¤39¤
Taehyung Pov
Ich reiße das Lenkrad herum und biege an der Kreuzung rechts ab, statt wie gewohnt weiter geradeaus zu fahren.
Als ich kurz zur Bushaltestelle geguckt habe, war da durchaus die Hoffnung er würde da sitzen und auf den nächsten Bus warten. Aber da ich ihn die ganze Woche, in der ich von ihm ignoriert wurde, nicht dort gesehen habe, war diese sehr gering.
Umso überraschter bin ich, als ich an der Bushaltestelle halte und er es tatsächlich ist. Sofort beuge ich mich über den Beifahrersitz und öffne Tür.
Mein Herzschlag ist im gesamten Fahrzeug zu hören, als er den Kopf hebt und mich ansieht. Vielleicht liegt es daran, dass es heute das erste mal in der Woche ist, dass ich ihn zu Gesicht bekomme, aber er wirkt noch schöner auf mich, als ich ihn in Erinnerung hatte.
Die hoch am Himmel stehende Mittagssonne lässt ihn die Augen zusammen kneifen, aber das glänzen darin ist trotzdem zu erkennen. Die Haare wirken heller als noch letzte Woche, allerdings wirkt seine Haut auch blasser und die Lippen rissiger.
"Steig ein", sage ich und schmeiße den leeren Karton, wo gestern noch die Milch drin war, die ich für zu Hause kaufen sollte, auf den Boden damit er Platz hat sich hin zu setzen.
Wir waren schon einmal in dieser Situation, aber jetzt hält er es im Gegensatz zu damals nicht mal mehr für nötig mich überhaupt zu beachten. Die Hände in seinen Hosentaschen vergraben sieht er mich einfach nicht mehr an, während er einen Stein auf dem Boden zwischen seinen Füßen hin und her tritt.
Ihn schmollen zu sehen würde mich im Normalfall amüsieren, weil es dann einen Grund gäbe ihn zu ärgern und mich wieder mit ihm zu vertragen. Aber das hier ist überhaupt nicht Amüsant. Dieses mal habe ich ihn wirklich verletzt und ich möchte mich mehr als alles andere mit ihm vertragen, selbst wenn ich dafür betteln oder auf die Knie gehen muss.
"Wir hatten das schon mal, Jungkook. Wenn du nicht einsteigst, dann fahre ich dem Bus hinterher, bis zu dir nach Hause."
Es ist vielleicht in einer Situation wie dieser nicht klug ihn noch mehr gegen mich aufzubringen, wo er sowieso nicht gut auf mich zu sprechen ist und ich weiß, dass er mir verboten hat zu ihm nach Hause zu fahren. Aber was bleibt mir anderes übrig? Er würde sonst nie wieder von sich aus mit mir sprechen.
"Tu was du nicht lassen kannst."
Etwas überrascht von der Antwort wende ich den Blick ab und starre die Straße vor mir an. Bisher ist er noch nicht dazu gekommen mir zu sagen, warum er mich nicht sehen lassen will wo und wie er lebt, aber das hat mir nichts ausgemacht.
Wenn er bereit dazu gewesen wäre mich mit zu sich zu nehmen, dann würde ich das tun, er konnte sich so viel Zeit lassen wir er brauchte. Aber bisher war es immer tabu, also wie kommt es, dass er jetzt so tut als wäre es ihm egal.
Ich löse meinen Gurt und schaue kurz auf die Straße vor mir, bevor ich die Tür auf meiner Seite öffne und zu ihm gehe. Obwohl ich es wirklich auf die nette Art versuchen wollte, da es ja auch meine Schuld ist, scheint das nicht zu klappen.
"Möchtest du weiter so machen?", frage ich und stelle mich direkt vor die Sonne, damit er die Ausrede, sie würde ihn blenden nicht benutzen kann um meinem Blick auszuweichen.
"Ich möchte nicht mit dir reden."
Er hört auf mit dem Stein zwischen seinen Füßen zu spielen und tritt ihn stattdessen weg. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass er dabei wahrscheinlich daran denkt es wäre mein Gesicht.
"Wir müssen reden. Möchtest du, dass wir uns weiter so ignorieren? Das ist doch keine Beziehung!"
Mein Plan, leise und ruhig mit ihm zu reden und ihn damit zu überzeugen wie Leid mir das ganze tut scheitert ja bereits am Anfang der Konversation, aber wenn es um ihm geht, dann helfen sowieso keine Pläne.
"Vielleicht hast du Recht."
Ich hätte mit wirklich allem gerechnet, einem Wutanfall, erneuten Vorwürfen, aber nicht damit, dass er meine Aussage bestätigt und mir das Herz nun vollkommen in die Hose sackt.
"Was meinst du damit?" Ich balle die Hände zu Fäusten um meine Nervosität irgendwie unter Kontrolle zu bringen, während ich darauf hoffe, dass meine Interpretation seiner Worte falsch ist.
"Das ist keine Beziehung mehr. Ich meine damit, dass wir das lassen sollten."
"Warte, Jungkook..." Ich strecke eine Hand nach ihm aus, aber er schüttelt sofort den Kopf und springt auf.
"Worauf sollen wir warten, Taehyung? Die ganze Woche bestand für mich daraus mich in den Kabinen der Toilette zu verstecken, weil ich die Blicke, die Sprüche und die Berührungen der anderen nicht mehr ertrage. Ich dachte, ich könnte wieder mit dir reden, wenn sich das ganze gelegt hat, aber es geht nicht, es wird nicht besser, im Gegenteil. Es wird mit jedem Tag schlimmer, jeden Tag fallen den Leuten neue Sprüche ein, neue Arten wie sie mich demütigen können und jedes mal, wenn ich dich sehe, erinnere ich mich wieder an das, was du getan hast."
Seine Worte treffen mich und seine Tränen, jede einzelne, sind wie Messerstiche in meiner Brust, mitten ins Herz. Es ging mir bereits beschissen, weil mir klar war, was ich ihm, mit ein paar wenigen Worten verursacht durch irgendeine dämliche und grundlose Eifersucht, angetan habe. Aber aus seinem Mund zu hören, dass er mich nicht mehr ansehen kann, ohne an diese Dummheit zu denken, dass tut verdammt weh.
"Ich kann nicht ohne dich", sagt er und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht. "Aber ich ertrage deine Berührungen nicht mehr. Ich kann nicht ohne dich, Tae, aber ich kann auch nicht mit dir."
Unfähig irgendetwas zu sagen, kann ich nur zusehen wie er sich seinen Rucksack von der Bank nimmt und so schnell verschwindet, wie ich gekommen bin.
Zurück bleiben tut nur der Schmerz und jetzt auch meine Tränen, während ich versuche zu realisieren, was gerade passiert ist.
Haben wir gerade wirklich die Beziehung beendet? Ist das das Ende? Es hat nur ein Paar Sätze benötigt um das, was mir im Leben am wichtigsten war, das was mir am meisten bedeutet hat einfach zu beenden.
Hoseok hatte recht mit dem, was er mir einmal gesagt hat. Trennungsschmerz ist bitter. Es fühlt sich an, als würde jemand dir immer wieder gegen die Brust treten, bis du nicht mehr in der Lage bist dich auf etwas anderes zu konzentrieren als das.
Er kann nicht mit mir, aber ich kann nicht ohne ihn. Alleine der Gedanke daran, ihn nie wieder sehen zu können, nie wieder mit ihm zu sprechen, ihn nie wieder in den Armen zu halten oder zu küssen ist für mich nicht vorstellbar.
Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top