2.2
! Achtung, sensible Themen- bitte liest mit Bedacht !
:)
Sobald es Minseok besser ging, wurde er in Astralias Räumlichkeiten gebracht. Er erhielt ein kleines Feldbett in einer Ecke des Raumes und würde diesen Ort von da an sein Zuhause nennen. Er war zu jung um zu verstehen, was ein Freudenhaus war. Was er wusste, war dass er mit etlichen Frauen unter demselben Dach lebte und ab und an Männer vorbeikamen – denen Minseok sich niemals zeigen durfte – und ab und an verschwanden Frauen für eine Weile. Allen voran Astralia. An Nächten in denen Astralia nicht in ihrem Raum war, schlief Minseok bei der ehrenwerten Dame, die das Haus leitete und die ihm gestattet hatte, hier zu bleiben.
Sobald Minseok wieder komplett auskuriert war, erhielt er Arbeit von den Frauen. Ihm wurde aufgetragen das Treppenhaus zu wischen, die Bilder zu entstauben und Tee zu kochen. Minseok huschte von einer Seite des Hauses zur anderen und war bald reichlich beliebt bei den Frauen.
„Unser Helferlein für alles", lachten sie und strichen ihm durch die Haare. Minseok lief nur schmollend an ihnen vorbei, was ihm meistens ein Bonbon oder ein Zwicken in die Wange einbrachte.
So wuchs Minseok auf. Versteckt in den parfümierten Räumen des Freudenhauses, als einziger Mann unter so vielen Frauen, lernte er alles über Farbe, die man sich aufs Gesicht strich, über Seidengewänder und der richtigen Körperhaltung. Er erhielt Schmuck und trug Röcke, weil die Frauen es lustig fanden ihn wie ein Püppchen zu schmücken. Minseok protestierte zwar, wenn sie ihm Bänder ins Haar flochten, aber letztlich war er machtlos gegen sie.
Es war ein Jahr nachdem Minseok bei den Frauen angekommen war, dass er endlich verstand wo er gelandet war.
Es war spät am Abend und er hatte bereits tief in seinem Feldbett geschlafen, als laute Geräusche ihn plötzlich aus dem Schlaf rissen.
Er hörte Poltern auf den Holztreppen und dann eine laute Männerstimme, gefolgt von panischen Frauenstimmen. Astralia war an seiner Seite, bevor Minseok den Mund öffnen konnte. Ihre weiße Haut strahlte im einfallenden Mondlicht und ihre Haare fielen ihr über eine Schulter und entblößten damit eine Seite ihres Halses.
Sie lächelte ihn mit ihrem üblichen, spöttischen Lächeln an. „Versteck dich", flüsterte sie und ergriff sein Handgelenk. „Und komm unter keinen Umständen heraus. Hast du mich verstanden, Minseokie? Hast du verstanden?" Sie ließ es wie ein Spiel klingen, als sie ihn zum Kleiderschrank zerrte und die Türen aufriss. Sie legte sich einen schlanken Zeigefinger auf die Lippen und zwinkerte ihm zu. „Komm nicht raus." Sobald die Kleiderschranktür zu fiel, öffnete sich die andere Tür des Raumes.
„Mein Lord", lachte Astralia. „Was führt Sie zu so später Stunde in dieses bescheidene Haus?" Dann mit strenger Stimme. „Sehr ihr Frauen nicht, dass der Lord mich aufgesucht hat, geht! Geht sofort hinaus!"
„Mein Bruder", keuchte der Mann, noch bevor die Tür sich wieder schloss. Minseok konnte nicht an sich halten und drückte die Schranktür einen Spaltbreit auf. Nur genug um mit einem Auge hindurchsehen zu können. Der Mann stand direkt vor Astralia und hielt ihre Schultern in einem festen Griff zwischen seinen Händen fest. „Mein Bruder!", keuchte er wieder.
„Mein Lord", schnurrte Astralia. „Mein armer, lieber Lord was ist nur mit Ihnen? Wo ist die stolze Stimme, die bereits so viele Liebkosungen in mein Ohr geflüstert hat?"
