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Taehyung Pov

Ich befreie den Lolli aus seiner Verpackung und reiche ihn dem kleinen Mädchen, das glücklich über das Geschenk der Beamten in die Hände klatscht. 

Obwohl das Revier doch ziemlich trostlos und traurig für ein Kind wirken muss, macht sie das beste daraus und die anfängliche Trauer darüber, dass ihre Eltern sie nicht abgeholt haben ist wie weg geblasen.

Wenn es stimmt, was das Mädchen mir und den Polizisten gesagt hat, dann möchte ich mir nicht vorstellen wie verantwortungslos diese Eltern auch in anderen Bereichen der Erziehung sind.

Man kann doch nicht sein eigenes Kind vergessen von der Schule ab zu holen, ganze zwei Stunden hat sie davor gestanden bis sie sich einfach alleine auf den Weg gemacht hat.

Was ich über sie weiß ist, dass sie 6 Jahre alt ist, das ist allerdings auch schon alles, denn die Worte ihres Bruders, sie soll nicht mit Fremden reden, scheint sie auch auf die Polizisten anzuwenden.

Ein braves Mädchen, das den Rat befolgt und ich bin froh, dass nicht dieser ekelhafte Mann von vorhin sie angesprochen hat.

Plötzlich wird die Tür aufgerissen und ein schwer atmender Junge bleibt im Türrahmen stehen während er sich im Raum umsieht.

Das Mädchen springt sofort auf, lässt ihren Lolli vollkommen gleichgültig auf den Boden fallen und läuft direkt auf den Jungen zu, der seine Arme ausbreitet und sie um das Mädchen schlingt, als es sich lachend hinein wirft.

"Jungjung", sagt sie glücklich und lacht als er sie hoch hebt. 

Seine Stirn ist vor Sorge in Falten gelegt und er schließt die Augen erleichtert während er sie eine ganze Weile nur an sich drückt und den Rest von uns ignoriert.

Ich stehe auf und hebe den Lolli auf dem Boden auf. Die Beamten nicken dankend als ich ihn in die Mülltonne neben dem Schreibtisch fallen lasse.

Keiner mischt sich in das Treffen der beiden ein, bis der Junge das Mädchen wieder runter lässt und ihr sagt sie soll sich kurz hin setzen während er mit den Beamten spricht.

Sie nickt und als sie wieder zu mir kommt, hat ein lächeln ihr Gesicht in Beschlag genommen.

Ich selber habe keine Geschwister, deswegen ist es umso schöner für mich zu beobachten, wie sehr die beiden sich lieben.

"Was ist passiert?", fragt er Junge und streicht sich nervös die braunen Haare aus dem Gesicht.

Schweißperlen haben sich auf seiner Stirn gebildet und erst jetzt merkt man ihm an wie erschöpft er ist als er die Hände in den Hüften abstützt.

"Das würden wir Sie gerne fragen. Sie sind nicht der Vater, nehme ich an?"

Ich starre den Rücken des Jungen an, den breiten, aber nicht zu breiten Rücken unter dem Hemd. Aber was meinen Blick vor allem anzieht, ist diese enge, schwarze Hose.

Wann habe ich zuletzt jemanden gesehen, dem enge Hosen so gut standen wie diesem Jungen?

"Ich bin der Bruder. Mein Name ist Jeon Jungkook."

"Können Sie sich ausweisen?"

Jungkook nickt und als er sich kurz umdreht um seiner Schwester ein beruhigendes Lächeln zu schenken, wandert sein Blick auch kurz zu mir und da schießt es mir wie ein Blitz durch den Kopf.

Während er den Ausweis aus seinem Rucksack kramt, starre ich weiter auf seinen Hinterkopf und frage mich, wie mir das nicht direkt hatte auffallen können, als er durch die Tür trat.

Vielleicht lag es daran, dass seine Haare seine Augen bedeckten und ich das glänzen darin nicht erkennen konnte, dass er auch immer hat wenn wir im Chor gemeinsam singen.

Jeon Jungkook, bis heute kannte ich seinen Namen nicht, ich kannte nur die linke Seite seines Gesichtes, die ich zu sehen bekam, wenn ich ihn während des Chors in der schule anstarrte, weil er meinen Blick wie magisch anzog.

Es waren immer Stühle im Musikraum für uns aufgestellt und wir wurden in Srimmenlagen Unterteilt.

Ich bekam einen Fensterplatz als Bass, während er sich immer in die hintersten Reihe des Tenors verzog, als wollte er jeglichen Kontakt zu den anderen Sängern im Chor meiden.

Anfangs dachte ich, er sei nur dort, weil es gute Noten gab wenn man nur jedes mal Anwesend war, aber ich habe gemerkt wie glücklich er war wenn wir gesungen haben, selbst wenn die Lieder noch so langweilig und altmodisch waren.

Wir haben nie ein Wort miteinander gewechselt, er war immer der letzte der kam und der erste der ging und trotzdem habe ich das Gefühl, als wäre das hier ein Wiedersehen zwischen uns beiden.

"Wir schicken Ihnen eine Vorladung per Post, wir würden gerne mit den Eltern sprechen, aber vorerst können Sie gehen."

Ich sehe wieder auf, als der Polizist hinter seinem Tresen hervor tritt und Jungkook die Hand zum Abschied reicht.

Eine Weile schwebt sie nur in der Luft und er sieht sie an, als würde er darüber nachdenken wie er diesem Handschlag am besten aus dem Weg geht.

Dann verbeugt er sich tief und flüstert ein leises "dankeschön", bevor er den Stift, mit dem er die Nummer seiner Eltern notiert hat, zurücklegt und den Polizisten verdutzt zurücklässt als er sich zu uns dreht.

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