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Taehyung Pov
Er hat seine Tasche bereits gepackt, noch bevor das Lied überhaupt fertig gesungen war.
Er strahlt immer so unglaublich wenn er singt, es lässt sich kaum beschreiben, weil ich noch nie etwas oder jemanden gesehen habe, der mich so in seinen Bann gezogen hat wie er.
Die Schüler hier gehen nur halbherzig an die Sache heran, es gibt einige die wirklich singen können, aber da ist nichts besonderes, nichts einzigartiges in ihrer Stimme.
Ich weiß zwar nicht wie er singt, aber alleine von der Art wie er vom unauffälligen und gelangweilten Schüler zu einem Sonnenschein wird reicht um mich wissen zu lassen, dass egal wie er singt, er mit seinem ganzen Herzen dabei ist.
Er fühlt die Musik.
Ich verabschiede mich schnell von Hoseok, der immer noch dabei ist sich mit einem anderen Schüler zu unterhalten und renne dem mittlerweile bereits aus dem Raum verschwundenen Jungkook hinterher.
Dabei ignoriere ich die offenen Schnürsenkel und meinen nur halb geschlossenen Rucksack aus dem die Mappen raus zu fallen drohen und quetsche mich zwischen den ganzen Schülern hindurch bis ich ihn erreicht habe.
Ich packe ihn am Arm um ihn zu mir zu drehen, aber meine Hände haben den Stoff seines Pullovers kaum berührt, da entreißt er ihn mir auch bereits und fährt wütend herum.
Die Falten auf seiner Stirn vertiefen sich und er reißt sich die Ohrhörer aus dem Ohr als er mich erkennt.
"Was willst du?", fragt er und bringt etwas Abstand zwischen uns, als wäre meine Nähe alleine etwas schreckliches.
Selbst wenn ich mit aller Mühe den genervten Ton in seiner Stimme überhören könnte, entgeht mir nicht das verschwundene Funkeln, das er noch vor wenigen Sekunden in seinen Augen gehabt hat.
"Du bist gestern ziemlich schnell verschwunden. Ist alles in Ordnung?"
Ich erinnere mich an die Worte des kleinen Mädchens, das ihre Eltern sie hätten abholen sollen, aber sie eine ganze Weile draußen auf sie gewartet hat. Sie haben ihr Kind vergessen, das ist doch nicht normal.
Sie muss alleine in den Bus gestiegen sein, denn ich kenne keine Schule in der nähe dieser berühmten Straße, niemand würde dort eine bauen.
Jungkook zuckt nur mit den Schultern. "Alles bestens."
"Sicher? Wie geht es deiner Schwester?", frage ich noch mal als er sich zum gehen umdreht.
Er wirkt nicht wütend, ganz im Gegenteil, viel mehr genervt und vielleicht auch gleichgültig, als wäre ich ihm eine Last.
"Was soll das werden?", fragt er und vergräbt seine Hände in den Hosentaschen?
"Wie meinst du das?"
"Ich meine, dass wir noch nie miteinander geredet haben und auch keinen Grund haben das zu ändern. Ich bin dir dankbar für deine Hilfe, aber du brauchst dich nicht dazu verpflichtet fühlen mit mir zu sprechen oder mich nach meinem Wohlergehen zu fragen."
Vollkommen perplex starre ich ihn an und versuche zu verstehen, was ich gesagt oder getan habe um eine derartige Abfuhr zu bekommen.
Ich habe nach seiner Schwester gefragt, ob es ihr gut geht und was tut er? Er sagt mir mit anderen Worten, das er eigentlich keinen Bock darauf hat mit mir zu sprechen und das ich ihn in ruhe lassen soll.
"Wieso glaubst du ich fühle mich verpflichtet?", frage ich, um auf den anderen Teil seiner Worte einzugehen und den Rest, der mich stärker getroffen hat als er eigentlich sollte, zu vergessen.
"Tust du das nicht?" Er zieht verwirrt eine Augenbraue hoch, als wäre das ganze eine Berechnung gewesen, die sich gerade als falsch heraus gestellt hat.
"Nein. Warum sollte ich? Du bist kein Kind mehr. Alles was ich wollte war mit dir zu reden, das tun Menschen manchmal, sie kommunizieren um einander kennen zu lernen."
Verdammt. Das war wohl zu Sarkastisch. Ausnahmsweise sind es mal nicht die anderen die mich verschrecken, sondern ich der jemand anderes dazu bringt das weite suchen zu wollen.
"Kein Interesse."
"Was?"
"Ich habe gesagt, dass ich kein Interesse habe. Kommunikation liegt mir nicht."
Ich lache kurz auf und sehe ihn mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
"Und wie nennst du das was wir gerade betreiben?"
Er zuckt erneut mit den Schultern und streicht sich das Haar aus dem Gesicht.
"Nenne es wie du willst, aber ich habe kein Interesse daran, was auch immer das ist."
Er wirft sich den Rucksack über die Schulter und dreht sich um, dieses mal möchte er wirklich verschwinden, aber ich kann ihn nicht einfach gehen lassen, vor allem weil ich nicht verstehe was hier gerade vor sich geht.
Bin nicht normalerweise ich derjenige, der anderen eine Abfuhr erteilt und ihnen den Rücken zuwendet? Das hier ist mir noch nie passiert.
Ich packe ihn am Handgelenk, reisse ihn zurück zu mir nach hinten und dränge ihn gegen die Wand damit er keine Chance mehr hat einen erneuten Versuch zu starten um vor mir davon zu rennen.
Seine Augen sind weit aufgerissen vor Überraschung und er starrt sein Handgelenk, um das meine Finger gerade gelegen haben an, als würde da irgendetwas dran haften, irgendetwas das er schnell wieder loswerden muss.
"Ist das die Art wie du dich bei anderen bedankst?", frage ich und bringe mein Gesicht seinem näher.
"Lass mich gehen."
"Ich habe dir eine Frage gestellt."
Nervös streckt er die Arme aus um mich von sich zu schubsen, aber seine Hände bleiben kurz vor meiner Brust schweben.
Er sieht aus, als würde er darüber nachdenken, als würde er versuchen sich zu zwingen, aber letztendlich lässt er sie doch wieder neben seinen Körper fallen.
"Was willst du von mir?", fragt er und sieht mir in die Augen, aber ich merke an der Art wie er sich so klein wie möglich macht und sich ständig über die Stelle an der ich ihn abgefasst habe über die Haut reibt, dass ihm das mehr als nur unangenehm ist.
Er hasst es und es macht ihn verrückt.
"Verrat es mir", sage ich und komme seinen Lippen dabei so nahe, dass ich mir einbilden bereits zu wissen, wie sie sich auf meinen anfühlen würden.
"Was?" Er zittert und ich erkenne wie sich Tränen in seinen Augen bilden, aber das treibt mich nur noch mehr an.
Ich habe bereits im Polizeirevier bemerkt, dass da irgendetwas an ihm ist, irgendetwas was die anderen nicht haben, sei es ein Tick oder eine Angewohnheit und als er die Hand des Polizisten angesehen hat wie etwas, was er nicht mal ergreifen würde wenn sie ihm das Leben retten würde, da kam mir ein Verdacht.
"Erzähl mir von deinem Geheimnis, Jungkook."
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