¤55¤
Jungkook Pov
Egal wie lange ich im Bett mit geschlossenen Augen herum liege, ich spüre keine Müdigkeit, nichts was mich irgendwie in den Schlaf wiegen würde, was höchst wahrscheinlich an der ganzen Aufregung und der Nervosität liegt. Es ist genau sowie beim ersten Mal, mein Herz wird sich in seiner Nähe wohl niemals beruhigen.
Nach dem Gespräch zwischen uns beiden durch dir Tür habe ich ihn einfach stehen lassen. Ich habe geduscht, mir essen gemacht und wollte dann schlafen gehen, aber meine Neugier hat mich zurück zur Tür getrieben und mich durch den Spion schauen lassen. Ein Teil von mir hoffte, dass er da immer noch sitzen und darauf warten würde das ich mit ihm rede, aber nur ein winzig kleiner Teil in mir glaubte, dass es tatsächlich so sein würde. Er saß da, ganze 6 Stunden lang und als ich die Tür öffnete, hat er bereits geschlafen. Ich weckte ihn und er sah mich mit großen Augen so glücklich an, dass ich nicht anders konnte als ihn herein zu lassen.
Ich kenne ihn zumindest noch so gut um zu wissen, dass er nicht aufgibt wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. Er ist Stur und hartnäckig, aber ich liebe diese Seite an ihm. Ihr haben wir es überhaupt zu verdanken, dass wir uns ineinander verliebt haben. Wenn er nicht an mir dran geblieben und trotz meiner abweisenden Art versucht hätte mir zu helfen, wer weiß was dann passiert wäre. Vielleicht hätte ich mich bis heute nicht verliebt, in niemanden. Denn niemand ist sowie Taehyung.
Ich musste ihn rein holen, weil er wahrscheinlich bis morgen draußen geschlafen und sich eine Erkältung zugezogen hätte, mal abgesehen von den Rückenschmerzen, weil er auf dem harten und kalten Boden geschlafen hätte. Aber es ist schon komisch ihn hier liegen zu haben, direkt neben mir genau sowie früher. Nicht einmal Minhyuk durfte das.
"Es tut mir leid, Jungkook", sagt er und regt sich zum ersten Mal in den knapp zwei Stunden die wir bereits hier zusammen liegen.
"Entschuldige dich nicht." Ich reibe beide Füße aneinander, eine Angewohnheit von mir wenn ich nicht weiß was ich sonst tun soll.
Er rückt noch näher an mich heran, so nah dass ich seinen warmen Atem in meinem Nacken und die Wärme die von seinem Körper ausgeht deutlich spüren kann. "Aber du sollst es wissen. Du sollst wissen, dass ich alles bereue und das es keinen Tag gab, an dem ich dich nicht vermisst habe."
Ich weiß nicht was genau meine Nervosität verstärkt, ob es seine Nähe ist, der Abstand den er mit jeder Minute immer mehr verringert oder seine Worte, mit denen er immer unglaubliche Gefühle in mir auslöst. Es ist so komisch, Taehyung wieder hier zu haben, nach allem was damals passiert ist, aber noch komischer ist es nicht zu wissen was er in diesen fünf Jahren ohne mich getan hat.
Er hatte sicher andere Partner, Frauen, vielleicht auch Männer und ich kann es ihm nicht verübeln. Ich wette keiner von uns beiden hat damit gerechnet, dass wir uns jemals wieder sehen würden. Ich habe kein Recht zu erwarten, dass er diese fünf Jahre damit verbracht hat mir hinterher zu trauern und nur an mich zu denken. Auch ich habe Minhyuk zur Ablenkung benutzt, zwar nicht auf körperlicher Ebene, aber Taehyung tickt da eben anders und alleine der Gedanke daran bringt mich fast um.
"Es tut mir leid", murmel ich in meine Decke und schlage die Augen auf. Ich bin froh, dass ich mit dem Rücken zu ihm liege, denn ich wette das man trotz der Dunkelheit erkennen kann, wie rot mein Gesicht ist.
"Warum entschuldigst du dich?"
Ich nehme all meinen Mut zusammen und versuche meine Gedanken und meine Gefühle so gut es geht in Worte zu verpacken, auch wenn ich bekanntlich eine Niete darin bin. Aber ich muss es tun, es zumindest versuchen. "Weil ich dich damals habe gehen lassen. Weil ich dir nicht geantwortet und dich verletzt habe."
"Bitte hör auf...", sagt er, aber ich schüttle den Kopf.
"Nein, Taehyung, lass mich das sagen, bitte." Ich versuche mein Herz etwas zu beruhigen bevor ich weiter spreche. "Minhyuk hatte recht, ich habe ein Talent dafür Leuten, denen ich viel bedeute die kalte Schulter zu zeigen und sie zu vertreiben. Aber bei dir war es anders. Ich habe noch nie jemanden so geliebt und ich hatte solche Angst dich zu verlieren, dass ich nicht gemerkt habe wie ich dich immer weiter von mir weg schiebe."
Meine Finger spielen mit dem Reißverschluss des Bettbezuges herum während ich mir auf die Unterlippe beiße, eine weitere Angewohnheit von mir. "Er hatte aber mit noch etwas recht."
Das Bett bewegt sich als Taehyung sich aufsetzt und sich mit den Ellbogen abstützt. "Womit?"
Es ist faszinierend, wie einem in einem Moment wie diesem so viele kleine Details auffallen können. Der Geruch von Wachs, aus der vor Stunden erloschenen Kerze, das prasseln des leichten Regens gegen die Fensterscheibe oder auch das winzige Loch im Bettbezug was ich schon vor Ewigkeiten nähen wollte. All diese Sachen registriert mein Gehirn jetzt, nur um mich von diesem Schwindelerregendem Gefühl abzulenken.
"Ich habe ihn nicht geliebt, keine Sekunde lang, weil ich nie aufgehört habe dich zu lieben."
Mein Herz dreht jetzt vollkommen durch und es breitet sich von der Brust heraus ein Schmerz in meinen ganzen Körper aus. Ein Schmerz, den ich so nicht mehr kannte. Seit fünf Jahren nicht mehr.
"Jungkook...", sagt er meinen, aber es ist nicht mehr als ein Flüstern, voller Verzweiflung und Verlangen.
Ich merke, wie sehr ich ihn vermisst habe, seine Stimme, seine Berührungen, aber als er seine Hand nach mir ausstreckt schüttle ich den Kopf und ziehe die Decke über die Hälfte meines Gesichtes. "Nicht anfassen!", sage ich. "Mir ist schwindelig, mein Herz pocht wie wild in meiner Brust. Wenn du mich jetzt anfässt, dann verliere ich wahrscheinlich das Bewusstsein."
Jahrelang ohne die Berührungen von ihm zu leben bleibt nicht ohne. Ich glaube wirklich, dass mich das jetzt überfordern würde. Ich wäre so verdammt glücklich, dass ich nicht länger bei Bewusstsein bleiben kann.
Plötzlich schlingt er trotz meinen Worten seine Arme um mich und legt seine Hand über der Decke auf die Stelle, unter der sich auch meine eigene befindet.
"Ich bin gerade nur so glücklich, dass ich nicht anders kann."
Ich verdrehe die Augen, muss aber Lächeln. Ja, ohne Zweifel, ich habe niemals aufgehört ihn zu lieben, mein verrückt gewordenes Herz ist der perfekte Beweis dafür.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top