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Taehyung Pov
Der Tag heute ist schon schlimm genug, auch ohne die schlechte Laune meiner Koreanischlehrerin in den ersten beiden Stunden oder der übermäßigen Motivation der Lehrerin in Mathe was das lösen von Aufgaben an der Tafel angeht.
Hoseok geht mir so gut es geht aus dem Weg, er weiß das ich an diesem Tag nicht so gut zu sprechen bin wie sonst vielleicht immer und obwohl er wahrscheinlich innerlich mit sich kämpft, weil er mir am liebsten helfen würde indem er mich tröstet, weiß er, dass das hier die beste Möglichkeit dafür ist.
Ich habe nicht mal Bock auf eines der Weiber die mir immer wieder schreiben und dabei ganz zu ignorieren scheinen, dass ich ihre Nachrichten zwar lese, aber nicht antworte. Entweder es interessiert sie nicht und sie machen sich nichts daraus oder aber sie sind mega anhänglich. Dieser Typ Mädchen ist der schlimmste.
Ich stoße die Tür zum WC mit dem Fuß auf und gehe direkt auf das Waschbecken zu um mir das dreckige Tafelwasser von den Händen zu waschen, aber kaum habe ich den Wasserhahn angeschaltet, geht eine der Kabinen hinter mir auf und Jimin tritt heraus, zusammen mit Yoongi, der sich das Hemd schnell zuknöpft.
Die haben es schon wieder getan. Sind die zu dumm um aus ihrem letzten Fehler zu lernen? Und haben die eigentlich keine Zimmer wo sie das machen können?
"Sieh mal einer an", sagt Jimin und vergräbt die Hände in den Hosentaschen als er sich an die Wand lehnt und mich beobachtet während ich mir die Hände mit den Papiertüchern abtrockne. "Wie geht es dir heute, Taehyung?"
Da ist sie wieder, die nervige Stimme von Jimin die auftaucht wie ein Tinitus, zur schlechtesten Zeit und bei mir sogar für Kopfschmerzen sorgt.
"Hau ab", sage ich, knülle die nassen Papiertücher zusammen und schmeiße sie in den Papierkorb welcher an der Wand hängt.
Normalerweise darf ich an diesem Tage immer zu Hause bleiben, meine Eltern wissen wie sehr mir nach weinen zumute ist, aber dieses Jahr waren sie der Meinung, dass ich nichts verpassen dürfte, immerhin stehen die Prüfungen bald an. Ich würde diese Schule also sowieso bald hinter mir lassen.
Jimin stellt sich vor mich als ich das WC verlassen möchte und trotz seiner Größe merke ich, warum er Jungkook überlegen war. Zwar habe ich die Muskeln beim Jüngeren gesehen, als dieser völlig durchnässt in den Flur gestolpert kam, aber Jimin ist trotzdem noch ein wenig kräftiger. Außerdem hat er bereits diese bedrohliche Aura um sich, die den Leuten sagt sie sollten besser Abstand halten.
Jungkook hatte keine andere Wahl als vor ihm wegzulaufen, immerhin konnte er nicht riskieren, das er ihn anfässt. Das hat ihn sicher denken lassen, dass er sich vor ihm fürchtet. Aber so ist das nicht. Genauso wenig wie ich mich vor ihm fürchte.
"Geh aus dem Weg", zische ich und trete einen Schritt näher, aber genau darauf scheint er gewartet zu haben.
"Und wenn nicht?", fragt er und schenkt mir das widerlichste Grinsen das ich jemals gesehen habe. "Wie ist der Tag bisher so für dich? Siehst du schon Geister?"
Er lacht über die Frage und das Lachen prallt an den kalten und glatten Wänden wieder, es ist wie ein Echo.
Ich wusste, dass er ein Mistkerl ist, aber das er über solche Sachen Witze machen würde, das hätte ich nicht gedacht. Mich überkommt die Wut, der ich ohne nachzudenken Taten folgen lasse, als ich meinen Unterarm unter seinem Kinn platziere und mit meinem Gewicht dagegen drücke.
Mein Knie schiebe ich zwischen seine Beine um ihn an der Tür zu fixieren, während er panisch nach Luft schnappt und versucht mich von sich weg zu drücken, aber er kommt nicht an mich heran.
"Wiederhol das", sage ich und bin erstaunt von der Tiefe in meiner Stimme. Ich war selten so wütend wie gerade.
