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Jungkook Pov
Manchmal denke ich, dass die Menschen auf der Straße mir ansehen können, was in meinem Leben geschieht. Es kommt mir vor, als würden sie mich mit ihren Blicken durchlöchern und wollen, dass ich es ihnen selbst sage.
Aber dann sehe ich sie wieder genauer an und merke, dass sich diese ganzen Vorstellungen nur in meinem Kopf abspielen. Alles, was sie in mir sehen ist ein Fremder Mensch, nicht mehr. Ich bin es, der zu viel hinein interpretiert.
Wenn man gerade aus der Wohnung von jemandem kommt, mit dem man solche Dinge getan hat wie ich mit Tae, dann fällt es einem schwer so zu tun als wäre nichts gewesen.
Ich stelle mich vor die eben erst Rot gewordene Ampel und achte darauf, nicht mit der Menschenmenge in Berührung zu kommen, die gerade aus den Bussen ausgestiegen kommen.
Eine Berührung der Schultern oder ein kurzes streifen der Hände reichen aus um mich wie ein verrückter die nächste Toilette aufsuchen zu lassen.
Als Taehyung mir damals seine Hilfe angeboten hat, meinte er er würde mir helfen wieder Normal mit Menschen zu interagieren, ihre Hände schütteln zu können und ihnen einen Arm um die Schulter zu legen, aber es ist anders gekommen.
Ich ertrage es immer noch nicht berührt zu werden. Nicht wenn es jemand anderes ist als Taehyung.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite fällt mir ein junger Mann auf, der mit seinem Handy beschäftigt ist und kurz nach links und rechts guckt, bevor er sich wieder seinem Smartphone zuwendet und die Straße, trotz der roten Ampel, überquert.
Er könnte es schaffen sie zu überqueren, vor allem weil seine Schritte auch schnell sind, aber die Autos sind nicht so weit entfernt, dass es als vollkommen Gefahrlos gelten würde.
Ich selber verstehe solche Menschen nicht. Eine Ampel braucht nicht lange um grün zu werden. Klar, bei solchen Ampeln in der Innenstadt ist die für die Autos länger grün, als die für Fußgänger, aber man kann doch einige wenige Minuten seines Lebens opfern, wenn es für die Sicherheit ist.
Der Mann hat gerade etwas mehr als die Hälfte hinter sich, als noch jemand anderes einen Fuß auf sie Straße setzt.
Das Mädchen hat den jungen Mann die ganze Zeit über angestarrt und obwohl sie verwirrt über die Tatsache ausgesehen hat, dass er einfach bei rot über die Ampel geht, nimmt sie sich ihn leider als Vorbild und läuft ihm mit ihren kleinen, langsamen Schritten hinterher.
Die Menschen hinter ihr achten zuerst nicht auf sie, erst als sie bereits ein ganzes Stück auf der Straße ist rufen sie ihr irgendetwas zu, aber keiner von ihnen macht irgendwelche Anstalten um ihr zu helfen.
Auch ich rühre mich zuerst nicht. Alles was ich tun kann ist das kleine Mädchen mit dem sorglosen Lächeln im Gesicht anzustarren und an jemand spezielles zu denken, an jemanden bei dem der Gedanke mich beinahe zu Tränen rührt.
"Ich hätte es verhindern können."
Tae.
Dieses Mädchen erinnert mich an Taes Schwester. Es sind zwei unterschiedliche Situationen, immerhin saß Hana im Auto, das Mädchen hier läuft gerade vor eines, aber mir schießen trotzdem die Tränen in die Augen.
Meine Beine bewegen sich von alleine, als ich so schnell wie ich nur kann auf die Straße renne und dabei die ganzen Rufe ignoriere.
Es läuft alles ganz langsam ab. Meine Haare legen sich über meine Augen und versperren mir einen Teil der Sicht, aber ich sehe das kleine Mädchen trotzdem die ganze Zeit vor mir.
Ich sehe, wie sie verwirrt über mich stehen bleibt und sich nach hinten dreht. Das ist auch der Moment, an dem sie ihren Fehler bemerkt, das Auto das geradezu auf sie zu rast und dem sie trotz des lauten gehupes nicht ausweicht.
Meine Arme nach ihr ausgestreckt springe ich auf sie zu und kneife die Augen zusammen, bei dem schrecklichen Geräusch das die Reifen verursachen als der Fahrer abrupt bremst.
Ich bekomme sie gerade so zu fassen und schubse sie so fest ich kann zurück in die Richtung, aus der sie gekommen ist, bevor ich keine zwei Sekunden später nur noch spüre, wie ich mit dem Kopf auf dem Boden aufkomme.
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