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Jungkook Pov

Ohne auf die Fragen der Polizistin zu antworten, stürme ich hinaus an die frische Luft und atme tief ein. Das ganze war gerade ziemlich heftig und um ehrlich zu sein weiß ich immer noch nicht was ich tun soll.

Zu erfahren, dass der eigene Freund einem fremd geht ist bereits schlimm genug, aber ihn dabei zu erwischen ist noch eine ganz anderen Sache. Was mich an der Situation aber viel mehr stört als die Tatsache, dass er gerade mit einer anderen Frau zu Gange war, ist die, dass er mich so gesehen hat.

Er weiß von meiner Angst und der Unfähigkeit andere Menschen zu berühren, aber er hat mich noch nie dabei gesehen wie es ist wenn es doch passiert. Als wir zusammen gekommen sind, hat sich das langsam entwickelt. Das Hände halten war eine Herausforderung, aber ich brauchte sie danach nur waschen ohne in große Panik zu verfallen, weil ich mich dazu gezwungen habe und... und weil ich mich immer daran erinnert habe wie es mit Tae war. Wenn ich Minhyuks Hand hielt, stellte ich mir immer vor es wäre die von Tae.

Noch nie hat er mich in diesem Zustand gesehen, dieser Verzweiflung und der Angst. Ich wollte nie, dass jemand mich sieht, ich ertrage es nicht zu wissen das jemand diese hässliche Seite von mir kennt. Niemand außer Taehyung. Er war der erste, der meine hässliche Seite zu sehen bekommen und sie zu lieben angefangen hat.

Als jemand mein Handgelenk umklammert, fahre ich sofort herum und entreiße es ihm. Nicht nur, weil ich geahnt habe das es Minhyuk ist, sondern auch weil ich seit neustem nicht einmal mehr seine Berührungen an meiner Hand ertrage. Nicht seit Taehyung wieder da ist.

"Bitte hör mir zu", sagt er außer Atem und sieht mich flehend mit seinen großen Augen an. Mein Blick fällt zuerst auf den immer noch geöffneten Reißverschluss und dem nicht richtig zu geknöpftem Hemd. Fast muss ich lachen, denn die Tatsache, dass er in dieser Verfassung mit mir reden will ist doch mehr als nur lächerlich.

"Was gibt es denn da noch zu erklären?" Zumindest für mich gibt es da nichts. Er war mit mir in einer Beziehung und er hatte anscheinend mit jemand anderem was am laufen, noch dazu mit einer Frau.

"Es tut mir leid, Jungkook. Ich wollte nicht, dass es so weit kommt."

"Ich denke, das wollte keiner von uns."

Obwohl er es war, der mich hintergangen hat, sieht er aus wie ein ausgesetzter und getretener Hund. Für Leute, die nicht wissen was soeben passiert ist und nur zufällig an uns vorbei laufen, muss das so aussehen, als wäre ich der Böse in dieser Situation, nicht anders herum.

"Macht dich das überhaupt nicht wütend?"

Jetzt ist es nicht mehr nur Trauer und vielleicht auch einbisschen Reue, die ich in seinen Augen erkenne, sondern auch ein leichter Hauch von Wut, während in seinem Ton ein unausgesprocher Vorwurf mit schwingt.

"Natürlich bin ich wütend!", fahre ich ihn an, als müsste ich mich verteidigen.

"So sieht das aber nicht aus." Er verschränkt die Arme vor der Brust, während ich die Hände zu Fäusten balle und versuche nicht sofort wütend auf ihn einzuschreien. Er hat recht, davor war ich nicht wirklich wütend, ich weiß nicht wirklich was ich empfunden habe, aber jetzt bin ich es. Er hat Mist gebaut, wieso also ist er wütend auf mich?

"Wäre es dir lieber, wenn ich eine Szene machen würde?"

"Um ehrlich zu sein Ja! Wenn jemand, den man liebt einen so sehr hintergeht, sollte man da nicht wütend oder wenigstens enttäuscht sein?"

Sollte er nicht eigentlich sogar froh darüber sein das ich so ruhig bleibe? Jeder andere wäre wahrscheinlich ausgetickt, wenn er seinen Partner dabei erwischt hätte wie er mit jemand anderem am herum machen ist, aber ich bin ruhig, ich bin weder wütend noch mache ich ihm irgendwie Vorwürfe, also womit ist er unzufrieden?

"Ich bin wütend", mache ich noch einmal klar, aber er schüttelt nur den Kopf.

"Aber nicht weil du mich liebst."

Sprachlos stehe ich da und kann nichts anderes tun als ich an zu sehen. Es ist, als wäre ich bei irgendetwas gefährlichem ertappt worden, oder als hätte er ein Geheimnis gelüftet das ich versucht habe zu verstecken, dabei war es gar keines. Ich habe ihm niemals gesagt, dass ich ihn liebe und gezeigt habe ich das auch nicht.

