11.7

Die lauteste Stille, die Baekhyun jemals erlebt hatte, breitete sich in der Haupthalle des Palodiums aus. Stille, die einem ins Gesicht schrie, die schmerzhaft auf seiner Haut prickelte und auf die niemals etwas Gutes folgen konnte.

„Du?", fragte Jongin zischend. „Wie kann das sein? Du wurdest ausgelöscht."

Baekhyun hatte noch nie zuvor so angsteinflößende Augen gesehen. Was erstaunlich war, da er bis zum heutigen Tag zwei monströsen Naturgeistern, zwei verlorenen Seelen, drei Dunkeln Auren, sechs ‚echten' Erzengeln, Dutzend weiterer Zombie-Erzengel und dem Herrscher der Hölle gegenüber gestanden war. Doch in Jongins Augen schien ein schwarzes Feuer zu brennen, dass nur darauf wartete ihn in Brand zu setzen. Baekhyuns Knie zitterten, er war nicht halb so mutig, wie er es vor Jongdae und Sehun angedeutet hatte. Himmel, Baekhyun wünschte sich, er wäre einfach in der Hölle und in Sicherheit geblieben und nicht hier...Jongin gegenüber. Jongin, der als Mensch schon furchteinflößend gewirkt hatte, als er dachte, Chanyeol hätte ihn mit Baekhyun betrogen, aber das hier...dieses Wesen vor ihm war so viel schlimmer.

„Wieso bist du nicht Tod?" Wiederholte er mit Zorn in der Stimme, der von den Wänden widerhallte. „Wieso stirbst du nicht?"

„Wenn ich das wüsste", murmelte Baekhyun und schluckte schwer hinunter, weil seine Stimme zitterte.

„Welchen Trick hast du eingesetzt? Du wurdest von einem Erzengel ausgelöscht, ich habe es mit eigenen Augen gesehen."

Baekhyun antwortete nicht. Jongin die Umstände seiner ‚Wiederauferstehung' zu erklären, wäre ein wenig zu viel des Guten.

„Du verdammte Plage." Jongin machte ein paar schnelle Schritte nach vorne, die Baekhyun rücklings ausweichen ließen. Er war so überrascht, dass er prompt über seine eigenen Füße stolperte und ungraziös auf den Hintern fiel. Jongin funkelte auf ihn hinunter, als er ein paar Schritte vor ihm wieder anhielt. „Wieso tauchst du immer wieder auf? Wieso immer DU?"

Baekhyun hatte das Gefühl, dass Jongin ihn mehr als bloß ein bisschen verabscheute. Er saß noch immer auf dem Boden und fühlte sich erschreckend klein und das nicht nur weil Jongin auf ihn hinuntersah. Es war seine Ausstrahlung, die auf ihn hinunterdrückte. Baekhyun nahm einen tiefen Atemzug und richtete sich anschließend wieder auf. Ein Knie nach dem anderen, dann beide Füße, bis er Jongin gegenüberstand und ihm (mehr oder weniger) auf Augenhöhe ins Gesicht sehen konnte. Der Zorn auf seinem Gesicht sah aus wie sich Donner in einer Felsenschlucht anhörte.

„Du musst damit aufhören", sagte Baekhyun und war positiv überrascht, dass seine Stimme nicht mehr zitterte. „Ich bin hier um dich aufzuhalten."

„Du?" Jongin klang fassungslos. „Ausgerechnet du? Ein Engel, der zu blöd war, um wiedergeboren zu werden?"

Das war nicht ganz fair, Baekhyun konnte nichts dafür, dass er verbannt wurde. Er konnte seinen Protest nicht äußern weil Jongin wieder ansetzte.

„Was willst du alleine gegen mich ausrichten? Ein Gefallener Engel im Palodium, ausgeliefert und-" Er hielt inne und verstummte für einen Moment. „WAS?" Er starrte Baekhyuns Flügel an. „Du...du bist ein Erzengel."

Baekhyun konnte sich nicht verkneifen, dass er ein wenig selbstgefällig war, weil Jongin so dumm dreinschaute. „Nicht schlecht, was?"

Wut ersetzte Fassungslosigkeit. „Ich weiß nicht, wieso so ein idiotischer Engel wie du mir immer in die Quere kommen muss, aber das war das letzte Mal. Das schwöre ich dir."

Jongin schnippte in die Finger. Baekhyun hätte früher handeln sollen, er hätte gar nicht erst mit Jongin reden dürfen, sondern ihn einfach mit einer Ladung seiner Verbotenen Macht attackieren müssen, aber vielleicht hätte ihn auch das nicht rechtzeitig gerettet.

Kyungsoo erschien hinter Jongin und alle initiale Freude ihn zu sehen verpuffte in Wohlgefallen, als Baekhyun den leblosen Ausdruck in seinen Augen sah. Kyungsoos Füße scharrten über den Boden, bis er eingefallen und lustlos neben Jongin zum Stehen kam. Er blickte Baekhyun nicht an, sein Kopf lag ihm auf der Brust als hätte er nicht einmal genug Kraft in sich übrig, um ihn anzuheben.

„Du Mistkerl", flüsterte Baekhyun, während seine Augen unentwegt über den anderen Engel fuhren. „Du verfluchter..."

„Du bist nicht froh darüber einen alten Freund wiederzusehen?"

„Mach keine Scherze! Erlös ihn sofort von diesem...diesem Zustand!"

