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Jungkook Pov

Die Hand bereits auf der Türklinke halte ich inne und gehe noch mal in mich. Ich weiß nicht, was genau mich hierher getrieben hat, aber als ich heute morgen aufgewacht bin und er nicht mehr bei mir war, habe ich mich so verlassen und leer gefühlt. Vielleicht ist es nicht die beste Idee gewesen hier einfach an seiner Arbeitsstelle aufzutauchen, aber ich wollte ihn unbedingt sehen. Das möchte ich immer noch.

Mit diesem Gedanken drücke ich die Tür nach innen auf und betrete das Polizeirevier. Wieso fühlt es sich an, als würde ich irgendetwas verbotenes tun? Vielleicht liegt es daran, dass ich unangemeldet hier bin. Es könnte ja sein, dass er mich nicht hier haben will oder das ich ihn nerve, er findet ich klammere und das ich zu anhänglich bin.

Aber Moment... Diese Sachen treffen doch meistens auf einen Partner in einer Beziehung zu und Taehyung und ich sind lange nicht mehr in einer. Obwohl es mich beruhigen sollte, tut es das nicht. Wenn er mir jetzt sagen würde, dass ich wieder nach Hause gehen soll, weil er mich nicht sehen will, dann würde ich wahrscheinlich weinen. Ja, so dumm es auch klingt, ich würde es tun.

"Entschuldigen Sie, kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

Ich zucke zusammen, als jemand mir eine Hand auf den Oberarm legt und trete sofort einen Schritt zur Seite um der Berührung zu entkommen. Trotz des Stoffes dazwischen ist das Brennen trotzdem zu spüren. Es ist, als würde sie sich durch den Stoff hindurch brennen.

Eigentlich dachte ich, die Angst wäre schwächer geworden, dass das Gefühl von Ekel und Schmerz nicht mehr so stark auftreten würde, aber es ist noch da. Der einzige Unterschied zu meinem Zustand von vor fünf Jahren ist der, dass ich es jetzt länger aushalte ohne mich sofort waschen zu müssen. Es sind nur wenige Minuten mehr als zuvor, aber immerhin etwas.

"Könnten Sie mir sagen wo die Toiletten sind?", frage ich leise und gebe den Versuch mir ein Lächeln auf zu zwingen auf.

Mein ganzer Körper spannt sich an und der Schmerz von der winzigen Fläche am Oberarm wo sie mich nur kurz berührt hat, verteilt sich auf meinen ganzen Körper wie Lebensmittelfarbe in Wasser. Ich möchte weinen und zur gleichen Zeit schreien, aber das schlimmste daran ist, dass ich nicht einmal weiß warum.

Es war seit einer Ewigkeit nicht mehr so schlimm wie heute. Jimin hat mich ab und zu berührt ohne dass ich solche schmerzen verspürt habe. Sie waren da, aber sie waren nicht mehr so stark. Wieso spüre ich sie jetzt wieder so deutlich? Liegt es vielleicht daran, dass Taehyung wieder da ist und das ich wieder weiß, was es heißt wirklich berührt zu werden? Vielleicht kann es tatsächlich nur Taehyung sein. Ich habe ihn gestern durch die Tür geschleift ohne überhaupt darüber nachzudenken.

Verdammt, wenn es tatsächlich so ist, dann weiß ich nicht was ich tun soll. Wenn man den höchsten Berg der Welt erklimmt, wird einem jeder andere vorkommen wie ein Hügel. Genauso ist es mit Taehyung. Seine Berührungen sind wie Zarte Federn, die über meine Haut streichen, so angenehm, während alle anderen für mich wie Nadelstiche sind. So kitschig das auch klingt, ich habe den für mich schönsten und perfektesten Menschen gefunden, da möchte ich niemand anderen mehr und mein Körper möchte das genau so wenig.


"Geht es Ihnen gut?", fragt die Polizistin erneut und streckt ihren Arm wieder nach mir aus, aber ich schüttle den Kopf und weiche zurück.

"Mir geht es gut, es ist nur einwenig Übelkeit. Könnten Sie mir bitte sagen wo ich die Toiletten finde?"

Etwas misstrauisch hebt sie den Arm und zeigt in den breiten Flur rechts von mir. Ich nicke dankbar und gehe mit großen Schritten in die Richtung, versuche dabei aber nicht zu schnell zu sein, weil das nur verdächtig wäre. Ich weiß noch, als ich einmal von der Polizei auf die Woche gebracht wurde, weil sie dachten ich hätte Drogen konsumiert. Verübeln kann ich ihnen das nicht, wenn man mich berührt, werde ich nervös und bewege mich sehr viel um mich abzulenken oder die nächste Toilette zu finden um mich zu waschen, aber ich habe nun mal keine Lust auf den gleichen Stress.

Ich stolpere in die erste Toilette die ich sehe und ignoriere dabei die Tatsache, dass es sich dabei um eine für Frauen handelt. Wenn mich hier jemand erwischt und ich deswegen mit der Polizei reden muss, brauche ich wohl eine gute Ausrede, denn ansonsten werde ich als Perverser abgestempelt.

Im Moment ist das allerdings meine geringste Sorge. Das wichtigste ist für mich dieses Brennen zu lindern. In der Toilette angekommen drehe ich sofort das kalte Wasser auf und ziehe meinen Pullover so schnell ich kann aus. Mit der Hand verteile ich Seife und Wasser auf meinem gesamten Oberarm bevor ich auf die Knie sinke und wie ein verrückter mit meinen Nägeln immer wieder drüber fahre.

Die Haut verfärbt sich zuerst nur Rot, eine normale Reaktion auf eine Reizung von außen. Irgendwann allerdings werden aus der Rötung Kratzer, bis nicht mehr nur Seife und Wasser meinen Oberarm bedecken, sondern auch Blut. Obwohl dieser Schmerz die meisten Menschen dazu bringen würde aufzuhören, ist es genau der, der mich dazu animiert weiter zu machen. Nicht weil ich den Schmerz will, sondern weil er erträglicher ist als der andere. Er lenkt mich ab.

Was mich aber noch viel mehr ablenkt ist der Knall, der zu hören ist als eine Tür der Kabinen hier drin aufgerissen wird. Erschrocken drehe ich mich um und sehe zuerst nur die Beine, bis ich den Blick hebe und alles, was ich bis eben getan habe, vergesse. Meinem gegenüber geht es nicht anders. Wir sind beide viel zu schockiert von der zufälligen Begegnung hier.

Etwas hinter ihm zieht meine Aufmerksamkeit auf sich und als ich die halbnackte Frau erkenne, die sich ihren BH zu knöpft und den Rock zurecht zupft, weiß ich sofort was hier vor geht. Er stellt sich direkt vor sie und versperrt mir damit mein Sichtfeld, aber das ist egal, ich habe genug gesehen. Nur bin ich leider nicht im Stande mich irgendwie zu rühren. Alles was ich tun kann ist schweigen, als ich wieder in das Gesicht des Mannes sehe.

In das Gesicht meines Freundes.




















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Morgen geht es für mich nach Stuttgart, aber ich denke, dass ich im Bus genug Zeit haben werde ein weiteres Kapitel zu schreiben, ich werde es auf jeden Fall versuchen und wenn nicht, die Nacht dort wird sowieso durch gemacht, dann kriege ich es spätestens da hin 😄

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