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Taehyung Pov
"Wie kommt es, dass du an diesem Tag doch mit mir sprichst? Ich habe mich bereits darauf eingestellt den ganzen Tag so zu tun, als würden wir uns nicht kennen und du tauchst einfach hier auf."
Hoseok wirkt zurückhaltend, während er die eben von ihm gewaschenen Gläser trocknet. Es ist noch recht früh, weswegen sich noch nicht viele Gäste blicken lassen, aber in der Nacht geht es hier richtig ab. Dann packt Hoseok auch den Lappen und die Cocktails beiseite um den Frauen halbnackt zu präsentieren was er alles zu bieten hat und zugegeben, das ist eine ganze Menge.
Ich weiß nicht wie Hoseok zwischen der Schulzeit und seinem Doppel-Job hier überhaupt Zeit findet sich diesen Körper anzutrainieren, aber er tut es und er ist sehr erfolgreich damit. Die Frauen liegen ihm nur so zu Füßen.
"Ich dachte mir, einbisschen Ablenkung könnte nicht schaden bevor es losgeht."
Hoseok nickt etwas unzufrieden, aber er hält die Klappe, weil er weiß das ich nicht gut darauf reagieren würde, wenn er versucht mit mir über meine Gefühle zu sprechen.
Ich bin nun mal kein Mensch, der gerne über sich selber spricht oder die Sachen, die ihn belasten. Ich werde lieber selber damit fertig, statt anderen meine Schwächen zu offenbaren.
"Hobi", ruft eine hohe Stimme hinter mir meinen besten Freund und auch ohne mich umzudrehen, weiß ich sofort zu wem sie gehört.
Sie läuft um den Tresen herum und schlingt die Arme um den Hals des älteren bevor sie ihre Lippen auf seine legt. Hoseok lässt sich sofort und ohne zu zögern auf den leidenschaftlichen Kuss ein, legt den Lappen und das Glas beiseite und vergräbt seine Hände in ihren Haaren.
"Könnt ihr das lassen? Bitte?", frage ich und trinke den Cocktail, den Hoseok mir zuvor serviert hat mit einem Zug leer, in der Hoffnung ich könnte dieses Bild, das mir soeben präsentiert wurde vergessen.
Minhee lacht als sie sich von Hoseok löst und streckt mir die Zunge entgegen. Es ist schön sie nach einer so langen Zeit zu sehen und an die Tatsache, dass sie fast jedes mal wenn wir uns treffen halb Nackt ist, habe ich mich auch gewöhnt.
Sie ist seit einem halben Jahr die Freundin von Hoseok, man könnte meinen die beiden sind füreinander geschaffen worden.
Damals lebte sie auf der Straße, hatte manchmal tagelang nichts zu essen, bis Hoseok ihr hier einen Job in der Bar anbot, als Stripperin.
Gut, die romantischste Geschichte ist das nicht, aber die beiden haben sich nun mal verliebt und ich könnte mir niemand besseren für ihn vorstellen. Das wichtigste daran ist aber: Ich mag sie.
Sie ist keines der Mädchen, das sich jedem Mann an den Hals wirft, ganz im Gegenteil. Obwohl viele Menschen ihr aufgrund ihres Berufes mit Vorurteilen begegnen, ist sie sehr verschlossen Männern gegenüber, Hoseok hat also eine gute Wahl getroffen.
Mit der Tatsache, dass sie hier halb Nackt für andere Männer tanzt hat er sich auch abgefunden, er tut immerhin das gleiche und so lange er weiß, dass sie nur ihm gehört und sie mit niemand anderem schläft, akzeptiert er das. Er hat ihr immerhin diesen Job besorgt.
Sie ist ein aufgedrehtes und liebenswürdiges Mädchen, das einem nur mit ihrem erscheinen gute Laune bereitet, aber in ihr steckt ein Teufel, denn sie hat gerne die Kontrolle über andere und quält sie gefühlsmäßig auch gerne.