Jongin legte Kyungsoo eine Hand auf die Schulter und schüttelte ihn. Glühende Wut setzte ihn in Flammen. Jongin behandelte Kyungsoo wie eine Stoffpuppe! Wie ein willenloses Etwas. „Erlös' du ihn doch. Du bist der Erzengel von uns beiden."

Baekhyuns Augen weiteten sich. „Ich..." Er könnte Kyungsoo erlösen. Er blickte auf seine Hände hinunter. Wenn er doch nur wüsste wie.

„Hm", machte Jongin. „Du bist tatsächlich so dumm wie ich angenommen habe. Welcher Depp auch immer einen Erzengel aus dir gemacht hat, hätte sich lieber jemanden kompetenteres für den Job aussuchen sollen."

Baekhyun verengte die Augen. Hoffentlich würde Jongin für diesen Kommentar als ein ewiges Kettenglied beim Universum landen...und dieses Mal wirklich. Und hoffentlich würde das Universum ihm verdammt noch einmal in den Hintern treten. Aber vorerst war Baekhyun an der Reihe und Himmel, er würde es sich nicht nehmen lassen, Jongin auf seine Art und Weise büßen zu lassen.

Er sammelte Macht in seinen Handflächen. „Mag sein, dass ich keine Ahnung habe, wie ich die Erzengelmacht benutzen kann, aber ich habe immer noch diese Macht hier." Er beugte sich nach vorne, verlagerte sein Gewicht und spannte seine Flügel auf. Jede Seiner Federn vibrierte vor Anspannung. „Und glaub mir, für dich wird sie allemal ausreichen."

Baekhyun preschte nach vorne. Der Raum verwischte vor seinen Augen, seine Geschwindigkeit ließ Konturen nicht mehr erkennen. Was er hingegen sehr genau erkennen konnte, war Jongin und sein widerliches kleines Grinsen. Baekhyuns Hände waren komplett eingehüllt in schwarzem Rauch, angefacht von der Wut, die er auf Jongin hatte und die in nichts mit der Wut vergleichbar war, die er damals auf Lucifer empfunden hatte, als er ihn ausgetrickst hatte, um seine Macht zu entfachen. Baekhyuns Inneres brannte vor erwartungsvoller, dunkler Macht.

Es war als würde er mit voller Geschwindigkeit gegen eine Steinwand rennen, bevor er heftig zurückgestoßen wurde. Baekhyun flog in die Luft und hatte für einen kurzen Moment lang das eigenartige Gefühl komplett schwerelos zu sein...bevor sein Gewicht mit dreifacher Belastung zurückkehrte und er fiel.

Sein Körper krachte erbarmungslos auf den Palodiumsboden auf und rollte mehrere Meter weiter, bis er auf dem Bauch zu liegen kam, die Wange in den Boden unter sich gepresst. Seine Flügel, aber auch seine Arme und Beine zuckten vor Schmerz.

Jongin lachte auf. „Ich wusste, Kyungsoo würde einen guten Erzengel abgeben. Du musst wissen, je nach persönlicher Veranlagung entstehen aus Engeln schwächere oder stärkere Erzengel. Kyungsoos persönliche Veranlagung sprach bereits für sich, dass er sehr stark werden würde und ich habe mich offensichtlich nicht geirrt."

Baekhyun stöhnte auf. Er blickte durch den Vorhang seiner Haare nach oben, wo Kyungsoo vor Jongin stand. Schwarze Augen blickten Baekhyun unberührt entgegen. Er stütze vorsichtig eine Hand nach der anderen auf dem Boden ab um sich abzudrücken. Sein Körper zitterte, seine Gelenke protestierten. Das war ein einziger Schlag seitens Kyungsoo – nein, viel mehr ein einfacher Schubs - und Baekhyun hatte das Gefühl er hatte ihm mindestens siebzig Prozent seiner Knochen gebrochen.

„Wenn ich es nicht besser wüsste", er kam schwankend auf die Füße und wartete einen Moment ab, bis die Welt sich nicht mehr drehte. Seine Flügel waren glücklicherweise weitestgehend unbeschädigt. „Dann könnte ich denken, dass du das gerade mit voller Absicht gemacht hast, Kyungsoo. Zutrauen würde ich es dir ja."

Kyungsoos Augen blieben dunkel und unbewegt.

„Ich habe dich wirklich oft mit meinen Bitten belästigt, wieder auf die Erde gelassen zu werden." Er machte einen holprigen Schritt nach vorne. „Und als ich dann schließlich auf der Erde gelandet bin – eher schlecht als recht – habe ich dir weiterhin nur Sorgen gemacht, was? Klar, dass du dann ein bisschen Wut an mir auslassen möchtest." Noch ein Schritt. Sein Körper heilte, jedes Wort, gab ihm ein bisschen Zeit die Verletzungen wieder abzuschütteln. Niemals hätte er gedacht, wie praktisch es sich einmal erweisen würde, dass er in der Academia so oft von seinen Ausbildern verkloppt worden war. Hölle, er würde ihnen Danken und jedem einen eigenen Kuchen spendieren, wenn er sie das nächste Mal sah... „Trotzdem Kyungsoo, wenn du noch da drin bist – und ich WEIß, dass du es bist – dann halt dich bitte ein klein wenig zurück. Wie sonst, soll ich dich retten?" Er preschte noch einmal voraus. Kyungsoo bewegte sich blitzschnell, aber dieses Mal war Baekhyun vorbereitet. Er parierte den Schlag von Kyungsoo und sprang aus seiner Reichweite, als seine Hände in hellem Licht erstrahlten. Etwas an diesem Anblick...verwunderte Baekhyun für einen Moment, aber das hier war definitiv der falsche Moment um sich darüber Gedanken zu machen.

