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Jungkook Pov

Brief 1

Lieber Jungkook

Ich lache, als ich bereits diese Begrüßung zu Anfang des Briefes lese. Was soll das werden? Hat er von einem Tag auf den anderen eine poetische Ader entwickelt? Am liebsten würde ich diesen Brief, den er mir geschrieben hat nicht lesen, ihn einfach ignorieren oder sogar wegschmeißen, aber ich bringe es nicht über das Herz. Viel zu gerne möchte ich wissen was da drin steht und trotz allem was passiert ist, könnte ich niemals etwas was von ihm kommt so Gefühlslos entsorgen. Man sollte mich erschlagen für solch eine Naivität, aber zuerst lasse ich mich auf den Klositz fallen und lese diesen Brief weiter.

Lieber Jungkook

Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich weiß, dass meine Stimme wahrscheinlich das letzte ist was du gerade hören möchtest. Vielleicht kommt dir das hier Blödsinnig vor, weil heutzutage niemand mehr Briefe schreibt, aber als ich dir gestern Abend eine SMS schicken wollte, habe ich gemerkt, dass wir nie unsere Nummer ausgetauscht haben.
Es gibt so vieles, was ich dir gerne sagen würde, Dinge, die ich dir bereits gesagt habe und an die ich möchte, dass du dich erinnerst und Dinge, die ich dir Schulde.
Das wird der erste Brief von vielen sein, der erste, um dich wieder für mich zu gewinnen. 

Ich liebe dich, 
Dein Taehyung

Ich falte den Brief zusammen und stecke ihn in meine Tasche, aber egal wie sehr ich versuche mir keine Gedanken deswegen zu machen, ich kann selbst in meinen Träumen nicht mehr aufhörend darüber nach zu denken. 

Brief 2

Lieber Jungkook,

Ich verstehe, wenn du eine Weile nicht mehr mit mir reden willst, aber ich bitte dich darum in meiner Nähe zu bleiben. Der Gedanke daran, dass du irgendwo alleine auf den Toiletten deine Pausen verbringst macht mich fertig. Auch wenn du mich nicht sehen willst, möchte ich, dass du weißt, dass ich meine Pausen in der Bibliothek verbringe. Dort kommen die wenigsten Schüler hin und wenn doch jemand außer mir hier ist, kann ich dich beschützen, auch ohne das du mit mir redest.
Wie geht es dir? 

Ich liebe dich, 
Dein Taehyung

Brief 3

Lieber Jungkook

Jimin sagte mir, dass du nicht in der Schule gewesen bist, weil du dich erkältet hast, aber es fällt mir schwer das zu glauben, wenn es draußen dreißig Grad sind. Geht es dir wirklich gut? Ist es, weil die anderen immer noch nicht aufgehört haben? Ich bin bereits dabei mit ihnen zu reden und klar zu stellen, dass ich Eifersüchtig darauf war, dass man dich mir als meinen einzigen Freund neben Hoseok wegnehmen könnte. Keine Angst, keiner erfährt von unserer Beziehung, ich möchte nur nicht mehr das du leidest. Bitte komm zurück in die Schule, ich vermisse dich.

Ich liebe dich,
Dein Taehyung

Brief 4

Lieber Jungkook

Manchmal sehe ich dich in den Pausen, wie du dir dein Essen in der Mensa besorgst, nur um dich dann wieder in eine Kabine zu verziehen. Es ist schwer, dir nicht sofort hinterher zu rennen und dich zu packen. Ich möchte nichts lieber tun, als dich wieder richtig anzusehen und dir zu sagen, wie sehr ich dich liebe, aber ich kann nichts anderes zu tun als dir diese Briefe zu schreiben, weil ich weiß, dass ich mit meiner Liebe bereits ein Mal Mist gebaut habe.
Glaubst du, man kann einen Menschen zu sehr lieben? So sehr, dass man nicht anders kann, als ihn irgendwann damit zu verletzen? Denn das fürchte ich. Vielleicht habe ich es nicht verdient dich zu lieben, vielleicht ist es besser so.
Wenn es dir besser geht, solange ich dich nicht liebe, dann halte dich weiter fern von mir, Jungkook, auch wenn es nichts an meinen Gefühlen ändern wird.

Ich liebe dich,
Dein Taehyung

Solche Briefe legt er am Ende jedes Tages in mein Schließfach und das drei Wochen lang. Seit einer Woche allerdings kam kein Brief mehr. In der letzten Zeit sind die für mich so selbstverständlich geworden, dass ich am Ende jeden Tages aus dem Klassenraum gerannt bin um sie lesen zu können. 