"Gut das du hier bist", sagt sie und schiebt mir einen Papierfetzen über den Tresen auf dem ich sofort eine Nummer erkenne. "Den hat ein Mädchen mir zugeschoben. Sie sagte, du sollst sie anrufen wenn du mal nichts zu tun hast."
Normalerweise gibt man seine Nummer doch dem Typen direkt mit dem man was anfangen möchte, oder aber Hoseok besorgt sie mir, aber es ist das erste mal das ich eine Nummer über sie bekomme.
"Minhee, das ist vielleicht kein so guter Zeitpunkt, heute ist...-"
"Es ist der perfekte Zeitpunkt", sage ich und unterbreche damit Hoseok. Ich stecke die Nummer ein und bedanke mich bei Minhee.
Ich bin ihm dankbar dafür, dass er mir helfen wollte, aber ich denke es wäre keine schlechte Idee mich ein wenig ablenken zu lassen. Es ist mir auch egal wie das Mädchen aussieht, ich brauche nur etwas anderes an das ich denken kann wenn der Tag vorbei ist und was wäre da besser als Sex?
"Ich werde dann mal gehen, bevor es dunkel wird", sage ich und winke den beiden zum Abschied zu.
Hoseok sieht mich mit einem besorgten Blick an, während Minhee nichts von der bedrückten Stimmung mitzubekommen scheint und mir mit einem breiten Grinsen hinterher winkt als ich die Bar verlasse.
~~~~~
Als es vor nur wenigen Minuten angefangen hat zu regnen, sind die Scheibenwischer noch gut hinterher gekommen, aber mittlerweile sieht es so aus als würde es nie wieder aufhören wollen. Es regnet in strömen und ich verspüre Mitleid mit jedem Regenschirm hier in Seoul.
Fast hätte ich auch die unauffällige Gestalt im Regen übersehen als ich daran vorbeifahre, lediglich die roten Schuhe lenken meinen Blick auf ihn und sorgen dafür das ich auf die Bremse trete und ihn mir genauer ansehe, während er da ohne etwas zu bemerken auf der Bank der Bushaltestelle hockt, bibbernd vor Kälte.
Er hat erst jetzt Schulschluss, genau wie ich, wenn ich nicht nach der ganzen Sache mit Jimin geschwänzt und kurz zu Hoseok in die Bar gegangen wäre.
Normalerweise hätten wir uns getroffen, ich hätte ihn im Auto mit zu mir gefahren und wir hätten uns Händchenhaltend vor den Fernseher in mein Zimmer gesetzt, aber die Tatsache das er vom Regen durchnässt, ohne irgendeinen Schutz auf den Bus wartet, ist meine Schuld.
Statt einfach weiter zu fahren, fahre ich an die Bushaltestelle und beuge mich über den Beifahrersitz um die Tür zu öffnen. Er hebt verwirrt den Kopf als er mich erblickt und kneift die Augen zusammen um durch den Regen etwas zu erkennen.
"Steig ein!", rufe ich ihm zu, aber er sieht mich nur kurz an ehe er, beleidigt wie ein Kleinkind, den Kopf weg dreht und die Arme vor der Brust verschränkt.
Verübeln kann ich ihm das nicht. Er muss verletzt sein wegen meinen Worten vorhin, ich habe sogar seinen Arm weg geschlagen, aber ich kann nicht einfach zu sehen wie er meinetwegen da sitzt wie ein ausgesetzter Hund.
"Steig ein oder ich fahre dem Bus bis zu dir nach Hause hinterher!"
Erst jetzt erwacht er aus seinem Hypnose-ähnlichen Zustand und sieht mich schockiert an, aber er zögert nicht lange als er die Ernsthaftigkeit in meinem Gesicht sieht.
Langsam kommt er zu mir rüber und lässt sich auf dem Beifahrersitz nieder bevor er sich anschnallt und aus dem Fenster sieht um meinem Blick ganz klar aus dem Weg zu gehen.
Ich schnalze mit der Zunge und fahre los, aber nicht direkt zu mir nach Hause, denn ich habe noch einen anderen Ort an den ich muss. Jemand anderem, dem ich noch einen Besuch schuldig bin.
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