Kyungsoo war schneller als seine Academia-Ausbilder, aber nicht halb so mächtig wie einer der anderen Erzengel mit denen Baekhyun es schon zu tun hatte. Der Kräfteunterschied war dennoch deutlich wahrnehmbar. Kyungsoo war eben ein Erzengel und Erzengel standen ein paar Stufen über Gefallenen Engeln.

Auch Jongin schien dies zu wissen. Er stand inmitten des Palodiums, mit verschränkten Armen vor der Brust und einem unbesorgten Ausdruck auf dem Gesicht. Jongin hatte Baekhyun niemals wirklich als eine Bedrohung für sich angesehen und allein dieser Gedanke entfachte erneut Wut in seinem Inneren. Hölle, er würde ihm so verflucht gerne das Gegenteil beweisen!

Kyungsoo erwischte Baekhyun als er für einen Moment unachtsam war. Seine strahlende Hand versank in seinem linken Flügel und riss ihn zur Seite. Baekhyun schrie, als er in die nächste Wand versank. Er war sich sicher, dass er gehört hatte wie Stein brach. Er fiel von der Wand wie ein nasser Lappen und landete wieder auf dem Gesicht. Sein linker Flügel brannte vor Schmerz – schwarze Punkte tanzten vor seinen Augen hinweg.

„Weißt du, es ist immer wieder lustig findest du nicht? Du tauchst zwar immer wieder auf, aber du bewirkst nicht wirklich etwas. Du bist immer der erste der abkratzt. Was für ein erbärmliches Schicksal."

Kyungsoos Statur warf einen langen Schatten über Baekhyun. Er wimmerte, weil er sich von dem Schmerz noch nicht erholt hatte und wusste, dass neuer Schmerz nicht lange auf sich warten lassen würde.

„Aber dieses Mal", setzte Jongin im Plauderton fort. „Sollten wir dafür sorgetragen, dass du dich freiwillig dazu entscheidest in deinem Loch zu bleiben, selbst wenn dir jemals wieder die Chance geboten wird, den großen Helden zu spielen." Baekhyun hatte eine schreckliche Vorahnung. „Weißt du, kleiner, Gefallener Engel, was das stärkste Attribut eines Engels ist? Wo alle Stärke und Macht entspringt?"

Kyungsoo ging, einem stillen Befehl folgend, neben Baekhyun in die Knie. Seine Hände schwebten warnend über seiner Haut und versengten sie. Baekhyun wurde schwindelig als er den Geruch von verbranntem Fleisch wahrnahm.

„Es sind die Flügel", sagte Jongin schadenfroh. „Was geschieht wohl mit einem Engel, der keine Flügel mehr hat? Wollen wir es ausprobieren?"

Kyungsoos drückte mit einem Knie seinen linken Flügel hinunter, legte eine Hand zwischen seine Schulterblätter und griff mit der anderen durch seine Federn nach dem Knochen, der mit seiner Wirbelsäule verbunden war.

„Ich denke, das wird dich lehren am besten Tod zu bleiben, wenn man dir die Chance dazu gibt."

„Nein", flüsterte Baekhyun. „Bitte..."

„Was? Du flehst jetzt schon um Gnade? Wie wirklich ausgesprochen heldenhaft von dir! Hast du nicht eben noch so große Töne gespuckt?"

Baekhyun stiegen Tränen in die Augen. Er konnte gar nicht anders, nicht nur der bereits vorhandene Schmerz trieben sie ihm in die Augen, sondern auch die pure Panik vor dem was gleich kommen würde. Baekhyun schlotterte vor Angst.

„Kyungsoo" Baekhyun konnte das Lächeln aus Jongins Stimme heraushören.

„Bitte nicht", flüsterte Baekhyun. „Kyungsoo- bitte...bitte tu das nicht. I-ich bin es doch. Ich bin es – Baekhyun."

Jongin lachte nur noch lauter.

„Kyungsoo, bitte-"

„Fang an."

Sein Schrei blieb ihm in der Kehle stecken, als weiße Leere vor seinem Auge explodierte. Für einen Moment spürte Baekhyun rein gar nichts, er war ebenso körper- und existenzlos wie während seiner Treffen mit dem Universum – und dann riss der Schmerz ihn mit sich mit, wie ein Schnellzug.

Baekhyun schrie, wie er noch nie zuvor geschrien hatte, Hitze und Kältewellen durchfluteten seinen Rücken, es fühlte sich an als würde jemand seine Hände in seinen Körper graben und ihn dann von innen auseinander ziehen. Baekhyun hatte sich noch nie gewünscht zu sterben, aber für einen winzig kleinen Moment formte sich dieser Gedanke wie ein rettendes Floß vor den Augen eines Ertrinkenden. Baekhyun griff danach, um dem Meer aus Schmerz zu entkommen und...