Der Mann fing an Astralia zu schütteln. „Ist es wahr, dass du in den Diensten meines Bruders stehst, du elende Hure?"
Astralia lachte und es war ein Lachen, dass Minseok Gänsehaut bescherte. „Oh mein Lord, Geliebter,
ist das dein Stolz der aus dir spricht? Oder ist es die Eifersucht? Sag Geliebter", schnurrte sie weiter. „Ist es dir zuwider, dass ich die Wünsche anderer Männer erfülle, so wie ich die deinen erfülle?"
Minseok bemerkte wie die Schultern des Mannes bebten. Er zog Astralia an sich und flüsterte ihr ins Ohr, dass sie Seins sei. Nur Seins.
„Sie kennen mein Schicksal mein lieber, lieber Freund." Sie versuchte sich langsam von ihm zu lösen, doch er ließ nicht von ihr ab. „Ich zerrinne Ihnen durch die Finger, so wie feine Sandkörner. Es ist nicht an Ihnen mich zu besitzen, so wie mich niemand sein Eigentum nennen kann. Das ist die süße Tragödie, der uns zueinander geführt hat, nicht wahr?"
„Ich kann dich nicht teilen", flüsterte er gegen ihren Hals. Seine Hand lag auf einer ihrer Brüste und Minseok riss schockiert die Augen auf.
„Dann werden wir uns trennen müssen", sagte sie streng. „Mein Lord, lassen Sie von mir ab."
„Meine Blume. Astralia, meine Blume", er hielt sie mit Gewalt fest, als sie sich zu wehren begann. Er riss sie herum, so dass sie ins Bett fiel und stieg auf sie, hielt ihre Fäuste in die Bettlaken gedrückt und ignorierte ihr Fluchen und Flehen, von ihr herunter zu gehen.
Minseok presste sich die Hände über die Ohren, während er innerlich darum kämpfte, ob er ihrem Befehl gehorchen sollte und bleiben sollte oder ob er aus dem Schrank rennen sollte. Alles in ihm wollte den Schrank verlassen und sich auf den Mann stürzen, der Astralia so zum Schreien brachte, doch er war wie starr vor Angst und weinte leise, während Astralias Wimmer immer leiser wurde und der Mann leise Keuchte und Stöhnte.
Es verging so viel Zeit, bevor der Mann irgendwann einfach aufstand, seine Kleider sammelte und sich ankleidete. Er verließ den Raum und nur kurz darauf stürzte die ehrenwerte Dame hinein.
„Hast du irgendwelche Dummheiten angestellt?", fragte sie, noch während sie zum Bett rannte. Sie zog Astralia in eine sitzende Position und strich ihr die klebrigen Haare aus dem Gesicht. Sie richtete ihre Kleidung und bedeckte ihren Körper mit Decken. „Tut es sehr weh?"
„Ich habe mich nicht gewehrt", zischte Astralia und wischte sich die Tränen von den Wangen. „Er wirkte nicht erbost als er gegangen ist."
Die ehrenwerte Dame lächelte erleichtert. „Du hast es gut ertragen mein Kind."
„Ich hätte ihm am liebsten einen Dolch in die Brust gerammt", lachte sie leise. Sie klang so untypisch, so schwach. „Ich war so kurz davor ihn zu töten und doch...er ist so viel Stärker als ich gewesen, ich konnte mich nicht gegen ihn wehren."
„Er ist ein Mann", seufzte die alte Frau. „Und ein sehr einflussreicher noch dazu. Du weißt was mit unserem Haus passiert, wenn er sich gegen uns wendet."
„Ich weiß", fauchte Astralia. „Ich weiß."
Minseok strich sich die kleinen Tränen von den Wangen und nahm einen tiefen Atemzug, bevor er den Moment nutzte, um den Kleiderschrank zu verlassen.
„Was machst du hier?", fragte die ehrenwerte Dame schockiert, als sie das verheulte Kind sah.
Astralia lächelte sanft und streckte die Arme nach ihm aus. „Komm her Minseok."
Minseok zögerte kurz, ging schließlich aber auf sie zu. Astralia zog ihn in eine feste Umarmung und küsste sein Haar. „Du warst so tapfer", lächelte sie. „Ich bin froh, dass du nicht herausgekommen bist."
