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Jungkook Pov

Nicht im Stande zu begreifen was soeben passiert ist stehe ich einfach nur so da und starre die geschlossene Tür an durch die Taehyung nur vor wenigen Sekunden verschwunden ist. Ich stehe tatsächlich wie eine Skulptur da, ohne mich zu regen oder überhaupt zu zwinkern.

Ich kann nicht fassen, was er getan hat, dieser Mann überrascht mich immer wieder mit seinen Aktionen. Er berührt mich nicht, aber trotzdem hat er sich einen Kuss genehmigt, selbst wenn das nicht mehr war als ein kurzer Kontakt unserer Lippen, es hat gereicht um in mir einen ganzen Tornado auszulösen.

Wieso schafft er das immer wieder? Egal was ich denke, egal was ich vorhabe, er zerschlägt das alles wie ein Haus aus Glas und hinterlässt nichts als Trümmer. Ich fühle mich hilflos, weil ich ihn nicht loslassen kann und weil mein Herz mir niemals erlauben wird jemand anderen hinein zu lassen.

Was ich aber noch weniger fassen kann als seine Tat sind seine Worte. Er war nie der Typ Mensch, der sich zurückgehalten hat. Es war seine Art den Leuten direkt ins Gesicht zu sagen was er denkt und was er ihnen gegenüber empfindet, aber ich hätte niemals damit gerechnet das er sofort oder überhaupt damit kommen würde.

Er hat mir seine Liebe gestanden, einfach so.

Mein Herz, welches Dank seiner Nähe sowieso keine Ruhe geben wollte, fühlt sich jetzt an wie auf Drogen. Es ist vollkommen aufgedreht und ruhelos. Vielleicht war es genau das was er wollte und früher wäre ich mir bei dieser Annahme sicher gewesen. Taehyung wusste welchen Effekt seine Worte, sein ganzes Sein auf mich haben und damals hat er es genutzt im mich aufzuziehen.

Aber heute wirkte er für seine Verhältnisse merkwürdig unsicher und zurückhaltend. Er schien Angst vor meinen Antworten oder meiner Möglichen Reaktion zu haben, etwas was ich noch nie gesehen habe und von dem ich dachte, dass es unmöglich für einen Kim Taehyung wäre.

Er hat damals Mist gebaut, aber das habe ich auch und auch wenn mich die Angst beherrscht erneut von ihm verlassen zu werden, erneut durch den Schmerz zu gehen ihn zu verlieren, löse ich mich aus der starre und mache einen Schritt nach vorne.

Ich weiß, dass das ganze wieder schief gehen könnte, dass wir wieder einen Grund finden könnten uns zu trennen oder wir uns gegenseitig verletzen könnten, aber ich muss es tun. Das Leben ist ein einziges Risiko und wenn man nicht untergehen will, dann muss man lernen darauf einzugehen.

Lange kann ich mich sowieso nicht in dieser Seifenblase verstecken, die mich vor den Grausamkeiten der Welt beschützen soll, denn jede Seifenblase platzt irgendwann und lieber bringe ich sie von innen heraus zum platzen indem ich mich befreie, als dass jemand es von außen macht und mich zum fallen bringt.

Das Leben ist ein Risiko und das größte darin ist die Liebe. Aber ich bin bereit es einzugehen und wenn ich verletzt werde, kann ich wenigstens behaupten ich habe geliebt.

Ich spüre wie das Blut wieder durch meinen Körper fließt und laufe los, als die Sicht vor meinen Augen klarer wird. Das laute knallen der Tür als ich sie auf reiße ignoriere ich, auch wenn es später dafür mächtig ärger mit den dämlichen Nachbarn geben könnte. Meine nackten Füße tragen mich über den kalten Boden des Flures im Gebäude und ich biege rechts ab als ich am Ende ankomme.

Die Tür des Fahrstuhles ist gerade dabei sich zu schließen, aber ich laufe einfach darauf zu. Ich muss grässlich aussehen, das Gesicht verzerrt während ich mit der größten Verzweiflung die ein Mensch empfinden kann auf diese schäbige Fahrstuhltür zu laufe, aber es ist mir ausnahmsweise egal.

Taehyung sieht zu mir hinauf, kurz bevor ich bei ihm ankomme und reißt den Mund erschrocken auf, aber bevor er etwas sagen kann, springe ich durch die noch knapp offene Tür und schlinge meine Arme um seinen Hals.

Vollkommen überwältigt von meinem plötzlichen auftauchen und dem Gewicht das sich auf ihn stürzt legt er seine Arme um meinen Körper und sinkt mit mir zusammen auf die Knie.

Ich schließe erleichtert die Augen und vergrabe meine Gesicht in seinem Hals als ich höre wie sich hinter uns die Tür schließt. Er muss überrascht und sogar verwirrt hierüber sein, aber er schweigt und drückt mich noch fester an sich, während ich es genieße. Ich genieße seine Körperwärme, seinen Geruch und seine Berührungen, selbst wenn es nur eine simple Umarmung ist. Wenn sie von Taehyung kommt, ist sie etwas besonderes.

Es tut fast schon weh mich von ihm lösen zu müssen, aber ich lasse ihn nicht ganz los als ich ihm in die Augen sehe. Meine Hand liegt auf seiner Wange und streicht sanft mit dem Daumen über seine Haut. Mein Atem geht unregelmäßig, und es haben sich bereits Schweißperlen auf meiner Stirn gebildet, aber diese Sachen sind nebensächlich.

Taehyung sitzt hier vor mir und ich habe ihn im Arm. Ich muss ihn nicht gehen lassen.

"Was ist, wenn ich nicht mehr warten möchte?"

Trotz der fehlenden Luft in meinen Lungen und der Nervosität klingt meine stimme fest und sicher, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass es meine Worte sind. Ich meine sie ernst, denn ich möchte und kann nicht länger warten. Fünf Jahre waren genug.

Taehyung legt seine Hand auf meine und zieht sie von seinem Gesicht weg. Kurz fürchte ich eine Zurückweisung, aber er nimmt sie stattdessen in seine und drückt sie fest, wie ein Seil, an dem er sich verzweifelt festhält.

"Bist du dir sicher?"

Obwohl er diese Frage stellt mit der Absicht mich sofort loszulassen wenn ich sie verneine, ist es unverkennlich wie wenig von seiner vorhin erwähnten Zurückhaltung noch übrig ist. Ich war dumm als ich ihn vor fünf Jahren gehen ließ, aber ich bin nicht so dumm es noch mal zu tun. Ich werde den Schatz, der vor mir sitzt nicht erneut begraben.

"Ich will dich, Taehyung."

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