Macht explodierte aus seinem Körper wie eine hochgehende Bombe und riss Kyungsoo plötzlich zurück. Baekhyun krümmte sich zusammen und legte seinen unbeschädigten Flügel um sich, während er zitterte und bebte und so unendlich erleichtert war, dass der Schmerz abgeebbt war. Er verstand im ersten Moment gar nicht, dass seine Körperreflexe ihn unbewusst gerettet hatten. Dass er unwillentlich eine große Menge seiner verbotenen Macht, mit der gleichen Heftigkeit wie eine detonierende Bombe, freigelassen hatte.

Kyungsoo lag Meterweit entfernt auf dem Boden, seine gesamte Vorderseite zeigte heftige Verbrennungen auf. Er blieb bewegungsunfähig auf dem Rücken liegen. Jongin rümpfte die Nase als er von Kyungsoo zu Baekhyun sah. „Immer wieder für eine Überraschung gut, was? Das ist definitiv deine nervigste Eigenschaft, würde ich behaupten."

Baekhyun versuchte beruhigende Atemzüge zu nehmen. Er war in Sicherheit, für diesen winzigen Moment, aber einer seiner Flügel hing abgestorben an seinem Rücken hinab (Baekhyun wollte wirklich nicht wissen, WIE groß der Schaden tatsächlich war) und er fühlte sich eigenartig...leer.

„Kyungsoo", bellte Jongin. „Los, steh auf."

Der Erzengel zuckte auf dem Boden, hob einen Arm an und ließ ihn dann wieder an seine Seiten fallen. Baekhyun hatte ihn frontal und aus nächster Nähe getroffen, auch er musste völlig dahin sein. Baekhyun versuchte aufzustehen ohne seinen völlig kaputten Flügel dabei zu belasten. Seine Macht hatte auch einen winzigen Teil seiner Heilung übernommen – nicht genug um seinen Flügel zu retten – aber genug, dass der Schmerz ihm nicht mehr mit unerträglicher Intensität bewusst blieb. Baekhyun wusste, dass er jetzt handeln müsste, so lange Kyungsoo noch auf dem Boden lag und sich nicht bewegen konnte... Jongin zuckte zurück, als er es tatsächlich auf die Füße schaffte.

„Kyungsoo!", rief er erneut aus. „Kyungsoo, steh auf! Vernichte den Gefallenen Engel!"

Baekhyun schwankte, aber er konnte sich mehr oder weniger aufrecht halten. Sein linker Flügel hing ihm jedoch auf den Boden hinunter und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Er musste sich stark konzentrieren, nur um überhaupt auf den Beinen zu bleiben.

Jongin wich zurück.

„Hoffentlich...wirst du ein verdammtes Kettenglied du Mistkerl", sagte er und streckte die Hand nach Jongin aus. „Du wirst niemals wieder jemandem wehtun."

Und...es geschah rein gar nichts.

Baekhyun schwankte und fiel keuchend zurück auf die Knie. Die Leere, die er eben gespürt hatte war noch nicht verschwunden...er musste bei der Explosion seiner verbotenen Macht alles verbraucht haben um sich zu schützen. Er schloss die Augen. Nichts, absolut nichts, konnte jemals zu seinen Gunsten stehen.

Auch Jongin schien sich seinen Part zu denken, denn er lachte wieder. „Keine Kraft mehr, was? Dumm gelaufen."

Baekhyun fiel nach vorne und konnte sich nur gerade noch so auf den Händen abfangen. Seine Arme zitterten. Der Boden des Palodiums strahlte in bunten Farben zu ihm auf. Tränen rannen über seine Wangen und fielen von seinem Kinn auf den Boden hinunter. Verfluchter Mist auch. Was nun? Er konnte einen seiner Flügel nicht mehr spüren und sein Inneres war völlig leer. Er schniefte. Und seine verdammten Federn lagen im ganzen Raum verteilt, als wäre er ein gerupftes Huhn! Verflucht auch, Chanyeol – wie er ihn als Menschen kennengelernt hatte – würde bestimmt einen absolut bescheuerten Spruch ablassen. (‚Siehst du, wie ein Hühnchen! Sagte ich doch.') Absurderweise musste Baekhyun tatsächlich lächeln.

Das Lächeln verflog ihm jedoch schnell, als er aus den Augenwinkeln wahrnahm, wie Kyungsoo sich wieder erhob. Baekhyun war absolut verloren.

Aber vielleicht war das in Ordnung. Wie viel Zeit war vergangen seit Baekhyun auf Jongin getroffen war? Es könnte nicht mehr lange dauern bis Jongdae und Sehun eines der Tore erreichten, um es zu öffnen. So lange Jongin von Baekhyun abgelenkt war, bestand also noch Hoffnung. Hölle, es war doch eigentlich absolut egal, was aus Baekhyun wurde, so lange diese verdammten Himmelstore wieder geöffnet wurden. Jongin würde büßen, für alles was er je getan hatte. Das war ein tröstlicher Gedanke...auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering war, dass er diesen Moment wirklich miterleben würde.

„Was denkst du? Sollen wir mit dem zweiten Flügel weitermachen?"

Allein diese unheilverheißenden Worte reichten aus, dass Baekhyun fest die Augen zu kniff. Er konnte hören wie Kyungsoos Füße über den Boden scharrten. Wie er sich ihm langsam näherte um Jongins Befehl zu befolgen...

„Das erinnert mich", sagte Jongin nachdenklich. „Wer war es noch gleich, der dich auf die Erde verbannt hat? Sein Name lautete Sehun, nicht wahr?"