„Er hat dir wehgetan", flüsterte Minseok und Astralia küsste seine Stirn. „Du hast geweint."
„Hast du nicht auch geweint?", fragte sie spöttisch und schob Minseok dann von sich und in die Richtung der ehrenwerten Dame. „Du schläfst heute bei der Hausbesitzerin." Minseok schüttelte den Kopf. Er wollte sie nicht alleine lassen, nicht so lange ihre gepeinigten Schreie noch in seinen Ohren wiederhallten. „Doch Minseok, bitte geh."
Die ehrenwerte Dame zog ihn mit starrem Griff mit sich mit und Minseok stolperte aus dem Raum, die Augen erst von Astralia wendend, als die Tür ihres Gemachs zu fiel.
„Was hatte das zu bedeuten?", fragte er die alte Frau. „Wieso hat der Mann Astralia wehgetan?"
„Er ist ein Mann", antwortete die Alte sanft. „Es ist in seiner Natur impulsiv zu sein. Astralia bedeutet ihm sehr viel."
Minseok sah die Verbindung zwischen Liebe und Verletzen nicht. Wenn es nach ihm ginge, dann sollte Astralia niemals so leiden müssen.
~*~
Danach erfuhr Minseok, dass die Frauen des Freudenhauses ihren Körper benutzten um Männern ‚große Freuden' zu bereiten. Luhan hatte das Gesicht verzogen, als eine Frau Minseok dies erklärt hatte. Minseok hatte ebenfalls das Gesicht verzogen.
„Wenn du einmal älter bist, dann wird es dir nicht anders ergehen als den anderen Männern" sagte jemand mit einem Augenzwinkern und Minseok hatte aggressiv den Kopf geschüttelt.
„Auf keinen Fall!"
Die Frauen hatten gelacht und nach Minseok gegriffen. „Du wirst dich danach sehnen deinen Kopf an die Brust einer Frau zu schmiegen, ihre schlanke Taille zwischen deinen Händen zu spüren und langsam in sie zu versinken und-"
„Was bringt ihr dem Jungen bei?", fauchte Astralia. „Minseok hör diesem Weibspack nicht zu. Du hast Hausarbeiten zu erledigen. Gina will dich in der Küche sehen. Sofort." Minseok rappelte sich von den Kissen auf und versuchte nicht über die hellblauen Röcke zu stolpern. Sie zogen ihm noch immer Mädchenkleidung an, aber mittlerweile hatte Minseok sich daran gewöhnt und er mochte die strahlenden Farben.
„Lasst den Jungen in Frieden", hörte er Astralia noch streng sagen, bevor er aus dem Raum glitt. Minseok eilte zu Gina, die sich in der Küche über vier Töpfe gleichzeitig beugte und nebenher noch Gemüse und Kartoffeln schnitt.
„Da bist du", sagte sie erleichtert. „Los zieh deine Schürze an. Ich brauche Zwiebeln, schnell!"
Minseok knotete die Schürze in seinem Rücken fest und holte den Eimer Zwiebeln unter der Spüle hervor. Er schnappte sich ein Messer von der Theke und setzte sich auf einen kleinen Hocker, neben dem Eimer mit dem Müll. Minseok schälte und schnitt bis ihm die Tränen in Sturzbächen die Wangen hinunterliefen. Beim letzten Mal hatte er die Augen vor Schmerz zusammengekniffen und sich daraufhin tief in den Finger geschnitten. Er würde den gleichen Fehler nicht noch einmal machen.
„Das reicht", herrschte Gina ihn an und bewegte ihren dicken Körper einmal quer durch den Raum. Die Köchin hatte Minseok schon immer fasziniert. Sie war so anders als die anderen Frauen des Freudenhauses. Ihr Körper war korpulent und kräftig, nicht so zierlich wie der der anderen Frauen. Gleichzeitig hatte Minseok noch keinen Menschen gesehen, der sich schneller als sie bewegen konnte. „Hör auf zu Träumen Minseok! Jetzt die Kartoffeln! Die Kartoffeln Minseok."
