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Jungkook Pov

Ich stelle meinen Rucksack direkt neben die Heizung in Taehyungs Zimmer bevor ich mich zu ihm umdrehe.

Mittlerweile sollte ich mich eigentlich an die Treffen mit ihm gewöhnt haben, oder nicht? Ich habe das Gefühl, als würde ich sein Zimmer besser als mein eigenes kennen und um ehrlich zu sein fühle ich mich hier auch wohler als bei mir zu Hause.

Das liegt nicht daran, dass er ein Haus besitzt und sein Zimmer damit größer ist als mein kleines in unserer Wohnung, sondern daran, dass man merkt das er sich hier geborgen fühlt.

An den Wänden hängen Bilder, Medaillen und Urkunden. Filme schmücken dir Regale und Kleinigkeiten geben Hinweise auf seine Hobbies.

Mein Zimmer besitzt nichts von all den Sachen. Es hat ein Bett, einen Schrank und einen Schreibtisch, alles was man zum Leben braucht, aber eben auch nicht mehr. 

"Ich würde gerne duschen gehen", sage ich und lecke mir das Regenwasser von den Lippen.

Es ist alles so komisch. Wie oft bin ich bereits hier gewesen? Aber ich habe mich noch nie so merkwürdig gefühlt, noch nie so... so aufgeregt.

"Ich leihe dir ein paar von meinen Klamotten, deine sind sicher Nass vom Regen."

Unsere Blicke wandern zu dem Rucksack neben der Heizung, bevor er sich davon löst und zu dem riesigen Schrank geht.

Taehyungs Klamotten. Ich denke wir sollten in etwa die gleiche Größe haben, ich könnte spontan nicht sagen wer von uns beiden der größere ist, also sollte das in Ordnung sein. Morgen würde ich sie mitnehmen und waschen bevor ich sie ihm zurückgebe.

"Jungkook." Ich hebe den Kopf und sehe, dass Taehyung kurz vor dem Schrank stehen geblieben ist und ihn nicht mal geöffnet hat. "Wie fühlst du dich?"

Verwirrt sehe ich ihn an und versuche aus seinem Gesicht heraus zu lesen, was diese plötzliche und so ernst gestellte Frage soll, aber er sieht mich nur neugierig mit gerunzelter Stirn an.

Ich zucke mit den Schultern und kratze mich verlegen am Hals. "Ganz okay, denke ich."

Wie soll es mir auch schon gehen? Der Tag war ein gesamtes durcheinander und eigentlich freue ich mich schon darauf nach der Dusche einen Film vor dem Fernseher mit ihm zu gucken.

"Obwohl du mich berührt hast?"

Zuerst verstehe ich nicht ganz, worauf er hinaus will und ich erkenne den Zusammenhang zwischen meiner Antwort und der erneuten Frage nicht. Dann macht es klick. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen und meine Hände fangen an zu zittern.

Wie kann es sein, das er es gemerkt und ich es vollkommen vergessen habe? Nein. Ich habe es nicht vergessen, sowas kann man nicht vergessen wie während des einkaufens die Butter.

Es ist einfach nicht aufgetaucht. Weder dieses Brennen, noch das kratzen oder die Schmerzen in meinem Bauch bei dem Kontakt mit ihm. Ich hatte zwar das Verlangen zu duschen, aber es war nicht zwanghaft.

Verständnislos schüttle ich den Kopf und suche nach einem Grund für das ganze, nach einer plausiblen Erklärung, aber da ist keine.

Ich habe Taehyung von mir aus angefasst und es hat mich nicht gestört.

"Darf ich was ausprobieren, Jungkook?", fragt er, kommt aber näher ohne meine Antwort überhaupt abzuwarten.

Es wäre dumm ihn zu fragen, was er damit meint, denn es steht ihm praktisch quer übers Gesicht geschrieben während er sich mir bedrohlich wie ein Raubtier nähert.

Die letzten Wochen habe ich viel über Taehyung erfahren und verschiedene Seiten von ihm kennen gelernt, aber diese habe ich noch nie gesehen. Es ist unglaublich, wie die Augen eines Menschen so viel über jemanden verraten können.

Direkt vor mir bleibt er stehen, das Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt und zum aller ersten Mal habe ich einen so genauen Blick darauf.

Es ist faszinierend, wie viel neues man in etwas so bekanntem entdecken kann, die Kleinigkeiten, die einem vorher nicht aufgefallen sind, erscheinen einem jetzt viel offensichtlicher als all die anderen Sachen.

"Du musst es mir erlauben", sagt er und lässt mich bei dem Gefühl seines heißen Atems auf meinen Lippen erschaudern.

Er riecht so gut, hat er das immer schon getan? Ich habe immer sein Shampoo vernommen, aber gerade dringt mir ein süßer Duft in die Nase, von dem ich gar nicht genug bekommen kann.

Seine Augen lassen meine nicht los und er zieht die Augenbrauen hoch, während er auf eine Antwort wartet und ich mit aller Mühe versuche mich auf die Frage zu konzentrieren.

"Was muss ich dir erlauben?" Im Gegensatz zu seiner festen und sicheren Stimme klingt meine wie ein kleines Motorboot im Vergleich zu einem Kreuzfahrtschiff. Seine Nähe bringt mich durcheinander. Es ist so verwirrend.

"Ich habe dich bereits ein Mal berührt, ohne das du es wolltest und ich habe dir versprochen es nicht noch mal zu tun, es sei denn du gibst mir die Erlaubnis." Er kommt mir, ohne mich zu berühren, noch näher, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten  habe, bis unsere Nasenspitze sich beinahe berühren. "Lass mich dich anfassen."

Mit großen Augen erwidere ich seinen Blick.

Was ist das? Ich habe so einige Bücher gelesen und in keinen von ihnen stand, dass jemand so gucken könnte, so unkontrolliert und kontrolliert zu gleich. Wie eine Bestie, der man das Fleisch direkt vor die Nase gepackt hat, aber die sich zu beherrschen versucht.

"Tae...-"

"Wovor hast du angst?"

Er unterbricht mich mit der Frage, als hätte er meine Gedanken gelesen und sofort gewusst was ich sagen wollte. So ist es immer mit Tae, er kennt meine Gedanken, er kennt meine Gefühle ohne das ich sie ausspreche.

Obwohl mich seine Nähe nervös macht, hebe ich den Blick um ihm direkt in die Augen zu sehen.

"Wenn du mich anfässt... Ich habe angst davor das du aufhörst und es mir fehlen wird."

Ich dachte, diese Worte würden mir nur schwer über die Lippen kommen, aber das genaue Gegenteil war der Fall. Die Wahrheit zu sagen war ungewohnt und erleichternd zugleich.

Es ist komisch. Vor nur wenigen Wochen hätte ich mich alleine bei dem Gedanken von jemandem berührt zu werden sofort gewaschen. Aber seit vorhin, seit ich ohne nachzudenken meine Arme von hinten um ihn geschlungen und zum ersten Mal seit acht Jahren die Wärme von jemand anderem als mir gespürt habe, da möchte ich mehr.

Ich finde es immer noch komisch berührt zu werden und es kribbelt auf meiner Haut bei diesem Gedanken, aber gerade ist das Verlangen danach größer als meine Angst.

"Ich könnte nicht aufhören, selbst wenn ich wollte." Ein lächeln bildet sich auf seinem Gesicht und erreicht jetzt auch seine Augen. "Sag es mir, Jungkook. Wo soll ich dich als erstes anfassen?"

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