Der Tod meiner Schwester ist kein Geheimnis, Jimin ging mit mir immerhin in eine Klasse als das ganze passiert ist, damals war er aber nicht so widerwärtig, zumindest nicht so sehr als das er Witze über ihren Tod gemacht hätte.
"Jimin", sagt Yoongi verzweifelt den Namen seines Freundes, aber als er versucht mich von hinten wegzuziehen, hole ich einfach mit dem Ellbogen aus und lasse ihn in sein Gesicht sausen.
Den Schrei ignoriere ich als er auf den Boden fällt und widme mich wieder Jimin, der nur ein krächzen zustande bringt. Wenn ich nicht bald aufhöre, bringe ich ihn noch um. Außerdem habe ich keine große Lust mehr sein Gesicht zu sehen.
"Ich weiß nicht, warum du denkst du könntest dich mit mir anlegen. Lass Jungkook in Ruhe und sprich kein Wort mehr mit mir, es sei denn du willst das die anderen das hübsche kleine Video sehen auf dem ihr euch gegenseitig betatscht."
Ich trete einen Schritt zurück und lasse ihn los damit er Luft holen kann. Er sinkt erleichtert zu Boden und greift sich an den Hals, als wäre da immer noch etwas was ihm die Luft zuschnürt.
Mit der Fußspitze trete ich ihm gegen den Oberschenkel damit er sich von der Tür weg bewegt und tatsächlich kriecht er zu Yoongi, der sich seine blutende Nase hält.
Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr so die Kontrolle über mich selber verloren. Ein Schläger war ich nie, ich habe früher Kampfsport betrieben, aber eher zum Spaß, das erlernte musste ich nie einsetzen. Bis jetzt.
Das schlimmste an der ganzen Sache ist, das ich mich nicht schlecht fühle als ich das Bad verlasse, ganz im Gegenteil. Ein Typ sitzt mit einer Blutenden Nase auf dem Boden der Toilette und ein anderer dachte wahrscheinlich er müsste sterben, aber statt Reue ist es ein merkwürdiges Gefühl von Macht das mich beherrscht und mir Angst einjagt.
"Taehyung", ruft Jungkook erfreut als er gerade auf dem Weg die Treppen nach oben ist, aber wieder hinunter gerannt kommt als er mich sieht. "Alles in Ordnung?"
Gerade noch vollkommen aufgewühlt und verwirrt über meine eigenen Taten, entspannt sich sowohl mein gesamter Körper als auch das Chaos in meinem Kopf bei dem Erscheinen von Jungkook und dem Klang seiner klaren Stimme. Nur ist das der falsche Zeitpunkt.
"Lass gut sein, Jungkook."
Diese Schuluniformen sind so sau unpraktisch, sie bieten nicht einmal eine Kapuze die man aufsetzen und hinter der man sich verstecken kann. Generell sind sie grässlich und schrecklich langweilig.
"Tae, ist alles in Ordnung?", fragt er erneut und macht einen Schritt auf mich zu, die Hand erhoben, allerdings zieht er sie sofort wieder zurück als er merkt, was er gerade im Begriff war zu tun und wendet das Gesicht ab.
Obwohl ich weiß, dass er nichts dafür kann und das er es nicht böse meint, macht mich das gerade ungemein wütend. Das passiert immer wieder. Er möchte mich anfassen und macht im letzten Moment einen Rückzieher.
"Hau ab", zische ich und drehe mich zum gehe um, spüre aber wie er mich an dem Blazer packt. Ich reagiere ohne nachzudenken. Alles was ich weiß ist, dass da die Wut ist.
Wut auf diesen Tag, den Mann der damals mit dem Handy am Steuer saß, Jimin der seine Klappe nicht halten konnte und ja, vielleicht auch die Wut auf Jungkook weil er das einzig gute ist was mir gerade passiert.
Das ergibt ja nicht mal Sinn, es ist wirres zeug das in einem wirren Kopf wie meinem herum schwirrt und das meine Handlungen steuert.
Ich fahre herum und schlage seinen Arm weg. "Du brauchst heute nicht auf mich warten, ich habe besseres zu tun als den Therapeuten zu spielen."
Sein Mund steht offen während er schockiert seine Hand anstarrt und das zittern wieder Besitz von seinem Körper ergreift.
Was ist heute los mit mir? Meine Gefühle und meine Handlungen widersprechen sich, denn während ich gerade alles dafür geben würde ihn in meine Arme zu nehmen und um Verzeihung zu bitten, drehe ich mich einfach um und marschiere ohne ein weiteres Wort einfach davon.
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