Ich habe Nachrichten von ihm geliebt, zu wissen, dass er sich die Mühe machte mir jeden Tag von Hand welche zu schreiben, obwohl er keine Antwort bekam hat mich mit jedem Tag glücklicher gemacht. 

Aber jetzt mache ich mir Sorgen. Die ganze Zeit habe ich an mich selber gedacht, an das, was die anderen tun, nur weil er nicht ruhig sein konnte, dabei muss auch er darunter leiden. Immer wieder hat er mir gesagt, wie leid es ihm tut, wie viel er dafür geben würde das Rückgängig zu machen und auch wenn das nicht möglich ist, so kann ich ihm das nicht ewig nachtragen.

Das ich Schluss mache, war nie geplant. In dem Moment war ich einfach so wütend. Der ganze Tag war beschissen und ich hatte keine Möglichkeit die Wut irgendwo raus zu lassen. Als Tae mit seinem Auto an der Bushaltestelle ankam, da konnte ich nicht anders, vor allem als er darauf bestanden hat das ich einsteige und mit ihm rede.

Im Nachhinein bereue ich es, ich bereue es so sehr, weil die Worte, die ich gesagte habe nur aus der Wut heraus entstanden sind. Ich kann nicht ohne Tae. Punkt. Das ist nicht mit ihm kann stimmte nur für den Moment, aber ich brauche ihn. 

Ich höre der Lehrerin nicht mehr zu, als sie die Hausaufgaben nennt, sondern bin bereits dabei meine Sachen einzupacken. Hastig stürme ich aus dem Klassenraum, direkt zur Klasse gegenüber in der Hoseok gerade seine Freistunde verbringt. Jimin und Yoongi begrüßen mich mit einem lächeln, aber ich gehe einfach an ihnen vorbei zu dem einzigen, der mir vielleicht sagen könnte, was mit Tae los ist.

"Kann ich dich kurz was fragen?"

Wir beide haben noch nie ein Wort miteinander gewechselt. Das einzige mal, dass ich ihn überhaupt richtig bemerkt habe war, als Jimin und Yoongi mich auf der Toilette verprügelt haben und er mit Tae auf dem Flur stand als ich heraus kam. 

"Worum geht es?", fragt er und sieht mich besorgt an.

"Taehyung. Geht es ihm gut?"

Er zieht eine Augenbraue hoch und sieht verwirrt zu Yoongi und Jimin, aber die sehen ihn nur ratlos an und zucken mit den Schultern. "Wie kommst du darauf, dass es nicht so ist?"

Das von den Briefen möchte ich ihnen nicht erzählen. Irgendwie möchte ich das als mein und Taehyungs kleines, süßes Geheimnis bewahren. 

"Er hat seit einer Woche nicht mehr mit mir geredet und gesehen habe ich ihn auch nicht."

"Moment", sagt Hoseok und wirft den beiden anderen einen verwirrten Blick zu. Ich merke, das irgendetwas nicht stimmt, dass die drei irgendetwas wissen wovon ich nichts weiß und es beunruhigt mich. 

"Wie lange hast du nicht mehr mit Taehyung gesprochen?", fragt dieses mal Yoongi mich, die Arme vor der Brust verschränkt. 

"Seit mehr als einem Monat... Aber wir haben miteinander geschrieben." 

"Und er hat dir nichts gesagt?" Hoseok legt sich eine Hand auf den Mund, als hätte er erst jetzt etwas realisiert und die Art, wie er mich mit großen, Mitleidigen Augen ansieht, macht mir mehr Angst als die Blicke, die sie sich zuvor zugeworfen haben. 

"Was? Was hat er mir nicht gesagt?", frage ich und sehe ihn drängend an. 

"Jungkook..." Noch nie habe ich Jimin so leise sprechen hören, so unsicher. Er klingt, als würde er darüber nachdenken ob er es mir wirklich erzählen soll, aber ich drehe mich zu ihm um und mache ihm mit dem Ausdruck in meinem Gesicht klar, dass er es endlich ausspucken soll. 

"Taehyung ist weg", murmelt er und senkt den Kopf, nicht fähig mir in die Augen zu sehen als er die Worte ausspricht, die mir den Boden unter den Füßen wegziehen. "Er ist in eine andere Stadt gezogen."

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