Als er fertig war nahm Minseok die geschälten und geviertelten Kartoffeln in seine Schürze und trug sie zu Gina. Während Minseok sich den Karotten zuwandte, schnitt sie die Zwiebeln in kleine, akkurate Würfel. Minseok war sich seit seinem ersten Tag in der Küche zu hundert Prozent sicher, dass sie ihm mit gleicher Schnelligkeit und Präzision in kleine Würfel schneiden könnte, wenn sie es denn so wollte.
„Gina", sagte er später, während er auf dem Hocker stand und in der Suppe rührte. „Sind alle Männer gleich?"
Gina warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu. „Was meinst du? Natürlich sind nicht alle Männer gleich!"
„Nicht?", wiederholte Minseok mit unüberhörbarer Erleichterung in der Stimme.
„Blöde Frage, natürlich nicht! Manche sind kleiner als andere, dicker als andere. Tragen schreckliche Hüte oder", sie grinste ihn mit ihren großen, schiefen Zähnen an. „Werden in süße blaue Mädchenkleider gesteckt."
Minseok lief rot an und streckte die Brust raus. „Das meinte ich nicht!"
„Was willst du genau wissen? Ob alle Männer Schweine sind?"
„Ich-"
Gina ließ ihr Messer plötzlich fallen und machte einen Schritt auf Minseok zu. Er fiel beinahe von seinem Hocker, als Gina sein Gesicht in ihre Brüste drückte und die Arme fest um seinen zierlichen Körper schlang. „Nicht alle Männer sind gleich Minseok", sagte sie sanft. „So wie nicht alle Frauen gleich sind. Es gibt nur schlechte Menschen, verstehst du? Unabhängig von ihrem Geschlecht, oder ihrem Stand, kann jeder ein schlechter Mensch werden. Das ist das was du am meisten auf dieser Welt vermeiden musst." Minseok klopfte verzweifelt an ihre Seite, weil er keine Luft mehr bekam und Gina drückte ihn von sich, hielt ihn aber noch immer an den Schultern fest. „Versprich mir, dass du eine Sache niemals aufgibst."
„Was?"
Sie klopfte an seine Brust. „Dein Herz." Minseok hielt die Luft an, er war so überwältigt von ihren Worten. „Und jetzt rühr weiter, sonst brennt verflickst noch einmal etwas an!"
Minseok gehorchte, während seine Gedanken weit entfernt waren. Er hatte niemandem jemals erzählt, dass seine Eltern an der Pest verstorben waren. Er hatte auch nicht erzählt, was er im Waisenhaus beobachtet hatte oder dass er einen Menschen erstochen hatte oder wie er innerhalb von einer Nacht, die Zwillinge verloren hatte. Und er verschwieg, vor allem sich selbst gegenüber, dass er sich, nur ein Jahr später, kaum mehr an ihre Gesichter erinnern konnte.
~*~
Minseoks Körper veränderte sich in den Jahren, die Luhan weiterhin über ihn wachte. Seine Arme und Beine wurden länger, sein Körper streckte sich und sein Gesicht verlor seine kindlichen Züge. Seine Wangenknochen wurden präsent, in seinem schlanken Gesicht, sein Kinn scharf, die Augen groß und sein Wimpernkleid dichter. Er war in einem Alter jugendlicher Schönheit, in der seine Haut noch strahlend wie das eines Kindes war, aber sein Körper bereits die Statur eines heranwachsenden angenommen hatte.
Er war beinahe vierzehn, als er zum ersten Mal von einem Mann im Freudenhaus gesehen wurde. Luhan erkannte ihn schnell als den Freier, der seine Stunden am liebsten mit den jüngeren Frauen des Hauses verbrachte und seine Nackenhaare sträubten sich, als er Minseok bemerkte. Er ging langsam auf den Jungen zu, während Minseok seine Röcke nach hinten strich, um den Boden nicht versehentlich mit seiner Kleidung zu wischen.
„Guten Tag, junge Dame."
Minseok gefror in seiner Bewegung und hatte Mühe nicht erschrocken herumzufahren. Er hielt den Kopf zu Boden gesenkt, auch wenn seine Knie unbewusst anfingen zu zittern.