Baekhyuns Blut gefror ihm in den Adern. Er öffnete die Augen und hob ganz, ganz langsam den Kopf an. Jongin sah aus als würde sich hinter ihm eine Tsunami-Welle der Dunkelheit anstauen. „W-was?"

„Ich frage mich, wie es ihm gerade wohl geht."

Baekhyun blinzelte ihn nur an. Jongin hatte Sehun...also nicht vergessen. Aber das bedeutete...

„Du musst wissen, nur zur Sicherheit habe ich ein paar Erzengel vor die HImmelstore platziert. Wie heißt es so schön, man sollte lieber Vorsicht als Nachsicht walten lassen."

Baekhyuns starrte auf seine Hände hinunter und zog sie langsam zu Fäusten zusammen. Er hatte Jongdae und Sehun alleine in eine Falle laufenlassen...Sie würde nichtsahnend direkt in die Arme eines Erzengels laufen und es wäre Baekhyuns Schuld. Er hätte sie niemals alleine gehenlassen dürfen. Sie hätten sich hier versteckt halten sollen oder irgendetwas, aber Baekhyun hätte sie niemals so im Stich lassen dürfen.

Es war purer Wahnsinn, der ihm erlaubte zurück auf die Beine zu kommen. Neue Entschlossenheit sandte Kräfte in seine zitternden Beine. Er musste die Sache beenden und zu ihnen gehen. Er müsste sie retten und...

„Also ehrlich Jongin. Jetzt provozierst du ihn nur noch."

Baekhyun hielt erschrocken inne.

„Oh, er hätte es mir mit Sicherheit abgenommen."

Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen als sich Baekhyun umwandte. Sehun stand in der Tür zur Eingangshalle, lässig gegen den Rahmen gelehnt mit verschränkten Armen vor der Brust und einem kleinen Grinsen auf den Lippen.

Baekhyun geriet ins Stolpern. „Was machst du hier Sehun? Du und Jongdae, ihr solltet-" Er brach ab.

„Tut mir leid Baekhyun. Ich konnte mich leider nicht an unseren Plan halten."

„A-aber Jongdae?"

Sehun sah auf sein Handgelenk hinunter, als würde sich dort eine Uhr befinden. „Der sollte mittlerweile gut angekommen sein."

„Angekommen...?"

Sehun legte den Kopf schief. „Auf der Erde natürlich. Das sollte doch eine bekannte Route für dich sein."

Seine Worte trafen ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Baekhyun verlor das Gleichgewicht, als seine Knie weich wurden und landete auf dem Hintern. Völlige Fassungslosigkeit stand ihm im Gesicht geschrieben. „W-was? Aber wieso, du...du konntest doch nicht..."

„Ich hatte einen Komplizen", erklärte Jongin zufrieden. „Du dachtest doch nicht wirklich, dass ein einziger Engel es schaffen würde, den Himmel einzunehmen."

Doch. Genau das hatte Baekhyun angenommen.

„Aber...aber Sehun, du bist Junmyeons Auszubildender!"

„Das war nur eine Farce", antwortete Sehun achselzuckend. „Junmyeon wurde für uns zu einem Problem, also mussten wir etwas unternehmen."

„Was?"

Jongin durchschritt den Raum, bis er wieder direkt vor Baekhyun stand und auf ihn hinabsehen konnte. Kyungsoo wankte noch immer in ihre Richtung, aber aufgrund eines Handwinks von Jongin blieb er an Ort und Stelle stehen und beugte sich nur angriffsbereit nach vorne. „Es gab ein paar Komplikationen in meinem Versuch den Himmel zu einem besseren Ort zu machen."

„Einen besseren Ort", wiederholte Baekhyun ratlos. Das war die größte Lüge, die jemals jemand ausgesprochen hatte.

„Ganz Recht und Junmyeon war eines davon. Er war...ein wenig nachtragend weil ich seinen Geliebten verführt habe." Jongin entließ ein schnaubendes Lachen bei der Erinnerung. „Dabei war Kris nur mein erstes Versuchskaninchen. Man kann so wundervolle Dinge mit sogar den unwichtigsten Schriften des Palodiums anstellen, so ausgesprochen kreative Dinge. Was ich damals zu Gesicht bekam, war eine Methode um das Gefühl der wahren Liebe zwischen Engeln zu fälschen. Kris hat super darauf angeschlagen." Baekhyun starrte Jongin fassungslos an. Wenn Kris manipuliert worden war...und zwar mit den Palodiumsschriften, die schreckliche Dinge, wie beispielsweise Zombie-Erzengel, erschaffen konnten, dann war Kris all die Zeit nicht schuld an seinem Fall gewesen. Und er war nicht von Jongin ‚verführt' sondern ‚manipuliert' worden...Er war unschuldig gefallen. Baekhyun schluckte schwer hinunter.

„Nun, damit hatte ich Junmyeon auf meiner dunklen Seite und Chanyeol kam auf die blendende Idee der Wiedergeburten." Er verdrehte die Augen. „Es war unerlässlich, dass ich mir einen Gehilfen für die Vollstreckung meine Pläne besorgte. So traf ich zwischen zwei Wiedergeburten auf Sehun."

Sehun war lautlos durch den Raum geschritten um sich an Jongins Seite zu stellen. Baekhyun wollte es noch immer nicht wahrhaben.