Er war immer derjenige der zuerst geschrieben und angerufen hat. Er hat immer um ein Treffen gebeten, niemals ich und er hat auch immer zuerst meine Hand genommen. Es war die ganze Zeit über so, als hätte er diese Beziehung geführt, aber trotzdem ist es komisch das aus seinem Mund zu hören.

"Du kannst es nicht einmal abstreiten." Jetzt ist er es, der die Fäuste ballt und mich mit noch größerer Enttäuschung ansieht als vorher. "Ich bin dir nicht einmal wichtig genug um angelogen zu werden."

Ihn anlügen? Wenn es um Gefühle geht war ich noch nie gut darin zu lügen. Ich habe es immer offen gezeigt, wenn ich jemanden nicht leiden konnte und ihn habe nie gelogen und jemandem gesagt ich mag ihn, wenn das nicht der Fall war.

"Gibst du mir gerade die Schuld?", frage ich und runzle verwirrt die Stirn über den Wandel der Dinge.

"Ja, verdammt, das tue ich! Was soll ich sonst tun, wenn der Mensch, den ich liebe es ganz offensichtlich nicht tut?"

Wie ist es eigentlich dazu gekommen? War er nicht gerade derjenige, der in der Schuld zu ertrinken drohte? Er ist doch derjenige, der mich belogen und mich hintergangen hat, also wie kann es sein, dass wir die Rollen getauscht haben?

"Keine Ahnung", sage ich wahrheitsgemäß und zeige auf die Tür der Wache hinter ihm. "Aber mit jemand anderem zu schlafen ist keine Lösung!"

"Ach ja? Du hast es ja nie getan."

Erneut lässt er mich völlig verstummen. Ich weiß nicht was ich sagen soll, wie ich darauf reagieren und was ich dazu erwidern soll. Ich erkenne worauf er hinaus will und obwohl ein Teil von mir weiß, dass er recht hat und dass ich ihm tatsächlich nie was für die Liebe gegeben habe, die er mir entgegen gebracht hat, möchte ich mir nicht die Schuld an dem ganzen geben lassen.

"Du weißt ganz genau warum ich nicht mit dir schlafen konnte", sage ich ruhiger.

"Aber mit ihm konntest du es. Er durfte dich berühren, er durfte dich küssen und er durfte dich lieben."

Nachdenken ist bei dieser Sache nicht nötig, es gibt nur eine Person die er meinen könnte. Er hat mich oft über Tae ausgefragt, wollte mehr über den Menschen wissen, der es geschafft hat mich so sehr zu verändern, der mir zum ersten Mal die Liebe gezeigt hat, aber ich habe nicht oft über ihn geredet, viel zu sehr hat es mich verletzt. Nicht einmal seinen Namen habe ich ihm gesagt, weil alleine ihn auszusprechen mich ihn nur um ein hundertfaches mehr vermissen lassen hat.

"Das ist eine ganz andere Geschichte", sage ich und versuche ihm mit meinem Blick klar zu machen, dass ich da nicht drüber reden möchte. Nicht mit ihm.

"Da has du recht, denn ihn hast du geliebt. Mich nicht. Der einzige Grund, warum du nicht gegangen bist ist der, dass du Angst davor hast verlassen zu werden. Du hasst Trennungen."

"Woher-"

"Du hast es mir nie erzählt, aber ich konnte nicht anders als selber nachzuforschen und weißt du was ich glaube?" Er tritt einen Schritt zurück und sieht mich Mitleidigig, fast schon verachtend an. "Ich glaube, dass nicht der Seitensprung deiner Mutter ihn dazu bewegt hat zu gehen, sondern das es deine Schuld ist, weil du ein Talent dafür hast die Menschen, die dich lieben von dir zu stoßen und damit zu verletzen."

Er wartet gar nicht darauf, dass ich irgendetwas darauf erwidere und eigentlich ist es auch ganz gut das er sich einfach umdreht und verschwindet, denn ich wüsste sowieso nicht was ich sagen sollte. Es macht mich wütend, dass er hinter meinem Rücken versucht hat mehr über mich zu erfahren, wo ich ihm doch gesagt habe, dass ich das nicht möchte. Aber er hat recht.

Ich hasse Trennungen. Ich hasse sie so sehr, dass ich Minhyuk nicht einmal verlassen konnte, obwohl ich wusste das ich Taehyung immer noch liebe, weil ich Angst habe, dass dieser mich erneut verlassen könnte.


















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First Touch näher sich dem Ende 🙁 Ich wollte nur Bescheid geben, dass es um die 60 Kapitel +/- 2 werden 😄

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