erhalten habe, tausche ich diese gegen meine Converse und folge Jocelyn, die bereits zur Bahn läuft.
„Ich würde sagen, wir tragen schon mal die Namen ein. Solange die anderen noch auf ihre Schuhe warten", meint die Blondine zu mir und deutet auf den Monitor, der auf dem Tisch befestigt ist.
„Klingt gut", stimme ich nickend zu und setze mich gegenüber von Jocelyn an den Tisch. Sie tippt auf dem Bildschirm herum und beginnt schließlich, unsere Namen einzugeben und abzuspeichern. Nach und nach stoßen die anderen zu uns und tauschen schon mal die Bowlingkugeln aus, damit wir die, mit dem richtigen Gewicht an unserer Bahn haben. Immerhin brauchen wir die leichten Kinderkugeln nicht.
„Fertig!", gibt Jocelyn uns bescheid, „Brian du fängst an und danach kommt Leon", erklärt sie und deutet auf den Bildschirm, auf dem jetzt die Reihenfolge und später dann unsere erzielten Punkte angezeigt werden.
„Hast du schon oft Bowling gespielt?", will Glen neugierig wissen und lässt sich auf den Platz neben mir nieder, „Ich persönlich bin eine totale Niete darin. Brian und Kiyan ziehen sowieso immer alle ab."
„Es geht, ab und an war ich schon mal eine Runde spielen - wirklich gut bin ich aber nicht", antworte ich schulterzuckend und wende meinen Kopf in seine Richtung. Er trägt eine lässig sitzende Jeans und dazu ein weißes Shirt, was mich die Muskeln an seinem Oberkörper ziemlich gut erahnen lässt. Er ist wirklich ein Hottie.
„Mein Sport ist eher Football, Alli und Jocy haben dir bestimmt erzählt, dass wir alle in einem Team spielen?"
„Genau. Auf welcher Position spielst du eigentlich?"
„Ich bin RunningBack, der beste in meinem Team", grinst Glen und automatisch verziehen sich auch meine Mundwinkel nach oben: „So bescheiden, der Herr!"
„Man muss wissen, wo seine Talente liegen. Was machst du gerne in deiner Freizeit?"
„Auf jeden Fall nicht Football", scherze ich, „Da liegen meine Talente definitiv nicht. Ich hatte einige Zeit ein eigenes Pferd, zumindest bis wir das erste Mal umgezogen sind. Inzwischen gehe ich gerne joggen, die Bewegung und frische Luft tut mir gut. Ansonsten alles, was irgendwie Spaß macht."
„Ein eigenes Pferd? Spannend. Gehst du auch gerne schwimmen? Das machen wir hier im Sommer wirklich oft und die Abende am Strand sind immer die besten", schwärmt Glen, wird dann aber von Max unterbrochen: „Ey bro! Du bist dran!"
„Die Pflicht ruft", scherzt Glen, tippt sich einmal an die Stirn und steht dann auf, um seine Würfe zu machen. So viel zum Thema, er ist nicht so gut: Direkt beim ersten mal wirft er einen Strike und schmeißt alle Pins um. Die Jungs johlen begeistert auf und klopfen ihm beglückwünschend auf die Schulter.
„Sophia, jetzt du!", macht mich Max darauf aufmerksam, dass ich an der Reihe bin. Etwas nervös stehe ich auf und schnappe mir eine der bereitliegenden Kugeln. Zu meiner eigenen Überraschung schneide ich gar nicht so schlecht ab. Ich schaffe zwar keinen Strike, treffe aber acht von zehn Pins. Zufrieden kehre ich zum Tisch zurück, wo mich Allison mit zwei Daumen nach oben empfängt: „Super!"
„Hast du eigentlich Geschwister?", will Allison neugierig von mir wissen und ich schüttle verneinend den Kopf: „Nope, ich bin Einzelkind."
„Willkommen im Team only child!" Allison hält mir ihre Hand entgegen, sodass ich einschlagen kann.
„Was wird denn hier gefeiert?", steht Jacob plötzlich hinter uns und stützt seine Hände auf meiner Stuhllehne ab. Er war gerade an der Reihe und konnte mit seinen Würfen die Hälfte aller Pins umschmeißen.
„Sophia ist auch ein Einzelkind", teilt Allison ihm mit, „Ach Jacob, kann ich bei dir noch Englisch abschreiben?"
„Klar, ich geb' dir später einfach meine Mitschriebe mit nachhause."
„Du bist ein Schatz", bedankt sich Allison und wirft ihm überschwänglich Luftküsse zu.
„Ich dachte du sparst dir deine Küsse einzig und allein für mich auf?" Kiyan, der neben seiner Freundin sitzt, beugt sich zu Allison und drückt ihr einen schmatzenden Kuss auf die Wange. „Baaaah", beschwert sich diese prompt und wirft Kiyan einen bösen Blick zu, „Du bist manchmal so eklig!"
Leise lachend wende ich den Blick von den beiden Turteltauben ab und beobachte Leon, wie er seine Würfe macht. Wirklich gut stellt er sich dabei nicht an.
„Wir haben wohl jemand gefunden, der schlechter ist als wir", ertönt plötzlich eine Stimme hinter mir und ich drehe mich zu Glen um: „Du hast mich erschreckt!" Der Dunkelhaarige stand bis gerade eben bei Jocelyn und Brian, weswegen ich nicht mit ihm gerechnet hatte.
„Sorry, war nicht meine Absicht." Und prompt sitzt er wieder neben mir, wie vorhin: „Also nochmal zurück zum Thema: schwimmst du gerne?" Seine braunen, fast schwarzen Augen bohren sich fragend in meine.
„Eigentlich schon. Außer die Wellen sind zu hoch und die Strömung zu stark, dann meide ich das Wasser."
„Das ist verständlich. Da wäre man auch ziemlich dumm, bei solchen Umständen schwimmen zu gehen. Du musst trotzdem mal mit uns an den Strand kommen, natürlich bei gutem Wetter. Ich verspreche dir, das wird mega!"
„Total gerne! Aber natürlich nur, wenn niemand etwas dagegen hat."
„Quatsch! Sonst würde ich dich nicht einladen." Sein breites Lächeln ist ansteckend.
Ich mag Glen, er ist irgendwie süß und noch dazu wirklich gutaussehend. Ich sollte wohl aufpassen, mich nicht in ihn zu verlieben - so oft, wie meine Eltern berufsbedingt umziehen, würde das nur für gebrochene Herzen sorgen. Mir wird es jetzt schon flau im Magen, wenn ich daran denke, dass meine Eltern jederzeit versetzt werden könnten und ich auch diese Stadt hinter mir lassen muss. Die Mädels und Jungs dieser Clique haben sich bereits nach einem Tag in mein Herz geschlichen. Sie alle haben ihren ganz eigenen Charm und funktionieren als Gruppe wunderbar. Jeder versteht sich mit jedem und das ist in so einer großen Freundesclique viel wert.
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ICH LIEBE DIESE CLIQUE!
Denkt an den ⭐️! <3
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