„Sehun war der richtigen Ansicht, dass meine Pläne für alle nur das Beste darstellen würden und schloss sich mir an." Baekhyun hatte von Jungkook und Hoseok gelernt, dass Dunkle Auren sich nicht nur von der Dunkelheit innerhalb von Leuten ‚ernährten' sondern ihre persönliche Dunkelheit auch weiter entfachen könnten. Dass Menschen in ihrer eigenen Dunkelheit versanken wenn sie in ihre Nähe kamen...aber Sehun war ein Engel und damit befreit von Gefühlen und- Baekhyun verzog das Gesicht. Falsch, ihre Gefühle blieben vorhanden, sie wurden nur in den Hintergrund ihres Bewusstseins gedrängt und ‚vergessen'. Menschen ließen beim Tod ihre Dunkelheit auf der Erde zurück, aber wenn die Gefühle weiter existierten, dann musste damit einhergehend auch neue Dunkelheit entstehen können. Und ‚mächtige' Engel. Engel, die sich unterschieden und in höhere Positionen aufstiegen, zeichnete sich zumeist damit aus, dass sie sich ihrer Gefühle gewahr waren. Sehun war ein junger Engel gewesen, als Junmyeon ihn zu sich genommen hatte...wie viele seiner Gefühle waren ihm schon wieder Bewusst gewesen und wie viel Dunkelheit konnte Jongin in ihm platzieren um ihm zu solchen Handlungen zu bewegen?

Baekhyun schluckte schwer. Jongin war eine Verlorene Seele, die zu einer Dunklen Aura mutiert war...das machte ihn zu der stärksten Art von Dunklen Aura und damit unglaublich mächtig. Er sollte sich nicht wundern, dass so ein Wesen es geschafft hatte, die Dunkelheit in einem jungen, vielversprechenden Engel anzufachen.

Dennoch, das machte die Sache kein Stück besser.

„Sehun an meiner Seite zu wissen, war ein großer Vorteil", setzte Jongin fort. „Das Problem blieb jedoch Junmyeon. Meine Pläne zwischen Wiedergeburten durchzuführen war bereits nervig genug, aber einen Engel der Schriften, der mir ständig auf die Finger schaute, war noch ein weitaus größeres Hindernis. Sehun ist ein talentierter Engel und mit seiner natürlichen Begabung und ein wenig vorgeheucheltem Interesse seinerseits, war es nicht weiter schwer ihn in Junmyeons Obhut zu geben. Jetzt hatte ich einen Gefährten, der die Schriften studierte und gleichzeitig ein Auge auf meinen größten Kritiker warf." Jongin sah höchst zufrieden aus. An Hinterlist war sein Plan bestimmt auch ein großartiges Werk, aber Baekhyun konnte nichts weiter als tiefe Überraschung empfinden. „Aber Junmyeon – mir immer wieder ein Dorn im Auge - sollte mir noch weitere Probleme bereiten. Es stand schon lange zur Debatte und ich wusste, viel Zeit würde mir nicht mehr bleiben, bis man ihn zu einem Erzengel ernennen würde. Gerade der Engel, der abgrundtiefen Hass für mich empfand sollte Zugang zur der größten Macht bekommen und eventuell auch noch Untersuchungen gegen mich beginnen...Das musste ich natürlich verhindern, bevor er meinem Plan in die Quere kam, aber dafür fehlte mir die Zeit..."

„Und hier kommst du ins Spiel", sagte Sehun gutgelaunt an Baekhyun gerichtet.

„Was? Ich?"

„Ganz Recht. Wir mussten einen Grund finden um Junmyeons Ernennung zum Erzengel aufzuschieben, also mussten wir mit einem Plan aufkommen." Baekhyun konnte nicht folgen, inwiefern er mit der Sache zu tun hatte. „Jongin manipulierte die Schriften, die sich in Junmyeons Obhut befanden, bevor er und Chanyeol wiedergeboren wurden. Uns war Bewusst, dass Junmyeon keinen Blick mehr auf die Schriften werfen würde und immerhin war ich es, der sie studieren musste. Dann wartete ich auf die perfekte Gelegenheit."

„Eine Gelegenheit...wofür?"

„Nur Geduld. Es kam wie Jongin und ich vorausgesehen hatten. Junmyeon wurde ins Palodium gerufen um seine Benennung zum Erzengel zu vollführen und im perfekten Augenblick kamst du in Junmyeons Büro gestolpert mit der Bitte wiedergeboren zu werden. Du hast uns absolut perfekt in die Hände gespielt Baekhyun. Niemals hätte ich gedacht, dass der Zufall uns so wohlwollend entgegen sehen würde. Aber da warst du und ich musste nur noch ein Verbrechen begehen."

„Wieso? Ich verstehe es nicht? Wieso solltest du...?"

„Für die Verhandlung. Du musst wissen, solche Prozesse können sich Jahrhundertelang in die Länge ziehen und so wie wir Junmyeon kannten, wussten wir, dass er nicht zu einem Erzengel werden würde, bevor über mein Schicksal geurteilt wurde. Das würde sein Verantwortungsbewusstsein niemals zulassen. Erschwerend für meine Richter war, dass die Schriften in Junmyeons Besitzt offensichtlich manipuliert worden waren – jedoch weder von mir, noch von Junmyeon, das konnte bewiesen werden. Ich war also weder schuldig, noch komplett von Schuld befreit, daher ließ man mich in den Kerker bringen und auf den nächsten Prozess warten."

