¤34¤

Jungkook Pov

Ich knabbere auf meinen Nägeln herum während ich darüber nachdenke, was ich sagen könnte um Taehyung in ein Gespräch zu verwickeln.

Je kleiner der Raum ist, desto unerträglicher ist auch die Stille die ihn erfüllt, das habe ich gelernt seit ich Taehyung kenne. Nichts ist schlimmer, als wenn er mich mit Schweigen bestraft.

"Ich fahre dich nach Hause."

Ein kleiner Stein fällt mir vom Herzen als er endlich wieder zu mir spricht, aber bevor ich mich richtig freuen kann, dringen seine Worte zu mir durch und ich verstehe erst richtig was er soeben gesagt hat.

Es gibt also doch etwas das schlimmer ist als Schweigen, nämlich indirekt gesagt zu bekommen, dass man nicht gesehen werden will.

"Was habe ich falsch gemacht, Tae?" Ich sehe ihn von der Seite an, aber er schafft es irgendwie sein Gesicht vor mir zu verstecken und gleichzeitig den Blick auf die Straße gerichtet zu lassen.

"Du hast überhaupt nichts falsch gemacht."

Vielleicht würden ihm andere in diesem Moment glauben, vielleicht würden sie es einfach hinnehmen weil es das beste wäre es zu glauben, aber ich höre etwas unterdrücktes in seiner Stimme.

"Ach ja? Und warum nimmst du mich dann nicht zu dir? Ist heute nicht normalerweise der Tag an dem ich bei dir schlafe? Du weißt das und doch sagst du mir ich soll nach Hause. Warum?"

"Weil es mich verrückt macht!"

Ich zucke zusammen als er mit der Faust gegen das Lenkrad schlägt und das Auto einwenig nach links schwankt. Schnell hat er sich wieder im Griff und fährt geradeaus auf der Spur, aber es dauert nicht lange, da sucht er sich eine Bushaltestelle und parkt dort.

Für einen kurzen Augenblick fürchte ich er schmeißt mich aus dem Auto, denn er beugt sich zu mir rüber und löst den Gurt. Aber statt, wie in meinen Befürchtungen, die Tür auf meiner Seite zu öffnen, vergräbt er sein Gesicht an meiner Brust.

Viel zu überrascht von seiner plötzlichen Suche nach Nähe rühre ich mir erst einmal nicht. Ich starre seinen Hinterkopf an und ignoriere die Menschen draußen, die verwirrt durch die Fenster in das innere des Autos starren.

"In meinem Kopf schwirren Fragen herum wie 'Was wäre wenn das Auto nicht gebremst und ihn nicht nur leicht gestreift hätte?' Ja, was wäre dann, Jungkook? Was hätte ich tun sollen?"

Er schlingt die Arme um mich und ich spüre wie seine Tränen mein Shirt durchnässen, aber es macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil.

Ich sehe ihn nicht gerne weinen, auf keinen Fall, ich würde ihn viel lieber jede Sekunde seines Lebens Lachen sehen, aber so ist diese Welt nun mal nicht. Wir lachen genau so oft wie wir weinen und verzweifeln. Aber ich bin froh, das ich derjenige sein kann, der diese Tränen stoppt.

"Was hätte ich tun sollen, Tae? Hätte ich das Mädchen weiter laufen lassen sollen? Hätte es sie treffen sollen?"

Er schüttelt den Kopf und ich kann nicht anders als zu lächeln. Ich hebe meine Hand und streiche ihm über das weiche Haar, vergrabe sie darin und kraule seinen Kopf leicht.

"Es ist nichts passiert, siehst du? Ich bin hier. Ich bin bei dir."

Es gibt wohl keinen unpassenderen Moment als diesen hier, aber man kann sich Momente eben nicht kreiren. Die entstehen einfach und gerade kann ich nicht anders als das zu tun, was mir gerade in den Sinn kommt.

Ich nehme sein Gesicht in beide Hände und ziehe ihn zu mir nach oben, sodass er mir in die Augen sehen muss.

"Liebst du mich so sehr?"

Seine Augen sind gerötet, das ganze Gesicht ist Nass von all den Tränen und während ich sie mit meinen Händen wegwische, krallt er sich verzweifelt an meinen Armen fest.

"Musst du das noch fragen? Habe ich dir das nicht bereits so oft gesagt?"

Ich bemerke, dass er meinen Blick sucht, aber ich sehe mit einem Lächeln im Gesicht überall hin, nur nicht in seine Augen, denn jedes mal wenn Taehyung solche Sachen sagt, dann übernehmen meine Gefühle die Kontrolle über mein Handeln.

"Ich liebe dich Jungkook und ich habe solche Angst davor dich irgendwann zu verlieren."

Wenn man sich mit uns beiden nur kurz unterhält, dann denkt man sicher, dass ich der verletzte in dieser Beziehung bin, derjenige der Hilfe und Halt braucht, aber ich glaube Taehyung braucht Hilfe noch dringender als ich.

Ich habe eine Abneigung gegenüber Berührungen entwickelt, wegen allem was damals passiert ist. Ich habe den Betrug meiner Mutter auf diese Weise verarbeitet, aber Taehyung hat es gar nicht getan.

Er trägt den Schmerz über den Verlust seiner Schwester nach wie vor mit sich herum, er hat noch nicht damit abgeschlossen und er hat Angst erneut verlassen zu werden.

"Ich kann nicht sagen, was die Zukunft bringt. Ja, vielleicht sterbe ich vor dir, aber das können wir nicht wissen. Alles was ich dir sagen kann, alles was ich dir versprechen kann ist das ich mich auf die Gegenwart konzentrieren werde. Auf dich, auf deine Liebe."

Jetzt streiche ich ihm mit den Daumen über die Wange und sehe ihm in die Augen. Er hat aufgehört zu weinen und schluckt den Rest seiner Angst herunter, bevor auch er seine Hand in meinen Nacken legt und seine Stirn an meine lehnt.

Er hat es geschafft mich das schöne in etwas sehen zu lassen, wovon ich dachte das es nichts als Schmerz mit sich bringt. Das möchte ich auch für ihn tun.

Ich möchte ihm zeigen, dass der Tod nicht sein Feind ist und ich möchte ihm zeigen, dass er mir nicht nur die schönen Seiten an Berührungen gezeigt hat, sondern auch die schönen Seiten der ersten Liebe.








~~~~~
Das nächste und letzte Kapitel der Lesenacht wird ein Yoonmin special sein, weil ich das auch versprochen hatte 😁
Ich schreibe das für alle die, die Yoonmin nicht shippen, sodass sie sich das Kapitel nicht durchlesen müssen 😄

Bạn đang đọc truyện trên: AzTruyen.Top