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Jungkook Pov
Das kalte Wasser brennt auf meiner Haut und obwohl der Schmerz sich ins unermessliche zieht, höre ich nicht auf weiter Seife auf der Stelle zu verteilen, an der er mich berührt hat und mit meinen Nägeln immer wieder drüber zu fahren, weil ich nichts dabei habe womit ich es sonst sauber waschen könnte.
Die Schüler, die aus dem Raum stürmten waren meine Rettung, ohne sie hätte Taehyung mich vielleicht noch woanders berührt und ich weiß nicht, wie ich es mit dem Gedanken an seine Hände überall auf meinem Körper ausgehalten hätte, bis ich zu Hause angekommen wäre.
Als ich das Wasser ausschalte, lasse ich meinen Arm noch weiter über dem Waschbecken schweben und beobachte das Blut, das aus den ganzen Kratzwunden fließt, die ich mir selber zugefügt habe.
Ich weiß, dass das nicht normal ist.
Ich weiß, dass man Leute wie mich auch Krank nennt, aber ich habe mich mit meiner Situation abgefunden.
Die Jahre habe ich gelernt, wie ich den Berührungen anderer aus dem Weg gehe, wie ich mein Leben fortführe ohne das meine Angst von irgendjemandem bemerkt wird.
Niemand weiß hiervon und ich habe auch nicht vor es irgendjemandem zu erzählen. Erst recht nicht Taehyung.
Ich presse die rauen Papiertücher dieser erbärmlichen Schule auf die Wunden und wische das Blut ab bevor ich das Desinfektionsmittel aus meinem Rucksack krame und ohne zu zögern auf den offenen Wunden verteile.
An das brennen gewöhnt man sich nach all der Zeit. Das heißt nicht, dass ich den Schmerz nicht trotzdem spüre, aber er ist nebensächlich. Das was für mich zählt, ist die Erleichterung, die mich durchflutet wenn ich wieder das Gefühl von Sauberkeit verspüre.
Da bin ich auch bereit Verletzungen in Kauf zu nehmen.
"Er ist krank!"
"Sei leise, er hört dich sonst noch."
"Was sollen wir mit ihm tun? Dieses Kind fügt sich selber Schaden zu, das ist nicht normal. Was haben wir falsch gemacht, wo haben wir versagt?"
"Glaubst du wirklich es geht bei ihm darum sich selber zu verletzen?"
Das tut es nicht. Aber sie müssen das nicht verstehen. Niemand muss das und es ist mir lieber, wenn sie weiter machen und so tun als hätten sie es nicht bemerkt. Ich hasse Fragen.
Seufzend schiebe ich den Ärmel wieder nach unten und verdecke die immer noch offenen Wunden bevor ich mir meinen Rucksack schnappe und das Jungen Klo verlasse.
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Ich habe recht früh gelernt, wie man den Annäherungsversuchen anderer am besten aus dem Weg kennt.
Wenn man dauernd mit Ohrhörern und lauter Musik durch die Flure der Schule läuft, ist das schon die erste Abschreckung für die Leute.
Erstens, weil sie sich dann mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht trauen werden dich anzusprechen und zweitens, weil sie es nicht wollen werden, weil sie finden deine viel zu lauten Musik ist mehr als nur nervig.
Es hat eine Weile gedauert bis die meisten es verstanden haben, aber ich werde von niemandem mehr abgesprochen. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, das ich gemieden werde.
Ich zucke vor schreck zusammen, als jemand wie ein Blitz an mir vorbei läuft und mir den MP3-Player aus der Hand schlägt.
Das Gerät landet, samt den Ohrhörern auf dem Boden und das Geräusch, das es dabei macht bricht mir fast das Herz. Es hat mich mein Taschengeld von 4 Monaten gekostet mir diesen anzuschaffen, es ist das wertvollste was ich besitze.
Fassungslos hebe ich den Blick und sehe Min Yoongi amüsiert lachen. Wenn er hier ist, dann kann der andere nicht weit sein...
"Hey, Jeon!", ruft er, als hätte er meine Gedanken gelesen.
Verwirrt schaue ich mich im Flur um, aber zwischen all den Gaffern erkenne ich nirgendwo den Schwarzen Haarschopf von Park Jimin.
"Hier oben!"
