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Jungkook Pov
"6...7...8...9..."
Mit jeder Zahl, die sie aussprach, wuchs in mir die Angst keinen geeigneten Platz zum verstecken zu finden bevor sie fertig ist.
Wir haben uns auf 30 geeignet, mir bleiben also noch kaum zwanzig Sekunden bis sie fertig ist und alle anderen haben bereits ein Versteck.
Es gibt keine Tabus, jeder Raum darf benutzt werden und wir dürfen in jede Ritze kriechen, in die wir passen. Für mich ist das ein Vorteil. Obwohl ich bereits neun Jahre alt bin, bin ich kleiner als die anderen jungen in meinem Alter.
Häufig kriege ich deswegen irgendwelche Sprüche an den Kopf geworfen, aber es ist nicht wirklich schlimm. Ich weiß, dass es Witze sind und das sagen sie mir häufig auch. Bis jetzt kam auch nichts verletzendes.
Meine Größe ist für mich kein Problem, vor allem nicht in solchen Situationen, wo ich den anderen gegenüber klar im Vorteil bin.
"12...13..."
Ich stolpere die Treppen hoch und lasse meinen Blick durch die breiten Flure unseres neuen Hauses wandern. Es ist erst zwei Monate her, seit wir hierher gezogen sind, aber ich fühle mich jetzt schon wohl.
Häufig sind die Zimmer abgeschlossen wenn die Kinder von den Nachbarn, wie jetzt gerade, zu Besuch sind, damit wir keinen Unsinn anstellen, aber mir fällt sofort eine Tür am Ende des Fluges auf, die einen Spaltbreit offen ist, als würde sie mich zu sich locken wollen.
Fast schreie ich auf vor Freude, beherrsche mich aber im letzten Moment und tapse so leise wie möglich auf dem Teppichboden zur Tür.
"16...17..."
Meine Schritte werden auf den letzten Metern schneller, die Aufregung wächst, denn ich möchte auf keinen Fall verlieren, nicht wenn ich vorher jede Runde gewonnen habe.
Mit einem breiten grinsen im Gesicht umklammere ich den Türgriff, als ich von innen leises Gemurmel höre.
Ich bleibe mitten in der Bewegung stehen und spüre förmlich wie meine Ohren sich Spitzen, während es im ganzen Haus leiser zu werden scheint und das Gemurmel lauter.
"Das wird nicht passieren", sagt eine tiefe, mir vollkommen unbekannte Stimme und während sie spricht, öffne ich die Tür ein Stück weiter und strecke den Kopf so hindurch, dass ich etwas sehen kann, aber nicht gesehen werde.
"Du solltest nichts versprechen, was du nicht einhalten kannst."
Diese Stimme hätte ich auch erkannt, wenn ich nicht den Rücken meiner Mutter gesehen hätte der mir zugewandt ist.
Sie steht am großen Fenster und hat die Gardinen zur Seite geschoben um den Garten zu betrachten, den sie vor unserem Einzug mit viel Mühe schön hergerichtet hat. Neben ihr steht ein Mann. Auf den ersten Blick könnte man denken, dass es Papa wäre, aber dafür ist er zu groß und sein Haar zu kurz.
Ich quetsche mich möglichst Geräuschlos durch den winzigen Spalt der Tür und schleiche mich auf Zehenspitzen zu dem großen Bett, welches direkt gegenüber von dem Fenster steht.
Schnell, bevor sie sich umdrehen und mich sehen können, krieche ich drunter und verstecke mich im Schutz der Dunkelheit. Jetzt würden sie mich nur entdecken können wenn sie auch wirklich nach mir suchen.
"Ich kann dir keine Versprechungen für die Zukunft machen", sagt der Mann und dreht sich zu meiner Mutter. Spätestens jetzt habe ich Gewissheit darüber, dass das hier definitiv nicht mein Vater ist.
Er sieht ihm in keinster Weise ähnlich, er spricht nicht einmal wie er.
"Das beruhigt mich natürlich." Ihr schwaches lachen erfüllt den ganzen Raum und erreicht selbst mich unter ihrem Bett.
Es bringt mich zum Lächeln, weil ich die seltenen Momente, in denen sie lacht genieße.
Ich liebe meine Eltern beide, sowohl meinen Vater als auch meine Mutter, aber meine Mutter ist für mich eine Person, die ich mit Stolz mein Vorbild nennen kann. Sie gibt mir all ihre Liebe und ich spüre das.
Aber mein Lächeln erlöscht schlagartig, als der Fremde Mann ihr eine Hand auf die Wange legt und ihr Gesicht zu sich zieht. Das alles geschieht in kurzer Zeit, wenn ich einmal gezwinkert hätte, wäre ich wohl nicht hinterher gekommen, aber ich sehe es deutlich.
Selbst aus diesem Blickwinkel sehe ich die Art wie die beiden sich ansehen nur kurz bevor ihre Lippen sich berühren. Es ist Anfangs nichts als ein kleiner Schmatzer und trotzdem macht mich der Anblick fertig.
Was tun die beiden da? Das ist nicht mein Vater, wieso tut sie das mit diesem Mann?
Irgendwann dreht sie sich ganz zu ihm, lässt sich immer mehr auf den Kuss ein und seine Hände wandern ihren ganzen Körper entlang.
Ich presse die Lippen aufeinander um ja keinen Laut von mir zu geben und lege mir die Hände auf die Ohren, weil ich die Geräusche, die sie machen nicht ertrage.
Nein!
Das hier ist meine Mutter und das zu sehen, zu wissen das sie das mit jemand anderem tut als meinem Vater macht mich fertig.
Nein. Nein. Ich möchte das nicht sehen.
So fest ich kann presse ich die Augen zu, aber es bringt nichts. Selbst wenn ich diesen Moment ignorieren könnte, ich kann nicht das Bett ignorieren, das sich unter ihrem Gewicht senkt als sie sich darauf fallen lassen und ich komme nicht umher mir vorzustellen, wie seine Hände über ihren Körper wandern.
Ich will das nicht.
Sie sollte das nicht tun. Er sollte das nicht tun.
Er soll aufhören sie anzufassen und sie sollte ihn von sich schubsen.
Wieso lässt sie ihn das machen? Wieso lässt sie seine Berührungen zu?
Ich presse meine Hände noch fester auf meine Ohren, aber ich höre sie trotzdem. Ich höre alles was sie tun, während sie sich ihrer Klamotten entledigen und ich sehe es ständig vor mir, die Bilder von ihm und meiner Mutter wie sie sich gegenseitig berühren als wäre es nichts verwerfliches, als stecke kein Betrug dahinter.
Und ich komme nicht umhin zu bemerken, wie eklig ich das finde. Nicht nur die Tatsache, dass es meine Mutter ist, sondern auch die Tatsache, dass sie mit denselben Händen, mit denen sie gerade diesen Mann berührt auf jeden Tag mich anfässt.
Zum aller ersten Mal in meinem Leben bringt mich der Gedanke von ihr berührt zu werden zum weinen.
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Ziemlich spät, aber ich wollte heute trotzdem noch was hochladen 😄
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