„Und das gab mir genug Zeit um meinen Plan zu vollenden", beendete Jongin mit einem triumphierenden Ausdruck auf dem Gesicht. „Es ist alles perfekt aufgegangen." Er rümpfte plötzlich die Nase. „Bis auf den Umstand, dass du ausgerechnet in Chanyeols Nähe fallen musstest. Das war mehr als ungeschickt."

„Aber noch eine Sache, die mich interessieren würde Baekhyun: Wie zur Hölle hast du es geschafft zu einem Erzengel zu werden? Ich war wirklich schockiert, als ich Jongdae und dich vor der Zelle vorfand. Ich dachte, Jongin wäre..." Sein Gesicht zeigte unerwartet zärtliche Sorge, als er zu Jongin sah. Er schüttelte die Empfindung ab. „Aber als du meintest du wüsstest nicht, wie du deine Fähigkeiten als Erzengel einsetzen kannst, wusste ich was los war."

Baekhyun erinnerte sich an den lockeren Tonfall, als Sehun ihm vorgeschlagen hatte, dass er doch, anstelle von Junmyeon, seine Wiedergeburt übernehmen könnte. Keine Sekunde lang hatte Baekhyun geglaubt, dass es mehr als ein Versehen gewesen sein könnte...und auch eben in der Zelle! Seine ehrliche Ahnungslosigkeit, seine Verzweiflung rausgelassen zu werden, seine Frage nach Junmyeon und was mit dem Himmel geschehen war, seine Sorge um Baekhyun...was das wirklich alles nur gespielt? Eine perfekte Rolle, die Sehun bis ins kleinste Detail perfektioniert hatte? Die er selbst in diesem Moment noch lückenlos vollführen konnte?

Baekhyun riss die Augen auf. „Die Zelle! Wieso hat Jongin dich nicht befreit, sobald er den Himmel unter seine Führung gebracht hatte?"

Sehun runzelte die Stirn. „Der richtige...Moment war noch nicht gekommen."

Jongins Blick verfinsterte sich. „So ist es."

Daran glaubte Baekhyun keine Sekunde lang. „Er wollte dich gar nicht rauslassen. Er wollte dich einfach in der Zelle zurücklassen! Sehun, er manipuliert dich doch nur, er ist eine Dunkel Aura. Ein mieser Dreckskerl zu sein ist sein verdammtes Spezialgebiet."

Sehun schüttelte entschieden den Kopf. „Das würde er nicht tun. Wir sind Partner. Ich habe Jongin immer geholfen, ihm immer unterstützt! ICH war es sogar, der ihm gesagt hat, wo sich die mächtigsten aller Palodiumsschriften befinden, als ich mit Junmyeon hier gewesen bin. Ich habe alles für ihn getan, er würde mich nicht so einfach hintergehen. Missachte unsere Verbindung nicht so gedankenlos", zischte Sehun wütend.

Baekhyun jedoch war sich absolut sicher, dass Jongin Sehun immer nur für seine Zwecke ausgenutzt hatte. Um Junmyeon zu beschatten und von ihm zu lernen – über die Schriften selbst und auch über die Palodiumsschriften und wo er sie finden würde, wahrscheinlich auch über das gesamte Regelwerk des Himmels - natürlich, wie sonst auch sollte er an all seine Informationen gekommen sein, wenn ihm zwischen zwei Widergeburten immer nur ein begrenzter Zeitraum im Himmel blieb – und schließlich auch um Junmyeon loszuwerden und seinen Plan in die Tat umzusetzen. Jongin hatte alles perfekt durchdacht und wie eine giftige Kobraschlange im rechten Moment zugeschnappt. Und Sehun hätte er auf ewig in seiner Zelle verrotten lassen. Natürlich, er hatte nicht vergessen ihn mit den anderen Engeln auf die Erde zu schicken. Er hatte es einfach niemals vorgehabt...Aber Sehun war natürlich zu blind, um diese Informationen aufnehmen zu können.

Baekhyuns Plan, mithilfe von Sehun die Himmelstore zu öffnen, war also von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Das war zwar ein bekanntes Muster, aber...es brannte dennoch. Vor allem, was war mit Jongdae geschehen? War er wirklich auf die Erde verbannt worden? Hatte Sehun tatsächlich noch die Macht dazu gehabt ihn zu verbannen? Und wenn ja, was war nun mit ihm? Hatten die Erzengel ihn bereits aufgespürt? So ganz alleine, verletzt und hilflos nach seinem Fall...und Baekhyun konnte hier oben nichts für ihn tun.

„Kyungsoo", sagte Jongin, nachdem einen Moment lang Still geherrscht hatte. Stille, in der Jongin sich in Baekhyuns Ratlosigkeit ergötzt hatte. „Reißen wir diesem erbärmlichen Engel hier seine grauen Flügel aus dem Rücken, bevor er noch mehr Unheil anstellt. Es wird Zeit."

Baekhyun hätte gekämpft wenn das noch einen Unterschied gemacht hätte. Er befand sich zwei Engeln gegenüber – einer davon ein Engel der Schriften und der andere sogar im Besitz der Palodiumsschriften und natürlich wäre hier außerdem noch ein Erzengel. Wenn sie Baekhyun auch nur einen Moment lang ernst genommen hätten, dann hätte Jongin ihn längst in Ketten gelegt, aber das war nicht der Fall. Hölle auch, Baekhyun konnte ihnen gar nicht verübeln, dass sie ihn nicht ernst nahmen...