Vielleicht hätte ich mir in diesem Moment denken können, dass es bei einem solchen Ausruf nicht das schlauste ist ihm zu folgen, aber das brennen, das ich an den Stellen an meiner Hand verspüre wo Yoongi mich berührt hat als er mir den Player aus der Hand geschlagen hat ist viel zu schlimm als das ich mich auf etwas anderes konzentrieren könnte.
Ich hebe den Blick und sehe gerade noch das breite Grinsen von Jimin, welcher sich im zweiten Stockwerk direkt über mir an das Geländer gelehnt hat bevor er den Becher Joghurt umdreht und sein ganzer Inhalt mitten in meinem Gesicht landet.
Es ist schwer zu sagen, was mir in diesem Moment zuerst durch den Kopf geht oder was ich zuerst wahrnehme.
Zum einen wäre da das laute Gelächter von jedem einzelnen der mitbekommen hat was soeben passiert ist, aber Jimins lache ist trotz der weiten Entfernung die lauteste.
Dann wäre da noch der kalte Pudding, der an mir herunter fließt und auf dem Player, der auf dem Boden liegt, landet.
Sofort hebe ich ihn auf und wische mit meinem T-Shirt über das verschmierte Display, in der Hoffnung, ich kann ihn noch retten wenn ich schnell genug reagiere.
Ich habe keine Lust mich mit Jimin oder Yoongi zu streiten, ich laufe an letzterem vorbei ohne auf sein ausgestrecktes Bein zu achten, das er mir extra in den Weg gelegt hat damit ich drüber stolpere und laufe in das nächste Klo das sich auf diesem Gang befindet.
Die Leute sehen mich an wie jemand der verrückt geworden ist und obwohl ich ihre abschätzigen blicke gewöhnt bin, ertrage ich sie gerade nicht.
Nicht jetzt wo mir mein Zustand so klar anzusehen ist.
Auf dem Klo angekommen schmeiße ich meinen Rucksack sofort auf den Boden, selbst das Geräusch des Players als es erneut auf dem harten Boden landet ändert nichts an meinem dringende Bedürfnis mir sofort die Hände zu waschen.
Ich drehe den Wasserhahn auf und zische laut auf, als ich merke, dass ich das heiße statt dem kalten Wasser aufgedreht habe, aber ich kann nicht anders.
Ich muss meine Hände waschen.
Das heiße Wasser trifft auf meine Haut und entlockt mir einen kurzen Schrei, aber auch wenn der Schmerz unerträglich ist und mir die Tränen in die Augen treibt, ignoriere ich ihn, weil ich dieses Gefühl nicht länger ertrage.
Dieses schmutzige Gefühl auf meinen Händen von jemandem berührt worden zu sein.
Ich ertrage es nicht mal mehr lange genug um das heiße Wasser abzustellen und das kalte aufzudrehen. Es ist ein unterträgliche Schmerz der mit keinem körperlichen zu vergleichen ist.
Das hier, das dampfend heiße Wasser auf meiner Haut ist für mich besser zu ertragen als die leichteste Berührung eines Menschen.
"Du hast da noch was", ertönt eine Stimme plötzlich hinter mir und erschrocken schaue ich in den Spiegel vor mir.
Da steht er, die Arme vor der Brust verschränkt starrt er mich mit zusammengezogen Augenbrauen an und spricht ganz eindeutig vom Joghurt.
"Hau ab."
Obwohl ich meine Hände für meinen Geschmack noch nicht lange genug gewaschen habe und vor allem noch nicht mit Seife, versuche ich so zu tun als würde es mir gut gehen, dabei brennt meine Haut nach wie vor und es juckt mich gerade zu in den Fingerspitzen meine Hände wieder unter den heißen strahl zu halten.
"Ist der Joghurt auch auf deine Hände gekommen?", fragt er und stößt sich von der Tür ab an die er bis eben gelehnt war. Wann ist er überhaupt hier herein gekommen? Und hat er das mit Jimin, Yoongi und mir auf dem Flur beobachtet?
"Sag es mir, Jungkook."
Es ist der gleiche Tonfall wie gestern, die gleiche tiefe, weiche Stimme und die gleiche Art die mich genau so wütend macht wie gestern.
"Was? Was willst du von mir hören?", fahre ich ihn an und stütze mich mit den Händen am Waschbecken Rand ab.
Mittlerweile steht er hinter mir und sieht mir im Spiegel direkt in die Augen.
"Zeig mir, wie sehr du es hasst berührt zu werden."
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