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Taehyung Pov
Langsam lasse ich ihn runter, kann es mir aber nicht verkneifen ihm einen leichten Schlag auf die ohnehin schon Lila Schulter zu geben.
"Verdammt, was soll das, Taehyung?", fragt er und zischt vor Schmerz, aber ich schnaube nur verächtlich und lehne mich mit den Händen vor der Brust verschränkt an die Wand.
Man könnte meinen, das jemand, der mehrere Prüfungen besehen musste um an der Polizeiakademie angenommen zu werden es wenigstens schafft über einen Zaun zu springen, aber vor mir sitzt das perfekte Beispiel dafür, dass es auch Vollidioten schaffen können, wenn sie den nötigen Ehrgeiz besitzen.
Obwohl ich ihn manchmal, was denke ich da, obwohl ich ihn häufig für ziemlich tollpatschig und selten Dumm halte, ist Namjoon einer der klügsten Menschen, denen ich jemals begegnet bin und trotz des Vorfalls heute bin ich froh ihn meinen Partner bei der Polizei nennen zu dürfen.
"Tut es weh?", frage ich und versuche mir nicht ansehen zu lassen wie viel Sorgen ich mir eigentlich um ihn mache. Seine Schulter sieht echt nicht gut aus, ich vermute mal er hat sie sich ausgekugelt.
"Wenn du noch einmal fragst, breche ich dir die Nase."
"Ach ja? Bei dem Versuch brichst du dir wahrscheinlich deine eigene."
Er schnalzt mit der Zunge und sieht mich beleidigt an, aber ich ignoriere das.
Ich ärgere ihn gerne, vor allem wenn er es mal wieder schafft sich selber durch seine tollpatschigkeit zu verletzen. Nachdem ich aus Seoul weggezogen bin, fiel es mir schwer Freunde zu finden, immerhin hatte ich Jahrelang nur Hobi... Bis Jungkook auch kam.
Es hört sich leicht an, aber aus Kollegen werden nicht so schnell Freunde wie aus Mitschülern. Wenn man es sich da mit den falschen Leuten verspielt, dann hat man es wirklich nicht mehr leicht während der Arbeit.
Trotz dieser Einstellung und meinem eigentlichen Vorhaben jede Beziehung rein Beruflich zu halten, wurden irgendwann aus kurzen Pausen im Hinterhof lange Gespräche durch die Wände der Toilettenkabinen und aus Kollegen wurden tatsächlich Freunde.
Hoseok habe ich ewig nicht mehr gesehen, ich weiß nicht einmal ob man uns noch beste Freunde nennen kann, aber er ist mir nicht weniger wichtig als vor fünf Jahren noch. Nur leider schmiedet das Leben die Pläne für dich. Es sucht dir deine Freunde und deine Liebe aus, man weiß nicht was einen erwartet.
Damals bestand für Hoseok und mich kein Zweifel daran, dass wir nach der Schule sofort zusammen ziehen und an den Wochenenden die wildesten Partys feiern würden, um uns eine Auszeit von der Uni zu gönnen. Aber es ist alles ganz anders gekommen.
Hoseok studiert nicht, er hat seine eigene Bar und noch dazu eine Verlobte, die er auf Händen trägt. Und ich? Ich habe zwar studiert, aber nicht an einer herkömmlichen Uni wie anfangs geplant, sondern eben an einer Polizeiakademie. Außerdem lebe ich statt mit meinem besten Freund in einer ein Zimmer Wohnung ohne heißes Wasser. Verdienen tue ich zwar gut, aber ich hatte bisher noch keine Zeit mir eine passende Wohnung zu suchen und diese reicht vorübergehend auch aus.
"Jin wird mich umbringen", sagt Namjoon leise und schüttelt bereits Ängsterfüllt den Kopf.
Gerne würde ich ihm widersprechen, ihm sagen, dass er sicher Mitleid mit ihm haben und sich wie eine Prinzessin um ihn kümmern wird, aber die Wahrheit ist, dass das nicht der Fall sein wird. Ich war das letzte mal dabei, als Namjoon mit einer geprellten Hüfte nach Hause kam, weil er vom Pferd gefallen ist.
Nun, ich an Jins Stelle wäre froh gewesen, dass das Pferd noch lebt, aber dieser war vollkommen außer sich. Er macht sich Sorgen, weil Namjoon es nicht eine Woche aushält ohne sich irgendwie zu verletzen, aber damals, als Jin nicht mal bereit war ihm das Essen an den Tisch zu bringen, da hat er mir wirklich leid getan.
"Sieh es positiv", sage ich und zeige auf die riesige Lila stelle. "Es passt zu deinen Haaren."
Man kann selbst aus dieser Entfernung erkennen, wie das leuchten, dass sich bei dem ersten von mir ausgesprochenen Teil gebildet hat, verschwindet.
"Tae."
"Hm?" Ich hebe den Kopf und lächle ihn tröstend an, allerdings sinken meine Mundwinkel sofort wieder als ich den Gesichtsausdruck sehe, mit dem er mich bedenkt. Das ist kein gutes Zeichen.
"Geh und hol mir eine heiße Schockolade", sagt er und krallt seine Finger in das weiße Kissen, welches vorher auf dem Bett des Krankenhauses lag.
"Du magst doch keine-"
"Geh. Einfach. Raus."
Ich nicke sofort und verlasse das Zimmer wie von der Tarantel gestochen. Die meiste Zeit ist Namjoon wie ein Marshmallow, so weich und fluffig, er kann niemandem was zu leide tun. Aber wenn man ihn provoziert, sowie ich gerade, dann merkt man, dass er auch eine andere Seite hat.
Ich weiß eigentlich, dass Namjoon kein Fan von Schockolade ist, aber ich werde ihm trotzdem eine holen, weil ich weiß, dass er sich später darüber beschweren wird wenn ich es nicht tue. Tja, die Logik ist da quasi nicht vorhanden.
Der Fahrstuhl fährt gerade weg, als ich hin renne und es lohnt sich nicht eine Ewigkeit auf den nächsten zu warten, wenn ich auch einfach die Treppen benutzen kann. Besser für die Gesundheit ist das sowieso und der Ausdauer tut das auch gut.
Na ja, vielleicht habe ich mir insgeheim doch gewünscht jemand im Fahrstuhl wäre so nett gewesen den Knopf zu drücken, damit sich die Türen wieder öffnen, aber spätestens als ich meinen Fuß auf die erste Treppenstufe setze und den Kopf hebe, um zu sehen wo ich hin laufe, bin ich glücklich darüber ihn doch nicht erwischt zu haben.
Er scheint mich bereits vorher gesehen zu haben, denn als ich ihn bemerke, hängen seine großen Augen bereits ungläubig an mir. Für einen Moment sind alle Geräusche weg, alle anderen Eindrücke sind völlig bedeutungslos, denn alles was ich sehe, ist das Gesicht, was mich in all den Jahren nur in meinen Träumen besucht hat.
"Jungkook."
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