„Verzeiht, wenn ich Sie störe", setzt der Freier in unbeschwertem Ton fort. „Ich muss eine falsche Abbiegung genommen haben, eigentlich wollte ich nur den Salon finden."
„Wieso sind Sie alleine unterwegs?", fragte Minseok leise. Seine Stimme war noch so hoch wie die eines Kindes, aber er sprach vorsichtshalber leise.
„Ich denke man kann mich einen häufigen Besucher nennen", setzte er schnurrend fort. „Und dennoch habe ich mich wohl für einen falschen Weg entschieden. Dieses Haus ist aber auch ein Wirrwarr aus Fluren und Türen und Treppen und dergleichen." Er machte eine gespannte Pause. „Nun würde es Ihnen etwas ausmachen mich zurückzuführen?"
Luhan hasste ihn. Luhan hasste alles an ihm. Die Art wie er großspurig sprach und dabei wild gestikulierte, obwohl Minseok ihn nicht ansah. Die Art wie seine Augen Minseoks schlanken Rücken abfuhren und sich über das Stück Haut ergötzten, dass zwischen seinen kurzen Haaren und dem Kleid aufblitzte. Dieser Mann fand seine Freuden in den zierlichen Körpern von Kindern und Luhan wurde schlecht bei dem Gedanken, dass er sich vorstellen konnte, seine Freuden in Minseok zu finden.
„Ich habe Arbeit zu erledigen", sprach Minseok schließlich und der Mann lächelte noch so viel breiter.
„Oh ich bin mir sicher, Niemand wird es Ihnen verübeln, wenn Sie einem treuen Kunden wie mir ein wenig aushelfen." Dieses Mal wartete er nicht auf Minseoks Antwort, sondern griff nach seinem Unterarm und zog ihn auf die Beine. Minseok war so überrascht, dass er den feuchten Lappen aus seiner Hand fallen ließ und wegen dem Schwung in die Brust des Mannes lief.
Alle Alarmglocken schrillten in Minseoks Kopf und die Angst entdeckt zu werden, trieb ihn dazu sein Gesicht in der Brust des Adligen zu verstecken.
Luhan spürte Wut in sich aufbrodeln, wie heißes Wasser, dass man unter einem Kochdeckel zu zäumen versuchte.
Der Mann legte seine Arme um Minseok, sichtlich zufrieden mit dem Stand der Dinge. Sie wanderten von seinen knochigen Schultern zu seinem Rücken und er erschauderte vor Wohlwollen. „Wie wäre es", fing er mit tiefer Stimme an. „Wenn du mir heute ein wenig Gesellschaft leisten würdest?"
Minseoks Kopf schnellte in seinen Nacken, so überrascht war er. Er starrte den Mann mit gespaltenen Lippen an, noch immer an seine Brust gedrückt. „W-was?"
Er legte ihm eine Hand auf die glatte Wange. „Du bist so schön", schnurrte er. „So ein bezauberndes kleines Mädchen."
Minseok befreite sich endlich aus seiner Starre und stieß den Mann unsanft von sich fort. „Verzeiht", sagte er schnell und wandte sich ab. „Ich habe Dinge zu erledigen."
Minseok war nicht schnell genug, der Freier holte ihn ein und hielt ihn am Arm zurück. Er war wütend, so von einem Mädchen behandelt zu werden, zügelte seine Empörung jedoch. „Gutes Kind, habe ich dich erschreckt?" Er drehte Minseok herum. „Du scheinst reichlich jung zu sein, um an einem Ort wie diesem zu Leben. Bist du erst im Training? Hattest du noch keine Gelegenheit dich in die starken Arme eines Mannes sinken zu lassen?" Er drückte Minseok an die Flur Wand und presste sich an ihn. „Was für eine Verschwendung", hauchte er gegen seine Wange und küsste die helle Haut.
Minseok und Luhan erschauderten gleichzeitig vor Ekel. „Lassen Sie mich los", krächzte Minseok, seine Stimme zitterte.
