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Jungkook Pov

"Boyoung!", ruft eine laute Stimme quer durch den Flur und verstärkt meine Kopfschmerzen um ein ganzes. 

Eigentlich hätten sie dieses Kühlpack auch für jemanden aufheben können, der es wirklich braucht, denn ich tue es nicht, es hilft mir kein kleines bisschen weiter.

Jedes Geräusch, jedes klingeln von einem Handy oder die Krankenhausbetten, die über den Flur geschoben werden während das Mädchen und ich hier sitzen, das alles verstärkt die Schmerzen in meinem Kopf enorm.

Aber bis jetzt hatte ich nicht das Gefühl, als würde er jeden Moment platzen. Oder eher, als würde mein Gehirn langsam zu glibber zerlaufen. Bis ich sehe, zu wem die Stimme gehört, die den Namen das kleinen Mädchens ruft.

Er biegt um die Ecke und läuft sofort auf uns zu, als er uns sitzen sieht. Seine Haare sind nass, wahrscheinlich vom ganzen Schweiß, den es ihn gekostet haben muss um hierher zu kommen und selbst aus dieser Entfernung sehe ich, wie sich seine Brust auf und ab senkt, während er Gierig nach Luft schnappt.

"Jimin!", ruft das Mädchen glücklich und läuft mit ausgebreiteten Armen auf den besorgten Jungen zu, der sich hin kniet und erleichtert seine Arme um den kleinen Körper schlingt.

Obwohl ich am liebsten weg gucken und ihn ignorieren möchte, kann ich nicht anders als die beiden beobachten. So habe ich ihn noch nie gesehen.

Die Sorge und die Angst stehen ihm ganz deutlich ins Gesicht geschrieben, aber die Erleichterung ist dafür umso größer als er sein Gesicht in ihrer Schulter vergräbt und sie hoch hebt.

Erst jetzt bemerke ich, wie ähnlich sich die beiden sehen. Das Mädchen hat die ganze Zeit über mit mir geredet, während wir darauf gewartet haben das jemand auftaucht und sie abholt.

Sie hat mir ihren Namen verraten, dass sie 12 Jahre Alt ist, was mich ziemlich überrascht hat, denn ich hätte sie höchstens auf acht geschätzt. Sie sagte mir, dass ihr Bruder sie sicher abholen würde, da man ihre Eltern auf ihrer Arbeit nie erreicht und die ganze Zeit über hatte sie dieses Lächeln im Gesicht, das selbst mich in meiner schlimmsten Krise weich kriegen würde.

Aber jetzt merke ich, dass dieses Lächeln, was ich in meinen Gedanken als bezaubernd beschrieben habe, genau das gleiche ist wie das von Jimin. Ihre Lippen, ihre Augen, das ganze Gesicht sieht gleich aus wenn sie Lächeln.

"Was machst du hier, Jungkook?", fragt er mich nachdem er zu mir kommt, seine Schwester an der Hand.

Er weiß ganz genau was ich hier tue, das Krankenhaus hat ihm am Telefon gesagt das seine Schwester nicht verletzt wurde und das jemand der geholfen hat mit ihr hier warten würde bis er auftaucht. Er weiß, dass ich es war und trotzdem tut er so als wäre es nicht so.

"Ich warte auf Taehyung." Meine Arme vor der Brust verschränkt wende ich den Blick ab und starre die mehr gelbe als weiße Wand direkt vor mir an.

"Verstehe. Hör zu..." Er kratzt sich nervös am Hinterkopf und ich sehe, wie sich der Griff um die Hand seiner Schwester verstärkt, als er anfängt zu reden. "Ich wollte dir danken. Du hättest dich ernsthaft verletzen können und bist doch an ihrer Stelle vor das Auto gesprungen. Es gibt nichts was ich tun kann, um dir zu zeigen wie dankbar ich bin, aber ich möchte trotzdem das du es weißt."

Das kommt tatsächlich überraschend für mich. Ich fühle mich nicht wie jemand, der gerade das Leben von jemandem gerettet hat, aber genau so lässt Jimin es klingen. Er spricht mit mir, als wäre ich jemand der Respekt verdient hat und so hat er noch nie mit mir gesprochen.

Es fällt mir schwer zu glauben, dass der Jimin, der hier vor mir steht und der Jimin, der in der Schule jede Möglichkeit sucht, um mich bloßzustellen, dieselbe Person ist.

"Ich hätte da eine Idee", sage ich und verschränke die Arme vor der Brust bevor ich ihn ansehe. "Lass mich in Ruhe."

Jimin öffnet den Mund um etwas zu sagen, aber ich mache ihm mit meinem Blick klar, dass ich keine Erklärung oder sonst irgendeine Erwiderung brauche. Alles was ich möchte ist seine Zustimmung, die er mir gibt als er nickt.

"Sag Tschüss, Boyoung", sagt er noch zu seiner kleinen Schwester, die mir mit ihrem bezaubernden Lächeln zu winkt bevor sie sich von ihrem Bruder mitziehen lässt und hinter der nächsten Ecke verschwindet.

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