Kyungsoo kam wankend vor ihm zu stehen, bevor er in die Hocke ging. Jongins höhnisch grinsendes Gesicht verschwand aus Baekhyuns Blickfeld als Kyungsoo sich über ihn beugte und mit der Hand nach seinem Rücken griff. Baekhyun fiel zurück, direkt auf seine Flügel drauf und war drauf und dran sie zu schließen – auch wenn es höllenschmerzen wären einen abgestorbenen Flügel zu verstecken – als er etwas bemerkte.

Kyungsoo drückte seine Schultern hinunter auf den Boden, aber in seinem Griff war keine Stärke. Baekhyun blickte ihm in den Augen und fand einen Funken Leben in ihnen! Nur ein winziger Punkt Klarheit in einem Sumpf aus Leere.

„Kyungsoo?", formte er lautlos mit den Lippen.

Kyungsoo über ihm schüttelte kaum merklich mit dem Kopf. „Deine Flügel", hauchte er.

Baekhyun riss die Augen auf. Das ‚was?' stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.

„Die Macht jedes Engels liegt in seinen Flügeln", flüsterte Kyungsoo. „Denk nach Baekhyun. Beeil dich." Und der Funken Klarheit erlosch in seinen Augen. Seine Handflächen drückten seine Schultern plötzlich heftiger in den Boden hinein.

Hatte Baekhyun sich das eben...nur eingebildet? Aber wenn nicht, was zum Teufel war das? Und was sollte das bedeuten?

Baekhyun blickte zur Seite, wo sein linker Flügel grotesk abstand. Toter Ballast. Seine Augen wanderten weiter über den Boden, wo kleine graue Federn auf dem Boden verteilt lagen.

‚Die Macht jedes Engels liegt in seinen Flügeln', hatte er gerade gesagt und auch Jongin hatte vorhin so etwas Ähnliches zu ihm gesagt: ‚Weißt du, kleiner, Gefallener Engel, was das stärkste Attribut eines Engels ist? Wo alle Stärke und Macht entspringt?' – ‚Es sind die Flügel', hatte er gesagt und auch eben erst wieder: ‚Reißen wir diesem erbärmlichen Engel hier seine grauen Flügel aus dem Rücken, bevor er noch mehr Unheil anstellt.'

Was hatte das zu bedeuten...

Baekhyun schrie auf, als gleißender Schmerz durch seine Schultern fuhr. Kyungsoos Hände strahlten und drückten mit blendender Macht auf seine Schultern hinunter.

Baekhyun hatte seine Flügel immer beschützt, weil er gedacht hatte, dass sie ihn als Engel ausmachten, aber sie waren auch so viel mehr für ihn...Er dachte an die prächtigen weißen Flügel der Erzengel und hatte plötzlich einen wahninniges Gedanken.

Er konnte sich nicht bewegen, weil Kyungsoo noch immer versuchte mit seiner Macht durch seine Arme zu Schmelzen, aber seine Federn lagen überall verteilt...Baekhyuns Finger zuckten neben seinem Körper. Er tastete den Boden blind ab, während Tränen seine Wangen hinunterliefen.

Am Rande der Ohnmacht spürte er plötzlich sanfte Weichheit unter seinen Fingerspitzen. Eine seiner Federn. Es war ein verrückter Gedanke, der sich in seinem Inneren manifestiert hatte, aber Baekhyun...Baekhyun wünschte sich wirklich so sehr, dass er dieses eine Mal nicht falsch lag.

Er schloss die Augen und konzentrierte sich auf die Feder unter seinen Fingerspitzen und beschwor dann ein Gefühl von Wärme auf...Sehun hatte ihn belogen, es brauchte keine extra Schriften für Erzengel, denn auch Kyungsoo und all die anderen falschen Erzengel hatten nie mit irgendwelchen Schriften zu tun gehabt. Sie hatten ihre Macht nur aktivieren müssen und zwar dort wo sie ihren Ursprung hatte. In ihren Flügeln.

Baekhyuns Macht fand zu ihm, wie ein Stern, der in seiner Brust versank und explodierte.

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Ok, jetzt war das aber auch wirklich die letzte Überraschung, die ich noch auf Lager hatte ^^

Ach ja, Fallen erinnert mich in vielerlei Hinsicht an Königlich Verliebt und damit meine ich nicht inhaltlich, sondern einfach von dem Gefühl, dass ich beim Schreiben von KV hatte? Wenn langsam alles zueinander findet usw....

Das Kpaitel konnte auch endlich mal wieder auf einer etwas positiveren Note beendet werden. Engentlich hatte ich gehofft die ganze Action mit diesem Kapitel zu beenden, aber das wäre dann doch noch zu lange für ein Kapitel geworden. Das nächste Kapitel entscheidet also über das Schicksal des Himmels :) (und über das Schicksal von allen anderen). Ich hoffe ihr seid gespannt darauf und noch nicht zu genervt von der Geschichte :> Ich weiß, das ich das Ende immer in unmögliche Weiten ausdehne, aber nur weil ich mich immer wirklich schwer mit einem Ende tue. :'D Aber wir sind fast da. Maximal zwei Kapitel noch. :)

Viele liebe Grüße ^^
Cherry

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