„Oh gutes, liebes Kind. Ich kann dich gut bezahlen, mach dir keine Gedanken." Eines seiner Beine drängte sich zwischen Minseoks und spaltete den rosafarbenen Rock, den er heute trug. Seine Hand fuhr langsam seinen flachen Oberkörper entlang. Minseok war starr vor Schreck, er wusste nicht, ob er mehr Angst davor hatte, entdeckt zu werden, oder weiterhin von diesem Fremden berührt zu werden. Als er seinen Hals küsste zitterte Minseok am ganzen Körper wie Espenlaub. Seine Hände versuchten ihn von sich zu drücken, aber er war so viel stärker als Minseok, so viel größer. Minseok hatte das Gefühl gegen einen großen Felsen anzustemmen. Er weinte und flehte mittlerweile und gerade als der Mann unter seine Röcke greifen wollte, wurde er plötzlich fortgerissen.
In dem flackernden Lichtschein der Kerzen, sah Astralias Haar fast schwarz aus. Sie war kleiner als der Adlige, aber ihre Augen sprühten Funken wie glühende Kohlen.
„Sie müssen sich verirrt haben", sagte sie mit ihrem spöttischen Lächeln. „Das ist das falsche Mädchen, das sie heute für sich geordert haben."
Luhan sah die Überraschung in seinem Gesicht. Er hatte nicht mit Astralias Stärke gerechnet. Sie hatte ihn einfach davongerissen.
„Ist...das so", sagte er langsam und presste dann die Lippen zusammen. „Es scheint, dass ich mehr Gefallen an diesem Mädchen gefunden habe."
„Mein Guter", lächelte Astralia. „Sie müssen übersehen haben, wie jung dieses Kind ist." Ihr Lächeln wurde Engelsgleich. „Natürlich müssen Sie sich vertan haben, denn kein Ordnungshüter würde es für gut heißen, wenn er wüsste, dass jemand Ihres Standes sich an kleinen Kindern erfreut." Sie machte eine lange Pause. „Nicht wahr? Mein Lieber?"
Der Mann schluckte schwer, während Astralia sich vor Minseok aufbaute. „Natürlich, ich gehe dann lieber."
„Soll ich Sie begleiten?"
„Nicht nötig", knurrte er und machte auf dem Absatz kehrt.
Astralia fiel vor Minseok auf die Knie und strich ihm die Tränen von den Wangen und die aufgerafften Röcke wieder hinunter. „Bist du in Ordnung?", fragte sie sanft. Minseok schüttelte den Kopf, auch wenn er wirklich versucht hatte, stark zu sein. „Es tut mir leid", flüsterte sie und schloss ihn in die Arme. „Wenn du als Junge hier leben könntest, dann wäre dir das nicht geschehen, es tut mir wirklich leid." Minseok vergrub das Gesicht in ihrem Nacken und atmete ihr Parfum ein. „Nur noch ein bisschen Minseok. Nur bis du älter bist, ab dann musst du dich nicht mehrverstecken, in Ordnung?"
Minseok wusste nicht, was das zu bedeuten hatte, aber er ließ sich von Astralia trösten, bis er nur noch sie spürte und die Hände des anderen langsam vergaß.
Luhan war noch immer wütend und er würde noch wochenlang wütend bleiben. Dieses Gefühl hatte sich in seine Brust gefressen, wie ein Wurm in einen Apfel und fraß ihn von innen auf. Die anderen Engel betrachteten ihn mit Neugierde bis hin zu Schrecken. Luhan, bekannt als ruhiger, schöner Muster-Engel, erlag Gefühlen, die er niemals gekannt hatte und nicht zu kontrollieren wusste.
~*~
Das Kapitel war wirklich blöd geplant...Von einem Schrecken in den nächsten. Sorry dafür.
Ich hoffe es hat euch trotzdem gefallen! :)
Ich hatte ersthafte Bedenken, ob es eine gute Idee war die Geschichte in Parts aufzuteilen, aber letztlich gehen so viel wichtige Informationen verloren und...ich schwöre alle Parts haben eine Bedeutung im Großen und Ganzen (hoffe ich/sollte so sein).
Danke fürs Lesen :D
Liebe Grüße!
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