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Jungkook Pov
Man hört das klirren von Geschirr und den Wasserhahn der kurz darauf zugedreht wird nachdem wir die Klingel betätigen. Die Wände sind dünn, sodass wir sogar die Schritte, trotz ihrem geringen Gewicht, deutlich hören können.
Als sie die Tür öffnet, ziert ein freundliches Lächeln ihr Gesicht. Allerdings verschwindet das und wird durch einen überraschten, vielleicht sogar leicht überwältigten Ausdruck ersetzt. Sie wischt sich die Hände an ihrer Kleidung trocken und klammert sich an den Türknauf.
"Jungkook...", beginnt sie mit zittriger Stimme, ist aber nicht imstande das angefangene fortzusetzen. Tränen sammeln sich deutlich in ihren Augen, aber bevor sie diese verlassen können, geht sie schnell mit ihrer Hand drüber. "Du bist sicher hier um Yeongja zu sehen, warte kurz, sie müsste-"
"Ich bin hier um dich zu sehen", unterbreche ich sie. Die letzten Fünf Jahre haben wir uns nicht gesehen, kein Wunder das sie zuerst glaubt ich wäre wegen meiner Schwester hier, denn die habe ich regelmäßig besucht, immer wenn ich wusste wann meine Mutter arbeitet um ihr ja nicht zu begegnen.
Es ist tatsächlich das erste Mal das wir uns sehen, seit ich vor fünf Jahren ausgezogen bin. Ich wollte vor ihr fliehen, vor den Erinnerungen die dieses Haus hat und vor meiner Mutter, der ich immer die Schuld dafür gegeben habe.
"Mit mir?", fragt sie etwas hilflos und nicht wissend wie sie mit der Situation umgehen soll.
"Ich... Ich habe jemanden mitgebracht den ich dir gerne vorstellen würde." Ich brauche gar nicht sagen wen, immerhin ist es klar das es die Person sein muss die neben mir steht. Ihr Blick wandert von mir zu Taehyung, den sie bis jetzt kaum beachtet hat, wahrscheinlich weil sie immer noch viel zu überrascht von meinem Auftauchen ist.
Er verbeugt sich und schenkt ihr eines seiner Charmantesten Lächeln. Wenn man ihn ansieht, könnte man glauben das er nur so vor Selbstbewusstsein und Sicherheit strotzt, dabei hat er zehn ganze Minuten gebraucht um sich dazu zu überwinden aus dem Auto zu steigen und meine Mutter kennen zu lernen.
"K-kommt doch bitte rein", sagt sie und tritt zur Seite damit wir durch die Tür treten können. Ich gehe vor, durch den langen Flur, der mir immer noch so bekannt vor kommt und an dessen Wänden nach wie vor die gleichen Bilder hängen, bis nach ganz vorne durch ins Wohnzimmer, das sich kein Stück verändert hat.
Meine Mutter zeigt auf die Stühle des Esstisches an die wir uns nebeneinander setzen. Sie nimmt gegenüber von uns Platz und sieht uns immer noch mit großen Augen an, als wären wir nur Einbildung.
"Ich bin hier, weil ich mich bei dir entschuldigen wollte", fange ich an und falle damit direkt mit der Tür ins Haus. Smalltalk ist hier unpassend und meine Mutter wird von sich aus wahrscheinlich auch nicht mit dem Gespräch beginnen, sie ist viel zu sehr damit beschäftigt uns anzustarren.
Erst meine Worte reißen sie aus ihrem Zustand und sie sieht mich nicht länger ungläubig, sondern verwirrt an. "Du möchtest dich entschuldigen? Wofür?"
Es gibt so viele Dinge, die ich jetzt auflisten könnte. Dinge, die ich zu ihr gesagt oder auch nicht gesagt habe und die Art, wie ich mich seit dem Verschwinden des Mannes, den ich all die Jahre für meinen Vater hielt, ihr gegenüber Verhalten habe. Es gäbe mehr als genug für das ich mich entschuldigen könnte, aber eine Sache, die mir besonders am Herzen liegt.
"Es tut mir leid, dass ich deine Liebe nicht akzeptiert und dass ich dir meine nie gezeigt habe."
Ich weiß genau, was in diesem Moment durch ihren Kopf geht, denn in meinem geschieht gerade genau das gleiche. Sie erinnert sich wahrscheinlich gerade an all die Male, die sie versucht hat mich in den Arm zu nehmen, oder mir über den Kopf zu streichen, aber jeder Versuch missglückte, weil ich mich nie habe von ihr berühren lassen. Selbst als sie verstanden hat, dass ich nicht angefasst werden möchte, hat sie mir jeden Tag gesagt wie sehr sie mich liebt, aber ich habe es nie erwidert. Ich habe es einfach ignoriert.
"Es tut mir leid, dass ich so ein schrecklicher Sohn war." Obwohl ich hierher gekommen bin, mit dem festen Vorhaben nicht zu weinen, brennen meine Augen als mir tatsächlich die Tränen kommen, aber bei ihr ist es nicht anders. Sie weint bereits und kommt gar nicht mit dem wegwischen hinterher.
"Hör auf...", fängt sie an um mich zu stoppen und mir wahrscheinlich einzureden ich hätte nichts falsch gemacht und das es ihre Schuld sei, aber ich schüttle den Kopf und spreche einfach weiter.
"Du weißt, dass ich dir immer die Schuld an seinem verschwinden gegeben habe, aber du sollst wissen, dass ich das nicht länger tue. Du trägst keine Schuld, es war seine Entscheidung zu gehen, du hast ihn nicht gezwungen."
Das Bild von ihm, wie er mit seinem voll gepackten Koffer an dem kleinen Ich, der auf der Treppe hockt, vorbei geht und trotz den verzweifelten Versuchen meiner Mutter ihn dazu zu bewegen zu bleiben, einfach durch die Tür verschwindet, blitzt noch einmal kurz vor meinem inneren Auge auf. All die Jahre habe ich mich gefragt wo er wohl hin gegangen ist uns ob er glücklicher an diesem Ort ist, aber darüber werde ich absofort nicht mehr nachdenken. Das ist Vergangenheit.
"Was die Sache mit meinem leiblichen Vater angeht..." Ich mache eine kurze Pause als Taehyung seine Finger unter dem Tisch mit meinen verschränkt und mir dadurch mehr Kraft schenkt. "Ich habe nicht das Recht dir deswegen böse zu sein. Du darfst lieben wen du willst und ich hoffe du bist derselben Meinung."
Taehyung öffnet überrascht den Mund als ich unsere Hände unter dem Tisch hervorziehe und sie oben drauf lege, damit sie sehen kann was ich damit meine. Überrascht von dem Wandel dieses Gespräches sieht sie zwischen unseren Händen und uns hin und her, ohne dass ihr Gesicht Aufschluss darüber gibt was sie in diesem Moment denkt.
"Du hast mir mal gesagt, dass du dir wünschst ich könnte irgendwann die Liebe erleben, ohne mich vor ihr fürchten zu müssen." Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen als ich mich zu Taehyung drehe und ihn an sehe. "Das habe ich und das tue ich immer noch."
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