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Taehyung Pov
Erneut klopfe ich an die Tür, aber wie die Male zuvor auch geschieht nichts, trotz den Geräuschen die aus dem Inneren der Wohnung kommen. Die Klingel war bereits ausgeschaltet als ich hierher kam, er scheint nicht groß Lust darauf zu haben Besuch zu empfangen. Ich kann es ihm nicht verübeln, sogar verstehen kann ich es nach dem, was soeben geschehen ist, aber ich möchte ihn nicht alleine lassen. Ich muss mit ihm reden.
"Jungkook, ich weiß das du da bist", sage ich und presse mein Ohr gegen die Tür um den leisen, aber hörbaren Geräuschen zu lauschen. Man muss still sein um es zu hören, aber ich bin mir sicher, dass er direkt vor der Tür auf der anderen Seite sitzt, weil ich vorhin seine Schritte gehört habe, als er auf Zehenspitzen durch seine Wohnung dahin gewandert ist. "Ich bin gekommen um nach dir zu sehen, weil ich den Streit zwischen dir und Minhyuk mitbekommen habe."
Erneute Stille. Nichts außer meinen unregelmäßigen Atemzügen ist zu hören, weil ich direkt nach Dienstschluss hierher gerannt bin. Ich musste ihn sehen, selbst wenn er mich wieder von sich stoßen und mich nicht sehen wollen würde.
"Ach ja?", ertönt leise seine Stimme hinter der Tür und ich stelle mich wieder gerade auf. Ich dachte, ich müsste noch länger auf ihn einreden, ihn bitten mir zu antworten, aber ich bin froh das er es jetzt schon getan hat. Ich möchte wissen wie es ihm geht, möchte ihn sehen und in den Arm nehmen, ihm die Tränen wegwischen, die er sicher Dank diesem Arsch vergossen hat.
"Hör zu", fange ich an und lege eine Hand flach auf das kalte Material der Tür. "Ich habe aus dem, was damals passiert ist gelernt, dass ich dir nichts verschweigen und dich auch nicht anlügen sollte."
Mir fällt es schwer so ruhig zu reden wenn alles, woran ich seine Reaktionen vielleicht ein bisschen ablesen kann seine Stimme ist. Kein Gesichtsausdruck, keine Gesten an denen ich vielleicht erkennen kann was er empfindet.
"Wovon redest du?"
Um ehrlich zu sein, würde ich meine Worte am liebsten zurück ziehen. Vielleicht wäre es doch besser gewesen das ganze für mich zu behalten. Jungkook war so schon nicht gut auf mich zu sprechen, denn auch wenn er mir letztens geholfen hat, als ich es mit dem Alkohol übertrieben habe, heißt das noch lange nicht das er mir das von damals verziehen hat und jetzt erneut mit einem Dämpfer zu kommen wird das ganze nicht besser machen.
Trotzdem muss ich es ihm sagen. Für manche mag es keine schlimme Sache sein, aber für jemanden wie Jungkook, dessen Vertrauen ich schon einmal missbraucht habe, wird das hier vielleicht nur ein Beweis dafür sein, dass es eine richtige Entscheidung von ihm war sich damals von mir zu trennen.
Die Ängste sind da und kurz überlege ich wirklich einfach die Klappe zu halten und es ihm zu verschweigen, aber ich öffne den Mund und fange an zu sprechen bevor ich es mir tatsächlich anders überlegen.
"Ich wusste, dass Minhyuk dich betrügt", sage ich und kralle mich an dem Türgriff fest um nicht auf den Boden zu sinken und dank der unerträglichen Anspannung verrückt zu werden.
Tatsächlich reagiert er schneller als erwartet darauf. Ich höre ein rascheln auf der anderen Seite der Tür, dann wird es wieder ganz leise.
"Woher?", fragt er so schwach, dass es fast als Flüstern gelten könnte.
Jetzt gibt es kein zurück mehr. Ich hatte die Chance zu lügen, aber ich habe sie ignoriert, weil sie ihn mir schon mal genommen hat. Nicht dieses mal, ich lasse es gar nicht erst so weit kommen.
"Ich habe ihn schon mal auf den Toiletten erwischt, noch bevor wir beide uns getroffen haben. Die Frau bei ihm... Das ist eine Kollegin von mir."
Als ich Jungkook damals im Krankenhaus nach all der Zeit wieder gesehen habe, hätte ich niemals damit gerechnet, dass er jemand neues haben könnte. Ich weiß nicht warum dieser Gedanke für mich so unmöglich war, dass ich nicht einmal daran gedacht habe, aber als es dann wirklich so war, hat es mich zerstört.
Zu wissen, dass er über mich hinweg sein könnte und das er bereits jemand anderen gefunden hat, mit dem er all die Dinge teilt die er früher mit mir geteilt hat, es hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. So sehr, dass ich selbst als ich die roten Haare des Menschen, der meinen Platz an seiner Seite übernommen hat, gesehen, ich ihn trotzdem nicht wiedererkannt habe. Wie soll ich auch darauf kommen, dass es derselbe Kerl ist? Rote Haare sind nicht alltäglich und sie sind es auch nicht, an denen ich ihn damals als Kerl in der dunklen Toilette wieder erkannt habe, es war sein Ring an dem Mittelfinger.
Aber selbst als ich das und auch wusste, dass es meine Kollegin ist mit der er sich ein Mal in der Woche dort zwischen ihren Schichten verabredet, konnte ich es Jungkook nicht sagen.
"Du wusstest es und hast mir nichts davon gesagt?" In seiner Stimme schwingt genau das mit, wovor ich mich so gefürchtet habe, Trauer und Verrat.
"Ich wollte dich nicht verletzen, Jungkook", sage ich verzweifelt und mit einer Stummen Bitte im Ton. Der Bitte mich nicht dafür zu hassen das ich es ihm verschwiegen habe.
"Sein Seitensprung hat mich nicht verletzt, aber das hier, das tut es schon. Du hättest es mir sagen sollen." Er ist lauter geworden als vorher, aber seine Stimme zittert und ich merke, dass er kurz davor ist zu weinen. "Ich möchte alleine sein, Tae. Bitte geh."
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